Der jüngst publizierten amtlichen Tierversuchsstatistik ist zu entnehmen, dass die Anzahl der Tiere, die im Jahre 2010 in österreichischen Labors für Experimente und Tests ihr Leben lassen mussten, gegenüber dem Vergleichsjahr 2009 um fast 10 Prozent gesunken ist.

Im Jahr 2010 wurden an 187.236 lebenden Wirbeltieren experimentelle Eingriffe vorgenommen, die für diese Tiere mit Angst, Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbundenen waren und bei den meisten davon auch zum Tod führten. 320 Tiere wurden erneut für Versuche eingesetzt.

Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT): „Trotz der geringeren Anzahl an verwendeten Versuchstieren im Jahr 2010 kann ich keinen wirklichen Fortschritt in Richtung einer deutlichen Reduzierung der Tierversuche erkennen, solange nicht einmal jene Werte unterschritten werden, die wir schon vor rund zehn, elf Jahren zu verzeichnen hatten, als das Limit bei 130.00 bis 160.000 Labortiere im Jahr lag.“

Bei der Verwendung der Tierarten lassen sich gegenüber dem Vergleichsjahr 2009 kaum Verschiebungen ausmachen. Auch im Jahre 2010 nehmen die Mäuse als die am häufigsten verwendeten Versuchstiere mit 148.567 die traurige Spitzenstellung ein. Ihnen folgen mit großem Abstand die Kaninchen mit 16.584 und die Ratten mit 9.281 Tieren.
Weiters wurden in absteigender Reihenfolge verwendet: Meerschweinchen, Schweine, Fische, „Andere Vögel“, Hamster, Rinder, Schafe, Amphibien, Hunde, Pferde, Esel und Kreuzungen, Katzen, Ziegen, Marder und „Andere Nager“.

Die TierversuchsgegnerInnen beanstanden, dass nur ein Drittel der Tiere aus österreichischen registrierten Zuchteinrichtungen stammt. Der Großteil kommt „aus anderen Quellen innerhalb der EU“, die nicht von den österreichischen Behörden kontrolliert werden können.

Für die TierversuchsgegnerInnen ist es weiters nicht einzusehen, dass einzig die Tierversuche im Bereich der Grundlagenforschung, wo weder aufgrund gesetzlicher Vorschriften, noch zweckgebunden und zielorientiert geforscht und getestet wird, gestiegen sind. In allen anderen Bereichen konnten Tiere eingespart werden: etwa bei der Herstellung, Qualitätskontrolle, Forschung und Entwicklung von Produkten und Geräten der Human-. Zahn- und Veterinärmedizin.
Insgesamt hat sich auch die Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier – um fast 6 Prozent – verringert.

Die TierversuchsgegnerInnen fordern, dass der gesetzlichen Zielvorgabe aus dem Jahre 1990, § 1 Tierversuchsgesetz entsprechend, „die Zahl der Tierversuche zu reduzieren und Ersatzmethoden zu fördern“, endlich effizient Rechnung getragen werde. Die Forschung, Entwicklung und rasche Anerkennung von Ersatzmethoden sei voranzutreiben. Für die TierversuchsgegnerInnen ist die direkte und indirekte Finanzierung von Tierversuchsprojekten mit öffentlichen Geldern ein Skandal, da diese gewiss nicht dem Willen der Bevölkerungsmehrheit entspreche.

Im Zeitalter modernster Technologien ist es längst überfällig, der völlig veralteten, weil wissenschaftlichen Kriterien nicht standhaltenden Tierversuchsmethode, die darüber hinaus überaus grausam ist, weil fühlende Lebewesen, isoliert in einem sterilen Labor, unter Leiden und Schmerzen zu Test- und Messgeräten degradiert und zum Tode verurteilt werden, eine deutliche Absage zu erteilen.

Siehe dazu auch Tierversuchsstatistik für das Jahr 2010 - eine Analyse

Rückfragehinweis:
Mag.a Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: +43/1/713 08 23-11, Fax: +43/1/713 08 23-10
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