Eine Forschergruppe der Charité Universitätsmedizin Berlin* hat hunderte von Tierexperimenten zu Schlaganfall und Krebs, sogenannte präklinische Studien, durchforstet. Dabei stellten sie fest, dass in den meisten Publikationen sehr ungenau über die Anzahl der in den Versuchen verwendeten Tiere berichtet wird. Doch genau diese Zahlen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder präklinischen Studie und von wesentlicher Bedeutung für die Nachvollziehbarkeit der Experimente und der Beurteilung der statistischen Aussagekraft und Wertigkeit des Ergebnisses.

 

 

 

Weiters stellten die Berliner Wissenschafter fest, dass in den meisten Studien die Herausnahme bzw. das Verschwinden von Tieren überhaupt nicht dokumentiert und kommentiert wird, so dass man weder über die verbleibende Tieranzahl noch über die Gründe des Verschwindens (absichtlich aussortiert? verstorben?) Bescheid weiß. Es bleibt offen, ob die verschwundenen Tiere in die Auswertung mit einbezogen wurden. Dass ein derartiges Vorgehen das Ergebnis beeinflusst, verzerrt, verfälscht, sich auf diese Weise auch manipulieren lässt, liegt auf der Hand. Die Berliner Wissenschafter haben dies auch in einer Studie simuliert und nachgewiesen.

 

Auch wenn wir TierversuchsgegnerInnen uns nicht mehr über den Wissenschaftsbetrieb wundern, der ja auch den Tierversuch ohne haltbare Kriterien als wissenschaftliche Methode einstuft, ist es doch schockierend, wieder mal bewiesen zu bekommen, dass so viele Tiere völlig sinnlos – lediglich für die Publikationen schlampiger Studien - leiden und sterben müssen.

 

*(Holman C, Piper SK, Grittner U, Diamantaras AA, Kimmelman J, Siegerink B, Ulrich Dirnagl: Where Have All the Rodents Gone? The Effects of Attrition in Experimental Research on Cancer and Stroke. PLOS Biology 14(1): e1002331. DOI:10.1371/journal.pbio.1002331. Published: January 4, 2016). Die Studie ist hier abrufbar.