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Alkoholabhängige und alkoholsüchtige Menschen sind krank und können – zumindest in bestimmten Stadien des Krankheitsverlaufes - auch medizinische Hilfe und Unterstützung benötigen. Dementsprechend wird in diesem Bereich auch viel geforscht und nach den Ursachen und den Verlauf der Sucht und Abhängigkeit auf allen Ebenen, wie etwa auch auf der molekularen, geforscht. Es wird nach Wirkstoffen und möglichen genetischen Eingriffen gesucht, Medikamente werden erprobt, welche die Sucht, die Abhängigkeit und die Entzugssymptome und die daraus entstehenden körperlichen und psychisch-geistigen Schäden verhindern, hemmen, unterbinden oder beseitigen sollen.
Und obwohl sehr viele epidemische Studien und Forschungen direkt am Menschen und den pathologischen Organen durchgeführt werden, werden immer mehr Tierversuche im Bereich der Alkoholforschung gemacht. Diese sind besonders grausam: Die Tiere werden vor den eigentlichen Versuchen häufig manipuliert, damit sie überhaupt menschenähnliche Krankheitssymptome entwickeln und dann mit Zwangsmaßnahmen süchtig gemacht.

Ratten werden manipuliert, damit sie überhaupt Leberschäden entwickeln

Hauptsächlich werden für die Experimente Ratten eingesetzt. (Gelegentlich werden hierfür aber auch Affen, Mäuse und sogar Fliegen und Würmer verwendet.) Da jedoch bei Ratten durch Alkoholkonsum – im Gegensatz zum Menschen – die Leber kaum in Mitleidenschaft gezogen wird, werden an den Ratten ausgeklügelte Manipulationen wie etwa die Verabreichung hoher Dosen Alkohol direkt in den Magen oder sehr fettreicher Kost durchgeführt, damit die Leber – wie beim Menschen – in der Folge doch noch in Mitleidenschaft gezogen wird. Oder sie werden eigens chirurgisch "behandelt", damit es zu Leberschäden kommt:

"Ein vorderer Teil des Dünndarms (Jejunum) wird zerschnitten und das magenseitige offene Ende an einen hinteren Teil des Dünndarms (Ileum) seitlich angeheftet, so dass das dazwischen liegende Stück vom Nahrungsstrom umgangen wird. Im restlichen Stück des Jejunums findet nun keine Bewegung des Nahrungsbreis mehr statt, es hat aber weiterhin seine natürliche Verbindung zum Ileum. Die Seite, wo es zerschnitten wurde, wird zugenäht, so dass kein Nahrungsbrei in die Bauchhöhle gelangen kann. Wenn man jetzt Alkohol zufüttert, wird endlich wie beim Menschen die Leber geschädigt. Warum? Man vermutet, dass bakterielles Wachstum in dem stillgelegten Darmteil zusammen mit der Schädigung der Darmschleimhaut durch den Alkohol so viel Bakteriengifte durchlassen, dass es für die Leber zu viel wird. Die Wirkung wird nicht durch Alkohol, sondern durch Bakteriengifte erzielt." (1)

Es ist ja ganz offensichtlich, dass derartig massive Eingriffe überhaupt nichts mehr mit der Verstoffwechselung von Alkohol beim Menschen zu tun haben können. Daher kann auch keine wie auch immmer gestellte (wissenschaftliche Forschungs-) Frage für den Menschen sinnvollerweise beantwortet werden.

Zwangsweise Verabreichung von Alkohol

Die Tiere werden gezwungen, nur Flüssigkeiten mit Alkohol zu trinken, oder der Alkohol wird ihnen gleich in die Bauhöhle gespritzt. Auf diese Weise werden die Tiere körperlich süchtig gemacht, denn unter artgerechten Bedingungen würden sie nie freiwillig Alkohol zu sich nehmen. Eine psychische Abhängigkeit wie beim Menschen muss bezweifelt werden.

Systematische Vergiftung

Und wenn diese Hürden "gemeistert" sind, also ein sogenanntes Tiermodell für die Alkoholforschung entwickelt worden ist (insgesamt soll es für die verschiedensten Krankheiten 450 verschiedene Ratten-Laborvarianten geben!), werden die Tiere systematisch mit Alkohol vergiftet. Oft wird den Tieren Alkohol in einer extrem hohen Dosis oder hohen Konzentration zugeführt, die selbst ein schwerer Alkoholkranker nie aufnehmen könnte. Und dies in einem Zeitraum, der keineswegs der Suchtentwicklung beim Menschen entspricht, die oft Jahrzehnte dauern kann. In einem Versuch etwa wurde Mäusen Ethylcarbamat, der in geringen Dosen in Steinfruchtbrandies enthalten ist, mit 20 % Alkohol in einer Menge verabreicht, die bei einem Menschen von 75 kg umgerechnet die Aufnahme von 1.350 Liter Brandy pro Tag bedeuten würde. In einem anderen Versuch wurde Ratten 100%iger Alkohol zwangsweise eingegeben. (2)

Mit brutalen Methoden wird Stress erzeugt

Um etwa Rückfallverhalten zu studieren, werden die Tiere extremen Stress ausgesetzt (da man annimmt, dass dieser in diesem Zusamm menhang auch beim Menschen eine Rolle spielt), indem ihnen etwa Stromstösse versetzt werden. "Die Tiere werden in spezielle Testkammern gesetzt, deren Boden und Wände unter Strom gesetzt werden können. In einem Versuch betrug die Gesamtdauer der Stromstöße in einer zehnminütigen "Sitzung" fünf Minuten, ein einzelner Stromstoß dauerte 5 bis 15 Sekunden!"
Oder: "Mäuse und Ratten werden in einen Glaszylinder (Abmessungen so, dass die Tiere den Boden nicht berühren können) mit 19-21 Grad C kaltem Wasser verbracht. Die Zeit, bis die Tiere aufgeben und sich treiben lassen, wird gemessen. Die Panik der Tiere muss hierbei groß sein, neben der Psyche wird auch der Körper der Tiere stark gestresst." (3)

Wertlose und banale Erkenntnisse

Wissenschafter der University of Auckland (4) haben Laborraten unterschiedliche Mengen Alkohol verabreicht. Eine Gruppe erhielt vier Wochen lang kleinere Mengen von Alkohol verabreicht, eine zweite Gruppe eine größere Menge und die dritte Gruppe erhielt keinen Alkohol.
In der Folge testeten die Forscher das Wahrnehmungs- und Erinnerungsvermögen der Ratten. Dazu setzten sie die Nager in eine hell erleuchtete Box, die über eine Tür mit einem unbeleuchteten Käfig verbunden war. Da Ratten Dunkelheit bevorzugen, eilten alle Tiere in den dunklen Raum, wo sie jedoch einen Stromschlag erhielten. Nach 24 Stunden wurde dieser Versuch wiederholt. Die mäßig und die stark alkoholisierten Ratten zögerten zweieinhalb bis viereinhalbmal so lange, den dunklen Raum zu betreten, als die abstinenten. Daraus schloss man, dass sich bei den alkoholisierten Ratten die schmerzliche Erinnerung an den Stromschlag tiefer in ihr Gedächtnis gegraben hat und somit der Alkoholkonsum nicht dafür taugt, um schmerzliche Erinnerungen zu vergessen. Und wenn er es täte, welche Schlussfolgerung wäre dann daraus zu ziehen? Hilft diese Erkenntis einen Alkoholiker, der aus diesem Motiv trinkt, den Alkoholkonsum einzustellen?

"Eh schon wissen": Trotz vorliegender Studie werden Tierversuche gemacht

Obwohl man von epidemiologischen Studien schon seit 100 Jahren weiß, dass Alkohol ein Risikofaktor für Krebs darstellt, haben amerikanische Wissenschafter Versuche mit Mäusen durchgeführt, um genau dies erneut zu bestätigen (5):
Die Tiere erhielten über einen Zeitraum für vier Wochen täglich für acht Stunden Trinkwasser, das ein Prozent Alkohol erhielt (das entspricht zwei bis vier Gläsern eines alkoholischen Getränkes pro Tag). Danach übertrugen die Forscher den Tieren Hautkrebszellen. Nach vier Wochen hatten die Mäuse, denen Alkohol verabreicht worden war, doppelt so große Tumore als die abstinente Kontrollgruppe entwickelt.

Neben der ethischen Verwerflichkeit derartiger grausamer Manipulationen und Zu-Tode-Quälens von Tieren ist es besonders empörend, dass die Experimente keine neuen sinnvollen Erkenntnisse zu Tage fördern, ja auch nicht können, da ja die Ausgangsbasis und die Versuchsanordnungen - wie hier dargestellt wurde - dies auch gar nicht vermögen. Der Tierversuch ist einfach der falsche Weg, die falsche Methode und kann in einem sterilen Labor das komplexe, individuelle, psychisch-geistig-soziale Geschehen bei einer Alkoholerkrankung nicht imitieren, und ist somit völlig sinn- und nutzlos – für die tausenden von Tieren, die schreckliche Qualen und schlussendlich den Tod hierfür erleiden müssen, aber auch für die Patienten, denen daraus keine wirkliche Hilfe und Unterstützung erwachsen kann.

Dies bestätigten auch zwei wissenschaftliche Studien der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V.,* für die umfangreiche Tierversuchsstudien und Übersichtsartikel aus deutschen wissenschaftlichen Fachzeitschriften aus den Jahren 1990-2000 (1) und 2001-2005 (3) zu dem Thema Alkoholforschung akribisch ausgewertet wurden.
Fazit der 15jährigen Tierversuchsforschung: "Wiederum konnte festgestellt werden, dass durch die tierexperimentelle Alkoholforschung keine nutzbaren Erkenntnisse für die klinische Medizin und damit für betroffenen Menschen gewonnen werden konnten."

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(1) "......weil wir keine Ratten sind – Irrwege der Alkoholforschung." Hrsg.v. Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V., ersch. 2002, Seite 22

(2) ebda, Seite 12

(3) "......weil wir keine Ratten sind – Irrwege der Alkoholforschung." Hrsg.v. Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V., ersch. 2006, Seite 12

(4) "Gedächtnisforschung. Alkohol stärkt negative Erinnerungen.", 28.10.2006, unter: http://www.focus.de/

(5) "Krebs durch Promille", 18.04.2006, unter: http://www.onmeda.de

* Die beiden Studien (s. Fußnote 1 und 3) der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V. können bestellt werden unter: Tel.: 0049/30/3418043,
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: http://www.tierversuchsgegner-berlin-brandenburg.de/