Das Schicksal von dem Affen ANDi, dem Schwein Astrid, der Katze Copy-Cat, dem Schaf Dolly, den Kälbern Georg und Charly, dem Stier Herman, dem Kalb Marguerite, dem Schaf Matilda, dem Kalb Noah, dem Schaf Tracy, dem Kalb Uschi, dem Schwein Xena und das Millionen namenloser Tiere.

Am Anfang steht die Maus

Die Maus als das weltweit am häufigsten verwendete Versuchstier (1) überhaupt, spielt auch in der Gentechnologie die (leid-)tragende Hauptrolle.
Die OECD (2) begründet die Bevorzugung der Maus mit der billigen und praktikabeln Handhabung: Mäuse sind klein und benötigen weniger Nahrung und Raum, so dass ihnen aus finanziellen Gründen die Unterbringung in winzigen Käfigen zugemutet wird; außerdem vermehren sie sich rasch und in großer Anzahl. Die Experimentatoren verschweigen diesen praktischen Aspekt gern und führen statt dessen als Auswahlkriterium lieber die Ähnlichkeit des Menschen mit der Maus (!) an und gerieren sich dabei wissenschaftlich. (3)
Ausserdem stösst die Verwendung von Mäusen und Ratten als Versuchs- und Testobjekte in der Öffentlichkeit auf weniger Widerstand als etwa der Einsatz von Hunden, Katzen oder Affen. In den USA gelten Mäuse, Ratten und einige Vögel gar nicht als Tiere und unterliegen daher nicht dem Tierschutzgesetz.

Transgene und Knock-out-Tiere

Seit etwa zwei Jahrzehnten werden an Mäusen und mittlerweile auch an anderen Tierarten (Affen, Hühnern, Hunden, Katzen, Kühen, Ratten, Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen und vielen Arten von Fischen etwa) gentechnische Manipulationen vorgenommen, wobei die Techniken ausgebaut und verfeinert werden.
Von transgenen Tieren spricht man, wenn Tieren ein Gen ausgetauscht oder zusätzlich eingefügt wird, wodurch sich das Erbgut verändert. Die eventuell vorher manipulierten Gene können von Bakterien, von anderen Tierarten oder vom Menschen stammen.

Wird ein bestimmtes Gen ausgeschaltet, spricht man von "Knock-out-Tieren", die dem Studium der Funktionsweise einzelner Gene dienen. Die Tiere sterben oft bereits vor oder kurz nach der Geburt, weil lebenswichtige Gene blockiert wurden bzw. kommen mit schwersten Behinderungen zur Welt.


Tiermodelle

Gelingt es, in einem Tier annähernd auch nur ein Symptom einer bestimmten menschlichen Krankheit hervorzurufen, spricht man von einem Tiermodell für eine spezielle Krankheit. So gibt es Diabetes-, Aids-, Fettsucht-, Parkinson- und Alzheimer-Mäuse. Kaninchen werden als Modelle für Arterienverkalkung, Ratten für Rheuma eingesetzt. Bei der Herstellung derartiger Modelle bedient man sich insbesondere gentechnischer Verfahren. Die Krebsmaus wurde gentechnisch so manipuliert, dass sie leicht, rasch und mit großer Wahrscheinlichkeit an Krebs erkrankt. An ihr kann dann etwa ein entwickelter Impfstoff gegen Krebs ausprobiert werden. Mittlerweile soll es 10.000 verschiedene transgene Tiermodelle geben, die von spezialisierten Zuchtfirmen an die Labors verkauft werden.

Die manipulierten Tiere sind von Geburt an Schmerzen und großem Leiden ausgesetzt. In den meisten Fällen handelt es sich um klassische Qualzüchtungen, die allein aufgrund des Tierschutzgesetzes verboten werden müssten.
Darüber hinaus sind die Tiere meist nicht artgerecht und somit miserabel untergebracht: in sterilen Räumen bei künstlichem Licht, isoliert, in zu engen Käfigen, ohne jegliche Beschäftigung, mit Pellets gefüttert

Da die meisten menschlichen Krankheiten nicht genetisch bedingt sind und sich nicht rein kausal auf einen (Gen-) Faktor reduzieren lassen, können diese Tiermodelle nur wenig zum Verständnis der wirklichen Ursache einer Krankheit und deren tatsächlichen Heilung beitragen. Wie wir wissen, spielen Umwelteinflüsse, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, sozialer Status, psychische Befindlichkeit etc. eine sehr wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten. Auch lassen sich die Ergebnisse aus den Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragen lassen - weil der Mensch einfach keine Maus ist.

Xenotransplantation: Transgene Tiere als Ersatzteillager für menschliche Organe

Ziel der Xenotransplantation ist es, tierische Organe (etwa Nieren, Leber, Herz und Lunge) als Ersatzorgane in den Menschen zu verpflanzen. Die Tiere – hauptsächlich Schweine - werden eigens gentechnisch manipuliert, damit es zu keiner Abstoßung der tierischen Organe kommt. 1993 wurde Astrid, ein transgenes Schwein, zu Xenotransplantationszwecken, geboren. Nach tausenden grausigen misslungen Versuchen (z.B. wurden Affen gentechnisch veränderte Schweineherzen als zweites Herz außerhalb des Körpers am Hals angenäht) ist das Thema der Xenotransplantation ziemlich in den Hintergrund geraten.

Die Erzeugung von transgenen Mäusen

10 – 30 weiblichen Mäusen (Muttertieren) wird im Abstand von 48 Stunden 5 – 10 Hormoneinheiten in die Bauchhöhle injiziert, um einen Eisprung herbeizuführen und die Anzahl der befruchtungsfähigen Eizellen auf ein Vielfaches zu steigern. Nach der zweiten Hormongabe werden die Weibchen mit männlichen Tieren verpaart. Zur Gewinnung der befruchteten Eizellen werden die weiblichen Tiere getötet und die Zellen aus den Eileitern präpariert.
Die fremde DNA, die aus Spenderzellen gewonnen und vervielfältigt wurde, wird in die Eizellen injiziert. Etwa 50 % überleben diese Prozedur. Nach dem Erreichen des Zwei-Zell-Stadiums werden 10 – 15 Eizellen pro Eileiter 10 – 30 scheinträchtigen Weibchen (Ammen) in einer unter Narkose durchgeführten Operation (Eröffnung der Bauchhöhle) eingepflanzt. 10 % - 30 % entwickeln sich bis zur Geburt weiter. Die Scheinträchtigkeit wird dadurch herbeigeführt, dass sie in ihrer mit Hormonen herbeigeführten Östrusphase mit männlichen Tieren (2 – 10) verpaart werden, bei denen zuvor durch einen chirurgischen Eingriff unter Narkose die Samenleiter durchtrennt wurden. Die Männchen werden sterilisiert und mehrfach zur Verpaarung eingesetzt.
Die überlebenden (!) Nachkommen (!) sind zwischen 4 % bis 25 % transgen, was jedoch erst mittels Gewebeprobe festgestellt werden muss.
Zur Entwicklung einer transgenen Linie müssen Nachkommen der 1. und 2. Generation getestet werden, wobei ca. jeweils 70 Tiere pro Generation benötigt werden.(4)

Gen Pharming: Transgene Tiere als Produzenten von Wirkstoffen

Milchgebende Tiere (z.B. Kühe, Schafe, Ziegen, aber auch Kaninchen) werden gentechnisch so manipuliert, dass sie menschliche Proteine über die Milch abgeben. Aber auch an Hühnern, die über die Eier menschliches Eiweiss abgeben sollen, wird geforscht. Diese Proteine könnten zur Herstellung von Medikamenten verwendet werden. Dies erhoffte man sich vom Schaf Tracy oder vom transgenen Stier Herman, dessen Töchter in ihrer Milch das Eiweiß Lactoferrin bilden sollten. Aber auch an die industrielle Verwertung etwa für Diätnahrung wird gedacht: Es wird an Kühen gebastelt, die für Menschen mit einer Laktose-Intoleranz Milch ohne Milchzucker liefern sollen.

Widernatürliche Leistungssteigerung von Nutztieren

Nutztiere werden gentechnisch manipuliert, damit die Milch- und Fleischproduktion gesteigert wird. Dies ist allein schon aus landwirtschaftspolitischer Sicht aufgrund der Überschüsse, die darüber hinaus mit Steuergelder preisgestützt werden müssen, völlig unnütz. Schweine sollen schneller wachsen, Karpfen sollen größer werden. Doch die Tiere, die die Eingriffe überleben, leiden an Arthritis, Haut- und Nierenerkrankungen und Herzvergrößerungen. Da die Eigenschaften eines Tieres nicht durch einzelne Gene, sondern durch ein vielfältiges und vielschichtiges Zusammenspiel vieler Gene, von dem man überhaupt kein Verständnis hat, bestimmt wird, sind die willkürlichen Ergebnisse – zulasten jedoch von tausenden Versuchs- und Nutztieren - nicht verwunderlich.

Klonen von Tieren (5)

Das Ziel dieser Technik ist es, die langwierig und mühsam hergestellten transgenen Tiere - sei es nun für menschliche Krankheitsmodelle, für die Transplantation, für die Produktion von Wirkstoffen – so zu vermehren bzw. vervielfältigen, dass die neuen Gene tatsächlich an alle
Nachkommen weitergegeben werden. Es soll nicht, wie bei der natürlichen Fortpflanzung, zur Vermischung des Erbmaterials beider Elterntiere kommt.
Die Überlebensrate geklonter Tieren ist sehr gering. Von 100 geklonten Mäusen überlebt höchstens eine und es gibt praktisch – wenn man sie altern lässt - keine normalen Klone. Sie leiden alle an einem schwachen Immunsystem, haben Organschäden und neigen zu Fettleibigkeit.

Im Fall des Klonschafes Dolly wurden 277 Ei- und Euterzellen miteinander verschmolzen, 29 entwickelten sich zu Embryonen, in 13 Fällen kam es zu einer Schwangerschaft, nur 1 Tier – Dolly - überlebte.
Weltweit werden alle nur möglichen Tierarten geklont: Rinder (etwa 3.000 weltweit), Schweine (über 150), Mäuse, Ziegen, Schafe (über 400) und Kaninchen. Zuletzt machte die Katze Copy-Cat (CC) Schlagzeilen. (Von 87 versuchten Schwangerschaften mit zahlreichen, geklonten Embryonen gelangen nur zwei, und CC war das einzig lebend geborene Tier.)

Der Verbrauch von Embryonen und Tieren bis zur geglückten Entstehung eines Klons ist enorm. Der Klon, der zufällig überlebt hat, und am Ende einer langen Kette von verbrauchten Embryonen bzw. Tieren steht, wird dann gerne der Öffentlichkeit vorgeführt und erhält einen werbewirksamen Namen. Doch von den tausend fehlgeschlagenen Versuchen erfährt die Öffentlichkeit so gut wie nie etwas.

Das therapeutische und reproduktive Klonen von Menschen ist ethisch umstritten. Allein der Naive mag glauben, dass sich die Forschung weiterhin mit dem Klonen von Tieren begnügen wird. Ist doch der Tierversuch stets die Vorstufe zum Menschenversuch. Die Firma Clonaid und der italienische Gynäkologe Antinori reklamieren schon für sich die erfolgreiche Geburt von menschlichen Klonen.

Die Patentierung von Tieren

Mit der Möglichkeit der Patentierung nicht nur von gentechnischen Verfahren, sondern von Lebewesen selbst (6) – von Bakterien über Pflanzen, Tiere und sogar menschliche Gene - hat ein Run um Ruhm und Profit ehrgeiziger, gewinnsüchtiger und skrupelloser Forscher angefangen. Hinter denen steht zum Großteil die riesige chemisch-pharmazeutische Industrie.
Die Regierungen, die sich ebenfalls große wirtschaftliche Vorteile erhoffen, subventionieren in die Gentechnikforschung Steuergelder in Milliardenhöhe. Daher schnellt in den letzten Jahren auch die Anzahl der Tierversuche rasant in die Höhe, obwohl es den gesetzlichen Auftrag gibt, Tierversuche zu reduzieren.
Um dieser Spirale entgegenzuwirken, fordern wir, dass keine öffentlichen Mittel für Projekte mit Tierversuchen vergeben werden. Die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren soll besonders gefördert werden.

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(1) Laut "Der Spiegel" wurden im Jahr 2000 weltweit 25 Millionen Mäuse für Gentechnikversuche gezüchtet.

(2) OECD (= Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), in: "Why mice matter", 1998a, 23, Paris.

(3) Siehe z.B. Prof. Dr. Schwab, Direktor des Institutes für Hirnforschung an der Uni Zürich, in: "Transgene Tiere in der Paraplegieforschung …", http://www.gensuisse.ch/focus/

(4) Quelle: "Die Erzeugung und Zucht transgener Mäuse und Ratten unter Tierschutzgesichtspunkten", Informationspapier i.A. des BML, Bonn, 1996

(5) Beim Klonen, der Herstellung einer identen Kopie eines Lebewesens, wird das Erbgut einer beliebigen Zelle mit einer fremden Eizelle verschmolzen.

(6) Was an sich absurd ist, da es sich bei der Patentierung von Lebewesen ja gar nicht um Erfindungen handeln kann und strikt - auch aus ethischen Gründen - abzulehnen ist.