Mediziner, die beispielsweise spezielle Beatmungstechniken erlernen sollen, üben dies meist an Schweinen. Ebenso werden Schweine verwendet, um Beatmungsgeräte zu testen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de) begrüßt die Neuentwicklung eines lebensechten Lungensimulators, der die Tiere künftig vor einem grausamen Labortod bewahren kann.

Bei dem sogenannten TestChest™ handelt es sich um einen Simulator, der die äußerst komplexe Funktionsweise der menschlichen Lunge und der Herz-Lungen-Interaktionen nachbildet und der die Überprüfung von Narkose- und Beatmungsgeräten ermöglicht. Entwickelt wurde diese innovative Methode, die vollkommen ohne Tierversuche bzw. die Verwendung von tierischen Organen auskommt, von der Firma AQAI GmbH in Mainz in Kooperation mit der Schweizer Organis GmbH.

Die Überprüfung von Beatmungsgeräten findet normalerweise bereits an technischen Lungensimulatoren statt. Zum Einsatz kommen hierfür passive Balgsysteme, bei denen das Beatmungsgerät gegen einen Federwiderstand in einen Balg atmet und dabei technisch überprüft werden kann. Will man jedoch nicht nur die mechanischen Eigenschaften untersuchen, sondern auch den Gasaustausch der Lunge, d.h. die Aufnahme von Sauerstoff in das Blut sowie die Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut, werden üblicherweise Tierversuche an narkotisierten Hausschweinen durchgeführt. Um auch den Zustand einer kranken Lunge, beispielsweise bei Lungenentzündung oder einer Schocklunge darzustellen, werden bestimmte Manipulationen am Tier vorgenommen. So wird die Lunge beispielsweise durch Injektion von Ölsäure massiv geschädigt, so dass die Schweine innerhalb weniger Stunden sterben oder getötet werden.

»Solche Versuche sind ethisch inakzeptabel, zudem ist der Einsatz von realitätsnahen Modellen wie Patientensimulatoren sehr viel sinnvoller zum Erlernen praktischer Fähigkeiten zur Anwendung am Menschen oder zum Verständnis von Vorgängen im Körper«, kommentiert Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie und Mitglied bei der Ärztevereinigung.

Mit dem technischen Lungensimulator werden nun beide Faktoren vereint. Die mechanischen Eigenschaften können von einer echten Lunge nicht mehr unterschieden werden und der Simulator verfügt über einen Gasaustausch, d.h. er verbraucht Sauerstoff und gibt Kohlendioxid über die Ausatemluft ab. An einem Monitor wird der Sauerstoffgehalt im Blut anzeigt. Der Lungensimulator ist damit ein wertvolles Werkzeug, um zahlreiche Lungenerkrankungen patientengetreu darzustellen.

Die innovative, tierversuchsfreie Methode wird bereits teilweise zu Schulungszwecken anstelle der bisher üblichen Tierversuche eingesetzt. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche begrüßt solch lebensechte Methoden, die nicht nur aus ethischen Gründen vorzuziehen sind, sondern auch aufzeigen, wie fortschrittliche Medizin und Wissenschaft funktioniert.