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Kosmetik-EU-Bericht (2007) Drucken
TV Statistik - EU
Geschrieben von: Mag. Romana Rathmanner   
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 14. Oktober 2010 um 14:28 Uhr

Halbherziger Wille zur Entwicklung von Ersatzmethoden


 Der Anhang IX der EU-Kosmetikrichtlinie wurde zwar eigens eingerichtet, um validierte und rechtlich anerkannte tierversuchsfreie Methoden aufzunehmen, die geeignet sind, kosmetische Mittel auf ihre Sicherheit zu prĂŒfen, aber nach wie vor befindet sich dort kein einziger Eintrag.
Das geht aus dem jĂŒngsten Bericht der EuropĂ€ischen Kommission ĂŒber den Stand der Tierversuche fĂŒr Kosmetika sowie der Entwicklung tierversuchsfreier Testmethoden hervor.

"Die Kommission, die fĂŒr die Entwicklung, Validierung und die rechtliche Anerkennung der alternativen Versuchsmethoden fĂŒr kosmetische Mittel verantwortlich ist, stellt sich damit ein blamables Armutszeugnis aus", sagt Gerda Matias, PrĂ€sidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT).

Das halbherzige Engagement der Kommission bedingt, dass die Kosmetikindustrie weiterhin nur fĂŒnf im Chemikalienrecht verzeichnete validierte und rechtlich anerkannte Ersatzmethoden nĂŒtzen kann: zwei Tests, die die hautĂ€tzende Wirkung feststellen, ein FototoxizitĂ€ts-, ein Hautresorptions- (alle in der VO Nr. 440/2008 gem. REACH, Seite 141 ff, verzeichnet) und ein MutagenitĂ€tstest (im Anhang VIII von REACH, Seite 330 ff, der VO Nr. 1907/2006, verzeichnet).

FĂŒr den Hautreizungstest ist zwar schon eine validierte Ersatzmethode (EPISKINTM) vorhanden, doch ist sie noch nicht rechtlich anerkannt worden. Weder fĂŒr den Augenreizungs-, den akuten ToxizitĂ€ts- noch den Hautsensibilisierungstest gibt es derzeit einen vollwertigen Ersatz.

Diese VersĂ€umnisse Ă€ndern aber nichts daran, dass bei der Entwicklung und Herstellung kosmetischer Inhaltsstoffe ab 11. MĂ€rz 2009 keine Tierversuche mehr erlaubt sind. (Schon seit 2004 sind Tierversuche fĂŒr das Kosmetik-Fertigprodukt verboten.)


Verkaufsverbot mit umstrittenen Ausnahmen

Ab 11. MĂ€rz 2009 dĂŒrfen darĂŒber hinaus auch keine tiergetesteten Kosmetika mehr verkauft werden, auch nicht aus DrittlĂ€ndern. Von diesem Verkaufsverbot sind bis zum Jahre 2013 allerdings drei Giftigkeitstests ausgenommen: der chronische ToxizitĂ€ts-, der ReproduktionstoxizitĂ€ts- und der Toxikokinetiktest.

Es ist zu befĂŒrchten, dass die vereinbarte Frist erneut verschoben wird, weil fĂŒr diese drei tierexperimentellen PrĂŒfungen noch keine Ersatzmethoden in Sicht sind.

"Die Kommission hat zwar noch vier lange Jahre Zeit, die erforderliche Entwicklung der dringend benötigten Ersatzmethoden voranzutreiben, sie liebĂ€ugelt aber statt dessen schon jetzt mit der Verschiebung der 2013-Jahresfrist", kritisiert Gerda Matias, die von der Kommission vermehrte Anstrengungen, grĂ¶ĂŸeres Engagement, mehr Elan und vor allem grĂ¶ĂŸere finanzielle Anreize bei der Entwicklung tierversuchsfreier Tests einfordert.

Denn so lange diese drei Giftigkeitstests nicht durch Ersatzmethoden ersetzt werden, gibt es fĂŒr die VerbraucherInnen keine Sicherheit, endlich Kosmetika kaufen zu können, die ohne Tierleid produziert wurden.


Anzahl der ermittelten Tierversuche fĂŒr Kosmetika stimmt nicht

Der Kommissionsbericht gibt auch Auskunft ĂŒber die Zahl der Versuchstiere, die in der EU in den Jahren 2005 und 2006 zur Testung kosmetischer Mittel herangezogen wurden.

Das vorliegende Datenmaterial ist mit großem Vorbehalt zu bewerten, wie selbst die EU-Kommission einrĂ€umt. Denn sehr viele Substanzen bzw. Rohstoffe werden in der Praxis nicht eigens fĂŒr Kosmetika, sondern – meist aufgrund des Chemikalienrechts - fĂŒr unterschiedliche Zwecke hergestellt und getestet.
Wenn eine gemĂ€ĂŸ Chemikalienrecht im Tierversuch getestete Substanz anschließend als Inhaltsstoff fĂŒr ein kosmetisches Mittel verwendet wird, werden die verbrauchten Versuchstiere statistisch den "Chemikalien" – nicht den "kosmetischen Mitteln" – zugeordnet.

Das bedeutet, dass die angegebene Anzahl der Tierversuche fĂŒr Kosmetika n i c h t stimmt, weil sich eine unbestimmte, aber große Anzahl von Tierversuchen zur Testung von Kosmetika etwa hinter der Anzahl der Tierversuche fĂŒr Chemikalien und Arzneimittel versteckt.

Der Kommission und den Mitgliedstaaten ist dieses Problem bewusst, weshalb derzeit verschiedene Strategien ausgearbeitet werden, dank derer die tatsĂ€chliche Anzahl der Tierversuche fĂŒr Kosmetika eruiert werden soll.


Tierversuche fĂŒr Kosmetika nur in Frankreich und RumĂ€nien

Innerhalb der EU wurden in den Jahren 2005 und 2006 laut dem vorliegenden Datenmaterial lediglich in zwei Mitgliedstaaten, Frankreich und RumĂ€nien, Tierversuche fĂŒr die PrĂŒfung von Bestandteilen von Kosmetika durchgefĂŒhrt. (Tierversuche zur Testung von Kosmetikendprodukten sind in der EU seit 2004 verboten.)

Insgesamt wurden im Jahr 2005 an 2.276 Tieren (davon 40 in RumĂ€nien) und im Jahre 2006 an 1.329 Tieren (davon 40 in RumĂ€nien) Tierversuche durchgefĂŒhrt. In den restlichen 24 Mitgliedstaaten wurden im betreffenden Zeitraum keine Tierversuche fĂŒr Kosmetika durchgefĂŒhrt. Portugal hat trotz mehrmaliger Ermahnungen keine Daten abgeliefert.
Alle diese Tierversuche wurden in den Jahren 2005 und 2006 an MÀusen und Ratten vorgenommen, wobei HautsensibilitÀtstests die hÀufigsten waren, gefolgt von Augenreizungs-, Hautreizungs-, orale ToxizitÀts- und Lichtempfindlichkeitstests.


RĂŒckfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: +43/1/713 08 23-11, Fax: +43/1/713 08 23-10
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschĂŒtzt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Siehe auch unter Tierversuche in der Kosmetikindustrie

Erstellt am Mittwoch, den 15. Oktober 2008 um 11:53 Uhr
 
 
 
 
     
 

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