Vorbemerkung: Der schnelleren und leichteren Übersichtlichkeit wegen wurden die 40 zu analysierenden Tabellen der offiziellen Tierversuchsstatistik auf 4 Seiten zusammengefasst, indem bei den Tabellen 2 – 7 die Aufschlüsselung nach den einzelnen Tierarten weggelassen wurde.

Am 27.06.2007 ist die amtliche Tierversuchsstatistik gemäß § 16 Tierversuchsgesetz für das Jahr 2007 im Amtsblatt der Wiener Zeitung und auf der Homepage des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung veröffentlicht worden.

Die Zahl der Tiere, die für Experimente und Tests ihr Leben lassen mussten, ist im Jahre 2007 erneut (um 4,07 %) angestiegen. Insgesamt wurden im Jahr 2007 an 197.867 lebenden Wirbeltieren (um 7.746 Tiere mehr als im Jahre 2006) Experimente und Tests durchgeführt, die für die Tiere mit großen Leiden und Schmerzen verbunden waren, eingesetzt.

Wie schon bei den vorhergehenden Berichten angeführt, ist bei der statistischen Darstellung der Versuchstiere folgendes zu berücksichtigen und festzuhalten:

  • Wie viele Tiere sich im Jahr 2007 tatsächlich in den Versuchslabors befunden haben, ist der Statistik nicht zu entnehmen, da sich die Zahlen nur auf die Labortiere, die im betreffenden Jahr tatsächlich im Versuch eingesetzt waren, beziehen. Es ist aber durchaus üblich, Tiere in den Versuchslabors quasi auf Vorrat zu halten, bzw. bei Nichtgebrauch auch zu töten, bzw. "auszusortieren", wenn sie Kriterien - z.B. die Entwicklung eines Tumors - nicht erfüllen, was statistisch nicht eigens erfasst wird.
  • Zudem ist der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele Versuche ein einzelnes Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste.
  • Auch werden Klonversuche, gentechnische Experimente und der Einsatz von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen.
  • Darüber hinaus muss festgehalten werden, dass die Zahlen der offiziellen Statistik nicht dem tatsächlichen Verbrauch von Tieren in den Labors entsprechen.
    Denn nach dem Tierversuchsgesetz gilt nicht jeder Eingriff an einem Tier (auch in einem Tierversuchslabor!) als ein Tierversuch und scheint somit auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch und wird auch nur dann statistisch erfasst, wenn

1. der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

2. der Versuch mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der Meinung des Experimentators (!) für das Tier nicht belastend sind, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

3. der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) dafür getötet wurden, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

4. Ebenso wenig gelten Versuche an Tierföten und -embryonen als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst.

5. Darüber hinaus unterliegen Tierversuche, die in einem anderen Land in Auftrag gegeben oder als (auch mit österreichischen Steuermitteln gefördertes) Forschungsprojekt in ein anders Land verlagert werden nicht dem österreichischen Tierversuchsgesetz – und werden auch nicht statistisch erfasst.


Tabelle1:
Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Herkunft:

Nach wie vor stammen fast drei Viertel (67 %) aller Versuchstiere aus n i c h t (!) registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen. Lediglich rund 32 % kommen aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung.
Dies widerspricht völlig der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung, nach der die Tiere vorrangig aus registrierten Einrichtungen kommen sollten.


Anzahl der verwendeten Tiere nach den zuständigen Ressorts:

Mit 145.241 Tieren, das sind 73 % des Gesamtverbrauches, hat wieder das Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend die höchste Anzahl zu melden – das sind um 14.653 Tiere (= + 11 %) mehr als im Vorjahr. 91 Tiere wurden erneut verwendet.
An zweiter Stelle folgt das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 23 % des Gesamtverbrauches, das sind 45.974 Tiere – um 9,5 % weniger als im Vorjahr. 363 Tiere wurden erneut verwendet. Fast drei Viertel der Tiere (33.338) wurden in der Grundlagenforschung verwendet.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit meldete den Verbrauch von 4.395 Tieren, um fast 2 % mehr als im Vorjahr. 60 % der Tiere (2.633) wurden in der Grundlagenforschung eingesetzt.
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft verzeichnet 2.257 Versuchstiere, das sind erfreulicher Weise rund 49 % weniger als im Vorjahr. 2 Tiere wurden erneut verwendet.


Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Art:

Nach wie vor sind die Mäuse mit einer Anzahl von 158.464 Tieren traurige Spitzenreiter. Ihnen folgen die Kaninchen mit 19.864 Tieren. Die dritte Stelle nehmen die Ratten mit 10.920 ein.
Weiters wurden folgende Tierarten in absteigender Reihenfolge verwendet: Meerschweinchen (3.867), Schweine (1.249), Fische (1.017), Andere Vögel (725), Rinder (590), Amphibien (432), Schafe (252), Hamster (155), Andere Nager (132), Ziegen (101), Meerkatzen (eine Affenart; 18), Pferde/Esel/Kreuzungen (46), Hunde (33), Katzen (2) und Reptilien (55), die erneut verwendet wurden.

Bezüglich der Zunahme gegenüber dem Vorjahr innerhalb der einzelnen Tierarten stehen die Ziegen mit einer Steigerung von 162 % an erster Stellen, gefolgt von den Hamstern (+ 94 %), Amphibien (+ 94 %), Reptilien (+ 83 %), Schweine (+ 28 %), Kaninchen (+ 12 %), Mäuse (+ 10 %), Meerkatzen (+ 7 %), Meerschweinchen (+5 %), Pferde/Esel/Kreuzungen (+ 5%), Schafe (+ 4 %).

Bei folgenden Tierarten ist es zu einer Verringerung gegenüber dem Vorjahr gekommen (in absteigender Reihenfolge): Katzen, Fische, Hunde, Andere Vögel, Rinder, Ratten, Andere Nager.

Tabelle 2:
Anzahl der verwendeten Tiere nach dem Versuchszweck:

Fast zwei Drittel der Versuchstiere (143.846) wurden für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.
Im Bereich der Grundlagenforschung mussten 21,5 % der gesamten Versuchstiere für biologische Untersuchungen, das sind 42.576 Tiere, sterben – um 6.105 weniger als im Vorjahr.

Die für die Tiere extrem belastenden toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen (Haut- und Augenreizungstests etwa) sind mit 8.120 Tieren um 1.475 Tiere gesunken (in den Tabellen 3, 6 und 7 werden diese detaillierter aufgeschlüsselt) und machen 4 % aller "verbrauchten" Tiere aus.

Tierversuche im Rahmen der Ausbildung an 1.725 lebenden Tieren (nämlich Mäuse, Ratten, Hamster, Kaninchen, Hunde, Pferde/Esel/Kreuzungen, Ziegen, Schafe, Rinder, Schweine, Andere Vögel und Fische), die schon in den letzten Jahren stark zugenommen haben (2005: verdoppelt, 2006: + 36 %), sind abermals gestiegen (um fast 20 %), obwohl es gerade in diesem Bereich ausreichend Alternativmethoden gibt. Der Anteil am gesamten Verbrauch beträgt 0,9 %.

Zum Zweck der Krankheitsdiagnostik wurden 1.175 Tiere verwendet, um 549 weniger, so dass der Anteil am gesamten Verbrauch 0,6 % ausmacht.

Tabelle 3:
Die Spalte 2.6 mit den 8.120 Tieren wird hier weiter nach der untersuchten Stoffart aufgeschlüsselt:

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 8.120 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.351, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt.
3.613 Tiere wurden der Rubrik 3.10. (bzw. in Tabelle 8 der Spalte j) zugeteilt, die mit dem Titel "Sonstige toxikologische und Unbedenklichkeitsprüfungen" eigentlich gar keine Stoffart bzw. Produktgruppe darstellt.
Für Kosmetika, Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe, für Produkte/Stoffe im Haushalt, in der Landwirtschaft und in der Industrie wurden – wie auch schon in den Vorjahren (2005, 2006) - keine Giftigkeitstests durchgeführt. Doch diesmal wurden 156 Tiere zu Untersuchungen für mögliche oder tatsächliche Kontaminanten in der Umwelt, die nicht in den anderen Spalten aufgeführt sind, herangezogen.

Tabelle 4:
Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier:

Hierfür wurden insgesamt 93.014 Tiere verwendet (um 2.284 weniger als im Vorjahr), davon 24.159 für Krebserkrankungen beim Menschen, 5.835 für Nervenleiden und Geisteskrankheiten des Menschen und 3.699 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Menschen.
Für spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen mussten 1.571 Tiere sterben.
Nach wie vor findet sich die höchste Anzahl der verwendeten Tieren mit 57.750 in der Rubrik für "Sonstige Krankheiten des Menschen". Nach wie vor fordern wir, dass hier die Statistik im Sinne der Aussagekraft weiter nach Krankheiten differenziert werden sollte (etwa nach Diabetes, Allergien etc.).

Tabelle 5:
Die Zahlenangaben der Spalten 2.4 und 2.5, nämlich die Anzahl der 49.457 verwendeten Tiere bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin werden hier weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

30.490 Tiere wurden aufgrund von einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) verwendet; 18.831 Tiere wurden aufgrund von EU-Rechtsvorschriften den Versuchen unterzogen; an 91 Tieren wurden aufgrund österreichischer Rechtsvorschriften Experimente durchgeführt.
Waren für das Jahr 2004 in der Rubrik für "sonstige Rechtsvorschriften" noch 22.537 Tiere, im Jahre 2005 461 Tiere, im Jahre 2006 70 Tiere registriert, so sind es diesmal nur mehr 3.
Die Zahl der Versuche, die auf keiner (!!!) Rechtsvorschrift basieren, sind leicht gestiegen, nämlich auf 42.

Tabelle 6:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.120 Tieren weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

An 3.095 Tieren wurden Giftigkeitstests aufgrund von EU-Rechtsvorschriften vorgenommen.
An 2.859 Tieren wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund eine Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) durchgeführt.
An 1.955 Tieren wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund "Sonstiger Rechtsvorschriften" durchgeführt.
Aufgrund nationaler Rechtsvorschriften wurden 195 Tieren Tests unterzogen.
An 16 Tieren (um einiges weniger als in den Vorjahren) wurden Giftigkeitstests ohne jegliche Rechtsvorschrift durchgeführt!!!

Tabelle 7:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.120 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt:

Die Toxizitätstests, die außerordentlich belastend für die Tiere sind und mit großen Schmerzen und Leiden einhergehen, sind gesunken (von 9.595 auf 8.120).
Abnahmen sind zu verzeichnen bei den akuten, subakuten, chronischen, subchronischen Toxizitätsprüfungen, bei den Hautreizungs- und Hautsensibilisierungstests und bei den Giftigkeitstests für Wasserwirbeltiere.
Im Vergleich zum Vorjahr sind im Jahre 2007 für Augenreizungs- und Mutagenitätsprüfungen mehr Tiere verwendet worden. Insbesondere beim Mutagenitätstest hat es eine Steigerung um über 300 % gegeben.

Tabelle 8:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.120 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt und nach den Produktgruppen eingeteilt:

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 8.120 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.351, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, davon wiederum hauptsächlich akute und subakute Giftigkeitstests (2.702), gefolgt von den Testungen auf subchronische und chronische Toxizität mit 622 Tieren; in die Rubrik "Sonstiges" fallen 708 Tiere.
Weiteres dazu entnehmen Sie bitte der Analyse zu den Tabellen 3 und 7, da diese in der Tabelle 8 zusammengefasst sind.


Siehe dazu auch unsere Presseinfo Erneuter Anstieg von Tierversuchen bedeutet Rückschritt um Jahrzehnt