Gemäß REACH, der EU-Chemikalienverordnung, Art. 117 (3), hat die Europäische Chemikalienagentur/ECHA alle drei Jahre der EU-Kommission einen Bericht über den Stand der Umsetzung und der Anwendung von Prüfmethoden ohne Tierversuche sowie über Prüfstrategien bei der Testung von Chemikalien vorzulegen.
Der erste Bericht ist Ende Juni 2011 erschienen und enthält die Daten aus den Jahren 2009 - 2011. Der zweite Bericht wurde am 2. Juni 2014 veröffentlicht und enthält die Daten der Tests, die von 2011 - 2013 durchgeführt worden sind.

In dem nun vorliegenden Bericht heißt es, dass die antragstellenden Firmen bemüht sind, Tierversuche zu vermeiden und dass die Verwendung von tierfreien Methoden seit dem letzten Bericht im Jahr 2011 gestiegen ist.
Tatsächlich hat sich nur wenig geändert: Die Zahl der Tierversuchstests (die nicht mit der Anzahl der Versuchstiere identisch ist!) hat sich seit 2009 von 1.849 auf 4.887 mehr als verdoppelt, wobei erwähnt werden muss, dass seit 2009 auch doppelt so viele Stoffe registriert wurden.
Unsere englische Dachorganisation gegen Tierversuche, die ECEAE, hat errechnet, dass für REACH bislang insgesamt mindestens 700.000 Tiere ihr Leben lassen mussten. Von 2009 - 2011 rund 230.00 Tiere; von 2011 - 2013 rund 460.000 Tiere.

Im Bericht wird ausgeführt, dass Firmen zur Vermeidung von Tierversuchen Daten ausgetauscht („Data-Sharing“) und ihre Testunterlagen gemeinsam eingereicht haben. Zudem nutzten sie die Möglichkeit, die Substanzen in Kategorien zusammenzufassen sowie eine Vorhersage der Substanzeigenschaften mittels des sogenannten “Read-Across” (Übertragung von Eigenschaften strukturell verwandter Stoffe) zu treffen. 70 % aller analysierten Dossiers hätten wenigsten in einem Endpunkt von der Kategorisierung und dem Read-Across Gebrauch gemacht.

Zudem hätten Antragsteller begonnen, neue oder überarbeitete in vitro-Methoden im Bereich der Haut- und Augenreizungs-Endpunkte einzusetzen. Die Anzahl der Zulassungen von in vitro-Studien in diesen Bereichen hätte sich verdreifacht. Ungefähr 20 Prozent aller analysierten Dossiers enthielten in vitro-Studien für diese Endpunkte.

Weitere Tierversuche konnten dadurch eingespart werden, dass die Anmeldungen der geplanten Tierversuchsanträge, auf Druck der Tierversuchsgegner, 45 Tage lang von der ECHA über das Internet zugänglich gemacht werden müssen. So wird sichergestellt, dass Substanzen, die von mehreren Firmen angemeldet werden, nur einmal getestet werden. Zudem kann so überprüft werden, ob nicht doch tierversuchsfreie Methoden zur Verfügung stehen oder ob vergleichbare Eigenschaften der zu testenden Stoffe mit einer bereits getesteten Substanz vorliegen und der Tierversuch entfallen kann.
Das Ergebnis aus der ersten REACH-Phase, bei der bis Dezember 2010 Chemikalien mit einer Produktionsmenge von über 1.000 Tonnen registriert werden mussten, zeigt, dass dadurch mindestens 17 Tierversuchsreihen an über 18.000 Tieren, durch die professionelle Arbeit der Tierversuchsgegner verhindert werden konnten.