Am 28.06 2005 ist die Tierversuchsstatistik gemäß § 16 Tierversuchsgesetz für das Jahr 2004 im Amtsblatt der Wiener Zeitung publiziert worden.

Demnach wurden im Jahr 2004 in Österreich 186.926 lebende Wirbeltiere (sowie zusätzlich 410 erneut verwendete Tiere) für belastende, schmerzhafte Experimente eingesetzt. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine massive Steigerung von rund 9 % dar.

Wie schon bei den vorhergehenden Berichten angeführt, ist bei der statistischen Darstellung der Versuchstiere folgendes zu berücksichtigen und festzuhalten:
Wie viele Tiere sich im Jahr 2004 tatsächlich in den Versuchslabors befunden haben, ist der Statistik noch immer nicht zu entnehmen, da sich die Zahlen nur auf die Labortiere, die im betreffenden Jahr tatsächlich im Versuch eingesetzt waren, beziehen. Es ist aber durchaus üblich, Tiere in den Versuchslabors quasi auf Vorrat zu halten bzw. bei Nichtgebrauch auch zu töten, was statistisch nicht eigens erfasst wird.
Zudem ist der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele Versuche ein einzelnes Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste.
Auch werden Klonversuche, gentechnische Experimente und der Einsatz von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen.
Darüber hinaus muss festgehalten werden, dass die Zahlen der offiziellen Statistik nicht dem tatsächlichen Verbrauch von Tieren in den Labors entsprechen.
Denn nach dem Tierversuchsgesetz gilt nicht jeder Eingriff an einem Tier (auch in einem Tierversuchslabor!) als ein Tierversuch und scheint somit auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch, wenn

  • 1. der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen gelten nicht als Tierversuche!
  • 2. der Versuch mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der Meinung des Experimentators (!) für das Tier nicht belastend sind, gelten nicht als Tierversuche!
  • 3. der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) dafür getötet wurden, gelten nicht als Tierversuche!
  • 4. Ebenso wenig gelten Versuche an Tierföten und -embryonen als Tierversuche.

Darüber hinaus unterliegen Tierversuche, die in einem anderen Land in Auftrag gegeben oder als (auch mit österreichischen Steuermitteln gefördertes) Forschungsprojekt in ein anders Land verlagert werden nicht dem österreichischen Tierversuchsgesetz.

Der schnelleren und leichteren Übersichtlichkeit wegen, habe ich die 40 Tabellen auf 4 Seiten komprimiert, indem bei den Tabellen 2 – 7 die Aufschlüsselung nach den einzelnen Tierarten weggelassen wurde.

 

Tabelle1:
Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Herkunft:

Wie schon im Jahr davor stammt noch immer über drei Viertel der gesamten Versuchstiere (143.389) aus n i c h t registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen der EU, lediglich 22 % (das sind 41.059 Tiere) kommen aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung. 31 Tiere kamen aus den Mitgliedsländern des Europarates und 2.447 Tiere aus "sonstiger Herkunft".

Anzahl der verwendeten Tiere nach den zuständigen Ressorts:
Mit über 80 % hat wieder das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen die höchste Anzahl zu melden (150.186, plus 79 erneut verwendete Tiere), dem abermals das BM für Bildung, Wissenschaft und Kultur (31.940, plus 325 erneut verwendete Tiere) folgt, wobei letzteres als einziges Ministerium heuer einen leichten Rückgang verzeichnen kann.

Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Art:
Im Jahr 2004 wurden hauptsächlich Mäuse (79 %) zu Tests herangezogen, gefolgt in absteigender Reihenfolge von Kaninchen (11 %), Ratten (6 %), Meerschweinchen (2 %), Fischen, Schweinen, "Anderen Vögeln", Amphibien, Hunden, "Anderen Nagern", Meerkatzen, Rindern, Schafen, Pferden, Katzen, Hamstern, Ziegen.
Folgenden Tierarten sind vermehrt zum Einsatz gekommen:
Hamster (+162 %), Katzen (+118 %), "Andere Nager" (+80 %), Kaninchen (+49 %), Fische (+41%), Meerkatzen (das sind Affen)(+38 %), Rinder (+33 %), Hunde (+15 %), Amphibien (+13 %), Ratten (+8 %) und Mäuse (+7 %).
Bei folgenden Tierarten konnte ein Rückgang verzeichnet werden: Ziegen (-87 %), "Andere Vögel" (-59 %), Schweine (-57%), Schafe (-48 %), Pferde, Esel und Kreuzungen (-36 %) und Meerschweinchen (-16 %).

 

Tabelle 2:
Anzahl der verwendeten Tiere nach dem Versuchszweck:

Der größte Teil der Tiere, nämlich 78 %, wurde für die Erforschung und Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet. Für biologische Untersuchungen im Bereich der Grundlagenforschung - wo es um keine zweckdienliche und zielgerichtete Forschung geht - wurden 27.157 Tiere, fast 15 %, herangezogen. An 7.888 Tieren, das sind über 4 %, wurden die sehr belastenden Toxizitätstests und Unbedenklichkeitsprüfungen (Haut- und Augenreizungstests etwa durchgeführt (in den Tabellen 3, 6 und 7 werden diese detaillierter aufgeschlüsselt). Für die Krankheitsdiagnostik wurden 2.180 Tiere verwendet.
Trotz genügender Alternativmethoden wurden an 553 lebenden Tieren Experimente im Rahmen der Ausbildung durchgeführt, das sind jedoch immerhin um 11 % weniger als im Vorjahr.

 

Tabelle 3:
Die Spalte 2.6 mit den 7.888 Tieren wird hier weiter nach der untersuchten Stoffart aufgeschlüsselt:

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 7.888 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.266, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt.
3.621 Tiere wurden der Rubrik 3.10. (bzw. in Tabelle 8 der Spalte j) zugeteilt, die mit dem Titel "Sonstige toxikologische und Unbedenklichkeitsprüfungen" eigentlich gar keine Stoffart bzw. Produktgruppe darstellt.
Ein Tier wurde für einen "sonstigen" Giftigkeitstest für Produkte/Stoffe, die überwiegend in der Landwirtschaft verwendet werden oder dafür gedacht sind, herangezogen.
Für Kosmetika, Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe, für Produkte/Stoffe im Haushalt und in der Industrie wurden keine Giftigkeitstests durchgeführt, ebenso keine für mögliche oder tatsächliche Kontaminanten in der Umwelt.

 

Tabelle 4:
Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier:
Hierfür wurden insgesamt 98.084 Tiere verwendet (im Vergleich zum Vorjahr um über 12.000 Tiere mehr), davon 15.036 für Krebserkrankungen beim Menschen, 3.996 für Nervenleiden und Geisteskrankheiten des Menschen und 1.841 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Menschen.
Es ist auffallend, dass heuer für spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen kein einziges Tier registriert wurde (im Vorjahr waren es immerhin noch 1.569).
Nach wie vor findet sich die höchste Anzahl der verwendeten Tieren mit 77.211 in der Rubrik für "Sonstige Krankheiten des Menschen". Es wäre angebracht, hier die Statistik im Sinne der Aussagekraft weiter nach Krankheiten zu differenzieren wie Diabetes, Allergien etc.

 

Tabelle 5:
Die Zahlenangaben der Spalten 2.4 und 2.5, nämlich die Anzahl der 49.820 verwendeten Tiere bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin werden hier weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:
Die größte Anzahl der Versuchstiere, nämlich 22.537 sind in der Rubrik "sonstige Rechtsvorschriften" registriert. Dies sticht insbesonders hervor, da im Vorjahr in dieser Rubrik kein einziges Tier verzeichnet war.
4.746 Tiere (das sind um 80% weniger als im Vorjahr!) wurden aufgrund von einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) verwendet; 21.539 Tiere wurden aufgrund von EU-Rechtsvorschriften den Versuchen unterzogen, etwas weniger als im Vorjahr.
An 769 Tieren (das sind um 2.976 % (!) mehr als im Vorjahr) wurden Versuche durchgeführt, die auf keiner (!!!) Rechtsvorschrift basieren. An 229 Tieren (das sind um 57 % weniger als im Vorjahr) wurden aufgrund österreichischer Rechtsvorschriften Experimente durchgeführt.

 

Tabelle 6:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 7.888 Tieren weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

An mehr als der Hälfte der Tiere (4.009 – das sind um 688 % mehr als im Vorjahr) wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund eine Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) durchgeführt.
An 2.852 Tieren (das sind um 11 % weniger als im Vorjahr) wurden Giftigkeitstests aufgrund österreichischer Rechtsvorschriften vorgenommen.
An 1.027 Tieren (das sind um 55 % mehr als im Vorjahr) wurden Giftigkeitstests ohne jegliche Rechtsvorschrift durchgeführt!!!
In der Rubrik für "sonstige Rechtsvorschriften" wurde kein einziges Versuchstier (im Vorjahr waren es enorme 3.014) registriert.

 

Tabelle 7:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 7.888 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt:

Gegenüber dem Vorjahr wurden um 7 % mehr Toxizitätstests, die außerordentlich belastend für die Tiere sind und mit großen Schmerzen und Leiden einhergehen, durchgeführt.
Zumindest erfreulich, dass kein einziges Tier mehr dem berüchtigten, weil sehr grausamen, LD-50-Giftigkeitstest ausgesetzt wurde. Obwohl dieser Test in Österreich seit Jahren verboten ist, wurde er in den letzten Jahren doch immer wieder durchgeführt.
Auch ein wenig erfreulich ist, dass es bei den sehr belastenden akuten und subakuten Giftigkeitstests (siehe Tabelle 7, Spalte 2) einen leichten Rückgang von 9 % zu verzeichnen gibt. Weitere Rückgänge gab es bei den Hautreizungstests (-65 %), innerhalb der Rubrik für "sonstiges" (-61 %) und bei den Tests auf Mutagenität (- 33 %).
Ansonsten sind nur mehr Zunahmen zu verzeichnen, allen voran bei den sehr belastenden chronischen und subchronischen Toxizitätstests (+ 124 %), gefolgt von den Augenreizungstests (+83 %) und den Hautsensibilisierungstests (+ 39 %).

 

Tabelle 8:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 7.888 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt und nach den Produktgruppen eingeteilt.

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 7.888 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.266, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, davon wiederum hauptsächlich akute und subakute Giftigkeitstests (2.437).
Weiteres dazu entnehmen Sie bitte der Analyse zu den Tabellen 3 und 7, da diese in der Tabelle 8 zusammengefasst sind.