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Nach der Mythologie der alten Griechen verwandelte sich kein geringerer als der Himmelsvater Zeus in einen Stier, um Europa auf den Rücken zu nehmen - die Erdgöttin von einst und die Namensträgerin unseres Kontinents. Es ist von makaberer Symbolik, dass in Spanien, Portugal und Südfrankreich im Rahmen von Corridas Stiere zum Gaudium der Besucher massakriert werden.
1997 wurde von den Regierungschefs in Amsterdam ein verbindliches Protokoll zum Tierschutz (Zusatzprotokoll Nr.33) verabschiedet: "Bei der Festlegung und Durchführung der Politik der Gemeinschaft in den Bereichen Landwirtschaft, Verkehr, Binnenmarkt und Forschung tragen die Gemeinschaft und die Mitgliedsstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere in vollem Umfang Rechnung; sie berücksichtigen hierbei die Rechts- und Verwaltungsvorschriften und die Gepflogenheiten der Mitgliedsstaaten insbesondere in bezug auf religiöse Riten, kulturelle Traditionen und das regionale Erbe."
Der letzte Halbsatz, wonach nationale Traditionen und Brauchtümer beim Erlass von Tierschutznormen zu berücksichtigen sind, beinhaltet Konfliktpotential. Die Passage fand Eingang ins Protokoll, da einige Mitgliedstaaten ihre Zustimmung ansonsten verweigert hätten. Gegen eine vertragliche Ausweitung des Tierschutzes hatte sich insbesondere die spanische Delegation gewährt.
Tierkämpfe werden dem Bereich "Kultur" und "Tradition" zuordnet. Sachlich nicht zu widerlegen ist, dass es sich dabei um tierquälerische Veranstaltungen handelt, wobei die eingesetzten Stiere öffentlich misshandelt und in der Regel getötet werden sowie überdies immer wieder Pferde zu Schaden kommen. 1995 fanden allein auf der iberischen Halbinsel über 2000 Corridas statt.
Auch die Richtlinie des Rates über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Schlachtung oder Tötung (93/119/EG, ABl. Nr. L 340 vom 31.11.1993, S.21) gilt nicht für Tiere, die bei kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen getötet werden (Art.1 Abs. 2).
Förderung der Kampfstierzucht durch EU
Die EU subventioniert indirekt den Stierkampf. Für jeden Jungstier erhält ein Viehzüchter eine "Sonderprämie für männliche Rinder" (VO 1254/99). Geschätzte 23 Mill Euro Direktprämien für Kampfstierzüchter werden jährlich bei Weiterverarbeitung des Fleisches ausgeschüttet.