Studie löst Diskussion um den Aufbau eines internationalen Tierstudienregisters aus

Bei Studien mit Menschen, den sog. klinischen Studien, ist es gang und gäbe, dass diese in einer Datenbank registriert werden. Oft ist die Registrierung Voraussetzung, um überhaupt einen Genehmigungsantrag z.B. für eine Arzneimittelstudie stellen zu können oder auch dafür, um öffentliche Förderungen lukrieren oder in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publizieren zu können.

Nun wird auch der Ruf nach einem öffentlich zugänglichen, internationalen Register von Tierversuchen (von sog. präklinischen Studien) laut. Diese Diskussion wurde durch eine kürzlich publizierte Studie* (die hier abrufbar ist) angefacht. Für diese hat Studienleiter Prof. Daniel Strech von der Medizinischen Hochschule Hannover Argumente von Forschern, Industrie- und Behördenvertretern für und gegen ein solches Register zusammengetragen. Dabei waren sich alle einig, dass das Tierstudienregister die Zahl der Wiederholungen von Tierversuchen senken kann. Als Gegenargumente werden der zusätzliche Verwaltungsaufwand und die Gefahr, dass Ideen gestohlen werden können, angeführt.

Der Internationale Bund der Tierversuchsgegner (IBT) fordert seit Jahrzehnten eine zentrale Online-Datenbank, die alle Tierversuche registriert. Wir fordern auch ein Negativ-Tierstudienregister, welches auch jene Experimente registriert, die zu negativen Ergebnissen geführt haben, indem die Hypothese nicht bestätigt werden konnte. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass nur rund die Hälfte der Ergebnisse von Tierversuchsstudien in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert wird. Insbesondere das Register mit den „Negativ“-Ergebnissen kann voraussichtlich zahlreiche abermalige Fehlversuche und Doppel- und Mehrfachversuche verhindern.

Nach wie vor fordern wir auch, dass  a l l e  Tierversuchsstudien einer rückblickenden Bewertung zu unterziehen sind, und nicht nur jene mit nichtmenschlichen Primaten und die als „schwer belastend“ eingestuft wurden. Bei der rückblickenden Bewertung wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit das angepeilte Forschungsziel (wofür eigentlich die Tierversuche genehmigt worden sind) tatsächlich erreicht werden konnte.

*Studie:
Susanne Wieschowski, Diego S. Silva, Daniel Strech: "Animal Study Registries: Results from a Stakeholder Analysis on Potential Strengths, Weaknesses, Facilitators, and Barriers." PLOS Biology 14 (11). Published: November 10, 2016.