Am 11.03.2013 tritt das totale AUS aller Tierversuche für Kosmetika EU-weit in Kraft. Ein historischer Erfolg der europäischen TierversuchsgegnerInnen und ein entscheidender Etappensieg im Kampf gegen die grausamen Tierversuche!
Wir hoffen, dass damit dieses dunkle Kapitel, das Quälen und Töten von Tieren für die Testung von Kosmetika, zumindest für Europa endgültig geschlossen werden kann.
Am Ende dieses im Jahre 2005 verfassten Artikels, der nun hoffentlich nur mehr historische Bedeutung hat, finden Sie weiterführende, chronologisch angeordnete Links (von 2001 bis 2013), die unseren über 20 Jahre lang andauernden Kampf gegen die Tierversuche für Kosmetika belegen.

Fragen zur Umsetzung des Totalverbotes? Christiane Hohensee gibt Antworten.

Auch Seifen , Shampoos und Zahnpasten sind kosmetische Mittel

Um es gleich vorwegzunehmen: die Verwendung von kosmetischen Mitteln ist nicht nur Frauensache. Das Thema Kosmetik und Tierversuche geht uns allen etwas an. Denn unter dem Begriff kosmetische Mitteln fallen nicht nur die sog. Dekorativkosmetika wie z.B. Lippenstifte und Nagellacke, sondern auch Mitteln, die wir alle täglich zur Körperpflege verwenden: Zahnpasten, Seifen, Shampoos, Rasierwasser, Duschbäder, Deodorants, Cremen, Mundwässer. Aber auch Fußpuder, Haarfärbemittel, Haarsprays, Sonnenschutzmittel, Parfüms und viele andere Artikeln mehr werden gesetzlich unter dem Begriff kosmetische Mittel geregelt.

Kosmetische Mittel sollen die menschliche Gesundheit nicht gefährden

Bevor ein kosmetisches Mittel, das eine neue entwickelte Substanz enthält (z.B. einen neuen Farbstoff in einem Haarfärbemittel), in den Verkehr gebracht werden kann - muss laut Gesetzgeber die Sicherheit des Erzeugnisses für die öffentliche bzw. menschliche Gesundheit bewertet werden.
Und ob nun Bestandteile oder Kombinationen von Bestandteilen eines kosmetischen Mittels für den Menschen sicher sind, wird mittels toxikologischer (toxisch=schädigend/giftig) Tests festgestellt.

Die Tierversuchsergebnisse schützen nicht unsere Gesundheit, sondern den Hersteller vor Regressansprüchen

Aber wenn dem Gesetzgeber unsere Gesundheit so sehr am Herzen liegt, warum dürfen dann trotzdem Substanzen, die im Tierversuch eine schädigende Wirkung gezeitigt haben, für Kosmetika verwendet werden?
In dem empfehlenswerten Buch "Öko-Test. Ratgeber Kosmetik", hrsg. von Rüdiger Dammann, rororo Sachbuch 9750, findet man eine genaue Beschreibung von über 1900 kosmetischen Substanzen, viele davon mit Nebenwirkungen von allergisierend bis krebsverdächtig.

Der Tierversuch dient lediglich dem Schutze und der Sicherheit des Herstellers. Im Falle einer Klage durch eine durch ein kosmetisches Mittel geschädigte Person, kann der Produzent sich auf die durchgeführten Tierversuche nach dem anerkannten Stand der Wissenschaft berufen, und sich somit den Haftungsansprüchen entziehen.

Folgende Tierversuchstests werden eingesetzt:

  • Akuter oraler/inhaltiver/dermaler Toxizitätstest

    Bei diesem Test wird die Giftigkeit einer Substanz bei einmaliger Verabreichung festgestellt. Den Versuchstieren wird über den Nahrungsweg als Futterbeimischung, aber auch durch Schlundsonden, bzw. durch Einatmung, bzw. über die Haut - gespritzt in Muskeln, Venen oder in die Bauchhöhle - die Substanz verabreicht.
    Hierzu wird die LD-50 (letale Dosis) bestimmt, die Dosis der verabreichten Substanz, an der 50% der Versuchstiere sterben. Die Vergiftungserscheinungen wie Muskelzittern, Krämpfe, Lähmungen, starker Speichelfluss, Durchfall, Besinnungslosigkeit etc. werden registriert, um schließlich an den toten Tieren die Stärke der Schädigungen festzustellen.
    Dieser heftig umstrittene Test, vor allem auch aufgrund der unvorstellbaren Qualen der Versuchstiere, kann leicht abgewandelt durchgeführt werden, indem z.B. die Tiere schon kurz bevor sie an den Vergiftungen sterben, getötet werden.

  • Der Hautreizungstest

    Hier wird die hautschädigende Wirkung einer Substanz überprüft.
    Auf die geschorenen, oft aufgeritzten, Körperstellen der Versuchstieren wird die zu prüfende Substanz aufgetragen und die Reaktionen wie Rötungen, Entzündungen etc. registriert.

  • Der Schleimhautverträglichkeitstest

    Nach dem Erfinder auch Draize-Test genannt. Es wird die Schleimhautverträglichkeit geprüft, indem den in Gestellen fixierten Kaninchen die Substanz ins Auge geträufelt wird. Auftretende Reizungen, Verätzungen bis hin zur völligen Zerstörung des Auges werden registriert.
    Ersatztests - wie z.B. am Hühnerei - sind vom Gesetzgeber nicht als tierversuchsfreie Methode anerkannt.

  • Photoirritationstest

    Ist eine besondere Form der Hautverträglichkeitsprüfung. Es sollen hautschädigende Eigenschaften von äußerlich aufgetragenen Substanzen erkannt werden, deren giftige bzw. schädigende Wirkung erst unter dem Einfluss von Licht und Sonne entsteht.
    Die Tiere werden mit den Substanzen vorbehandelt, ultraviolettem Licht ausgesetzt und dann auf Hautschädigungen untersucht.

  • Teratogenitäts-Test

    Die Substanz wird auf ihr teratogenes Potential überprüft, d.h. es wird festgestellt, inwieweit körperliche Missbildungen während der embryonalen Entwicklung im Mutterleib erzeugt werden.
    Trächtigen Weibchen wird während der gesamten Embryonalentwicklung die Substanz verabreicht, dann getötet und auf Missbildungen untersucht. Sind solche vorhanden, werden weitere Untersuchungen durchgeführt.

  • Aquatische Toxizität

    Es wird geprüft, inwieweit Gewässerökosysteme gefährdet werden.
    Die tödliche Wirkung von mehrfachen Konzentrationen der Substanz wird an Fischen untersucht.

Des weiteren gibt es noch die Tests auf:

  • allergische Reaktionen
  • chronische/subchronische Toxizität
  • krebserregende Wirkung
  • erbgutverändernde Wirkung
  • die Resorption (Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung einer Substanz).

Eine ausführlichere Beschreibung zu den einzelnen Tests finden Sie im Artikel "In welchen Bereichen werden welche Tierversuche durchgeführt?

Welche Tiere werden gequält und getötet?

Bei all diesen Tests werden vorrangig Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Ratten, Mäuse, und die speziell in Labors gezüchteten Nacktmäuse, verwendet.

Wie viele Tiere werden in Österreich für Kosmetika gequält und getötet?

In Österreich sind Tierversuche zur Entwicklung oder Erprobung von Kosmetika verboten. Dies gilt sowohl für das kosmetische Endprodukt als auch für dessen Bestandteile. (Anlässlich der Novellierung des Tieversuchsgesetzes 1999 wurde der § 3 Abs. 5, der Tierversuche zur Entwicklung oder Erprobung von Kosmetika grundsätzlich untersagt, eingefügt (BGBl. Nr. 501/1989 i.d.F. BGBl. Nr. 169/1999, ausgegeben am 19.8.1999).
Demgemäß wurde laut offizieller Tierversuchsstatistik in Österreich seit dem Jahr 1999 auch kein einziges Tier mehr für die Testung von Kosmetika missbraucht. Der Import, Handel/Verkauf von tiergetesteten Kosmetika ist jedoch weiterhin sehr wohl erlaubt.

Seitens der EU gibt es keine verläßliche, aussagekräftige Zahl, da es keine einheitliche Erfassung durch die einzelnen Mitgliedstaaten gibt und manche überhaupt keine Statistik abliefern. Es werden Zahlen von 30.000 bis 100.000 "verbrauchten" Tieren pro Jahr kolportiert.

Kein gesetzliches Verbot von Tierversuchen in Aussicht

Mit 1. Jänner 1998 hätten laut EU-Richtlinie Tierversuche für das Inverkehrbringen kosmetischer Mittel verboten werden sollen. Doch mit einer neuen Richtlinie vom 17. April 1997 wurde dieses Verbot auf den 30. Juni 2000 verschoben - und gleich mit einem Hinterausgang - dass dieses Verbot wieder verschoben werden kann.
Das Verbot tritt demgemäß nur dann in Kraft, wenn "zufriedenstellende Alternativmethoden zum Tierversuch" entwickelt wurden und wenn diese darüber hinaus nach den Leitlinien der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) für Toxizitätstests validiert werden konnten.

Kosmetik ohne Tierversuche

Angesichts der noch tausenden leidenden und zum Sterben verurteilten Versuchstieren in der Kosmetik können, wollen und vor allem müssen wir - die Hersteller wie die KonsumentInnen - gar nicht auf ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetika seitens der Politik warten.

Wenn der Hersteller auf den Einsatz einer neuen Substanz verzichtet, indem er auf altbewährte Rohstoffe zurückgreift, sind nirgends zwingend Tierversuche vorgeschrieben.
Aber Achtung: Immer mehr Kosmetikfirmen behaupten in ihren Werbeaussendungen, dass sie keine Tierversuche durchführen. Oft ist dies ein Etikettenschwindel, insofern als sie nicht die volle Wahrheit sagen.
Z.B.: Behauptet eine Firma, dass sie keine Tierversuche durchführe - wird das durchaus stimmen. Aber es könnte sein, dass sie diese Tierversuche in einem anderem Land von einer anderen Firma durchführen lässt.
Z.B. Behauptet eine Firma, dass sie keine Tierversuche für Hautverträglichkeit durchführe, wird das durchaus stimmen. Sie kann damit aber gleichzeitig verschweigen, dass das Produkt auf Schleimhautverträglichkeit und vieles andere mehr sehr wohl im Tierversuch getestet wurde.

Kaufen Sie ganz einfach nur mehr Kosmetik o h n e Tierversuche

Der Deutsche Tierschutzbund hat strenge Richtlinien für die Herstellung tierversuchsfreier Kosmetika erarbeitet und gibt regelmäßig eine aktualisierte Liste der Hersteller, die diese Richtlinien erfüllen, heraus.

Aber wo?
In Bioläden und guten Reformhäusern.

Und auch bei uns:
Wir haben unserem Verein ein Geschäft angeschlossen - die FAUNA KEG - wo wir die tierversuchsfreien Produkte von Herstellern nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes e.V. verkaufen.

Nachtrag vom 28.02.2001:
EU-Kommission verschiebt zum dritten Mal Verbot von Tierversuchen für Kosmetika. Weiterhin qualvolle Tierversuche für Kosmetika
Der "Internationale Bund der Tierversuchsgegner" (IBT) kritisiert die nunmehr dritte Verschiebung des Verbotes von Tierversuchen für Kosmetika heftig. Er wirft der EU-Kommission Versäumnisse bei der Entwicklung und der gesetzlichen Verankerung von Ersatzmethoden vor. Es sind hier kaum Fortschritte zu verzeichnen. An jedem einzelnen Produkt werden immer noch rund ein Dutzend von unterschiedlichen, meistens sehr qualvollen, Tierversuchstests durchgeführt. Darüber hinaus wird das zukünftige Vermarktungsverbot für tierversuchsgeprüfte Kosmetika völlig aufgeweicht. Der IBT startet daher eine Protestkartenaktion und ersucht die EU-Parlamentarier, diesen Entwurf abzulehnen und weist auf die Möglichkeit der Herstellung und des Kaufes von tierversuchsfreien
Produkten hin.

Am 1. Jänner 1998 hätte die EU-Kosmetikrichtlinie in Kraft treten sollen, mit der Tierversuche für das Inverkehrbringen kosmetischer Mittel endlich verboten werden. Mittels einer weiteren Richtlinie wurde dieses Verbot auf den 30. Juni 2000 verschoben. Nun liegt seitens der EU-Kommission ein Entwurf der 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie vor, der abermals eine Verschiebung des Verbotes von Tierversuchen für die Bestandteile von Kosmetika beinhaltet.
Weitere Verschiebungen sind vorprogrammiert, denn das Verbot tritt nur dann in Kraft, wenn "zufriedenstellende Alternativmethoden zum Tierversuch" entwickelt wurden und wenn diese darüber hinaus nach den - noch ausständigen - Leitlinien der OECD für Toxizitätstests validiert werden konnten.

Tierversuchsgegner werfen der EU-Kommission Versäumnisse bei der Entwicklung und Anerkennung von Ersatzmethoden vor

Der "Internationale Bund der Tierversuchsgegner" übt heftige Kritik an der Kommission, weil diese unzureichende Maßnahmen zur Entwicklung und vor allem zur gesetzlichen Verankerung von Ersatzmethoden zum Tierversuch getroffen hat, was ja durch die abermalige Verschiebung offensichtlich zutage tritt.
"Es ist Aufgabe der Kommission alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um endlich den gesetzlichen Auftrag, das Verbot aller Tierversuche für Kosmetika umzusetzen, zu erfüllen", stellt Gerda Matias, Präsidentin des IBT, klar.

Kaum Fortschritte bei der Entwicklung von Ersatzmethoden

Bislang hat die EU-Kommission lediglich zwei in-vitro-Testmethoden anerkannt, nämlich eine zur Ätzwirkung auf der Haut und eine zur Phototoxizität, durch die hautschädigende Eigenschaften von äußerlich aufgetragenen Substanzen erkannt werden sollen, deren giftige bzw. schädigende Wirkung erst unter dem Einfluss von Licht und Sonne entsteht.
Geringfügige Fortschritte werden verzeichnet bei der Entwicklung von Alternativen hinsichtlich der Resorption.
Für den Draize-Hautreizungstest wurden von ECVAM zwei Alternativtests validiert, die die Tierversuche völlig ersetzen können.
Ebenso wurde zwei Tests zum Draize-Augenreizungstest validiert, die jedoch nur Chemikalien, die zu schwerer Augenreizung führen, identifizieren können.
Für Tests auf allergische Reaktionen wurde eine neue Tierversuchs-Teststrategie validiert, bei der wohl noch immer sehr viele Tiere eingesetzt, jedoch jährlich 240.000 Mäuse eingespart werden können.
Bezüglich chronische/subchronische Toxizität, krebserregende Wirkung, erbgutverändernde Wirkung und Teratogenität stellt die EU-Kommission überhaupt keinen Ersatz in Aussicht; auch nicht für den heftigst umstrittenen - vor allem auch aufgrund der damit für die Versuchstiere verbundenen unvorstellbaren Qualen - akuten Toxizitätstest.

Völlige Aufweichung des Vermarktungsverbotes

Der Entwurf enthält nicht nur eine Verschiebung des Verbotes, sondern darüber hinaus wird das Vermarktungsverbot völlig aufgeweicht. Es sollen lediglich die im EU-Raum erzeugten tierversuchsgestützten Produkte verboten werden. Importierte Kosmetika mit Tierversuchen aus Drittländern (z.B. aus Ungarn) dürfen weiter gehandelt werden.

Einziger Lichtblick in diesem Entwurf ist das Verbot von Tierversuchen am kosmetischen Endprodukt. Doch derartige Tests werden in der Praxis auch kaum mehr am Tier durchgeführt.

Tierversuchsgegner ersuchen die EU-Parlamentarier, diesen Entwurf abzulehnen

Der "Internationale Bund der Tierversuchsgegner" hat daher eine Protestkartenaktion gestartet. Die EU-Parlamentarier werden ersucht, dem umstrittenen Entwurf nicht zuzustimmen. Der IBT fordert, dass nicht nur Tierversuche zur Prüfung des Endproduktes, sondern auch zur Prüfung der Bestandteile bzw. Inhaltsstoffe von Kosmetika ab sofort zu verbieten sind. Bis zur Anerkennung und gesetzlichen Verankerung von Ersatzmethoden sind schon geprüfte Substanzen bzw. Inhaltsstoffe zu verwenden.
Darüber hinaus verlangt Gerda Matias, Präsidentin des IBT, ein Verbot des Inverkehrbringens aller kosmetischen Produkte, deren Bestandteile im Tierversuch getestet wurden - also auch ein striktes Handelsverbot von tierversuchsgetesteten Produkten aus Drittländern.

Die sofortige Alternative: Kosmetika ohne Tierversuche kaufen

Doch Kosmetikhersteller und Konsumenten müssen erst gar nicht auf ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetika seitens der Politik warten.
"Denn wenn der Hersteller auf den Einsatz einer neuen Substanz verzichtet, indem er auf altbewährte Rohstoffe zurückgreift, sind nirgends zwingend Tierversuche vorgeschrieben", so Romana Rathmanner, Mitglied der Kommission gemäß § 13 Tierversuchsgesetz, und verweist auf die Möglichkeit des Kaufs von Kosmetika ohne Tierqual.

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Glossar:

Augenreizung: Schleimhautverträglichkeitstest, nach dem Erfinder auch Draize-Test genannt. Den in Gestellen fixierten Kaninchen wird die Substanz ins Auge geträufelt. Auftretende Reizungen, Verätzungen bis hin zur völligen Zerstörung des Auges werden registriert. Ersatztests - wie z.B. am Hühnerei - sind vom Gesetzgeber nicht als tierversuchsfreie Methode anerkannt.

Hautreizung: Hierbei wird auf die geschorenen, oft aufgeritzten, Körperstellen der Versuchstieren die zu prüfende Substanz aufgetragen und die Reaktionen wie Rötungen, Entzündungen etc. registriert.
Hierzu wird die LD-50 (letale Dosis) bestimmt, die Dosis der einmalig verabreichten Substanz, an der 50% der Versuchstiere sterben. Die Vergiftungserscheinungen wie Muskelzittern, Krämpfe, Lähmungen, starker Speichelfluss, Durchfall, Besinnungslosigkeit etc. werden registriert, um schließlich an den toten Tieren die Stärke der Schädigungen festzustellen.
In letzter Zeit wir dieser Test leicht abgewandelt durchgeführt, indem z.B. die Tiere schon kurz bevor sie an den Vergiftungen sterben, getötet werden.

in-vitro: im Reagenzglas

OECD: Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Resorption: Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung einer Substanz

Teratogenität: körperliche Missbildungen während der Embryonalentwicklung

Toxizitätstest: Giftigkeitstest. Den Versuchstieren wird über den Nahrungsweg als Futterbeimischung, aber auch durch Schlundsonden, bzw. durch Einatmung, bzw. über die Haut - gespritzt in Muskeln, Venen oder in die Bauchhöhle - die Substanz verabreicht.

validiert: bewertet

Nachtrag vom 04.03.2002:
Weiterhin Tierqual für Kosmetika
Der Rat der Europäischen Union beharrt auf der Vermarktung von Kosmetika, die im Tierversuch getestet wurden. Dies geht aus dem "Gemeinsamen Standpunkt" des Rates zur Änderung der Kosmetikrichtlinie hervor, der dem Internationalen Bund der Tierversuchsgegner (IBT) vorliegt.

"Es ist ganz offensichtlich, dass es der EU-Kommission und nun auch dem Rat bei der Durchsetzung eines Tierversuchsverbots für Kosmetika am klaren politischen Willen fehlt. Dies ist um so tragischer, als es dabei um die Leiden, Schmerzen und Qualen und den unausweichlichen Tod von rund vierzigtausend Versuchstieren jährlich geht", so Gerda Matias, Initiatorin des Tierschutz-Volksbegehrens und Präsidentin des IBT. "Seit Jahren wird das Verbot des Inverkehrbringens kosmetischer Mittel, die im Tierversuch getestet worden sind, mit der Begründung verschoben, dass es nicht genügend Alternativmethoden gäbe. Wenn der EU Tierschutz ein ernstes Anliegen wäre, könnten bis zur Validierung und Anerkennung von Ersatzmethoden – auch durch die OECD – alle schon geprüften Substanzen, von denen es mindestens 8.000 gibt, verwendet werden."

Als Minimalzugeständnisse an die Forderungen der TierschützerInnen sind wenigstens die Erlaubnis der Positiv-Etikettierung von tierversuchsfreien Produkten und das Verbot von Tierversuchen für kosmetische Endprodukte zu werten.

Es ist zu hoffen, dass die EU-Parlamentarier dem umstrittenen Text des Rates in der zweiten Lesung ihre Zustimmung verweigern.

Nachtrag vom 12.06.2002:
EU-Parlament stimmte für ein halbherziges Tierversuchsverbot für Kosmetika
Das Europäische Parlament hat in seiner Plenarsitzung am 11.6.2002 in Straßburg in zweiter Lesung für ein Tierversuchsverbot bei der Entwicklung und Herstellung für Kosmetika gestimmt. Dieses wird jedoch erst Anfang 2005 in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt müssen jedoch die tiergetesteten Kosmetika als solche deklariert werden – solange bis das Vermarktungsverbot verbindlich wird.
Das Vermarktungsverbot für tiergetestete Kosmetika soll frühestens fünf Jahre nach Annahme dieser Richtlinie umgesetzt werden – also im Jahre 2007 – mit der Ausnahme von drei toxikologischen Tests. Diese sollen erst mit 2014 verboten werden.

Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT) und Initiatorin des Tierschutz-Volksbegehrens ist von diesem Ergebnis enttäuscht. Selbst wenn es gegenüber den Vorschlägen der EU-Kommission und des Rates, die etwa für die Verbote keine zeitlichen Limits festschrieben, fortschrittlicher und tierfreundlicher ist. "Die Regelung, dass in drei Jahren innerhalb der EU keine Tierversuche mehr bei der Entwicklung und Herstellung von Kosmetika durchgeführt werden dürfen, derartige Produkte aber weiterhin verkauft werden können, wird am Leid der Tiere wenig ändern. Es wird lediglich eine Verlagerung der Tierversuche in Drittländer statt finden."

Schon 1998 hätten das Tierversuchs- und Verkaufsverbot in Kraft treten sollen. Doch die EU-Kommission hat dies immer wieder verschoben und immer mehr verwässert.
Im April 2001 stimmten die EU-Parlamentarier in erster Lesung für ein sofortiges und generelles Tierversuchs- und Vermarktungsverbot, das der Internationale Bund der Tierversuchsgegner und mit ihm eine breite Bevölkerungsschichte seit eh und je fordern. Eine sofortige Umsetzung wäre auch ohne Sicherheitseinbußen für den Konsumenten möglich, zumal es 8000 in der Praxis bewährte Substanzen gibt.

Um so bedauerlicher ist es, dass jetzt die Parlamentarier einen Schritt zurück gemacht haben. So wurde z.B. auch die Definition von Alternativmethoden geändert: Darunter sollen nicht nur tierversuchsfreie Verfahren fallen, sondern auch Methoden, die den sogenannten 3 R´s (reduce, refine, replace) entsprechen, also Methoden bei denen weniger Tiere zum Einsatz kommen bzw. bei denen die Tiere weniger leiden sollen.

Fraglich ist es trotzdem, ob der EU-Ministerrat dem von den Parlamentariern gestern - trotz vieler, schmerzlicher Kompromisse - verabschiedeten Gesetzesentwurf zustimmen wird.
Derzeit leiden und sterben innerhalb der EU jährlich bis zu hunderttausend Versuchstiere für Kosmetiktests.

Nachtrag vom 11.11.2002:
Der Internationale Bund der Tierversuchsgegner (IBT) kritisiert vehement die erneute Verschiebung des Verbotes von Tierversuchen für Kosmetika, die mindestens weiteren 480.000 Tieren das Leben kostet. Der IBT macht die EU-Kommission für die fehlenden, tierversuchsfreien Alternativen verantwortlich.

Die EU-Parlamentarier und der EU-Ministerrat haben sich im Vermittlungsausschuss darauf geeinigt, dass erst ab dem Jahr 2009 einige und ab 2013 alle Tierversuche für die Herstellung von Kosmetika verboten werden sollen.

Dabei hätte das totale Tierversuchs- und Verkaufsverbot schon 1998 in Kraft treten sollen. Seit damals wird das Verbot stets aufs Neue mit der unzureichenden Begründung verschoben, es gäbe nicht genügend Alternativmethoden. "Dieser Mangel ist eindeutig ein Versäumnis, das von der Kommission zu verantworten ist. Deren Auftrag ist es, tierversuchsfreie Verfahren zu forcieren und zu fördern", erklärt Gerda Matias, Präsidentin des IBT und Initiatorin des Tierschutz-Volksbegehrens".

Sie kann bei bestem Willen nicht länger Verständnis für die erneute Verschiebung aufbringen. "Schließlich ist gerade im Kosmetikbereich die sofortige Umsetzung des Tierversuchsverbotes ohne Sicherheitseinbußen für den Konsumenten möglich. Es gibt schon heute rund 8000 in der Praxis bewährte Substanzen, auf die sich die Kosmetikindustrie, bis zum Einsatz von tierversuchsfreien Verfahren, stützen kann", so Gerda Matias weiter.

Die endlose Verschiebung des Tierversuchsverbotes bedeutet vorerst für mindestens weitere 480.000 Tiere Leiden, Schmerzen, Qualen und den unausweichlichen Tod im Versuchslabor.

Nachtrag vom 19.04.2005:
Im Jahr 2003 hat die EU beschlossen, dass EU-weit ...

  • 1. für die TESTUNG
-ab 2003 keine Tierversuche mehr am Endprodukte
durchgeführt werden
-ab 2009 auch keine Tierversuche mehr für die
Inhaltsstoffe durchgeführt werden dürfen
  • 2. Kosmetika nicht mehr (auch aus Drittländern)
    VERKAUFT werden dürfen
-ab 2003, wenn eine tierversuchsfreie Methode zur Prüfung
des Endproduktes auch außerhalb der EU anerkannt ist
-ab 2009, wenn die Inhaltsstoffe im Tierversuch getestet
wurden (mit Ausnahme von drei Tests)
-ab 2013 soll das totale Kaufverbot gelten (die Frist
kann aber noch verlängert werden)
  • 3. tierversuchsfreie Kosmetika endlich auch als solche deklariert werden dürfen.

Für uns TierversuchsgegnerInnen stellte dieser Stufenplan ein schwer zu akzeptierender Kompromiss des EU-Ministerrates und der EU-Parlamentarier dar, da wir 13 Jahre lang für ein sofortiges EU-weites Test- und Handelsverbot sowohl hinsichtlich der Inhaltsstoffe als auch des Endproduktes gekämpft haben. Nun gilt es, selbst diesen für uns faulen Kompromiss zu verteidigen, da gegen diese siebte Änderung der EU-Kosmetikrichtlinie Frankreich (mit seinen weltgrößten Kosmetikherstellern) eine Klage mit der Begründung eingereicht hat, dass das Verbot mit den "Bestimmungen der Welthandelsorganisation unvereinbar" sei. Am 18.Jänner 2005 fand nun am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg dazu die erste Verhandlung statt. Weitere Anhörungen, die öffentlich sind, sollen folgen. TierversuchsgegnerInnen demonstrierten vor dem Gerichtshof. Der Internationale Bund der Tierversuchsgegner hat einen schriftlichen Protest eingelegt.

In Österreich sind Tierversuche für die Entwicklung und Herstellung von Kosmetika nach dem Tierversuchsgesetz seit 1999 sowohl für die Rohstoffe als auch für das Endprodukt verboten.

Das Verkaufsverbot gilt laut dem oben angeführten Stufenplan der EU-Kosmetikrichlinie.

Nachtrag vom 02.06.2005:
Frankreich hatte gegen die EU-Kosmetikrichtlinie, die ein stufenweises Verbot von Tierversuchen sowohl bei der Entwicklung als auch für den Verkauf vorsieht, Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingereicht. Am 24. Mai fassten die Richter des EuGH in Luxemburg den Beschluss, das beschlossene EU-weite Verbot n i c h t mehr rückgängig zu machen. Ein Erfolg für den Tierschutz!

* Siehe dazu auch Verbot von Tierversuchen für Kosmetika wird zum dritten Mal verschoben
(28.02.2001)
* Siehe dazu auch Weiterhin Tierqual für Kosmetika (04.03.2002)
* Siehe dazu auch EU-Parlament stimmte für ein halbherziges Tierversuchsverbot für Kosmetika
(12.06.2002)
* Siehe dazu auch Totalverbot von Tierversuchen für Kosmetika verschoben (11.11.2002)
* Siehe dazu auch Leitlinie zur Kennzeichnung von tierversuchsfreien Kosmetika* Siehe dazu auch EU-Kosmetikrichtlinie wird neu verfasst (06.02.2008)
* Siehe dazu auch Grausame Tierversuche für Faltenglättung (05.05.2008)
* Siehe dazu auch EU: 15.000 kosmetische Inhaltsstoffe abfragbar
* Siehe dazu auch Tierversuche für Botox-Faltenbehandlung (11.08.2008)
* Siehe dazu auch Leserbrief zu Botox-Artikel (Der Standard; 09.09.2008)
* Siehe dazu auch EU-weites Verkaufsverbot von tierversuchsgetesteten Kosmetika (04.03.2009)
* Siehe dazu auch Kosmetik-EU-Bericht (2008) (28.09.2010)
* Siehe dazu auch Tierversuchsfreier Hautreizungstest durch OECD anerkannt
* Siehe dazu auch Mach mit: Petition „NEIN zu Tierqual-Kosmetik“. Europaweite Kampagne gegen Tierversuche für Kosmetika (19.01.2011)
* Siehe dazu auch 24. April: Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche. Das schwer erkämpfte Verbot der Tierversuche für Kosmetik muss bleiben (20.04.2011)
* Siehe dazu auch Europäische TierversuchsgegnerInnen begrüßen die ablehnende Haltung der österreichischen Regierung zur an Tieren getesteten Kosmetik (18.07.2011)
* Siehe dazu auch Kosmetik-EU-Bericht (2009) (27.09.2011)
* Siehe auch NEIN zu grausamen Tierversuchen für Kosmetik: Übergabe von 242.000
Unterschriften (18.10.2012)
NEIN zu grausamen Tierversuchen für Kosmetik: Übergabe von 242.000 Unterschriften * Siehe auch Bald ist es soweit: Europa als d i e tierversuchsfreie Zone für Kosmetika
(29.11.2012)
Bald ist es soweit: Europa als d i e tierversuchsfreie Zone für Kosmetika * Siehe auch Historischer Erfolg der europäischen TierversuchsgegnerInnen:
Verkaufsverbot tiergetesteter Kosmetika tritt in Kraft
(14.02.2013) Historischer Erfolg der europäischen TierversuchsgegnerInnen

* Siehe auch EU: Drittländer sollen auch auf Tierversuche für Kosmetika verzichten