Tierversuche werden nicht nur an Tieren in den Versuchslabors durchgeführt, sondern auch an wildlebenden und sogar artgeschützten Tieren.Diese sind besonders problematisch, da für wildlebende Tiere allein schon der Akt des Einfanges und Festhaltens äußerst belastend ist. Auch besteht für die wieder in die Freiheit entlassenen Tiere ein großes Risiko, da etwa eine Betreuung und Nachkontrolle nach den Experimenten nicht verlässlich bzw. gar nicht gewährleistet werden kann. Todesfälle und Spätfolgen sind nicht auszuschließen.

Nichtsdestotrotz werden in Österreich an tausenden wildlebenden Tieren Experimente durchgeführt. In den Jahren 2003 bis 2007 sind allein vom Wissenschaftsministerium neun Projekte mit insgesamt 1.815 wildlebenden Tieren genehmigt worden, wie einer Parlamentarische Beantwortung einer Anfrage der Grünen zu entnehmen ist. Wobei noch zu bedenken ist, dass Tierversuche nur dann einer Genehmigung bedürfen, wenn die Eingriffe für die Tiere mit Angst, Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbunden sind. Eingriffe, von denen der Experimentator annimmt, dass sie für die Tiere nicht belastend sind, gelten gar nicht als Tierversuche und müssen dementsprechend auch nicht genehmigt werden.

  • Fischen (Huchen, Welsen, Barben etc.) wurden Telemetriesender oder Transponder-Chips implantiert, um die Wanderbewegungen bzw. die Benutzung von Laichplätzen der Fische zu beobachten und zu dokumentieren.

  • Landschildkröten, die eine bedrohte Tierart darstellen, wurde ein Kontrastmittel verabreicht und von ihnen computertomografische Bilder aufgenommen. In zwei anderen Projekten wurde den Schildkröten Blut abgenommen und einerseits jahreszeitliche und geschlechtsspezifische Blutparameter evaluiert und andererseits der Kalziumbedarf von Landschildkröten untersucht.
  • In einem noch laufenden Projekt sollen durch Untersuchungen an 240 Ziesel, die eine gefährdete Tierart darstellen, Kenntnisse über die Populationsgenetik gewonnen werden.

  • Über drei Jahre hinweg wurde an 40 Feldhamstern, die auch artgeschützt sind, der Frage nach den "Reproduktionsstrategien weiblicher Feldhamster" nachgegangen. Dabei wurde den Tieren Transponder-Chips eingesetzt und Blut abgenommen. Weitere Tierversuche sollen folgen.

Als Begründung für die Tierversuche wird angegeben, über das Verhalten der Tiere (Hamster, Ziesel, Fische) mehr in Erfahrung bringen zu wollen, um sie bzw. ihren Lebensraum künftighin besser schützen zu können. Das ist doch paradox: Um die Tier-Art zu schützen, werden einzelne Tier-Individuen durch die tierexperimentellen Eingriffe gefährdet. Die Schildkröten-Experimente sollen gemäß den Angaben zu einem verbesserten Diagnoseverfahren für den Tierarzt bei kranken Heimtier-Schildkröten führen.

Laut Wissenschaftsministerium, das in der Parlamentarischen Anfragebeantwortung mehr oder minder die Antwort der Tierexperimentatoren wiedergibt, soll bei all diesen Experimenten kein einziges Tier weder absichtlich noch unabsichtlich zu Tode gekommen sein. Doch derartige Aussagen sind meist an Interpretationen gekoppelt, die es zu hinterfragen gilt: An der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau/OÖ etwa wurden 25 Graugänsen Sender in die Bauchhöhle implantiert, um den Herzschlag und die Körpertemperatur der Tiere zu messen; nach 11/2 Jahren wurden die Sender wieder herausoperiert. Obwohl zwei Tiere unmittelbar nach der Sender-Entfernung starben, bewerten sowohl der Experimentator als auch das Wissenschaftsministerium deren Tod als in keinem direkten Zusammenhang mit dem Eingriff (der Im- und vor allem Explantation der Sender) stehendes Ereignis ...

Auch können nach Abschluss eines Projektes, bei dem die Tiere wieder in die Freiheit entlassen werden, unmittelbar folgende Schäden, Todesfälle und Spätfolgen überhaupt nicht mehr ermittelt werden. Wie etwa bei den zwei letzten Forschungsprojekten zur Vermeidung von Vogelanprall an Glasflächen, welche die Wiener Umweltanwaltschaft in Auftrag gegeben hat: Dabei wurden beim ersten Projekt 975 (!) wildlebende Singvögel (41 Arten, wie etwa Grünspecht, Rauchschwalbe, Bachstelze, Zaunkönig, Nachtigall, Amsel, Buchfink, Stieglitz, Pirol etc.) und beim zweiten Projekt 899 (!) Singvögel (39 Arten) eingefangen, Flugexperimenten unterzogen (bei dem insgesamt drei Vögel zu Tode gekommen sind) und wieder frei gelassen. Es ist nicht auszuschließen, dass nach der Freilassung Vögel – nach Stunden oder Tagen – allein durch den ausgesetzten Stress Schaden nehmen oder sogar den Tod erleiden.

Siehe dazu auch unsere Presseinformation: Europaweiter Protest gegen Botox-Tierversuche. Schweizer Konzern Nestlé im Zentrum der Kritik.