Laut Tierversuchsgesetz haben die zuständigen Bundesminister die verwendeten Versuchstiere jährlich nach bestimmten Kriterien zu erfassen. Am 17. Juni 2003 wurden die Daten über die im Vorjahr verwendeten Versuchstiere in Form einer gemeinsamen Statistik veröffentlicht.
Zur besseren und schnelleren Übersicht habe ich die offizielle Statistik auf 4 Seiten komprimiert, indem ich bei den Tabellen 2-7 die jeweilige Aufschlüsselung nach den Tierarten weggelassen habe.

Im Jahr 2002 wurden insgesamt 192.062 lebende Wirbeltiere für belastende Versuche verwendet, das sind gegenüber dem Vorjahr um 6,5 % mehr. Damit setzt sich die Tendenz der kontinuierlichen Zunahme von Tierversuchen weiter fort. Konnte man zwischen 1991 und 1999, d.h. fast ein Jahrzehnt lang, erfreulicher Weise einen stetigen Rückgang von Versuchstieren verzeichnen, so ist die Zahl der in Versuchen verwendeten Tiere seit 1999 dramatisch gestiegen - um sage und schreibe 47,4 %!
Diese Entwicklung und dieses Ergebnis war zu befürchten, da Milliarden an öffentlichen (!) Forschungsgeldern in die Gentechnologie gesteckt werden, wo hauptsächlich an Tieren experimentiert wird, während die Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden kaum bis gar nicht gefördert wird.
Darüber hinaus fehlt eindeutig auch der politische Wille, die Tierversuche tatsächlich zu reduzieren, geschweige denn zu ersetzen: Noch immer dürfen tiergetestete Kosmetika importiert und verkauft werden. Altchemikalien sollen (erneut) an Tieren getestet werden, was für Millionen von Tieren den grausamen Vergiftungstod bedeutet.
Daraus ergibt sich für uns TierversuchsgegnerInnen die dringende Forderung, dass endlich dem gesetzlichen Auftrag der Reduzierung und des Ersatzes von Tierversuchen nachgekommen wird, weshalb Projekte, die Tierversuche beinhalten, nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden sollen. Gleichzeitig muss die Forschung nach tierversuchsfreien Methoden forciert und tierversuchsfreie Methoden sofort verbindlich anstelle von Tierversuchen angewendet werden.

Bevor ich nun auf die Einzelheiten der Statistik 2002 eingehe, muss betont werden, dass sich die Statistik nur auf lebende Wirbeltiere, die einem belastenden Experiment ausgesetzt werden, bezieht: Wirbellose Tiere, vor dem Eingriff eigens getötete Tiere und Tiere, die eigens zum Zweck der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc. getötet werden, scheinen in der Statistik nicht auf, ebenso wenig Föten und Embryonen. Experimente, von denen der Experimentator annimmt, dass sie für das lebende Wirbeltier nicht belastend, also nicht mit Leiden und Schmerzen verbunden sind, gelten gesetzlich nicht als Tierversuche und scheinen auch nicht in der Statistik auf!
Die Statistik schweigt sich auch darüber aus, wie viele Tiere sich tatsächlich in den Versuchslabors befinden, da sich die Zahlen nur auf die Labortiere, die im betreffenden Jahr tatsächlich im Versuch eingesetzt waren, beziehen. Es ist aber durchaus üblich, Tiere in Versuchslabors quasi als Vorrat zu halten bzw. bei Nichtgebrauch auch zu töten, was wiederum in keiner Statistik aufscheint.
Auch kann man der Statistik nicht entnehmen, wie viele Versuche ein Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste.
Der Statistik ist auch nicht zu entnehmen, mit wie vielen Tieren Klonversuche und gentechnische Experimente durchgeführt wurden. Auch wird die Verwendung von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen.

Tabelle 1:
Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Art:

Am häufigsten wurden Mäuse (80 %, nämlich 153.034) verwendet, gefolgt von den Kaninchen (8 %, nämlich 15.560), Ratten (7 %, nämlich 13.175) und Meerschweinchen (4%, nämlich 7.566), die auch als die typischen Versuchstiere gelten, zu denen aber bald auch schon die Fische (882) gezählt werden können, deren Verwendung ebenso wie bei den vorher genannten kontinuierlich ansteigt.
Auffallend ist im Vergleich zum Vorjahr der enorme Anstieg bei der Verwendung von Katzen (280) und Hunden (108); ebenso bedenklich ist die Zunahme der Anzahl bei den Hamstern, Pferden, Eseln und Kreuzungen.
Eine deutliche Verringerung ist bei der Verwendung von Amphibien (- 86 %), Schweinen, Schafen und Ziegen zu verzeichnen.

Anzahl der verwendeten Tiere nach den zuständigen Ressorts:
Den höchsten Verbrauch von Versuchstieren hat wieder das BM für Gesundheit und Frauen zu melden (149.510), gefolgt vom BM für Bildung, Wissenschaft und Kultur (36.580).
Das BM für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft registrierte 3.767 und das BM für Wirtschaft und Arbeit 2.319 Versuchstiere.
Allein beim BM für Bildung ist ein Rückgang der Versuchstiere zu verzeichnen, bei allen anderen Ministerien ist die Anzahl gestiegen.

Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Herkunft:
Fast 80 % der Versuchstiere kommen aus nicht registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen, sondern "aus anderen Quellen innerhalb der EU". Lediglich 37.385 Tiere kommen aus inländischen Zucht- oder Liefereinrichtungen.

Tabelle 2:
Anzahl der verwendeten Tiere nach dem Versuchszweck:

Der größte Teil der Versuchstiere (75,6 %, nämlich 145.269) wurde für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin eingesetzt (wobei bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Veterinärmedizin ein fast 90 %iger Rückgang zu verzeichnen ist). Fast 4.000 Tiere wurden für die Diagnostik von Krankheiten verwendet.
Die Zahl der Tiere für die Allgemeine und Berufliche Bildung ist mit 539 Tieren um 35 % angestiegen.

Die Angaben in den Tabellen 3, 6, 7 und 8 stellen eine genauere Aufschlüsselung der Zahlen der Tabelle 2.6, nämlich der für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen verwendeten 8.758 Tiere, dar:

Tabelle 3:
Tabelle 2.6 weiter aufgeschlüsselt nach der untersuchten Stoffart:
An Produkten bzw. Stoffen, die überwiegend in der Landwirtschaft, im Haushalt, als Kosmetika, als Lebensmittelzusatzstoffe und als Futtermittelzusatzstoffe verwendet werden, wurden wie schon im Vorjahr keine toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen durchgeführt. Am häufigsten wurden die toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen an Produkten/Stoffen oder Geräten in der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin (4.453) und solchen, die in der Industrie (3.159) verwendet werden, vorgenommen, was insgesamt 87 % ausmacht.

Tabelle 6:
Tabelle 2.6 weiter aufgeschlüsselt nach Rechtsvorschriften:

An 799 Tieren (um 545 mehr als im Vorjahr) wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen vorgenommen, obwohl es hierfür keine Rechtsvorschrift gibt!

Tabelle 7:
Tabelle 2.6 weiter aufgeschlüsselt nach der Art der Toxizitätsprüfungen:

Innerhalb der toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen wurden an den meisten Tieren, nämlich an 2.767, "nichtletale klinische Anzeichenmethoden" angewendet, das sind um 994 weniger als im Vorjahr. Mehr als verdoppelt hat sich die Anzahl der Tiere für Prüfungen auf subchronische und chronische Toxizität (1.831). Zugenommen hat ebenfalls die Anzahl der Tiere für Prüfungen auf Hautsensibilisierung (1.139), auf Mutagenität (504) und der Toxizität für Wasserwirbeltiere (552).
Weniger Tiere kamen bei den letalen Methoden und für die Augenreizung zum Einsatz.
Gar keine Tiere wurden zur Prüfung auf Reproduktionstoxizität herangezogen (im Vorjahr 460).
Und erstmals wurden auch keine LD-50 bzw. LC-50 Tests an Tieren durchgeführt, was auch dem österreichischen Verbot entspricht, das aber bislang nicht eingehalten wurde.

Tabelle 4:
Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier:

Hierfür wurden insgesamt 74.282 Tiere verwendet, davon 10.718 Tiere (im Vergleich zum Vorjahr um fast 20.000 Tiere weniger!) für Krebserkrankungen beim Menschen, 3.181 (das sind um 2.212 mehr) für Nervenleiden und Geistskrankheiten beim Menschen und 2.217 Tiere für Herz-Kreislauferkrankungen des Menschen.
979 Tiere wurden für "spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen" eingesetzt.
Der größte Teil jedoch, nämlich 57.187 Tiere, wurde in die Rubrik für "sonstige Krankheiten des Menschen" eingetragen. Es wäre angebracht, hier die Statistik im Sinne der Aussagekraft weiter nach Krankheiten zu differenzieren wie Allergien, Diabetes etc.

Tabelle 5:
Die Zahlenangaben der Spalten 2.4 und 2.5, nämlich die Anzahl der 72.415 verwendeten Tiere bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin werden hier weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

Mehr als die Hälfte der Versuchstiere (41.870) wurde aufgrund von einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale, sonstige) verwendet. 27.372 Tiere wurden aufgrund von EU-Rechtsvorschriften den Versuchen unterzogen.
An 21 Tieren, das sind immerhin um gute 1.000 weniger als im Vorjahr, wurden Versuche durchgeführt, die auf keiner Rechtsvorschrift basieren!