Wir lehnen Tierversuche aus ethischen, wissenschaftlichen, verbraucherpolitischen, medizin- und methodenkritischen Gründen strikt ab. Doch paradoxerweise müssen wir uns bei dem Thema "Alternativmethode" dieser Frage immer wieder stellen und wie wir im folgenden darstellen werden, von Fall zu Fall beantworten.


Der Tierversuchslobby ist es gelungen, die Bezeichnung "Alternativmethode" verharmlosend in ihrem Sinn zu verbreiten. Es werden im wissenschaftlichen Diskurs darunter nicht nur Verfahren, die Tierversuche ersetzen, bezeichnet, sondern kurioserweise auch Verfahren, bei denen es lediglich zu einer Reduzierung und Verfeinerung (wenn die Tiere z.B. vorzeitig getötet werden oder in einem größeren Käfig untergebracht werden) von Tierversuchen kommt – bekannt als die drei R´s:
(1) replace – ersetzen
(2) reduce –reduzieren und
(3) refine – verfeinern.

Eine äußerst problematische Definition, die von uns TierversuchsgegnerInnen abgelehnt wird,

  1. weil diese Definition – für allem für die nicht detailliert informierte Öffentlichkeit - verwirrend ist, Tatsachen verschleiernd wirkt und die (Selbst-) Täuschung fördert.
  2. Können wir TierversuchsgegnerInnen nicht für die Ausweitung von Tierversuchen eintreten, zu der es unweigerlich bei der Entwicklung von "Alternativmethoden" im Sinne der letzten zwei R´s kommt, die
  3. darüber hinaus mit den geringen Forschungsmitteln finanziert werden, die für die Forschung nach tierversuchsfreien Methoden zu Verfügung stehen.
    So nimmt es nicht wunder, dass es trotz nun jahrelanger vermehrter Förderung, Entwicklung und verstärktem Einsatz von Alternativmethoden nicht zu einer Verringerung von Tierversuchen gekommen ist, sondern, ganz im Gegenteil, die Tierversuche sind mit Ausnahme des Vorjahres in den letzten Jahren, EU-weit, enorm angestiegen. Und
  4. wird durch das Festhalten an den zwei letzten R´s der Tierversuch als wissenschaftliche Methode überhaupt nicht kritisch hinterfragt, sondern mit all seinen negativen Folgen für Mensch und Umwelt weiter zementiert.

Trotz dieser theoretischen Absage an die Alternativforschung mit ihren zwei verwerflichen R´s, setzten wir uns in der Praxis von Fall zu Fall – bis eine reine tierversuchfreie Methode zur Verfügung steht - auch für Tests ein, bei denen noch immer Tiere, wenn auch weit weniger, eingesetzt werden. Natürlich darf man dabei das Ziel – Einsatz einer tierversuchsfreien Methode - nicht aus den Augen verlieren. Der Pyrogentest stellt dafür ein geglücktes Beispiel dar.

 

Der Pyrogentest:

Pyrogene sind fiebererzeugende Stoffe, auf die Arzneimitteln untersucht werden. Dafür wird Kaninchen die Testsubstanz injiziert und die Körpertemperatur gemessen. Steigt die Temperatur, ist die Arznei mit Pyrogenen kontaminiert. (In der EU wurden dafür jährlich 200.000 Kaninchen verwendet.)
Vor fast 15 Jahren wurde der LAL-Test als sogenannte Alternative zum Kaninchen-Pyrogentest entwickelt. Dabei wurde aber nur auf eine andere Tierart - auf den Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus) – ausgewichen, der darüber hinaus jedoch nur einen Teil des Kaninchen-Tests abdecken konnte, weil mit ihm nur eine Kategorie von Pyrogenen ermittelt werden konnte. Schon damals war die Frage, sollen wir TierversuchsgegnerInnen uns für den LAL-Test einsetzen? Aber mit welcher Begründung? Die Tierversuchslobby behauptete, dass das LAL-Verfahren weniger belastend wäre als der Kaninchen-Pyrogentest. Doch stimmte das? Oder wurde lediglich unterschwellig dem Pfeilschwanzkrebs eine geringere Leidensfähigkeit als dem Kaninchen zuerkannt?

Nun, trotz der LAL-Alternative, wurde – vor allem auch auf Druck der TierversuchsgegnerInnen - weiter geforscht, und es gibt jetzt eine tierversuchfreie Methode, die auf menschliche Blutzellen basiert und den Kaninchen-Pyrogentest vollständig ersetzt. Diese Methode wird schon in 200 Labors eingesetzt und von der EU-Kommission validiert.

 

Der Fischtest:

Derzeit setzen wir uns dafür ein, dass auch in Österreich der Fischeitest den Fischtest ersetzt. (In Deutschland ist seit Anfang 2005 der Fischeitest gesetzlich verankert.). Der Fischtest oder auch Goldorfen-Fischtest genannt, wird zur Ermittlung der Giftigkeit von Abwasser eingesetzt, bei dem stets zahlreiche Fische elendiglich sterben. Beim Fischeitest werden nach wie vor Versuchsfische (doch weit weniger) und deren Eier verwendet. Die frisch befruchteten Eier des Zebrabärblings, der hierfür in Aquarien gezüchtet wird, werden über zwei Tage mit dem Abwasser in Kontakt gebracht und danach werden unter dem Mikroskop die frühesten Entwicklungsstadien untersucht und ausgewertet.
Der Fischeitest kann für uns nur eine Übergangslösung darstellen und wir fordern, dass für den Abwassertest weiter nach einem tierversuchsfreien und tierfreien Verfahren geforscht