Mit Interesse habe ich im "Extra" der "Wiener Zeitung" Franz M. Wuketits'
Artikel "Katzenqual und Forscherdrang" gelesen, der einem weit verbreiteten
Missverständnis über die gesetzliche Definition sowie den erforderlichen
Erkenntnisgewinn von Tierversuchen aufsitzt.

Aus diesem Grund wird es Autor, Redaktion und vor allem die Leser der
"Wiener Zeitung" interessieren, wie Tierversuche in Österreich gesetzlich
definiert werden und welcher Erkenntnisgewinn für deren Bewilligung
maßgeblich ist.

Was gilt laut geltendem Recht als Tierversuch? Anders als Franz M. Wuketits'
Artikel nahe legt, handelt es sich gemäß § 2 des österreichischen
Tierversuchsgesetzes ausschließlich dann um Tierversuche, wenn 1.) die
Eingriffe an einem lebenden Tier stattfinden und 2.) diese auch "mit Angst,
Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbunden" sind.

Falls der Vivisektor der Ansicht ist, dass seine Eingriffe an lebenden
Tieren keine Ängste, Leiden und Schmerzen verursachen, muss er diese
Eingriffe weder melden noch behördlich genehmigen lassen, weil es sich in
diesem Fall laut Gesetz gar nicht um Tierversuche handelt.

Auch Experimente an eigens dafür getöteten Tieren und "Wirbellosen", wie
etwa Krebsen, Hummer, Langusten, Tintenfischen, gelten nicht als
Tierversuche, weshalb sie gesetzlich weder gemeldet noch bewilligt werden
müssen, so dass diese "verbrauchten" Tiere auch nicht in der jährlichen
Tierversuchsstatistik berücksichtigt werden.

Umstrittener Erkenntnisgewinn: Die Experimentatoren begründen ihre Vorhaben
(zunächst als Antragsteller, dann als Projektdurchführer von Tierversuchen)
stets mit dem zu erwartenden Erkenntnisgewinn für die Heilung menschlicher
Krankheiten wie Aids, Alzheimer, Krebs etc.

Leider dient diese zur Floskel erstarrte Argumentation bloß dazu, die
gewünschten Tierversuche genehmigt zu bekommen. Inwiefern die postulierten
Ziele tatsächlich erreicht wurden oder sämtliche verbrauchten Tiere - Ethik
hin oder her - nur für eine Publikation in einer wissenschaftlichen
Zeitschrift ihr Leben lassen mussten, kann niemand sagen, da es bislang
keine retrospektive Bewertung von Tierversuchen gibt.

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Mag. Romana Rathmanner ("Internationaler Bund der Tierversuchsgegner",
Mitglied der Kommission gemäß § 13 des Tierversuchsgesetzes im
Wissenschaftsministerium).

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Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner
Radetzkystraße 21
1030 Wien
www.tierversuchsgegner.at