Am 26.06.2009 ist die Tierversuchsstatistik gemäß § 16 Tierversuchsgesetz für das Jahr 2008 im Amtsblatt der Wiener Zeitung und auf der Homepage des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung veröffentlicht worden.

Die Zahl der Tiere, die für Experimente und Tests ihr Leben lassen mussten, ist im Jahre 2008 erneut - um über 11 % - angestiegen. Insgesamt wurden im Jahr 2008 an 220.456 lebenden Wirbeltieren und an 247 erneut verwendeten Tieren Experimente und Tests durchgeführt, die für die Tiere mit großen Leiden und Schmerzen verbunden waren.

Wie schon bei den vorhergehenden Berichten angeführt, ist bei der statistischen Darstellung der Versuchstiere folgendes zu berücksichtigen und festzuhalten:

    • Wie viele Tiere im Jahr 2008 tatsächlich für Experimente und Tests verwendet wurden, ist der offiziellen Statistik nicht zu entnehmen. Denn nach dem Tierversuchsgesetz gilt nicht jeder experimentelle Eingriff an einem Tier (auch wenn dieser in einem Tierversuchslabor statt findet!) als ein Tierversuch und scheint somit auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch und wird auch nur dann statistisch erfasst, wenn

1. der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!
2. der Versuch mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der Meinung des Experimentators (!) für das Tier nicht belastend sind, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!
3. der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) dafür getötet wurden, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!
4. Ebenso wenig gelten Versuche an Tierföten und -embryonen als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst.
5. Labortiere, die getötet werden, weil sie nicht dem Versuchsziel entsprechen oder weil sie als sog. „Überschuss“ nicht gebraucht werden, scheinen auch nicht in der Statistik auf.

  •  Zudem ist der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele Versuche ein einzelnes Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste. Es wird lediglich die Zahl der erneut verwendeten Tiere – das sind im Jahre 2008 insgesamt 247 – angeführt.
  • Auch werden Klonversuche, gentechnische Experimente und der Einsatz von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen. 
  • Darüber hinaus unterliegen Tierversuche, die in einem anderen Land in Auftrag gegeben oder als (auch mit österreichischen Steuermitteln gefördertes) Forschungsprojekt in ein anders Land verlagert werden nicht dem österreichischen Tierversuchsgesetz – und werden auch nicht statistisch erfasst.

Der schnelleren und leichteren Übersichtlichkeit wegen, habe ich die 40 Tabellen der offiziellen Statistik auf 4 Seiten zusammengefasst (hier abrufbar), indem bei den Tabellen 2 – 7 die Aufschlüsselung nach den einzelnen Tierarten weggelassen wurde.


Tabelle1:
Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Herkunft:

Nach wie vor stammen fast drei Viertel (68,6 %) aller Versuchstiere aus  n i c h t  (!) registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen. Lediglich rund 31,4 % kommen aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung.
Die Anzahl der Tiere aus unbestimmter, nämlich „sonstiger Herkunft“ (4.578), hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Dies widerspricht völlig der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung, nach der die Tiere vorrangig aus registrierten Einrichtungen kommen sollten.


Anzahl der verwendeten Tiere nach den zuständigen Ressorts:

Mit 155.161 Tieren, das sind 70 % des Gesamtverbrauches, hat wieder das Bundesministerium für Gesundheit die höchste Anzahl zu melden – das sind um 9.920 Tiere (= + 7 %) mehr als im Vorjahr. 27 Tiere wurden erneut verwendet.
Davon wurden die meisten Tiere, nämlich 78.747, für die Forschung und Entwicklung von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin eingesetzt.

An zweiter Stelle folgt wieder das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 27 % des Gesamtverbrauches, das sind 58.971 Tiere – um 28 % mehr als im Vorjahr. 216 Tiere wurden erneut verwendet.
Davon wurden die meisten Tiere, nämlich 42.749 Tiere, das sind 72 %, im Bereich der Grundlagenforschung verwendet.

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft verzeichnet 3.872 Versuchstiere, das sind um 72 % mehr als im Vorjahr. 4 Tiere wurden erneut verwendet.
Davon wurden die meisten Tiere, nämlich 3.465, zu toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen herangezogen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend meldete den Verbrauch von 2.452 Tieren, um 44 % weniger als im Vorjahr. Davon wurden 2.410 Tiere, das sind 98 %, in der Grundlagenforschung eingesetzt.
Auffälliger Weise wurden die meisten Tiere, nämlich 2.410, im Bereich der Grundlagenforschung durchgeführt und die restlichen 42 Tiere zum Zwecke der Ausbildung.


Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Art:

Nach wie vor sind die Mäuse mit einer Anzahl von 177.544 und 61 erneut verwendeten Tieren und mit einer Steigerung von 12 % gegenüber dem Vorjahr traurige Spitzenreiter . Ihnen folgen die Kaninchen mit 18.761 Tieren (um 6 % weniger). Die dritte Stelle nehmen abermals die Ratten mit 9.928 und 20 erneut verwendeten Tieren (um 9 % weniger) ein.
Weiters wurden folgende Tierarten in absteigender Reihenfolge verwendet: Schweine (5.086), Meerschweinchen (3.284), Fische (2.579), Andere Vögel (1.367, +77), Hamster (693), Rinder (574, +4), Amphibien (277, +20), Schafe (142, +23), Andere Nager (47), Pferde/Esel/Kreuzungen (47, +20), Hunde (41, +22), Ziegen (39), Reptilien (17), Wachtel (14), Marder (14) und Katzen (2).
 
Bezüglich der Zunahme gegenüber dem Vorjahr innerhalb der einzelnen Tierarten stehen die Hamster mit einer Steigerung von 347 % an erster Stellen, gefolgt von den Schweinen (+ 307 %), Fischen (+ 154 %), Andere Vögeln (+ 89 %), Hunde (+ 24 %), Mäuse (+ 12 %), Pferde/Esel/Kreuzungen (+ 2%).
Als neue Tierart gegenüber dem Vorjahr scheinen Wachtel auf; überhaupt neu ist die Verwendung von Marder.

Bei folgenden Tierarten ist es zu einer Verringerung gegenüber dem Vorjahr gekommen (in absteigender Reihenfolge): Reptilien, Andere Nager, Ziegen, Schafe, Amphibien, Meerschweinchen, Ratten, Kaninchen, Rinder.


Tabelle 2:
Anzahl der verwendeten Tiere nach dem Versuchszweck:

70 % der Versuchstiere (153.616) wurden für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.
Im Bereich der Grundlagenforschung mussten 25 % von den gesamten Versuchstiere für biologische Untersuchungen, das sind 54.423 Tiere, sterben – um 11.856 mehr als im Vorjahr.
Die für die Tiere extrem belastenden toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen (Haut- und Augenreizungstests etwa) sind mit 8.052 Tieren um 68 Tiere weniger als im Vorjahr (in den Tabellen 3, 6 und 7 werden diese detaillierter aufgeschlüsselt) und machen fast 4 % aller „verbrauchten“ Tiere aus.
Tierversuche im Rahmen der Ausbildung an 1.931 lebenden Tieren (in absteigender Reihenfolge an Mäusen, Schweinen, Ratten, Rinder, Andere Vögel, Kaninchen, Schafe, Ziegen, Hunde, Meerschweinchen), die schon in den letzten Jahren stark zugenommen haben (2005: verdoppelt, 2006: + 36 %; 2007: + 20 %), sind abermals gestiegen (um 12 %), obwohl es gerade in diesem Bereich ausreichend Alternativmethoden gibt. Der Anteil am gesamten Verbrauch beträgt 0,9 %.
Zum Zwecke der Krankheitsdiagnostik wurden 1.297 Tiere verwendet, um 122 mehr, so dass der Anteil am gesamten Verbrauch 0,6 % ausmacht.


Tabelle 3:
Die Spalte 2.6 mit den 8.052 Tieren wird hier weiter nach der untersuchten Stoffart aufgeschlüsselt:

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 8.052 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.587, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt.
3.333 Tiere wurden der Rubrik 3.10. (bzw. in Tabelle 8 der Spalte j) zugeteilt, die mit dem Titel „Sonstige toxikologische und Unbedenklichkeitsprüfungen“ eigentlich gar keine Stoffart bzw. Produktgruppe darstellt.
Für Kosmetika, Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe, für Produkte/Stoffe im Haushalt, in der Landwirtschaft und in der Industrie wurden – wie auch schon in den Vorjahren (2005, 2006, 2007) - keine Giftigkeitstests durchgeführt. Doch wie schon im Jahre 2007 wurden diesmal auch wieder, nämlich 132 Tiere, zu Untersuchungen für mögliche oder tatsächliche Kontaminanten in der Umwelt, die nicht in den anderen Spalten aufgeführt sind, herangezogen.


Tabelle 4:
Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier:

Hierfür wurden insgesamt 91.069 Tiere verwendet (um 1.945 weniger als im Vorjahr), davon 23.426 für Krebserkrankungen beim Menschen, 5.804 für Nervenleiden und Geisteskrankheiten des Menschen und 7.051 (um 91 % mehr als im Vorjahr) für Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Menschen.
Für spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen mussten 1.294 Tiere sterben.
Nach wie vor findet sich die höchste Anzahl der verwendeten Tieren mit 53.494 in der Rubrik für „Sonstige Krankheiten des Menschen“. Nach wie vor fordern wir, dass hier die Statistik im Sinne der Aussagekraft weiter nach Krankheiten differenziert werden sollte (etwa nach Diabetes, Allergien etc.).


Tabelle 5:
Die Zahlenangaben der Spalten 2.4 und 2.5, nämlich die Anzahl der 70.442 verwendeten Tiere bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin werden hier weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

51.621 Tiere wurden aufgrund von einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) verwendet; 18.341 Tiere wurden aufgrund von EU-Rechtsvorschriften den Versuchen unterzogen; an 90 Tieren wurden aufgrund österreichischer Rechtsvorschriften Experimente durchgeführt.
Waren für das Jahr 2004 in der Rubrik für „sonstige Rechtsvorschriften“ noch 22.537 Tiere, im Jahre 2005 461 Tiere, im Jahre 2006 70, im Jahre 2007 3 Tiere registriert, so sind es diesmal wieder 376.
Die Zahl der Versuche, die auf keiner (!!!) Rechtsvorschrift basieren, sind gesunken, nämlich auf 14.


Tabelle 6:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.052 Tieren weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:


An 3.183 Tieren wurden Giftigkeitstests aufgrund von EU-Rechtsvorschriften vorgenommen.
An 4.559 Tieren, um 60 % mehr als im Vorjahr, wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund eine Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) durchgeführt. Wurden im Vorjahr an 1.955 Tieren toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund „Sonstiger Rechtsvorschriften“ durchgeführt, so diesmal kein einziger.
Aufgrund nationaler Rechtsvorschriften wurden 152 Tieren Tests unterzogen.
An 158 Tieren (um 142 mehr als im Vorjahr, aber immer noch deutlich weniger als den Vorjahren) wurden Giftigkeitstests ohne jegliche Rechtsvorschrift durchgeführt!!!


Tabelle 7:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.052 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt:

Die Toxizitätstests, die außerordentlich belastend für die Tiere sind und mit großen Schmerzen und Leiden einhergehen, sind wieder leicht von 8.120 auf 8.052 gesunken (2007: von 9.595 auf 8.120).
Für akute und subakute Toxizitätstests wurden 3.084 Tiere verwendet, um 538 weniger als im Vorjahr.
Weiters wurde weniger Tiere bei Hautsensibilisierungs- (1.217) und Augenreiztests (89), bei Prüfungen auf subchronische und chronische Toxizität (980) und Mutagenität (266) verwendet.
Geringfügige Zunahme hat es bei den Hautreizungstests gegeben, von 141 auf 149 Tieren.
Bei den Toxizitätsprüfungen für Wasserwirbeltiere an 416 Tieren ist es zu einer Steigerung von 41 % gekommen; in der Rubrik „Sonstiges“ werden 135 % mehr Tiere, nämlich insgesamt 1.851, angeführt.


Tabelle 8:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 8.052 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt und nach den Produktgruppen eingeteilt:

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 8.052 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 4.587, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, davon wiederum hauptsächlich akute und subakute Giftigkeitstests (2.128), gefolgt von den Testungen auf subchronische und chronische Toxizität mit 420 Tieren; in die Rubrik „Sonstiges“ fallen 1.851 Tiere.
Weiteres dazu entnehmen Sie bitte der Analyse zu den Tabellen 3 und 7, da diese in der Tabelle 8 zusammengefasst sind.

Siehe dazu auch unsere Presseinfo Österreich: Tierversuche abermals gestiegen - eine Schande für Wissenschaft und Politik