Gemäß Artikel 47 der im Jahre 2013 in Kraft getretenen Tierversuchsrichtlinie (Richtlinie 2010/63/EU zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere) haben die einzelnen Mitgliedstaaten zur Entwicklung, Förderung, Validierung und Informationsverbreitung alternativer Methoden beizutragen (Abs. 1 und 4).
Auch sollen die Mitgliedstaaten der Kommission bei der Ermittlung und Benennung von Laboratorien für die Durchführung von Validierungsstudien behilflich sein (Abs. 2) und eine einzige Kontaktstelle namhaft machen, die über die regulatorische Relevanz und Eignung von zur Validierung vorgeschlagenen alternativen Ansätzen berät (Abs. 5).

Um zu eruieren, ob und in welchem Ausmaß die einzelnen Mitgliedstaaten diesem gesetzlichen Auftrag nachkommen, hat Katy Taylor von unserer englischen Dachorganisation gegen Tierversuche, der European Coalition to End Animal Experiments (ECEAE) eine diesbezügliche Umfrage koordiniert und ausgewertet. Sie wurde dabei von allen Partnervereinen der ECEAE, somit auch vom IBT, unterstützt. Die besorgniserregenden Ergebnisse der Umfrage wurden nun im Wissenschaftsjournal ALTEX Online publiziert.

Jeder Partnerverein fragte in seinem jeweiligen Mitgliedstaat bei den zuständigen Behörden über den Stand der Förderungen von Ersatzmethoden zu Tierversuchen an (mit Ausnahme der Niederlande, da diese zu diesem Zeitpunkt die Richtlinie noch nicht umgesetzt hatte).
Nur die Hälfte der Länder – nämlich dreizehn - antwortete überhaupt, wobei davon in nur sieben Staaten Ersatzmethoden gezielt gefördert werden, nämlich in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Österreich und Schweden.

Die gesamte Förderungssumme dieser sieben Staaten beläuft sich auf 18,7 Millionen Euro im Jahr 2013.
Irland, Litauen, Luxemburg, Slowakei, Tschechien und Spanien gaben an, dass weder 2013 noch vorher Fördergelder zur Entwicklung von Ersatzmethoden zum Einsatz kamen.

Weiters ergab die Untersuchung, dass in Dänemark, Finnland, Großbritannien und Österreich die Förderungen gegenüber den Vorjahren 2010, 2011 und 2012 deutlich gestiegen sind. Darüber hinaus plant Dänemark ein Alternativen-Zentrum und Spanien will ein Netzwerk zur Unterstützung von alternativen Methoden aufbauen.


Österreich:
Fragen und die Antworten des Wissenschaftsministeriums

1. Frage: In welcher Höhe wurden von Österreich Mittel zur Entwicklung von Ersatzmethoden (Ersatz, Verminderung und Vermeidung) zu Tierversuchen bereitgestellt? Bitte um jeweilige Aufschlüsselung für die Jahre 2010, 2011 und 2012.

Antwort:
Vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung wurden für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen in den letzten drei Jahren insgesamt EUR 162.193,64 zur Verfügung gestellt. Die nach Jahren aufgeschlüsselten Beträge, die wegen der Fälligkeitstermine der Auszahlungen stark fluktuieren, sind wie folgt 74.700,- EUR (2010), 1.506, - EUR (2011) und 85.987,64 EUR (2012).


2. Frage: In welcher Höhe sind Mittel für das Jahr 2013 (und für langfristigere Projekte darüber hinaus) zur Entwicklung, Förderung und Validierung von Ersatzmethoden veranschlagt?

Antwort:
Im Bundesvoranschlag für 2013 sind für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (zusammen mit Sicherheitsforschung zur Gentechnik) EUR 290.000,- vorgesehen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Mittel für Ersatzmethoden auch aus dem EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, im Rahmen der gesellschaftlichen Herausforderung ,,Gesundheit, Wohlbefinden und demografischer Wandel" zu lukrieren. Für Forschung zu dieser gesellschaftlichen Herausforderung stehen für die Jahre 2014 - 2020 insgesamt 7,2 Mrd. EUR bereit.


3. Frage: Hat Österreich der Kommission Laboratorien für die Durchführung von Validierungsstudien benannt? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

Antwort:
Laboratorien für die Durchführung von Validierungsstudien wurden bisher noch nicht benannt, da die Suche nach Kandidaten, welche die dafür erforderlichen Anforderungen erfüllen können und auch zur Übernahme dieser Aufgabe bereit sind, noch nicht abgeschlossen ist.


4. Frage: Welche Maßnahmen werden gemäß Abs. 4 gesetzt, um die Förderung von Ersatzmethoden zu gewährleisten und die diesbezüglichen Informationen zu verbreiten?

Antwort:
Zur Verbreitung von Informationen über Ersatzmethoden zu Tierversuchen unterstützt und organisiert das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung weiterhin - wie auch schon in den vergangenen Jahren - wissenschaftliche Veranstaltungen, die über Tierversuche, Ersatz- und Ergänzungsmethoden informieren. Dazu gehören insbesondere die nahezu jährlich in Linz stattfindenden Kongresse der ,,European Society for Alternatives to Animal Testing" (EUSAAT), sowie eigene Veranstaltungen des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung wie die Behördenseminare zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch der mit der Vollziehung des Tierversuchsgesetzes befassten Behörden.