Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft nun schon zum sechsten Mal verliehene Ursula M. Händel-Tierschutzpreis wird der Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Kegel und Dr. Krämer vom Paul-Ehrlich-Institut verliehen. Sie haben ein In-vitro-Verfahren entwickelt, mit dem Tierversuche zur Testung von Botulinum-Neurotoxine ersetzt werden können.

Botulinumtoxine werden hauptsächlich und immer mehr für Kosmetikbehandlungen, zur Faltenglättung, eingesetzt. Da es sich dabei um ein sehr gefährliches Nervengift handelt, wird jede Produktionseinheit (Charge) in Tierversuchen getestet. Dabei wird der heftig umstrittene, weil sehr grausame LD-50-Test (wobei L für letale = tödliche und D für Dosis steht) eingesetzt, bei dem die Versuchstiere langsam und systematisch vergiftet werden, um schließlich dem qualvollen Erstickungstod zu erliegen. Die Testsubstanz wird mehreren Gruppen von Mäusen - in verschiedenen Verdünnungen - in die Bauchhöhle gespritzt und dadurch jene Dosis ermittelt, nach deren einmaliger Verabreichung 50 Prozent der so behandelten Versuchstiere innerhalb von vier Tagen sterben. 600.000 Mäuse sterben jährlich auf diese qualvolle Art.

Den Wissenschaftlerinnen unter der Leitung von Dr. Kegel und Dr. Krämer vom Paul-Ehrlich-Institut ist es gelungen, ein Zellsystem zu entwickeln, das relevante Mechanismen der schädigenden Wirkung von Botulinum-Neurotoxinen künstlich nachbildet und so für das Testen der Toxine eingesetzt werden kann. Es gibt zwei Typen der Botulinum-Neurotoxine. Für einen haben die Forscherinnen bereits ein Ersatzverfahren entwickelt und publiziert; nun soll das In-vitro-Verfahren für das andere Neurotoxin weiterentwickelt werden. Mit dem Preisgeld - 100.000 Euro - planen die Wissenschaftlerinnen eine internationale Ringstudie, die vor einer Einführung der neuen Testverfahren als Standardmethode nötig ist.
Der alle zwei Jahre vergebene Preis soll insbesondere wissenschaftliche Forschungsprojekte auszeichnen, die dazu beitragen, die Belastung für die in Experimenten eingesetzten Tiere zu vermindern, ihre Zahl zu verringern oder sie ganz zu ersetzen.
Der heurige Preis wird den Gewinnerinnen im September in Bonn überreicht werden.
(Quelle: Pressemitteilung der DFG: https://idw-online.de/de/news656900 und http://www.dfg.de/gefoerderte_projekte/wissenschaftliche_preise/haendel-tierschutzpreis/2016/index.html)

Siehe auch unter Tierversuche für Botox-Faltenbehandlung