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Leserbrief zu dem Artikel von Kurt Kotrschal "Solche wie Busek bräuchte das Land. Nur, woher nehmen?", ersch. in "Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2011

Kurt Kotrschal führt als Beispiel für Buseks Aktivitäten als Wissenschaftsminister, die nicht immer Begeisterung hervorriefen, das Tierversuchsgesetz an, das unter Buseks Amtszeit 1990 in Kraft trat. Ein äußerst schlecht gewähltes Beispiel, weil die von Kotrschal angeführten Sachverhalte und Verallgemeinerungen (die tierexperimentelle Forschung wird mit der gesamten „heimischen Forschung“, ja sogar mit der Wissenschaft schlechthin gleichgesetzt) einfach nicht stimmen:
Allein Kotrschals Messlatte, dass politische Aktivitäten, gar ein Gesetz, um das jahrelang unter Berücksichtigung verschiedenster Interessenlagen mühsam gerungen wurde, alle zu begeistern habe, ist kindisch.


Dass die Tierversuchslobby von den dringend erforderlichen gesetzlichen Regelungen nicht begeistert war und ist, mag sein. Die TierversuchsgegnerInnen sind schließlich auch nicht begeistert: Denn entgegen Kotrschals Behauptung verhindert das Tierversuchsgesetz keinen einzigen Tierversuch und sei er ethisch öffentlich so umstritten, wie dies etwa bei den grausamen Lawinenexperimenten mit Schweinen in Tirol der Fall war. Aber immerhin werden durch das Tierversuchsgesetz – das Kotrschal leger als „Fehlkonstruktion“ bezeichnet - die Experimente an Tieren – allerdings nur jene an den lebenden Wirbeltieren - reglementiert, seltener schon - selbst im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften – auch kontrolliert.

Entgegen Kotrschals Behauptung und entgegen demokratischer Prinzipien ist die Kommission zur Genehmigung von Tierversuchen seit jeher nicht paritätisch besetzt. Eine Geschäftsordnung wurde erst jüngst – nach über 20 Jahren - verabschiedet, weil der Rechnungshof die undurchsichtigen Verfahrensgänge dieser Kommission beanstandet hat.
Zuletzt musste sogar die Volksanwaltschaft eingeschaltet werden, weil das Wissenschaftsministerium ein von der Tierschutzseite nominiertes, qualifiziertes Mitglied weder bestätigt noch zu den Sitzungen einlädt.

Ich denke, dass sich Erhard Busek nie zu diesen Demokratieängstlichkeiten, ja –feindlichkeiten heruntergelassen hätte – auch nicht zum Preis heller Begeisterungszurufe egal welcher Lobbyisten: - dafür ist ihm Respekt zu zollen.

Mag. Romana Rathmanner
Mitarbeiterin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner
Mitglied der im Wissenschaftsministerium angesiedelten Kommission gem. § 13 Tierversuchsgesetz