Am 29. Juni 2018 ist auf der Website des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung die Tierversuchsstatistik 2017 als pdf-Datei publiziert worden, die die Daten der im Jahre 2017 in Österreich „verbrauchten“ Versuchstiere enthält.
Aufgrund der derzeit gültigen Tierversuchsstatistik-Verordnung (TVSV 2013) wurde dem Ministerium von den zuständigen Behörden für das Jahr 2017 die Verwendung von insgesamt 264.071 Versuchstieren gemeldet. Das sind um 27.612 Tiere bzw. 11,7 % mehr als im Vorjahr.

 

 Völlig intransparente Aufbereitung der Daten für die Öffentlichkeit

Die Publikation besteht aus 13 Seiten und entspricht – wie schon die Tierversuchsstatistiken 2013, 2014, 2015 und 2016 - keinesfalls den in der Anlage der TVSV 2013 formal eindeutig vorgegebenen Tabellen 1 bis 8 mit den entsprechenden Zusammenfassungen, Aufschlüsselungen und Datenkategorien, die folgendermaßen definiert sind:

  • "Tierart" (Tabelle 2),
  • „Erneute Verwendung“ (Tabelle 3),

  • „Geburtsort“ (Tabelle 4),

  • „Genetischer Status“ (Tabelle 5),

  • „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“ (Tabelle 6),

  • „Schweregrad“ (Tabelle 7),

  • „Verwendungszwecke“ (Tabelle 8),

  • „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3a) und

  • „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3b).

 

Die veröffentlichte Tierversuchsstatistik 2017 beinhaltet wie schon die vier Vorgängerstatistiken bloß eine tabellarische Zusammenfassung der „Tiere nach Schweregraden“ (aus der sich auch die insgesamt verwendeten Tiere/Tierarten ergeben), der „Tiere nach genetischem Status“ und der „Tiere nach Versuchszweck“.
Gänzlich fehlen die Zusammenfassungen der Versuchstierdaten nach „Erneute Verwendung“, „Geburtsort“ (nach vier Herkunftsarten aufgeschlüsselt), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“, „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den in der TVSV 2013 angeführten zehn angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den drei in der TVSV 2013 angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt).

 

Bei der „Gesamttabelle“ (Seite 6 – 11) handelt es sich um eine bloße Aneinanderreihung von Daten, die nicht gezielt abgefragt werden können (z.B. wie viele Tiere aufgeschlüsselt nach der Art erneut für Versuche verwendet wurden), weshalb ihre Aussagekraft völlig wertlos ist.
Es ist zwar möglich (mit der Such- und Zoomfunktion und unter Zuhilfenahme der auf Seite 12f. angeführten Kennziffern) aus dieser Auflistung einzelne Daten händisch herauszufiltern und zusammenzufassen, etwa die Anzahl und Art der erneut verwendeten Tiere, die Einschränkung auf diese antiquierte Arbeitsweise ist und bleibt im EDV-Zeitalter eine echte Zumutung.

 

Die „Gesamttabelle“ lässt sich zwar ausdrucken, aber selbst bei einem Ausdruck auf A3-Format bleibt die Schrift noch immer so klein, dass sie nicht lesbar ist. Erst bei einem Ausdruck auf Plakatgröße (A2 oder zielführender A1) wird die „Gesamttabelle“ entzifferbar. Sie ist aber trotzdem noch immer nicht verwendbar, weil der Text in den Unterkategorien sehr oft nur verstümmelt in den Spalten sicht- bzw. erahnbar ist.

 

Wegen dieser eklatanten Mängel haben wir schon im Jahre 2014 eine parlamentarische Anfrage an den Wissenschaftsminister initiiert. In deren Beantwortung wurde bestätigt, dass „in der veröffentlichten Tierversuchsstatistik die vollständigen Datensätze ungefiltert enthalten sind“, dass jedoch „auf europäischer Ebene eine Softwarelösung vorbereitet (wird)“, die „im Jahr 2015 verfügbar sein (wird)“, „welche ein Abfragen der veröffentlichten Daten in jeder beliebigen Aufschlüsselung ermöglichen wird.“

 

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2018 und die in der „Gesamttabelle“ lediglich aneinandergereihten Daten der Tierversuchsstatistik lassen sich – nun schon zum fünften Mal – weder zusammenfassen noch aufschlüsseln, wodurch die Statistik ihren Sinn und Zweck gänzlich verfehlt. Dieser Datenmissstand widerspricht völlig der Vorgabe der EU-Tierversuchsrichtlinie, die ausdrücklich „Transparenz“ verlangt.
Auch erscheint uns das Warten auf eine EU-Softwarelösung als bloße Ausrede, da bis zum Jahre 2013 eine Aufschlüsselung und tabellarische Zusammenfassung aller österreichischen Tierversuchsdaten problemlos möglich war. (Siehe unter „Tierversuche-Statistik-Österreich“ unsere Statistikanalysen zu den Jahren 2000 bis 2012.)

 

 

Detaillierte Jahresvergleiche erst ab 1.1.2014 sinnvoll

 

Aufgrund der am 1.1.2014 in Kraft getretenen Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013) mit etlichen neuen Bestimmungen (z.B. werden inzwischen auch Eingriffe an Kopffüßern als Tierversuche eingestuft, weshalb sie dementsprechend auch statistisch erfasst werden müssen) sowie abgewandelter und gänzlich neuer Datenkategorien (z.B. bei der Datenkategorie „Verwendungszwecke“ mit ihren Unterkategorien) ist ein  d e t a i l l i e r t e r  Vergleich der Daten mit den vorherigen jährlich publizierten Tierversuchsstatistik-Daten (bis einschließlich 2012) nicht mehr sinnvoll, weshalb wir  d e t a i l l i e r t e  Vergleiche ab der Tierversuchsstatistik 2013 vornehmen.

 

 

Erst wenn der Versuch endet, wird das Versuchstier statistisch erfasst

 

Bei der Analyse der Statistik ist zu beachten, dass nicht alle Versuchstiere, die im betreffenden Kalenderjahr Experimenten unterzogen wurden, in der Statistik berücksichtigt werden. Es werden gemäß § 3 (1) der TVSV 2013 nur jene Versuchstiere erfasst, für die der Versuch in dem betreffenden Kalenderjahr auch (meist tödlich) endet. Diese Bestimmung betrifft Tierversuchsstudien, die sich über mehrere Kalenderjahre erstrecken.

 

 

Viele Gruppen von Versuchstieren werden statistisch gar nicht erfasst

  

  •  Nach wie vor gilt die Tötung von Versuchstieren zur Entnahme von Organen und Gewebe nicht als Tierversuch und wird somit auch nicht statistisch berücksichtigt.
  • Obwohl Eingriffe an „Föten von Säugetieren ab dem letzten Drittel ihrer normalen Entwicklung“ nun auch als Tierversuche bewertet werden, müssen Föten und Embryonen von Säugetieren (also noch nicht geborene Tiere) nicht in die Statistik aufgenommen werden.

  • Auch die Tötung überzähliger Versuchstiere und genetisch nicht veränderter Nachkommen werden statistisch nicht erfasst.

  • Ebenso wenig finden sogenannte Sentinel-Tiere (das sind sog. Anzeigertiere, die in Bestände eingesetzt werden, um festzustellen, ob darin Infektionserreger vorhanden sind) Eingang in die Tierversuchsstatistik.

  • Bei Eingriffen an Labortieren, bei denen der Experimentator erwartet, dass diese keine Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden verursachen, handelt es sich laut gesetzlicher Definition um keine Tierversuche, die somit weder genehmigt noch statistisch ausgewiesen werden müssen.

     

     

    TIERVERSUCHSSTATISTIK 2017

     

    Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2017 die Verwendung von insgesamt 264.071 Versuchstieren gemeldet. Das sind um 27.612 Tiere bzw. 11,7 % mehr als im Vorjahr.

     

 

 

2013

2014

2015

2016

Anzahl der Versuchstiere

208.559

209.183

227.317

236.459

Zunahme im Vergleich zum Vorjahr

 

+ 624 =
+ 0,3 %

+ 18.134 =
+ 8,7 %

+ 9.142 =
+ 4,0 %

  

 

2017

Anzahl der Versuchstiere

264.071

Zunahme im Vergleich zum Vorjahr

+ 27.612 =

+ 11,7 %

 

Mit diesen Zuwächsen und Steigerungsraten wir von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere weit entfernt.
Durch die Steigerung des Verbrauchs auf 264.071 Versuchstiere fallen wir beinahe ein Vierteljahrhundert im Kampf gegen die Tierversuche zurück: Denn eine so hohe Anzahl von Versuchstieren hatte Österreich zuletzt im Jahre 1994 zu verzeichnen. Ab 1992 begann die Anzahl der Versuchstiere bis 1999 kontinuierlich zu sinken, während ab dem Jahr 2000 eine etappenweise Zunahme zu verzeichnen ist. Auf diese verheerende Entwicklung haben wir immer wieder hingewiesen haben. Sie zeigt einmal mehr, dass die Politik hier restlos versagt hat und völlig neue Strategien eingeschlagen werden müssen.

 

TIERART (Tabelle 2 laut Anlage der TVSV 2013)

 

Von den in der Datenkategorie „Tierart“ angeführten insgesamt 36 Tierarten wurden in Österreich 21 Tierarten verwendet.
(2016: 20; 2015: 20; 2014: 21; 2013: 18)

 

 

  Mäuse

  Ratten

  Meerschweinchen

  Goldhamster

 Andere Nager

 Kaninchen

2013

176.124

6.074

2.204

 

 

18.406

2014

174.934

5.682

652

836

135

8.176

2015

187.413

5.162

1.858

602

99

15.910

2016

191.896

6.344

1.785

277

276

14.684

2017

212.913

6.038

1.154

8

998

10.388

  

 

Katzen

Hunde

Pferde, Esel und
Kreuzungen

Schweine

Ziegen

Schafe

Rinder

Andere
Säugetiere

2013

39

131

88

1.100

14

134

439

24

2014

29

66

176

3.589

12

235

273

465

2015

34

111

94

1.762

7

115

632

515

2016

12

177

43

4.901

2

423

386

150

2017

61

203

521

2.040

22

149

908

102

  

 

Haushühner

Andere Vögel

Krallenfrösche

Andere Amphibien

Frösche

Mongolische
Rennmäuse

2013

609

401

143

 

166

 

2014

2.127

956

80

739

191

 

2015

1.623

465

121

616

0

 

2016

3.307

1.208

148

4

0

 

2017

3.895

1.819

972

912

0

41

  

 

Zebrafische

Andere Fische

Gesamt

2013

1.478

985

208.559

2014

8.574

1.256

209.183

2015

9.411

767

227.317

2016

7.960

2.476

236.459

2017

16.297

4.630

264.071

 

Mäuse stellen mit 80,6 % nach wie vor die am häufigsten verwendete Tierart dar.
(2016: 81,2 %; 2015: 82,4 %; 2014: 83,6 %; 2013: 84,4 %)

An zweiter Stelle befinden sich diesmal Zebrafische mit 6,2 %.
(2016: 3,4% an dritter Stelle; 2015: mit 4,1 % an dritter Stelle; 2014: mit 4,1 % an zweiter Stelle)

An dritter Stelle rangieren Kaninchen mit 3,9 %.
(2016: 6,2 % an zweiter Stelle; 2015: mit 7 % an zweiter Stelle; 2014: mit 3,9% an dritter Stelle)
 
Diesen drei Tierarten folgen in absteigender Reihenfolge:
Ratten, Andere Fische, Haushühner, Schweine, Andere Vögel, Meerschweinchen, Andere Nager, Krallenfrösche, Andere Amphibien, Rinder, Pferde/Esel/Kreuzungen, Hunde, Schafe, Andere Säugetiere, Katzen, Mongolische Rennmäuse, Ziegen und Goldhamster. 

Zunahmen gab es – in absteigender Reihenfolge – bei folgenden Tierarten:
Mäuse, Zebrafische, Andere Fische, Haushühner, Andere Vögel, Andere Nager, Krallenfrösche, Andere Amphibien, Rinder, Pferde/Esel/Kreuzungen, Hunde, Katzen, Mongolische Rennmäuse und Ziegen.
Es fällt die extrem hohe Zunahme bei den Mäusen (+ 21.017) und bei den Zebrafischen (+ 8.337) auf, die auch für die Gesamtzunahme ausschlaggebend ist.

(Im Jahre 2016 dürfte die Zunahme bei Mäusen, Schweinen, Anderen Fische, Haushühner, Andere Vögel und Ratten für die Gesamtzunahme ausschlaggebend gewesen sein.
Im Jahre
2015 war die starke Zunahme bei den Mäusen (+ 12.479) und Kaninchen (+ 7.734) markant, die auch für die gesamte Zunahme ausschlaggebend gewesen sein dürften.)
  

Abnahmen gab es – an absteigender Reihenfolge – bei folgenden Tierarten:
Kaninchen, Ratten, Schweine, Meerschweinchen, Schafe, Andere Säugetiere und Goldhamster.

Die Verwendung von Mongolischen Rennmäusen ist neu, ansonsten sind im Vergleich zum Vorjahr die verwendeten Tierarten gleich geblieben.
Auch diesmal wurden keine Frösche verwendet. Ebenso wurden keine Eingriffe (wie schon in den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 davor) an Affen oder an Kopffüßern (die im Jahre 2013 als Tierart neu hinzugekommen sind) durchgeführt.

 

Trotz validierter vollwertiger Ersatzmethode werden weiterhin Tiere als Messgeräte missbraucht

Von den insgesamt 10.388 Kaninchen wurden 9.125 zu Pyrogentests herangezogen, wobei bei 6.461 Tieren die Belastung mit „gering“ eingestuft wurde. Bei 2.664 Tieren wurde die Belastung mit „mittel“ angegeben.(Im Jahre 2016 wurden 13.157 Kaninchen für Pyrogentests verwendet, wobei bei 8.973 Tieren die Belastung mit „gering“ eingestuft wurde. Bei 4.184 Tieren wurde die Belastung mit „mittel“ angegeben. Im Jahre 2015 wurden 14.794 Kaninchen für Pyrogentests eingesetzt.)

Beim Pyrogentest handelt es sich um einen gesetzlich vorgeschriebenen Test zur Qualitätskontrolle von injizierbaren Arzneimitteln auf das Vorhandensein von pyrogenen (= fieberauslösenden) Stoffen.
Allerdings ist die Verwendung von Kaninchen zur Feststellung von Pyrogenen nicht mehr zu rechtfertigen, da es neben der alternativen LAL-Methode (für die jedoch gleichfalls Tiere, nämlich Pfeilschwanzkrebse, verwendet werden) eine vollwertige, von ECVAM (= das 1991 von der Europäischen Kommission gegründete Europäische Zentrum für die Validierung von Alternativmethoden) validierte Ersatzmethode gibt, nämlich den In-vitro-Pyrogen-Test (IPT), der auf menschlichem Vollblut basiert. Auch wurde der IPT-Test als Prüfmethode ins Europäische Arzneibuch 2010 aufgenommen.

Die gängige Praxis, weiterhin an Kaninchen Pyrogentests durchzuführen, ist ein weiteres Beispiel für das völlige Versagen der verantwortlichen Stellen. Zum einen müsste der Gesetzgeber einen Test mit Tieren, für den es einen vollwertigen Ersatz gibt, umgehend und dezidiert verbieten, was aber nicht der Fall ist (wir aber vehement einfordern). Und da es kein ausdrückliches Verbot des zu ersetzenden Tests an Tieren gibt, sehen sich die ausführenden Stellen ganz offensichtlich nicht ausreichend motiviert, auf die anerkannte Ersatzmethode umzustellen (die eventuell noch für das spezielle, zu prüfende Produkt zu validieren ist).
Und so müssen – wie im vorliegenden Fall – 9.125 Tiere – abermals und unnötiger Weise leiden und sterben. Wo bleibt da die immer wieder beschworene ethische Verantwortung jener Personen, die diese Tierversuche gesetzlich erlauben, behördlich genehmigen bzw. schließlich in den Laboren durchführen?

  

ERNEUTE VERWENDUNG (Tabelle 3 laut Anlage der TVSV 2013)

 

Tiere, die schon für Versuche verwendet worden sind, können unter bestimmten Voraussetzungen (die in § 9 TVG 2012 genau definiert sind) erneut verwendet werden.

Das Ministerium hat die Daten der erneut verwendeten Tiere nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

  

GEBURTSORT (Tabelle 4 laut Anlage der TVSV 2013)

 

Auch die Daten zur Herkunft der Tiere, aufgeschlüsselt nach vier Herkunftsarten*, hat das Ministerium nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

*Aufschlüsselung nach:
In der EU, in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
in der EU, jedoch nicht in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
im restlichen Europa geborene Tiere,
in der restlichen Welt geborene Tiere.

Falls nichtmenschliche Primaten verwendet werden (was laut Tierversuchsstatistik 2013, 2014, 2015, 2016 und 2017 in Österreich nicht der Fall war) wären folgende zwei Aufschlüsselungen  erforderlich:

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – BEZUGSQUELLE (Tabelle 4a laut Anlage der TVSV 2013, wobei sechs Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – GENERATION (Tabelle 4b laut Anlage der TVSV 2013, wobei vier Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

  

GENETISCHER STATUS (Tabelle 5 laut Anlage der TVSV 2013)

 

Von den gesamten Versuchstieren wurden 118.140 Tiere, das sind 44,7 %, genetisch verändert, sodass diese nun beinahe die Hälfte ausmachen. (2016: 41,4 %; 2015: 40,2 %; 2014: 38 %; 2013: 28,4)
  

Der größte Teil davon, nämlich 82.509, das sind 69,8 %, ohne pathologischen Phänotyp. (2016: 82,1 %; 2015: 80,1%; 2014: 81,2 %; 2013: 86,2 %) und

35.631, das sind 30,2 %, mit pathologischem Phänotyp. (2016: 17,9 %; 2015: 19,9 %; 2014: 18,8 %; 2013: 13,8%)

 Bei den genetisch veränderten Tieren handelt es sich im Jahr 2017 um Mäuse, Ratten, Kaninchen, Krallenfrösche, Andere Amphibien, Zebrafische und Andere Fische.
(2016: Mäuse, Ratten, Zebrafische und Andere Fische; 2015: Mäuse, Ratten und Zebrafische; 2014: Mäuse, Ratten, Zebrafische und Kaninchen; 2013: Mäuse, Ratten und Zebrafische)

Genetisch nicht verändert wurden 145.931 Tiere, das sind 55,3 % von den Gesamttieren.
(2016: 58,6%; 2015: 59,8 %; 2014: 62 %; 2013: 71,6 %) 

Hier lässt sich weiterhin eine eindeutige Tendenz in Richtung Zunahme genetisch veränderter Tiere ausmachen.

 

SCHAFFUNG EINER NEUEN GENETISCH VERÄNDERTEN LINIE
(Tabelle 6 laut Anlage der TVSV 2013)

 
Das Ministerium hat die Daten zur Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

 

SCHWEREGRAD (Tabelle 7 laut Anlage der TVSV 2013)

 

Bei der Einteilung nach dem Schweregrad wird das Leiden der Versuchstiere am Ende des Versuches beurteilt und einer der vier möglichen Schweregrade-Kategorien zugeordnet. 

Demnach wurden die meisten Versuchstiere, nämlich 175.022 Tiere, das sind 66,3 %, dem Schweregrad „gering“ zugeordnet. Gegenüber dem Vorjahr ist eine Erhöhung um 11,3 % auszumachen.
(2016: 62,7 %; 2015: 60 %; 2014: 57,1 %; 2013: 58,6 %)
Hierbei handelt es sich um Eingriffe,
die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren kurzzeitig geringe Schmerzen, Leiden oder Ängste verursacht haben. Beispiel: Pharmakokinetische Studie, bei der eine einzige Dosis verabreicht wird und eine begrenzte Anzahl von Blutabnahmen durchgeführt wird.

62.516 Tiere, das sind 23,7 %, waren dem Schweregrad „mittel“ ausgesetzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr um 1,1 % weniger.
(2016: 27,5 %; 2015: 24,2 %; 2014: 30,1 %; 2013: 30,2 %)
Hierbei handelt es sich um Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition
bei den Tieren kurzzeitig mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende geringe Schmerzen verursachen. Beispiel: Organtransplantation mit wirksamer Behandlung der Abstoßung.

21.380 Tiere, das sind 8,1 %, wurden dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet. Dies macht eine Zunahme von 4.108 Tieren, das sind + 1,7 %, gegenüber dem Vorjahr aus.
(2016: 7,3 %; 2015: 11,9 %; 2014: 10,3 %; 2013: 2,9 %)
Hierbei handelt es sich um Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition
bei den Tieren starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste verursachen. Beispiel:
Elektroschocks, denen das Tier nicht entkommen kann, um z.B. erlernte Hilflosigkeit herbeizuführen.

Nachdem sich diese immens belastenden und ethisch heftig umstrittenen Experimente im Jahre 2016 reduziert haben, nachdem es in den Vergleichsjahren 2014 und 2015 zu enormen Anstiegen gekommen war, ist leider schon wieder eine Zunahme zu verzeichnen.
Zu bedenken ist auch, dass die Einteilung der Schweregrade von den Experimentatoren  s e l b e r  (!) vorgenommen wird.

Im Jahre 2017 waren von den äußerst schwer belastenden Versuchen folgende Tierarten betroffen: Mäuse, Ratten, Schweine, Haushühner, Andere Fische, Krallenfrösche und Andere Amphibien.

Der Kategorie „Keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“ wurden 5.153 Tiere, das sind 1,9 %, zugeordnet. Um 0,3 % weniger als im Vorjahr.
(2016: 2,5 %; 2015: 3,9 %; 2014: 2,4 %; 2013: 8,3 %)
Hierbei handelt es sich um
Tierversuche, die gänzlich unter Vollnarkose durchgeführt werden, aus der das Tier nicht mehr erwacht.

  

VERWENDUNGSZWECKE (Tabelle 8 laut Anlage der TVSV 2013)

 

Bei der Angabe des Verwendungszwecks stehen acht Möglichkeiten (siehe Punkt a - h) zur Verfügung, wobei etliche dieser acht Verwendungszwecke abermals in weitere Unterkategorien eingeteilt sind.

a) Grundlagenforschung (= Tab 8.1 - wobei diese wiederum in dreizehn Auswahlfelder unterteilt ist, z.B. Onkologie, Nervensystem, Atmungssystem etc.)

Für die Grundlagenforschung
wurden von den gesamten Versuchstieren 127.667, das sind 48,3 %, verbraucht. Dies bedeutet eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 24.062 Tiere, das sind 10,2 % mehr.
(2016: 43,8%; 2015: 39,3 %; 2014: 46,8 %; 2013: 28,7)

 

b) Translationale und angewandte Forschung (= Tab 8.2 - wobei siebzehn Auswahlfelder vorgegeben sind, z.B. Krankheitsdiagnose, Pflanzenkrankheiten etc.)

77.138 Tiere, das sind 29,2 %, wurden für die translationale und angewandte Forschung verwendet. Damit ist die Anzahl der Tiere gegenüber dem Vorjahr um 1,2 % gestiegen.
(2016: 31,4 %; 2015: 32,6 %; 2014: 24,5 %; 2013: 29,3 %)

 

Bei der translationalen Forschung handelt es sich um weiterführende, gezielte Grundlagenforschung an der Schnittstelle zur angewandten Forschung. Die angewandte Forschung strebt praxisrelevante, nützliche Ergebnisse an, während die Grundlagenforschung vom reinen Erkenntnisinteresse geleitet wird.

c) Verwendung zu regulatorischen Zwecken und Routineproduktion, nach Typen (= Tab 8.3 - mit vier weiteren Unterteilungen:
  

  • Qualitätskontrolle (einschließlich Chargenunbedenklichkeits- und -potenzprüfungen); = Tab 8.3.1 – mit vier weiteren Unterkategorien

  • Andere Wirksamkeits- und Toleranzprüfungen (hierfür ist keine Tabelle vorgesehen)

  • Routineproduktion, nach Produkttypen (EU: „Verwendung von Tieren zur regulierten Produktion, nach Produkttypen“); = Tab 8.3.2 – mit drei weiteren Unterkategorien.

  • Toxizitäts- und andere Unbedenklichkeitsprüfungen (EU: “einschließlich pharmakologischer Tests“), nach Prüfungstypen; = Tab 8.3.3 – mit siebzehn weiteren Unterkategorien. Davon weist

    • die Kategorie „Akute und subakute Toxizität - Testmethoden“ (EU: „Testmethoden zur Prüfung auf akute Toxizität (bei einmaliger Verabreichung) (einschließlich Limit-Test)“); (= Tab 8.3.3.1) drei weitere Unterkategorien auf.

    • Die Kategorie „Toxizität bei wiederholter Verabreichung/Applikation“ (= Tab 8.3.3.2) weist drei weitere Unterkategorien auf.

    • Die Kategorie „Ökotoxizität“ (= Tab 8.3.3.3) weist sechs weitere Unterkategorien auf.)

Zu regulatorischen Zwecken und für die Routineproduktion wurden 26.569 Versuchstiere, das sind 10,1 %, verwendet. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine Abnahme um 4,1 % dar.
(2016: 15,3 %; 2015: 14 %; 2014: 21,7 %; 2013: 30,6 %), verwendet.

 

PRÜFUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3a laut Anlage der TVSV 2013) mit zehn Auswahlmöglichkeiten.


Das Ministerium hat diese Daten nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

 

ANFORDERUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3b laut Anlage der TVSV 2013) mit drei Auswahlmöglichkeiten.


Das Ministerium hat diese Daten nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

 


d)
Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren

Zum Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren
wurden an 198 Tieren, das sind 0,07 %, Experimente durchgeführt.
(2016: 0,08 %; 2015: 0,2 %; 2014: 0,4 %; 2013: 0)



e) Erhaltung der Art

Eingriffe zur Erhaltung der Art wurden an 30 Tieren, das sind 0,01 %, vorgenommen.
(2016: 0,24 %; 2015: 0,03%; 2014: 0,4 %; 2013: 0)



f) Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten

Tierversuche im Rahmen der Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten wurden an 3.108 Tieren, das sind 1,2 %, durchgeführt. Die Anzahl hat sich gegenüber dem Vorjahr um 451 Tiere, das sind 0,2 %, erhöht.
(2016: 1,1 %; 2015: 0,8 %; 2014: 1,5 %; 2013: 1,8 %)



g) Forensische Untersuchungen

Für forensische Untersuchungen wurden wie schon in den Vorjahren 2013, 2014, 2015 und 2016 keine Eingriffe an Tieren vorgenommen.



h) Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet werden

Der Kategorie „Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet werden“ wurden 29.361 Tiere, das sind 11,1 %, zugeordnet. Gegenüber dem Vorjahr stellt dies eine Erhöhung um 10.456 Tiere, das sind 4,4 %, dar.
(2016: 8 %; 2015: 13%; 2014: 4,7 %; 2013: 9,5 %)

 

 

Siehe auch unter Wissenschaftliche Schande: Erneuter Anstieg der Tierversuche in Österreich