Am 27.06 2006 ist die Tierversuchsstatistik gemäß § 16 Tierversuchsgesetz für das Jahr 2005 veröffentlicht worden.

Der schnelleren und leichteren Übersichtlichkeit wegen, habe ich die 40 Tabellen der offiziellen Statistik auf 4 Seiten zusammengefasst, indem bei den Tabellen 2 – 7 die Aufschlüsselung nach den einzelnen Tierarten weggelassen wurde.

Im Jahr 2005 wurden in Österreich 167.312 lebende Wirbeltiere für belastende, schmerzhafte Experimente eingesetzt (326 Tiere wurden erneut für Versuche verwendet). Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine markante Verringerung von über 10 % dar und betrifft hauptsächlich Mäuse und Kaninchen und mit weitem Abstand auch Meerschweinchen, "Andere Nager", Hunde, Pferde, Meerkatzen und Katzen.
Wie schon bei den vorhergehenden Berichten angeführt, ist bei der statistischen Darstellung der Versuchstiere folgendes zu berücksichtigen und festzuhalten:
Wie viele Tiere sich im Jahr 2005 tatsächlich in den Versuchslabors befunden haben, ist der Statistik noch immer nicht zu entnehmen, da sich die Zahlen nur auf die Labortiere, die im betreffenden Jahr tatsächlich im Versuch eingesetzt waren, beziehen. Es ist aber durchaus üblich, Tiere in den Versuchslabors quasi auf Vorrat zu halten bzw. bei Nichtgebrauch auch zu töten, was statistisch nicht eigens erfasst wird.
Zudem ist der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele Versuche ein einzelnes Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste.
Auch werden Klonversuche, gentechnische Experimente und der Einsatz von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen.

Darüber hinaus muss festgehalten werden, dass die Zahlen der offiziellen Statistik nicht dem tatsächlichen Verbrauch von Tieren in den Labors entsprechen.
Denn nach dem Tierversuchsgesetz gilt nicht jeder Eingriff an einem Tier (auch in einem Tierversuchslabor!) als ein Tierversuch und scheint somit auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch, wenn

  • 1. der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen gelten nicht als Tierversuche!
  • 2. der Versuch mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der Meinung des Experimentators (!) für das Tier nicht belastend sind, gelten nicht als Tierversuche!
  • 3. der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) dafür getötet wurden, gelten nicht als Tierversuche!
  • 4. Ebenso wenig gelten Versuche an Tierföten und -embryonen als Tierversuche.

Darüber hinaus unterliegen Tierversuche, die in einem anderen Land in Auftrag gegeben oder als (auch mit österreichischen Steuermitteln gefördertes) Forschungsprojekt in ein anders Land verlagert werden nicht dem österreichischen Tierversuchsgesetz.

Tabelle1:
Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Herkunft:
Nach wie vor stammen über drei Viertel aller Versuchstiere aus n i c h t (!) registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen. Lediglich 28 % kommen aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung.
Dies widerspricht völlig der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung, nach der die Tiere vorrangig aus registrierten Einrichtungen kommen sollten.

Anzahl der verwendeten Tiere nach den zuständigen Ressorts:
Mit 124.437 (plus 146 erneut verwendeten) Tieren hat wieder das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen die höchste Anzahl zu melden – und dies trotz einer Reduzierung von über 10 % gegenüber dem Vorjahr. Alle anderen Ministerien haben eine Zunahme zu verzeichnen.

Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Art:
Trotz deutlicher Reduzierung gegenüber dem Vorjahr wurden auch im Jahr 2005 nach wie vor am häufigsten Mäuse (128.634) und Kaninchen (18.439) zu Tests herangezogen. Die Verwendung von sogenannten Nutztieren wie Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen hat sich verdoppelt. Eine Tendenz, die sich schon im Vorjahr abgezeichnet hat. Eine weitere Zunahme ist bei Ratten, Fischen, "Anderen Vögeln", Amphibien und Hamstern festzustellen. Neu ist der Einsatz von Reptilien und Wachteln für Experimente.

 

Tabelle 2:
Anzahl der verwendeten Tiere nach dem Versuchszweck:
Über zwei Drittel der Versuchstiere wurden für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet – um 8 % weniger als im Vorjahr.
Im Bereich der Grundlagenforschung mussten 20 % der Versuchstiere, das sind 33.919 Tiere, sterben – um 5 % mehr als im Vorjahr.
Auch die für die Tiere extrem belastenden toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen (Haut- und Augenreizungstests etwa) sind mit 8.176 Tieren um fast 4 % gestiegen (in den Tabellen 3, 6 und 7 werden diese detaillierter aufgeschlüsselt).
Tierversuche im Rahmen der Ausbildung haben sich verdoppelt, obwohl es gerade in diesem Bereich ausreichend Alternativmethoden gibt.
Zum Zweck der Krankheitsdiagnostik wurden weniger als 1 % der Tiere verwendet.

 

Tabelle 3:
Die Spalte 2.6 mit den 8.176 Tieren wird hier weiter nach der untersuchten Stoffart aufgeschlüsselt:
Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 8.176 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.438, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt.
3.738 Tiere wurden der Rubrik 3.10. (bzw. in Tabelle 8 der Spalte j) zugeteilt, die mit dem Titel "Sonstige toxikologische und Unbedenklichkeitsprüfungen" eigentlich gar keine Stoffart bzw. Produktgruppe darstellt.
Für Kosmetika, Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe, für Produkte/Stoffe im Haushalt, in der Landwirtschaft und in der Industrie wurden keine Giftigkeitstests durchgeführt, ebenso keine für mögliche oder tatsächliche Kontaminanten in der Umwelt.

 

Tabelle 4:
Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier:
Hierfür wurden insgesamt 75.882 Tiere "verbraucht", davon 16.629 für Krebserkrankungen beim Menschen, 5.240 für Nervenleiden und Geisteskrankheiten des Menschen und 2.021 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Menschen.
Für spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen mussten 95 Tiere sterben.
Nach wie vor (aber nicht mehr so hoch wie im Vorjahr) findet sich die höchste Anzahl der verwendeten Tieren mit 51.897 in der Rubrik für "Sonstige Krankheiten des Menschen". Nach wie vor fordern wir, dass hier die Statistik im Sinne der Aussagekraft weiter nach Krankheiten differenziert werden sollte (etwa nach Diabetes, Allergien etc.).

 

Tabelle 5:
Die Zahlenangaben der Spalten 2.4 und 2.5, nämlich die Anzahl der 40.206 verwendeten Tiere bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin werden hier weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:
24.665 Tiere (fünf Mal mehr als im Vorjahr) wurden aufgrund von einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) verwendet; 14.429 Tiere wurden aufgrund von EU-Rechtsvorschriften den Versuchen unterzogen; an 345 Tieren wurden aufgrund österreichischer Rechtsvorschriften Experimente durchgeführt.
Waren im Vorjahr in der Rubrik für "sonstige Rechtsvorschriften" noch 22.537 Tiere registriert, so sind es diesmal lediglich 461.
An 306 Tieren (um die Hälfte weniger als im Vorjahr) wurden Versuche durchgeführt, die auf keiner (!!!) Rechtsvorschrift basieren.

 

Tabelle 6:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.176 Tieren weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:
An fast der Hälfte der Tiere, an 4.273, wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund "Sonstiger Rechtsvorschriften" durchgeführt.
An 2.607 Tieren wurden Giftigkeitstests aufgrund von EU-Rechtsvorschriften vorgenommen.
An 713 Tieren wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund eine Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) durchgeführt.
An 583 Tieren (aber immerhin um fast die Hälfte weniger als im Vorjahr) wurden Giftigkeitstests ohne jegliche Rechtsvorschrift durchgeführt!!!

 

Tabelle 7:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.176 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt:
Die Toxizitätstests, die außerordentlich belastend für die Tiere sind und mit großen Schmerzen und Leiden einhergehen, sind abermals gestiegen (von 7.888 auf 8.176).
Zumindest erfreulich, dass – wie schon im Vorjahr – auch diesmal kein einziges Tier mehr dem berüchtigten, weil sehr grausamen, LD-50-Giftigkeitstest ausgesetzt wurde. (Obwohl dieser Test in Österreich seit Jahren verboten ist, wurde er in den letzten Jahren doch immer wieder durchgeführt.)
Zunahmen sind zu verzeichnen bei den Hautreizungs-, Hautsensibilisierungs- und Augenreizungtests.
Die Rubrik "Sonstiges" hat sich mit einer Anzahl von 1.464 mehr als verdreifacht. Gesunken ist die Anzahl bei den Mutagenitätstests und den subchronischen und chronischen Toxizitätstests.

Tabelle 8:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.176 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt und nach den Produktgruppen eingeteilt:
Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 8.176 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.438, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, davon wiederum hauptsächlich akute und subakute Giftigkeitstests (2.382).
Weiteres dazu entnehmen Sie bitte der Analyse zu den Tabellen 3 und 7, da diese in der Tabelle 8 zusammengefasst sind.

 

Siehe dazu auch unsere Presseinformation Tierversuchsstatistik für 2005