Wir fordern: Ein Gesetz, das solche Grausamkeiten erlaubt, muss geändert werden

Appellieren auch Sie an Wissenschaftsministerin Dr. Beatrix Karl (Schreiben hier aufrufen, ausdrucken, unterzeichnen und postalisch abschicken) - Danke!

Der 14. Jänner 2010 war für uns jener besondere Tag, an dem – ausgelöst durch einen Radiobericht über grausame Lawinen-Experimente mit 29 Schweinen in Vent (Bezirk Sölden, im Tiroler Ötztal) - in aller Früh eine Welle der Bestürzung und Empörung durch Österreich und weit darüber hinaus ging:
Seit Tagen wurden Schweine narkotisiert und mit Geräten verkabelt, im Schnee mit unterschiedlichen Atemhöhlen vergraben und ihr Erstickungstod - mit den damit verbundenen physiologischen Vorgängen – aufgezeichnet. Andere Tiere wurden bis zum Kopf eingegraben, um deren Erfrierungstod zu untersuchen.

Tierversuche mussten gestoppt werden

Aufgrund des massiven Drucks der breiten Öffentlichkeit, durch zahlreiche Aktivitäten einzelner TierschutzaktivistInnen, diverser Tierschutz-Organisationen, PolitikerInnen und anderen Institutionen, wie etwa der „Söldner Bergbahn“ und des „Ötztal Tourismus“ sowie der laufenden Berichterstattung wurden die Experimente abgebrochen. Zehn Schweine waren bereits gestorben – dreizehn, noch unversehrte Schweine wurden nach einigem hin und her schlussendlich in die Obhut des Tierschutzvereines für Tirol gegeben; die restlichen sechs Schweine sollen beim Züchter verblieben sein.

Den ganzen Tag liefen bei uns die Telefone heiß: JournalistInnen erfragten Details zu dem Experiment im Speziellen und zu Tierversuchen in Österreich im Allgemeinen.

In einer ersten Presseaussendung forderten wir den sofortigen Stopp der Tierversuche. Und - nachdem wir selbst die Sachlage eruiert hatten (Handelt es sich um behördlich genehmigte Tierversuche? Wer hat sie genehmigt? Wer ist VersuchsleiterIn?), erstatteten wir Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, die das Verfahren inzwischen eingestellt hat …


Was war geschehen?

Das Institut für Alpine Notfallmedizin der EURAC-Bozen hat in Zusammenarbeit mit dem Labor für Experimentelle Anästhesie (der Universitätsklinik für Anästhesie auf der Medizinischen Universität Innsbruck) Lawinen-Experimente mit Schweinen durchgeführt.

Die Forschungsergebnisse sollten zur Verbesserung der Notfallmedizin bei Lawinenverschütteten führen und deren Überlebenschancen erhöhen. Es sollte der Frage nachgegangen werden, wieso viele Verschüttete nicht sofort ersticken, sondern – vermutlich durch die rasche Abkühlung - bis zu zwei Stunden überleben.

Das umstrittene Tierversuchsprojekt wurde vom zuständigen Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung auf seine formalen und wissenschaftlichen Kriterien hin überprüft und auch genehmigt, wie einer Parlamentarischen Anfragebeantwortung zu entnehmen ist.

Alles Rechtens damit? Wieso gab es dann die große öffentliche Aufregung und warum musste die Versuchsreihe gestoppt werden?
Die Experimente mussten gestoppt werden, weil die Menschen ein derartiges Experiment – Tiere lebendig zu begraben und sie beim Ersticken und Erfrieren zu beobachten – als grausam und ethisch nicht vertretbar empfanden.

Die breite und massive Ablehnung der Experimente, die von Mitgefühl und Empathie für unsere leidensfähigen Mitlebewesen ausgelöst wurde, machte die große Lücke im österreichischen Tierversuchsgesetz sichtbar, welches im Zuge des Genehmigungsverfahrens keine ethische Überprüfung der Tierversuche durch ein unabhängiges Gremium vorsieht. Dieses Faktum wird von Behörden und Wissenschaft gerne so lange als möglich vertuscht und verschleiert: – auch im vorliegenden Fall (Im Unterschied dazu wurden in der Schweiz aufgrund einer ethischen Abwägung erst jüngst Hirnexperimente an Affen – zuerst behördlich, dann gerichtlich - verboten).


Ethikkommission entpuppt sich als Phantom

Indem Tierexperimentatoren und Behörden gegenüber den Medien beteuerten, dass das Experiment von einer Ethikkommission begutachtet bzw. genehmigt worden wäre, sollte suggeriert werden, dass unabhängige Fachleute eine ethische Bewertung vorgenommen und das Experiment auch in ethischer Hinsicht in Ordnung befunden hätten.

Dabei gibt es in Österreich gar keine Ethikkommission, die im Zuge des Genehmigungsverfahrens gesetzlich verpflichtend eine ethische Überprüfung vorzunehmen hat. Nach der derzeit geltenden Gesetzeslage kann das Ministerium weder dieses noch irgendein anderes Tierversuchsprojekt aus ethischen Gründen ablehnen – die Genehmigung wäre gerichtlich einklagbar.

Allein der Experimentator selbst (!) hat laut Tierversuchsgesetz § 4 (3) eine ethische Überprüfung und Abwägung vorzunehmen, was allerdings eine völlig sinnlose, geradezu absurde Bestimmung ist. Denn welcher Antragsteller wird die Notwendigkeit seines Experiments als niedrig und die Belastung für die Tiere als hoch einstufen und damit die von ihm angestrebte Genehmigung seines Tierversuches selbst vereiteln?

Sogenannter Tierschutzbeauftragter ist zugleich Leiter der Versuchstieranalge

Für die Öffentlichkeit wurde plötzlich ein sogenannter „Tierschutzbeauftragter“ ins Rennen gebracht, der die Schweineexperimente vor Ort überprüft haben soll. Tatsächlich handelt es sich dabei um den universitätseigenen (!) Leiter der Versuchstieranlage (!) der Medizinischen Universität Innsbruck, ao.Univ.Prof. Dr.med.vet Hermann Dietrich, der seine Universitätskollegen überprüft hat. Offenbar wurde dem Leiter der Versuchstieranlage flugs die Bezeichnung „Tierschutzbeauftragter“ verliehen, um vor der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, dass im Interesse der Tiere, auch tierschützerisch, agiert worden wäre.

Selbstverständlich gehen derartige Beschwichtigungs- und Verschleierungstaktiken nicht auf. Schließlich sind die Menschen nicht so dumm, wie man offenbar hofft. Wenn bei der Genehmigung derart grausamer Tierversuche von Wissenschaft und Behörden Ethik und Tierschutz mitberücksichtigt wurden, warum wurden dann die umstrittenen Experimente genehmigt? Unterscheidet sich das ethische Empfinden eines Wissenschafters, eines Experimentators, eines Behördenvertreters völlig von dem der restlichen Bevölkerung? - Das ist eine Frage, die sich nun zwangsläufig stellt.

Siehe auch unter Ethikkommission für Tierversuche - ein Phantom
Siehe auch unter Offener Brief an das Wissenschaftsministerium
Siehe auch unter Grausame Lawinen-Experimente mit Schweinen - ausgewählte Medienberichte
Siehte auch unter Weitere grausame SchweineexperimenteSiehe auch unter Verleihen Sie den Labortieren Ihre Stimme und machen Sie mit bei den Online-Umfragen