Die letzte aktuelle Meldung zu diesem Thema vom Juni 2017 - der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé vertreibt Botox-Produkte, die in Tierversuchen getestet worden sind - finden Sie am Ende des Artikels.

An sich ist "Botox" der Produktname eines Medikamentes der amerikanischen Firma Allergan, welches das Botulinumtoxin (1) als Wirkstoff enthält. Doch mittlerweile hat sich "Botox" als Kurzbezeichnung für Faltenbehandlungen mit dem Botulinumtoxin durchgesetzt. Auch im folgenden Text wird die umgangssprachliche Form "Botox" statt "Botulinumtoxin" verwendet sowie zur Benennung des kosmetischen Eingriffes mit Botulinumtoxin.

 

Botox-Behandlungen für die Schönheit boomen

Seit Jahrzehnten wird Botox in der Medizin für bestimmte Krankheiten eingesetzt: Bei gewissen Schielstellungen, Lidkrämpfen, Schiefhals, unterschiedlichen Arten von Muskelkrämpfen und -zuckungen. Nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten wird intensiv geforscht. Derzeit wird der Einsatz vor allem bei Migräne, Spannungskopfschmerz, vergrößerter Prostata erprobt. Erst in den letzten Jahren hat sich Botox zur kosmetischen Behandlung durchgesetzt. Dies jedoch rasant. Und immer mehr Firmen steigen in das lukrative Geschäft mit Botox als Faltenglätter ein. Die Botox-Behandlungen dürfen jedoch nur von ÄrztInnen und nicht von KosmetikerInnen durchgeführt werden, weil es sich bei Botox um ein Medikament, das noch dazu in die Muskeln injiziert wird, handelt.

 

Grausamste Tierversuche

Bei der kosmetischen Botox-Behandlung wird die Substanz Botulinumtoxin A, das Gift der Bakterie Clostridium botulinum, in die Gesichtsmuskeln gespritzt (2). Dabei handelt es sich um die giftigste Einzelsubstanz die derzeit bekannt ist. Botox muss für die Behandlungen extrem stark verdünnt und jede einzelne Produktionseinheit/Charge muss auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit überprüft werden.

In der Regel erfolgt dies mittels der LD50-Methode (wobei L für letale = tödliche und D für Dosis steht). Dabei wird die Testsubstanz mehreren Gruppen von Mäusen - in verschiedenen Verdünnungen - in die Bauchhöhle gespritzt und jene Dosis ermittelt, nach deren einmaliger Verabreichung 50 Prozent der so behandelten Versuchstiere innerhalb eines bestimmten Zeitraums (bei Botox bis zu vier Tagen) sterben.

"Das Gift wird in die Bauchhöhle von Mäusen gespritzt. Es kommt zu Muskellähmungen, die unter anderem auch zu Sehstörungen führen. Die Versuche sind für die Tiere mit fürchterlichen Leiden und Schmerzen verbunden. Die Mäuse sterben – oft erst nach drei bis vier Tagen - schließlich qualvoll an Atemstillstand", so Irmela Ruhdel von der deutschen Akademie für Tierschutz.


Diesen qualvollen Erstickungstod erleiden zwischen 60 und 100 Mäuse pro Produktionseinheit. Schätzungen zufolge sterben hierfür allein in der EU jährlich 400.000 Tiere (Stand 2015).

 

Alternativmethoden müssen – im Gegensatz zu Tierversuchen - validiert werden

Das Europäische Arzneibuch führt neben dem LD50-Test sehr wohl auch die Möglichkeit von alternativen Prüfverfahren an. Doch diese müssen – bevor sie eingesetzt werden können - von jedem einzelnen Hersteller für jedes seiner Produkte validiert (= bewertet, geprüft) werden. Die Validierung erfolgt auf Basis der LD50-Testergebnisse. Ein verwerfliches Unterfangen, weil der LD50-Test selber nie validiert werden musste und die Ergebnisse aus Tierversuchen unverlässlich sind, wie immer wieder dramatische Ereignisse - so starben mehrere Kinder nach Behandlungen mit Botulinumtoxin - darlegen.

 

Trotz Tierversuche: Tote durch Botulinumtoxin

Die Arzneimittelzulassungsbehörde der USA (= Food and Drug Administration, FDA) warnte vor der Anwendung von Botulinumtoxin, nachdem Patienten unter 16 Jahren mit spastischer Lähmung durch eine Behandlung gestorben sind (genaue Zahlen wurden nicht genannt).
Insgesamt sind 28 Todesfälle und 600 Fälle mit schweren Nebenwirkungen (bis August 2007) – verursacht durch Botulinumtoxin-Behandlungen – dokumentiert. Allesamt konnten durch die zahlreichen Tierversuche nicht verhindert werden.
In Deutschland hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte seit 1994 insgesamt 210 Zwischenfälle gezählt, darunter fünf tödliche. (Quelle: Der Standard, 02.09.2008)

 

Tierversuche für Kosmetika EU-weit ausnahmslos verboten

Seit März 2013 sind EU-weit alle Tierversuche zur Entwicklung und Testung von Kosmetika ausnahmslos (!) verboten. Dies gilt sowohl für das Endprodukt als auch für die einzelnen Bestandteile/Rohstoffe. Auch dürfen ab diesem Zeitpunkt Kosmetika, die in Tierversuchen getestet wurden, z.B. in Drittländern, auch nicht mehr verkauft werden.

Für das kosmetisch eingesetzte Botox werden jedoch, weil es als Arzneimittel definiert ist, weiterhin qualvolle Vergiftungstests durchgeführt. Damit wird nicht nur die EU-Kosmetikrichtlinie umgangen, sondern vor allem auch die KonsumentInnen hintergangen, die darauf vertrauen, dass es nur mehr tierversuchsfreie Kosmetika im Handel gibt.

Das Leiden und Sterben abertausender Tiere für kosmetische Zwecke ist durch nichts zu rechtfertigen und ein unhaltbarer Zustand.

 

Was können wir/Sie tun?

  • Verzichten Sie freiwillig auf Botox, das in Tierversuchen getestet wird!

  • Schreiben Sie die unten stehenden Firmen an und appellieren Sie an diese, bei der Chargenprüfung der Botulinumtoxinprodukte auf Tierversuche völlig zu verzichten und rasch eine Ersatzmethode zu entwickeln und anzuwenden.

Musterbrief mit Unterschriftenliste zum Ausdrucken:

Sie können die Briefe auch per E-Mail verschicken. Kopieren Sie die jeweiligen Musterbriefe in die jeweilige Mail:

 

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé vertreibt Botox-Produkte von Ipsen, die noch immer in Tierversuchen getestet werden. Bitte protestieren Sie dagegen.

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(1) Botulinumtoxin ist ein Eiweiß, das von Bakterien (Clostridien) gebildet wird und von dem mehrere Arten bekannt sind und mit den Buchstaben A, B, C ... gekennzeichnet werden. Das Botulinumtoxin Typ A wird als Präparat hauptsächlich von den Firmen Allergan (USA), Ipsen (Großbritannien) und Merz (Deutschland) für den europäischen Raum hergestellt. Für die Faltenbehandlung wird das Botulinumtoxin A verwendet.

(2) Dabei kommt es zur Lähmung der betreffenden (Mimik-)Muskeln und somit zur Glättung von Falten. Nach vier bis sechs Monaten ist die Behandlung zu wiederholen, weil sich das Gift allmählich abbaut. Oft muss die ärztliche Kosmetikbehandlung mit anderen Techniken (Kollagen, Peeling, Hyaluronsäure) kombiniert werden, um "disharmonische Kontraste", wie es auf einer Homepage von einem Anbieter von Schönheitsbehandlungen lautet, zu vermeiden. Der Preis ist von der Anzahl der Injektionen, also der Botox-Menge abhängig; für das gesamte Gesicht ist mit etwa 400 bis 600 Euro zu rechnen.

Siehe dazu auch unsere Presseinformation: Europaweiter Protest gegen Botox-Tierversuche. Schweizer Konzern Nestlé im Zentrum der Kritik.

Nachtrag vom 13.06.2008:
Swissmedic, die zentrale schweizerische Überwachungsbehörde für Heilmittel, warnt vor kosmetischen Behandlungen mit Botulinum-Toxin.


Nachtrag vom 11.08.2008:
Studienergebnisse geben Hoffnung, dass sich das xCELLigence System von Roche als Ersatzmethode zu den Tierversuchen bei der Herstellung von Botoxprodukten eignet.


Nachtrag vom 20.07.2011:
Wie der Medienmitteilung des amerikanischen Botox-Herstellers Allergan zu entnehmen ist, hat die FDA (Food and Drug Administration der United States) eine von Allergan entwickelte tierversuchsfreie in-vitro-Methode zur Testung von Botox behördlich anerkannt.
Die Zulassung gilt jedoch nur in den USA und betrifft lediglich die Allergan-Produkte Botox® für medizinische Zwecke und Botox® Cosmetic (= Vistabel® in Europa) für kosmetische Zwecke. Doch immerhin könnten nach Angabe von Allergan – wenn (!) die Methode weltweit zugelassen wird – 95 Prozent der Tierversuche zur Botox-Testung damit verhindert werden.
Für uns gilt nach wie vor die Forderung nach einem vollständigen Ersatz aller Tierversuche für Botox in allen Ländern und es sind nach wie vor die anderen Hersteller wie Ipsen und Merz gefordert, Ersatzmethoden anzuwenden.
Die Behörden wiederum haben die Ersatzmethoden zügig zu prüfen und umgehend zu bewilligen und in den entsprechenden Vorschriften – wie etwa in das Europäische Arzneibuch – aufzunehmen. Die ersetzten Tierversuche sind im Gegenzug umgehend zu verbieten und aus den Vorschriften zu streichen.


Nachtrag vom 01.02.2012:
Swissmedic, die Schweizer Zulassungsbehörde, hat nun ebenfalls – nach den USA und auch Kanada - das von Allergan entwickelte tierversuchsfreie Verfahren zur Endtestung der Chargen von Botulinumtoxinprodukte, die für den Schweizer Markt bestimmt sind, zugelassen. Diese Zulassung betrifft – wie schon oben dargelegt – nur die Allergan-Botulinumtoxin-Typ-A-Produkte Botox® für medizinische Zwecke und Vistabel® (= Botox® Cosmetic in den USA) für kosmetische Zwecke.
Botox-Produkte von anderen Herstellern bleiben davon unberührt.


Nachtrag vom 24.02.2012:
Der tierversuchsfreie Zelltest für die Allergan-Produkte Botox® und Vistabel® wurde nun auch EU-weit anerkannt.* Ein großer Erfolg im Kampf gegen die Tierversuche für die Botox-Testung, ist doch der amerikanische Botox-Hersteller Allergan Marktführer! Nach Aussagen von Allergan sollen in den kommenden drei Jahren 95 Prozent ihrer Botox-Tierversuche ersetzt werden.

* Detailinformation (aus der Pressemitteilung der "Ärzte gegen Tierversuche e.V."):
Der Zelltest für BOTOX® wurde in Irland anerkannt und gilt im Zuge eines Verfahrens der gegenseitigen Anerkennung in 14 Staaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland, Island, Italien, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden.
Die Anerkennung der französischen Behörden für den Zelltest für VISTABEL® gilt für 29 Länder, nämlich Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien (VISTABEX®), Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern.


Nachtrag vom 20.11.2013:
In einem Gespräch mit der belgischen Tierrechtsorganisation GAIA hat Ipsen mitgeteilt, dass sie mit November 2014 die Tierversuche stoppen werden. Offenbar rechnen sie damit, dass sie bis dahin eine Zulassung für die tierversuchsfreie Testung erhalten.

Die Firma Merz teilte der deutschen Tierversuchsgegnerorganisation „Ärzte gegen Tierversuche“ mit, dass sie mit Ende 2014 bei der Behörde eine tierversuchsfreie Methode einreichen wird.
Bis die beiden Firmen ihre Produkte tatsächlich tierversuchsfrei testen, also kein Tier mehr für die Botox-Testung sterben muss, bitten wir Sie, die unten angeführten Appelle zu unterzeichnen.


Nachtrag vom 25.11.2015:
Der von der Firma Merz entwickelte Zellkulturtest zur Testung ihrer Botox-Produkte ist behördlich anerkannt worden! In den USA ist der Ersatztest schon seit Anfang 2015 zugelassen. Ein schöner Erfolg und ein wichtiger Schritt in Richtung der totalen Abschaffung aller Tierversuche für die Herstellung von Botox-Produkten.
Da der Ersatztest jedoch nicht für alle erforderlichen Testarten eingesetzt werden kann, werden weiterhin, wenn auch weitaus weniger Mäuse dafür sterben müssen.


Nachtrag für das Jahr 2015:
Die amerikanische Firma Allergan hat die LD50-Tests zur Prüfung ihrer Botox-Produkte um 70 - 80% verringert.

Eisai, eine japanische Firma mit Zweigniederlassungen in England, Deutschland und anderen europäischen Ländern lässt ihr Botox-Produkte in Hamburg von LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH & Co. KG) testen. Im Jahre 2015 mussten hierfür 30.000 Mäuse ihr Leben lassen. Eisai behauptet, an einem Zellkulturtest zu arbeiten.


Nachtrag für das Jahr 2017:
Der von Merz entwickelte Zellkulturtest wurde von 36 Ländern zugelassen. Damit konnte die jährliche Anzahl der für die Botox-Testung verwendeten Mäuse bei Merz von 36.000 (2014/2015) auf 10.400 (2016) reduziert werden.

Die Firma Ipsen führt nach wie vor Tierversuche für ihre Botox-Produkte durch. Laut ihren eigenen Aussagen (Stand Oktober 2015) arbeitet sie noch immer an einem Zelltest, der die LD50-Tests ersetzen soll.


Nachtrag vom Juni 2017:
Der deutsche Ärzteverein gegen Tierversuche enthüllte, dass der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé die Botox-Produkte Dysport und Azzalure, die von Ipsen hergestellt und noch immer in Tierversuchen getestet werden, weltweit vertreibt.

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Die Unternehmen Ipsen und Eisai lassen ihre Botulinumtoxinprodukte noch immer in grausamen Tierversuchen testen. Fordern Sie sie auf, endlich auch auf Ersatzmethoden umzusteigen. Anbei Musterbrief mit Unterschriftenliste zum Ausdrucken, Mailen oder Faxen:

Musterbrief mit Unterschriftenliste zum Ausdrucken:

Sie können die Briefe auch per E-Mail verschicken. Kopieren Sie die jeweiligen Musterbriefe in die jeweilige Mail:

  • Ipsen Pharma GmbH, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • Eisai GmbH Deutschland, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé vertreibt Botox-Produkte von Ipsen, die noch immer in Tierversuchen getestet werden. Bitte protestieren Sie dagegen.


Siehe auch 16. bis 21. Juni: Europaweite Aktionswoche gegen Botox-Tierversuche
Siehe auch Protest gegen Tierversuche für "Schönheitsspritze"
Siehe auch Grausame Tierversuche für Faltenglättung
Siehe auch Leserbrief zu Botox-Artikel (Der Standard))
Siehe auch Pressemitteilung des BfR "Weniger Tiere für die Prüfung von Botox-Arzneimittel"
Siehe auch unter Parlamentarische Anfragenn im Juni 2007 "Tierversuche zur Antifaltenbehandlung"
Siehe auch Undercoverfilm zeigt systematische Vergiftung von Mäusen für Botox
Siehe auch Tierversuche in der Kosmetikindustrie