Laut § 2 Tierversuchsgesetz 1988 (Bundesgesetz vom 27. September 1989 über Versuche an lebenden Tieren, BGBl. Nr. 501/1989 i.d.F. Nr. 169/1999) handelt es sich bei Eingriffen an und Behandlungen von Tieren nur dann um einen Tierversuch, wenn die Eingriffe an lebenden Wirbeltieren vorgenommen werden und für das Tier belastend , insbesondere mit Angst, Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbunden sind.

Daraus folgt:
Werden Experimente in einem Versuchslabor an

  • Wirbellosen (Krebse, Garnelen, Krabben, Schnecken, Spinnentiere wie Skorpione, Weberknechte u.a., Muscheln, Insekten wie Käfer, Schmetterlinge, Fliegen, Bienen, Wespen u.a., Rundwürmer etc.) denen man Schmerzempfinden abspricht,
  • an Tierföten und -embryonen
  • an eigens für Experimente getöteten Wirbeltieren (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etwa oder zu Lehrzwecken) durchgeführt,
  • oder nimmt der Experimentator an, dass der Eingriff für das lebende Wirbeltier mit keinen Ängsten, Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbunden ist,

so stellen derartige Experimente nach dieser Gesetzesdefinition gar keine Tierversuche dar.

Sie müssen weder gemeldet, geschweige denn genehmigt werden! Sie unterliegen keinerlei gesetzlichen und somit öffentlichen Kontrolle! Sehr problematisch ist weiters, dass der Versuchsleiter, der Experimentator selber den Grad der Belastbarkeit festlegt. Es obliegt seinem persönlichen Ermessen, seinem subjektiven Empfinden und seiner alleinigen Interpretation, festzustellen bzw. vorauszusagen, ob es sich bei einem Eingriff um einen Tierversuch handelt oder nicht und ob er diesen anzuzeigen bzw. zu genehmigen hat oder nicht.

Wir TierversuchsgegnerInnen fordern gerade bei der Genehmigungspraxis mehr Transparenz und öffentliche Kontrolle und verlangen eine Änderung der Definition des Tierversuchsbegriffes: Unabhängig von der Belastbarkeit, die kaum mit objektiven wissenschaftlichen Kriterien festzustellen bzw. vorauszusagen ist, soll die Tötung, der Eingriff und die Behandlung eines  j e d e n  Tieres, die über die landwirtschaftliche Nutzung und veterinärmedizinische Betreuung hinausgehen, als Tierversuch gelten und zunächst gemeldet werden. Inwieweit ein Tierversuch einer Genehmigungspflicht bedarf, hat die Behörde zu entscheiden und nicht der Experimentator alleinig.