TierversuchsgegnerInnen warnen vor der Botox*-Faltenbehandlung, da diese mit großem Tierleid verbunden ist. Jede Produktionseinheit des hierfür verwendeten Botulinumtoxins A - der giftigsten derzeit bekannten Einzelsubstanz - wird in qualvollen Tierversuchen auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit überprüft.

Dabei wird der heftig umstrittene, weil sehr grausame LD-50-Test (wobei L für letale = tödliche und D für Dosis steht) eingesetzt, bei dem die Versuchstiere langsam und systematisch vergiftet werden, um schließlich dem qualvollen Erstickungstod zu erliegen.

Die Testsubstanz wird mehreren Gruppen von Mäusen - in verschiedenen Verdünnungen - in die Bauchhöhle gespritzt und dadurch jene Dosis ermittelt, nach deren einmaliger Verabreichung 50 Prozent der so behandelten Versuchstiere innerhalb von vier Tagen sterben.


Dieser Test ist für die Tiere mit fürchterlichen Leiden und Schmerzen verbunden. Die Tiere erleiden massive Muskellähmungen. Pro Produktionseinheit sterben zwischen 60 und 100 Mäusen einen grausamen Erstickungstod; weltweit sterben jährlich insgesamt zwischen 100.000 bis 300.000 Mäuse allein für Botox-Tests.


Es gibt Alternativmethoden

Und dies, obwohl das Europäische Arzneibuch neben dem LD-50-Test sehr wohl auch alternative Prüfverfahren anführt. Diese können jedoch nicht eingesetzt werden, weil sie noch nicht validiert sind, weil dafür jeder einzelne Hersteller die Alternativmethode für jedes seiner Produkte bewerten müsste.

Daher ersucht Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT), die Hersteller, die Validierung zügig vorzunehmen, zumal der Gesetzgeber die Durchführung von Tierversuchen verbietet, wenn Alternativen vorhanden sind. "Erstaunlich und befremdend ist allerdings, dass der LD-50-Test selbst nie validiert wurde, während die humaneren Alternativmethoden eigens einem überaus strengen Validierungsverfahren unterzogen werden müssen", so Gerda Matias.

Bei der Bewertung der Alternativmethode ist besonders problematisch, dass diese aufgrund der Ergebnisse der LD-50-Testes zu erfolgen hat, der selbst nie validiert wurde.

Wie unverlässlich die Tierversuchsergebnisse sind, beweisen abermals jüngste dramatische Ereignisse: Die Arzneimittelzulassungsbehörde der USA (FDA) warnte vor der Anwendung von Botulinumtoxin, nachdem mehrere Patienten unter 16 Jahren mit spastischer Lähmung durch die Behandlung verstorben sind. Bislang sind insgesamt 28 Todesfälle und 600 Fälle mit schweren Nebenwirkungen – verursacht durch Botulinumtoxin-Behandlungen – dokumentiert. Sie alle konnten durch die zahlreichen Tierversuche nicht verhindert werden.


Forderung: Keine Tierversuche für kosmetische Mittel und Zwecke

Die TierversuchsgegnerInnen beanstanden zudem, dass für das kosmetisch eingesetzte Botox diese qualvollen Vergiftungstests überhaupt noch durchgeführt werden dürfen. Schließlich sind innerhalb der EU seit dem Jahr 2003 Tierversuche für kosmetische Endprodukte verboten. Und ab 2009 dürfen auch für die kosmetischen Inhaltsstoffe bzw. Rohstoffe keine Tierversuche mehr gemacht werden. Ab diesem Zeitpunkt dürfen zudem Kosmetika, die etwa in Drittländern in Tierversuchen getestet wurden, nicht mehr verkauft werden.

"Aber weil Botox als Arzneimittel und nicht als kosmetisches Mittel definiert ist, und auch für kosmetische Zwecke nur vom Arzt verabreicht werden darf, wird nicht nur die EU-Kosmetikrichtlinie umgangen, sondern vor allem auch die KonsumentInnen hintergangen, die darauf vertrauen, dass es im Handel ausschließlich tierversuchsfreie Kosmetika gibt", so Gerda Matias. Daher fordern die TierversuchsgegnerInnen eine gesetzliche Klarstellung: ein ausnahmsloses Verbot von Tierversuchen für kosmetische Mittel und Zwecke – ohne jegliches Hintertürchen.

Seit Jahrzehnten wird Botox in der Medizin für bestimmte Krankheiten eingesetzt: Bei gewissen Schielstellungen, Lidkrämpfen, Schiefhals, unterschiedlichen Arten von Muskelkrämpfen und Muskelzuckungen. Nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten wird intensiv geforscht. Derzeit wird der Einsatz vor allem bei Migräne, Spannungskopfschmerz und vergrößerter Prostata erprobt. Erst in den vergangenen Jahren hat sich Botox auch zur kosmetischen Behandlung durchgesetzt.

Bei der kosmetischen Botox-Behandlung wird die Substanz Botulinumtoxin A in die Gesichtsmuskeln gespritzt. Dabei kommt es zur Lähmung der betreffenden Mimikmuskeln und somit zur Glättung von Falten. Nach vier bis sechs Monaten ist die Behandlung zu wiederholen, weil sich das Gift allmählich abbaut.

Laut Gesundheitsministerium sind in Österreich vier Arzneimittel mit Botulinumtoxin zugelassen, davon eines explizit für die Faltenbehandlung. Alle in Österreich verwendeten Präparate werden aus EU-Mitgliedstaaten importiert.

* An sich ist "Botox" der Produktname eines Medikamentes der Firma Allergan, welches das Botulinumtoxin als Wirkstoff enthält. Doch mittlerweile hat sich der Name "Botox" als die gängige Kurzbezeichnung für Faltenbehandlungen mit dem Botulinumtoxin durchgesetzt. Ähnlich wie sich der Produktname "Uhu" für die Bezeichnung eines Klebstoffes eingebürgert hat.
Botulinumtoxin ist ein Eiweiß, das von Bakterien (Clostridien) gebildet wird und von dem 7 Typen bekannt sind. Drei Firmen bieten Präparate mit dem Botulinumtoxin Typ A, das auch für die Faltenbehandlung eingesetzt wird, an: Pharm-Allergan: Botox®, Botox Cosmetics® und Vistabel®; Ipsen Pharma GesmbH: Dysport®; Merz Pharma: Xeomin®.

Rückfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: +43/1/713 08 23-10, Fax: +43/1/713 08 24
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Siehe auch unter Tierversuche für Botox-Faltenbehandlung
Siehe auch unter Tierversuche in der Kosmetikindustrie