Vor bald sechs Jahren, am 1. Juni 2007, ist die sogenannte REACH-Verordnung, welche die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von chemischen Stoffen in der EU regelt, in Kraft getreten.

Innerhalb dieses Programmes werden tausende Chemikalien auf ihre Giftigkeit – auch mittels Tierversuche – überprüft. Aus diesem Grund haben wir uns von Anfang an – schon ab Veröffentlichung des Weißbuches “Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik” im Jahre 2011 - für ein tierversuchsfreies REACH eingesetzt.

Das führte immerhin dazu, dass in der Chemikalienverordnung die Verwendung von Tieren mit einigen Restriktionen belegt wurde und der Entwicklung und dem Einsatz von alternativen Methoden ein zentraler Stellenwert zuerkannt wurde.

Die wichtigste Bestimmung, die wir europäische TierversuchsgegnerInnen hinein reklamieren konnten, enthält der Artikel 25, der folgendermaßen lautet:
„Um Tierversuche zu vermeiden, dürfen Wirbeltierversuche für die Zwecke dieser Verordnung nur als letztes Mittel durchgeführt werden.“

Auch wurde die Forderung seitens des Tierschutzes, die 45-Tage-Kommentierungsphase, in REACH aufgenommen: Hierbei haben Firmen, die Chemikalien in Mengen von mehr als 100 t pro Jahr herstellen und beabsichtigen, Tierversuche durchzuführen, diese online zugänglich zu machen.
Innerhalb von 45 Tagen kann nun im Prinzip jeder überprüfen, ob die erforderlich Daten schon vorhanden sind und somit die Tierversuche überflüssig sind.

Unsere englische Dachorganisation gegen Tierversuche (ECEAE) hat mit dieser Arbeit hochspezialisierte ExpertInnen (ToxikologInnen) betraut, die auch schon sehr erfolgreich waren und Tierleben einsparen konnten.
Nun – bald sechs Jahre danach – hat die EU-Kommission am 5. Februar 2013 einen „Gesamtbericht zu REACH“ (COM (2013) 49 final) hinsichtlich der Umsetzung des Chemikalienrechts und der daraus gewonnenen Erfahrungen verfasst.

Im Zusammenhang mit Tierversuchen wird im Bericht vermerkt

  • dass die Kommission 330 Mio. Euro für die Finanzierung von Forschung und anderen Maßnahmen im Hinblick auf die Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen bereit gestellt hat (von 2007-2011);
  • dass 90 % der Registrierungsdossiers von Firmen gemeinsam vorgelegt wurden und es Fortschritte bei der gemeinsamen Datennutzung gibt, was Tierversuche zu verhindern hilft;
  • dass die Registrierungspflichtigen keine unnötigen Versuche vorgeschlagen haben;
  • dass Tierversuche anscheinend ohne die Vorlage eines Versuchsvorschlags durchgeführt worden sind;
  • dass die Qualität der Begründungen für den Verzicht auf Tierversuche bzw. die Anwendung von alternativen Methoden eher unzureichend ist.

Unsere englische Dachorganisation gegen Tierversuche, ECEAE, beanstandet, dass die Kommission bei der Bewertung der Umsetzung des zentralen Zieles, nämlich der Förderung von alternativen Methoden und dass der Tierversuch nur als letzter Ausweg durchgeführt werden soll, viel zu wenig kritisch vorgegangen ist.

Siehe auch Tierversuche für Chemikalien - das REACH-Programm