Am 25.06.2010 ist die Tierversuchsstatistik gemäß § 16 Tierversuchsgesetz für das Jahr 2009 im Amtsblatt der Wiener Zeitung und auf der Homepage des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung veröffentlicht worden.
Demnach wurden im Jahr 2009 an 207.738 lebenden Wirbeltieren und an 214 erneut verwendeten Tieren Experimente und Tests durchgeführt, die für die Tiere mit Leiden, Schmerzen und Ängsten verbunden waren. Gegenüber dem Jahr 2008 stellt dies eine Verringerung um 5,8 % (12.718 weniger Tiere) dar.

Wie schon bei den vorhergehenden Berichten angeführt, ist bei der statistischen Darstellung der Versuchstiere folgendes zu berücksichtigen und festzuhalten:

  • Wie viele Tiere im Jahr 2009 tatsächlich für Experimente und Tests verwendet wurden, ist der amtlichen Statistik nicht zu entnehmen. Denn nach dem Tierversuchsgesetz gilt nicht jeder experimentelle Eingriff an einem Tier (auch wenn dieser in einem Tierversuchslabor statt findet!) als ein Tierversuch und scheint somit auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch und wird auch nur dann statistisch erfasst, wenn

1. der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen (z.B. Krebse, Hummer, Langusten, Tintenfische) gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

2. der Versuch mit Schmerzen, Leiden und Ängsten verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der persönlichen (!) Einschätzung des Experimentators für das Tier nicht belastend sind, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

3. der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) dafür getötet wurden, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

4. Ebenso wenig gelten Versuche an Tierföten und -embryonen als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst.

5. Labortiere, die getötet werden, weil sie nicht dem Versuchsziel entsprechen oder weil sie als sog. "Überschuss" nicht gebraucht werden, scheinen auch nicht in der Statistik auf.

  • Zudem ist der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele Versuche ein einzelnes Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste. Es wird lediglich die Zahl der erneut verwendeten Tiere – das sind für das Jahr 2009 insgesamt 214 – angeführt.
  • Auch werden Klonversuche, gentechnische Experimente und der Einsatz von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen.
  • Darüber hinaus unterliegen Tierversuche, die in einem anderen Land in Auftrag gegeben oder als (auch mit österreichischen Steuermitteln gefördertes) Forschungsprojekt in ein anders Land verlagert werden nicht dem österreichischen Tierversuchsgesetz – und werden auch nicht statistisch erfasst.

Der schnelleren und leichteren Übersichtlichkeit wegen, habe ich die 40 Tabellen der offiziellen Statistik auf 4 Seiten zusammengefasst, indem bei den Tabellen 2 – 7 die Aufschlüsselung nach den einzelnen Tierarten weggelassen wurde.
Hinzugefügt wurde die Spalte für das Jahr 2008, so dass ein direkter Vergleich mit dem Jahr 2009 zu ziehen ist. Die Tabellen sind hier abrufbar.

Tabelle1:
Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Herkunft:

Lediglich ein Drittel aller Versuchstiere (33,4 %) kommt aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung.
Nach wie vor stammen die meisten Tiere, nämlich fast zwei Drittel (64,5 %), "aus anderen Quellen innerhalb der EU".
Die Anzahl der Tiere aus unbestimmter, nämlich "sonstiger Herkunft" (4.363), hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verringert.
Dies widerspricht völlig der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung, nach der die Tiere vorrangig aus registrierten Einrichtungen kommen sollten.

Anzahl der verwendeten Tiere nach den zuständigen Ressorts:

Mit 143.264 Tieren, das sind 69 % vom Gesamtverbrauch, hat wieder das Bundesministerium für Gesundheit die höchste Anzahl zu melden – jedoch um 11.897 Tiere weniger als im Jahr 2008.
Davon wurden die meisten Tiere abermals, nämlich 74.152, für die Forschung und Entwicklung von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin eingesetzt.
50 Tiere wurden erneut verwendet.

Mit einer Anzahl von 60.334 Tieren, das sind 29 % des Gesamtverbrauches, folgt wieder an zweiter Stelle das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Im Vergleich zu 2008 hat es eine Erhöhung um 1.363 Tieren zu verzeichnen.
Davon wurden die meisten Tiere abermals, nämlich 41.114, im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt.
158 Tiere wurden erneut verwendet.

Das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend meldete den Verbrauch von 4.130 Tieren – um fast doppelt so viel wie im Jahr 2008, wobei die eine Hälfte (2.045 Tiere) in der Grundlagenforschung und die andere Hälfte (2.055 Tiere) für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen verwendet wurde.

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft verzeichnet lediglich 10 Rinder und 6 erneut verwendete Rinder aus österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen, die zu "sonstigen" Zwecken eingesetzt wurden.
Dies ist sehr auffällig, zumal im Jahr 2008 fast 4.000 Tiere, hauptsächlich für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen verwendet wurden und in etwa auch dem Durchschnittsverbrauch der letzten zehn Jahre entspricht (von 2.319 Tieren im Jahr 2002 bis hin zu 4.415 Tiere im Jahr 2006).


Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Art:

Nach wie vor sind die Mäuse mit einer Anzahl von 169.393 und 28 erneut verwendeten Tieren traurige Spitzenreiter. Ihnen folgen mit Abstand die Kaninchen mit 16.441 und 16 erneut verwendeten Tieren. Die dritte Stelle nehmen abermals die Ratten mit 8.796 und 4 erneut verwendeten Tieren ein.
Weiters wurden folgende Tierarten in absteigender Reihenfolge verwendet: Schweine (5.291), Meerschweinchen (3.664), Fische (1.728, +11), Andere Vögel (791, +19), Hamster (723), Rinder (220, +6), Amphibien (198, +18), Schafe (142, +42), Pferde/Esel/Kreuzungen (93, +35), Hunde (59, +29), Katzen (77), Andere Nager (45), Marder (44), Ziegen (18, +6) und Andere Säugetiere (15).

Bei folgendenTierarten ist es zu eine Zunahme gegenüber 2008 gekommen: Meerschweinchen, Schweine, Schafe, Pferde/Esel/Kreuzungen, Katzen, Hunde, Hamster und Marder.

Bei folgenden Tierarten ist es zu einer Verringerung gegenüber 2008 gekommen: Mäuse, Kaninchen, Ratten, Fische, Andere Vögel, Ziegen, Rinder, Amphibien, Andere Nager.

Als neue Tierart gegenüber dem Jahr 2008 scheinen "Andere Säugetiere auf".
Nicht mehr verwendet wurden "Reptilien" und "Wachtel".


Tabelle 2:
Anzahl der verwendeten Tiere nach dem Versuchszweck:

70,5 % der Versuchstiere (146.519) wurden für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.

Im Bereich der Grundlagenforschung mussten 24,6 % von den gesamten Versuchstieren für biologische Untersuchungen, das sind 51.120 Tiere, sterben – um 3.303 weniger als im Vorjahr.

Die für die Tiere extrem belastenden toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen (Haut- und Augenreizungstests etwa) sind gegenüber 2008 um 2.514 Tiere gesunken und machen mit 5.538 Tieren fast 2,7 % aller "verbrauchten" Tiere aus. (In den Tabellen 3, 6 und 7 werden diese detaillierter aufgeschlüsselt.)

Tierversuche im Rahmen der Ausbildung an 1.613 lebenden Tieren (in absteigender Reihenfolge an Mäusen, Schweinen, Ratten, Rinder, Kaninchen, Schafe, Andere Vöge,l Ziegen, Pferde/Esel/Kreuzungen, Hunde, Meerschweinchen), die in den letzten Jahren stark zugenommen haben (2005: verdoppelt, 2006: + 36 %; 2007: + 20 %, 2008: + 12 %) sind endlich etwas – um 318 Tiere gesunken. Der Anteil am gesamten Verbrauch beträgt 0,8 %.

Zum Zwecke der Krankheitsdiagnostik wurden 1.501 Tiere verwendet, um 204 mehr, so dass der Anteil am gesamten Verbrauch 0,7 % ausmacht.

Für "sonstige" Versuchszwecke wurden 1.447 Tiere registriert.


Tabelle 3:
Die Spalte 2.6 mit den 5.538 Tieren wird hier weiter nach der untersuchten Stoffart aufgeschlüsselt. Siehe auch Spalte 8.13.

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 5.538 Tiere insgesamt verwendet.
An 3.483 Tiere wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt.
2.055 Tiere wurden der Rubrik 3.10. (bzw. in Tabelle 8 der Spalte i) zugeteilt, die mit dem Titel "sonstige toxikologische und Unbedenklichkeitsprüfungen" eigentlich gar keine Stoffart bzw. Produktgruppe darstellt.
Für Kosmetika, Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe, für Produkte/Stoffe im Haushalt, in der Landwirtschaft und in der Industrie wurden – wie auch schon in den Vorjahren (2005, 2006, 2007, 2008) - keine Giftigkeitstests durchgeführt.
Darüber hinaus wurden im Jahr 2009 auch keine Tiere zu Untersuchungen für "mögliche oder tatsächliche Kontaminanten in der Umwelt, die nicht in den anderen Spalten aufgeführt sind", herangezogen.


Tabelle 4:
Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier:

Hierfür wurden insgesamt 121.814 Tiere verwendet (um 30.745 mehr als im Vorjahr), davon 21.312 für Krebserkrankungen beim Menschen, 6.198 für Nervenleiden und Geisteskrankheiten des Menschen und 4.817 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Menschen.
Für spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen mussten im Jahr 2009 deutlich mehr Tiere als im Jahr 2008 (1.294) sterben, nämlich 5.686.
Nach wie vor findet sich die höchste Anzahl der verwendeten Tieren mit 83.801 (um 30.307 Tiere mehr als 2008) in der Rubrik für "sonstige Krankheiten des Menschen". Nach wie vor fordern wir, dass hier die Statistik im Sinne der Aussagekraft weiter nach Krankheiten differenziert werden sollte (etwa nach Diabetes, Allergien etc.).


Tabelle 5:
Die Zahlenangaben der Spalten 2.4 und 2.5, nämlich die Anzahl der 65.642 verwendeten Tiere bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin werden hier weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

49.055 Tiere wurden aufgrund von einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) verwendet; 15.815 Tiere wurden aufgrund von EU-Rechtsvorschriften den Versuchen unterzogen; an 355 Tieren wurden aufgrund österreichischer Rechtsvorschriften Experimente durchgeführt.
Waren für das Jahr 2004 in der Rubrik für "sonstige Rechtsvorschriften" noch 22.537 Tiere, im Jahr 2005 461 Tiere, im Jahr 2006 70 Tiere, im Jahr 2007 3 Tiere, im Jahr 2008 wieder 376 Tiere registriert, so sind es diesmal wohl weniger, aber immer noch 316.
Die Zahl der Versuche, die auf keine (!!!) Rechtsvorschriften basieren, sind wieder gestiegen, nämlich von 14 auf 101.


Tabelle 6:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 5.538 Tieren weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

An 2.788 Tieren wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) durchgeführt.
An 2.376 Tieren wurden Giftigkeitstests aufgrund von EU-Rechtsvorschriften vorgenommen.
Aufgrund nationaler Rechtsvorschriften wurden 270 Tiere Tests unterzogen.
An 82 Tieren (um 76 weniger als im Vorjahr) wurden Giftigkeitstests ohne jegliche Rechtsvorschriften durchgeführt!!!
An 22 Tieren wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund "sonstiger Rechtsvorschriften" durchgeführt.


Tabelle 7:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 5.538 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt. Siehe auch Zeile 8j.

Die Toxizitätstests, die außerordentlich belastend für die Tiere sind und mit großen Schmerzen und Leiden einhergehen, sind deutlich, nämlich um 31 %, von 8.052 auf 5.538 zurückgegangen.

Für akute und subakute Toxizitätstests wurden 2.271 Tiere verwendet, um 813 weniger als im Jahr 2008.

Weiters wurde weniger Tiere bei Hautreizungs- (134), Hautsensibilisierungs- (934) und Augenreiztests (50), bei Toxizitätsprüfungen für Wasserwirbeltiere (72), bei Prüfungen auf subchronische und chronische Toxizität (971) verwendet. Auch in der Rubrik für "sonstiges" werden weniger Tiere registriert (972). Für Prüfungen auf Mutagenität wurden diesmal überhaupt keine Tiere eingesetzt, dafür jedoch 134 Tiere Reproduktionstoxizitätstests ausgesetzt.
Unverständlich ist, dass für 2009 noch immer Tiere zu Haureizungstests herangezogen wurden, obwohl sowohl EU-Kommission als auch OECD Anfang 2009 eine tierversuchsfreie Prüfmethode als vollwertigen Ersatz verabschiedet haben.


Tabelle 8:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 5.538 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt und nach den Produktgruppen eingeteilt:

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 5.538 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 3.483, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, davon wiederum hauptsächlich akute und subakute Giftigkeitstests (1.803), gefolgt von den Testungen auf subchronische und chronische Toxizität mit 623 Tieren; in die Rubrik "sonstiges" fallen 965 Tiere.
Weiteres dazu entnehmen Sie bitte der Analyse zu den Tabellen 3 und 7, da diese in der Tabelle 8 zusammengefasst sind.

Siehe dazu auch unsere Presseinfo Österreich: Tierversuche geringfügig gesunken, aber keine Trendwende in Sicht.