Am 29.06.2011 ist die Tierversuchsstatistik gemäß § 16 Tierversuchsgesetz für das Jahr 2010 im Amtsblatt der Wiener Zeitung und auf der Homepage des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung veröffentlicht worden.
Demnach wurden im Jahr 2010 an 187.236 lebenden Wirbeltieren und an 320 erneut verwendeten Tieren Experimente und Tests durchgeführt, die für die Tiere mit Angst, Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbunden waren. Gegenüber dem Jahr 2009 stellt dies eine Verringerung um 9,9 % (um 20.502 weniger Tiere) dar.

Wie schon bei den vorhergehenden Berichten angeführt, ist bei der statistischen Darstellung der Versuchstiere folgendes zu berücksichtigen und festzuhalten:

  • Wie viele Tiere im Jahr 2010 tatsächlich für Experimente und Tests verwendet wurden, ist der amtlichen Statistik nicht zu entnehmen. Denn nach dem Tierversuchsgesetz gilt nicht jeder experimentelle Eingriff an einem Tier (auch wenn dieser in einem Tierversuchslabor stattfindet!) als ein Tierversuch und scheint somit auch nicht in der offiziellen Statistik auf. Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch und wird auch nur dann statistisch erfasst, wenn

1. der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen (z.B. Krebse, Hummer, Langusten, Tintenfische) gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

2. der Versuch mit Angst, Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der persönlichen (!) Einschätzung des Experimentators für das Tier nicht belastend sind, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

3. der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens (z.B. zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) dafür getötet wurden, gelten nicht als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst!

4. Ebenso wenig gelten Versuche an Tierföten und -embryonen als Tierversuche – und werden auch nicht statistisch erfasst.

5. Labortiere, die getötet werden, weil sie nicht dem Versuchsziel entsprechen oder weil sie als sogenannter "Überschuss" nicht gebraucht werden, scheinen auch nicht in der Statistik auf.

  • Zudem ist der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele Versuche ein einzelnes Versuchstier insgesamt bis zu seinem qualvollen Tod über sich ergehen lassen musste. Es wird lediglich die Zahl der erneut verwendeten Tiere – das sind für das Jahr 2010 insgesamt 320 – angeführt.
  • Auch werden Klonversuche, gentechnische Experimente und der Einsatz von transgenen Tieren nicht eigens ausgewiesen.
  • Darüber hinaus unterliegen Tierversuche, die in einem anderen Land in Auftrag gegeben oder als (auch mit österreichischen Steuermitteln gefördertes) Forschungsprojekt in ein anders Land verlagert werden nicht dem österreichischen Tierversuchsgesetz – und werden auch nicht statistisch erfasst.

Der schnelleren und leichteren Übersichtlichkeit wegen, habe ich die 40 Tabellen der offiziellen Statistik auf 4 Seiten zusammengefasst, indem bei den Tabellen 2 – 7 die Aufschlüsselung nach den einzelnen Tierarten weggelassen wurde.
Hinzugefügt wurde bei den Tabellen 1-7 die Spalte für das Jahr 2009, so dass ein direkter Vergleich mit dem Jahr 2010 zu ziehen ist.
Die Tabellen sind hier abrufbar.

Tabelle1:
Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Herkunft:

Lediglich rund ein Drittel aller Versuchstiere (35,9 %) kommt aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung.
Nach wie vor stammen die meisten Tiere, nämlich fast zwei Drittel (62,41), "aus anderen Quellen innerhalb der EU".
Die Anzahl der Tiere aus unbestimmter, nämlich "sonstiger Herkunft" (3.106), hat sich gegenüber dem Vorjahr etwas verringert.
Dies widerspricht völlig der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung, nach der die Tiere vorrangig aus registrierten (am besten aus österreichischen, weil auch nur diese von den österreichischen Behörden kontrolliert werden können) Einrichtungen kommen sollten.

Anzahl der verwendeten Tiere nach den zuständigen Ressorts:

Mit 110.082 Tieren, das sind rund 59 % vom Gesamtverbrauch, hat wieder das Bundesministerium für Gesundheit die höchste Anzahl zu melden – jedoch um 33.182 weniger Tiere als im Jahr 2009. (Auch ich Jahre 2009 hatte es zum Vergleichsjahr 2008 eine deutliche Reduzierung aufzuweisen, nämlich um 11.897 weniger.)
Davon wurden die meisten Tiere abermals, nämlich 103.470, für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin eingesetzt.
33 Tiere wurden erneut verwendet.

Mit einer Anzahl von 61.973 Tieren, das sind über 33 % des Gesamtverbrauches, folgt wieder an zweiter Stelle das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Im Vergleich zum Vorjahr hat es abermals eine Erhöhung, diesmal um 1.639 Tiere, zu verzeichnen (Auch im Jahre 2009 hatte es zum Vergleichsjahr 2008 eine Erhöhung um 1.363 Tieren gegeben.)
Davon wurden die meisten Tiere wie schon in den Vorjahren abermals, nämlich 45.476, im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt.
270 Tiere wurden erneut verwendet.

Das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend meldete den Verbrauch von 15.032 Tieren – bald vier Mal (!) so viel wie im Jahr 2009 -, wobei über 80 % in der Grundlagenforschung verwendet wurden und der Rest größtenteils für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen. (Schon im Jahre 2009 hatte sich die wenn auch noch viel niedrigere Zahl von 4.130 Tieren gegenüber 2008 fast verdoppelt.)

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft verzeichnet 106 Rinder, die alle aus einer registrierten österreichischen Zucht- oder Liefereinrichtung kommen und hauptsächlich für die Forschung und Entwicklung für Produkte und Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet wurden. 2 „Andere Vögel“ und 41 Fische wurden für die Grundlagenforschung eingesetzt.
(Im Jahr 2009 wurden lediglich 10 Rinder gemeldet. Im Jahr 2008 wurden noch fast 4.000 Tiere, hauptsächlich für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen verwendet, was in etwa auch dem Durchschnittsverbrauch der letzten Jahre davor entspricht - von 2.319 Tieren im Jahr 2002 bis hin zu 4.415 Tiere im Jahr 2006).


Anzahl der verwendeten Tiere nach ihrer Art:

Nach wie vor sind die Mäuse mit einer Anzahl von 148.567 und 103 erneut verwendeten Tieren traurige Spitzenreiter. Ihnen folgen mit Abstand die Kaninchen mit 16.584 und 47 erneut verwendeten Tieren. Die dritte Stelle nehmen abermals die Ratten mit 9.281 und 8 erneut verwendeten Tieren (in der Folge wird hierfür die Abkürzung „e.v.T.“ verwendet) ein.
Weiters wurden folgende Tierarten in absteigender Reihenfolge verwendet: Meerschweinchen (5.065), Schweine (2.206, + 22 e.v.T.), Fische (2.095), „Andere Vögel“ (1.307, +35 e.v.T.), Hamster (1.032), Rinder (378, +17 e.v.T.), Schafe (212, +22 e.v.T.), Amphibien (215), Hunde (137, +8 e.v.T.), Pferde/Esel/Kreuzungen (40, +38 e.v.T.), Katzen (38, +17 e.v.T.), Ziegen (31, +3 e.v.T.), Marder (28), „Andere Nager“ (20).

Bei folgenden Tierarten ist es zu eine Zunahme gegenüber 2009 gekommen: Kaninchen, Ratten, Meerschweinchen, Fische, „Andere“ Vögel, Hamster, Rinder, Schafe, Hunde, Ziegen.

Bei folgenden Tierarten ist es zu einer Verringerung gegenüber 2009 gekommen: Mäuse, Schweine, Amphibien, Pferde/Esel/Kreuzungen, Katzen, Marder, „Andere Nager“.

Nicht mehr verwendet wurden "Andere Säugetiere“ (und wie schon im Jahr 2009 auch keine Reptilien und Wachtel).


Tabelle 2:
Anzahl der verwendeten Tiere nach dem Versuchszweck:

62,3 % der Versuchstiere (116.596; um 29.923 weniger als im Jahr 2009) wurden für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.

Im Bereich der Grundlagenforschung mussten 32,8 % von den gesamten Versuchstieren für biologische Untersuchungen, das sind 61.487, sterben – um 10.367 mehr als im Vorjahr.

Die für die Tiere extrem belastenden toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen (Haut- und Augenreizungstests etwa) sind gegenüber 2009 um 474 Tiere gesunken und machen mit 5.064 Tieren 2, 7 % aller „verbrauchten“ Tiere aus. (In den Tabellen 3, 6 und 7 werden diese detaillierter aufgeschlüsselt.)

Tierversuche im Rahmen der allgemeinen und beruflichen Bildung an 1.496 lebenden Tieren (in absteigender Reihenfolge an Mäusen, Schweinen, Ratten, Rinder, „Andere Vögel“, Kaninchen, Schafe, Ziegen, Fische, Hunde, Meerschweinchen, Pferde/Esel/Kreuzungen), die, mit Ausnahme von 2009, in den letzten Jahren stark zugenommen haben (2005: verdoppelt, 2006: + 36 %; 2007: + 20 %, 2008: + 12 %), sind abermals etwas – um 117 Tiere - gesunken. Der Anteil am gesamten Verbrauch beträgt 0,8 % und entspricht dem des Vorjahres 2009.

Zum Zwecke der Krankheitsdiagnostik wurden 1.430 Tiere verwendet, um 71 weniger, so dass der Anteil am gesamten Verbrauch fast 0,8 % ausmacht.

Für "sonstige" Versuchszwecke wurden 1.163 Tiere registriert, das sind 0,6 % des Gesamtverbrauches.


Tabelle 3:
Die Spalte 2.6 mit den 5.064 Tieren wird hier weiter nach der untersuchten Stoffart aufgeschlüsselt. Siehe auch Spalte 8.13.

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 5.064 Tiere insgesamt verwendet.
An 2.715 Tiere wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt.
2.349 Tiere wurden der Rubrik 3.10. (bzw. in Tabelle 8 der Spalte i) zugeteilt, die mit dem Titel "sonstige toxikologische und Unbedenklichkeitsprüfungen" eigentlich gar keine Stoffart bzw. Produktgruppe darstellt.
Für Kosmetika, Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe, für Produkte/Stoffe im Haushalt, in der Landwirtschaft und in der Industrie wurden – wie auch schon in den Vorjahren (2005, 2006, 2007, 2008, 2009) - keine Giftigkeitstests durchgeführt.
Darüber hinaus wurden, wie schon im Jahr 2009, auch keine Tiere zu Untersuchungen für "mögliche oder tatsächliche Kontaminanten in der Umwelt, die nicht in den anderen Spalten aufgeführt sind", herangezogen.


Tabelle 4:
Anzahl der verwendeten Tiere bei Versuchen im Zusammenhang mit Krankheiten von Mensch und Tier:

Hierfür wurden insgesamt 114.578 Tiere verwendet (um 7.236 weniger als im Vorjahr), davon 26.725 für Krebserkrankungen beim Menschen, 7.472 für Nervenleiden und Geisteskrankheiten des Menschen und 7.414 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Menschen.
Für spezielle Tierkrankheiten betreffende Untersuchungen mussten 2.176 Tiere ihr Leben lassen.
Nach wie vor findet sich die höchste Anzahl der verwendeten Tiere mit 70.791 in der Rubrik für "sonstige Krankheiten des Menschen". Nach wie vor fordern wir, dass hier die Statistik hinsichtlich einer sinnvollen Aussagekraft weiter nach Krankheiten differenziert werden sollte (etwa nach Diabetes, Allergien etc.).


Tabelle 5:
Die Zahlenangaben der Spalten 2.4 und 2.5, nämlich die Anzahl der 48.893 verwendeten Tiere bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin werden hier weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

36.008 Tiere wurden aufgrund von einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) verwendet; 12.037 Tiere wurden aufgrund von EU-Rechtsvorschriften den Versuchen unterzogen.
Schienen für das Jahr 2004 in der Rubrik für "sonstige Rechtsvorschriften" noch 22.537 Tiere auf, im Jahr 2005 461 Tiere, im Jahr 2006 70 Tiere, im Jahr 2007 3 Tiere, im Jahr 2008 wieder 376 Tiere, im Jahr 2009 316, so diesmal wieder viel mehr, nämlich 738.

Die Zahl der Versuche, die auf keine (!!!) Rechtsvorschriften basieren, sind wieder, wenn auch wenig, gestiegen, nämlich auf 110 (2008: 14; 2009: 101).

Auffallend ist, dass allein aufgrund von nationalen Rechtsvorschriften eines einzelnen EU-Mitgliedstaates diesmal keine Experimente durchgeführt wurden; im Jahr 2009 waren es noch 355.


Tabelle 6:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 5.064 Tieren weiter nach den Rechtsvorschriften aufgeschlüsselt:

An 3.160 wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund einer Kombination von Rechtsvorschriften (EU, Europarat, nationale und sonstige) durchgeführt.
An 1.856 Tieren wurden Giftigkeitstests aufgrund von EU-Rechtsvorschriften vorgenommen.
Aufgrund von nationalen Rechtsvorschriften eines einzelnen EU-Mitgliedstaates wurden keine Tierversuche durchgeführt.
An 45 Tieren (um 37 weniger als im Vorjahr) wurden Giftigkeitstests ohne jegliche Rechtsvorschriften durchgeführt!!! (2008: 158; 2009: 82)
An 3 Tieren (2009: 22) wurden toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen aufgrund "sonstiger Rechtsvorschriften" durchgeführt.


Tabelle 7:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 5.064 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt. Siehe auch Zeile 8z.

Die Toxizitätstests, die außerordentlich belastend für die Tiere sind und mit großen Schmerzen und Leiden einhergehen, sind von 5.538 auf 5.064 zurückgegangen. (2008 waren es noch 8.052)

Für akute und subakute Toxizitätstests wurden 2.384 Tiere, um 113 mehr, verwendet. (2008 waren es 3.084).
Weiters sind Anstiege zu beobachten bei den Hautsensibilisierungstests (1.064), den Augenreizungtests (97) und den Reproduktionstoxizitätstests (174).
Für Prüfungen auf Mutagenität wurden 90 Tiere eingesetzt.

Weniger Tiere wurden lediglich bei den Hautreizungstests (118), bei den Prüfungen auf subchronische und chronische Toxizität (870) und für „Sonstiges“ (267) verwendet.
Bei Toxizitätsprüfungen für Wasserwirbeltiere wurden diesmal keine Tiere eingesetzt.

Unverständlich und erklärungsbedürftig ist, dass noch immer Tiere zu Haureizungstests herangezogen wurden, obwohl sowohl EU-Kommission als auch OECD Anfang 2009 eine tierversuchsfreie Prüfmethode als vollwertigen Ersatz verabschiedet haben.


Tabelle 8:
Die Spalte 2.6 wird hier mit den 5.064 Tieren weiter nach der Art der Toxizitätsprüfungen aufgeschlüsselt und nach den Produktgruppen eingeteilt:

Für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen wurden 5.064 Tiere insgesamt verwendet. An mehr als der Hälfte der Tiere, nämlich an 2.715, wurden Giftigkeitstests für Produkte/Stoffe/Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, davon wiederum hauptsächlich akute und subakute Giftigkeitstests (1.802).
2.349 Tiere wurden für „Sonstige toxikologische und Unbedenklichkeitsprüfungen“ eingesetzt, wobei der größte Teil zu Hautsensibilisierungstests (1.055) herangezogen wurde.
Weiteres dazu entnehmen Sie bitte der Analyse zu den Tabellen 3 und 7, da diese in der Tabelle 8 zusammengefasst sind.

Siehe dazu auch unsere Presseinfo Österreich: Tierversuche gesunken – trotzdem kein Grund zur Freude