Die statistische Erfassung von Tierversuchen musste aufgrund der Umsetzung der Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU auch in Österreich neu geregelt werden.
Mit 1. Jänner 2014 ist die neue Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013) in Kraft getreten. Demgemäß hat die Bundesministerin bzw. der Bundesminister für Wissenschaft und Forschung bis zum 30. Juni die übermittelten Tierversuchsdaten zusammenzufassen und auf der Website des Ministeriums zu veröffentlichen.

 

 

Ende Juni 2014 wurde die Tierversuchsstatistik 2013 nach den neuen Bestimmungen auf der Website des Wissenschaftsministeriums als pdf-Datei veröffentlicht (und ist hier abrufbar).
Diese besteht aus (nicht durchnummerierten) 12 Seiten und entspricht keinesfalls den in der Anlage der TVSV 2013 angeführten Tabellen 1 bis 8 mit den entsprechenden Zusammenfassungen und Datenkategorien als da genau definiert sind: „Tierart“ (Tabelle 2), „Erneute Verwendung“ (Tabelle 3), „Geburtsort“ (Tabelle 4), „Genetischer Status“ (Tabelle 5), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“ (Tabelle 6), „Schweregrad“ (Tabelle 7), „Verwendungszwecke“ (Tabelle 8), „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3a) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3b).

Die veröffentlichte Tierversuchsstatistik 2013 beinhaltet lediglich eine tabellarische Zusammenfassung der „Tiere nach Schweregraden“ (aus der sich auch die insgesamt verwendeten Tiere/Tierarten ergeben), der „Tiere nach genetischem Status“ und der „Tiere nach Versuchszweck“.
Eine Zusammenfassung der Versuchstierdaten nach „Erneute Verwendung“, „Geburtsort“ (nach vier Herkunftsarten aufgeschlüsselt), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“, „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den zehn angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den drei angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) fehlen gänzlich.

Bei den Seiten 5 - 10 der veröffentlichten Tierversuchsstatistik 2013 handelt es sich offensichtlich um die Ablichtung einer Excel-Datei, auf die nicht für etwaige Abfragen zugegriffen werden kann. Die Datensätze sind - lediglich geordnet nach den Tierarten - bloß aneinandergereiht. Teilweise überlappen sich die Spaltenangaben, so dass der Inhalt nicht vollständig wahrnehmbar ist. Darüber hinaus ist die Schrift so klein gehalten, dass sie nahezu unlesbar ist.
Es ist zwar möglich (auch unter Zuhilfenahme der auf Seite 11 - 12 angeführten Kennziffern), aber eine reine Zumutung aus dieser Auflistung Daten herauszufiltern, wie etwa die Anzahl und Art der erneut verwendeten Tiere.
Wegen dieser eklatanten Mängel haben wir diesbezügliche Anfragen an das Wissenschaftsministerium formuliert.


Ein Vergleich mit den Daten der Vorjahre ist aufgrund neuer Bestimmungen (z.B. gelten nun auch Eingriffe an Kopffüßern als Tierversuche und müssen dementsprechend auch statisch erfasst werden) und abgewandelter und gänzlich neuer Datenkategorien (z.B. bei der Datenkategorie „Verwendungszwecke“ mit ihren Unterkategorien) wenig sinnvoll.

 


Erst wenn der Versuch endet, wird das Versuchstier statistisch erfasst

Weiters ist zu beachten, dass nun nicht alle Versuchstiere, die im betreffenden Kalenderjahr Experimenten unterzogen werden, in die Statistik Eingang finden. Es werden gemäß § 3 (1) der TVSV 2013 nur jene Versuchstiere erfasst, für die der Versuch in dem betreffenden Kalenderjahr (meist tödlich) auch endet. Somit ist diese Bestimmung für Tierversuchsstudien wirksam, die sich über ein oder mehrere Kalenderjahre erstrecken.


Viele Gruppen von Versuchstiere werden statistisch gar nicht erfasst

Nach wie vor gilt die Tötung von Versuchstieren zur Entnahme von Organen und Gewebe nicht als Tierversuch und wird somit auch nicht statistisch berücksichtigt. Obwohl Eingriffe an „Föten von Säugetieren ab dem letzten Drittel ihrer normalen Entwicklung“ nun auch als Tierversuche bewertet werden, müssen Föten und Embryonen von Säugetieren (also noch nicht geborene Tiere) nicht in die Statistik aufgenommen werden. Auch die Tötung überzähliger Versuchstiere und genetisch nicht veränderter Nachkommen werden statistisch nicht erfasst. Ebenso wenig finden sogenannte Sentinel-Tiere (das sind sog. Anzeigertiere, die in Bestände eingesetzt werden, um festzustellen, ob darin Infektionserreger vorhanden sind) Eingang in die Versuchsstatistik.
Bei Eingriffen an Labortieren, bei denen der Experimentator erwartet, dass diese keine Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden verursachen, handelt es sich laut gesetzlicher Definition um keine Tierversuche, die somit weder genehmigt noch statistisch ausgewiesen werden müssen.


Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2013 die Verwendung von insgesamt 208.559 Versuchstieren gemeldet.

 

TIERART (Tabelle 2 laut Anlage der TVSV 2013)

Von den in der Datenkategorie „Tierart“ angeführten insgesamt 36 Tierarten wurden in Österreich 18 Tierarten verwendet, nämlich:
Mäuse (176.124), Ratten (6.074), Meerschweinchen (2.204), Kaninchen (18.406), Katzen (39), Hunde (131), Pferde, Esel und Kreuzungen (88), Schweine (1.100), Ziegen (14), Schafe (134), Rinder (439), Andere Säugetiere (24), Haushühner (609), Andere Vögel (401), Frösche (166), Krallenfrösche (143), Zebrafische (1.478) und Andere Fische (985).

Die Mäuse stellen mit 84,4 % die am häufigsten verwendete Tierart dar. An zweiter Stelle rangieren die Kaninchen mit 8,8 % und an dritter Stelle die Ratten mit 2,9 %.
Keine Eingriffe wurden etwa an Affen oder an Kopffüßern (die als Tierart neu hinzugekommen sind) durchgeführt.

 

ERNEUTE VERWENDUNG (Tabelle 3 laut Anlage der TVSV 2013)

Tiere, die schon für Versuche verwendet worden sind, können unter bestimmten Voraussetzungen (die in § 9 TVG 2012 genauer definiert sind), erneut verwendet werden.

Das Ministerium hat die Daten der erneut verwendeten Tiere nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben - zusammengefasst, so dass die Erfüllung dieser Vorgabe noch ausständig ist.

 

GEBURTSORT (Tabelle 4 laut Anlage der TVSV 2013)

Auch die Daten zur Herkunft der Tiere, aufgeschlüsselt nach vier Herkunftsarten*, wurden nicht zusammengefasst, so dass die Erfüllung dieser Vorgabe noch ausständig ist.
*Aufschlüsselung nach:
In der EU, in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
in der EU, jedoch nicht in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
im restlichen Europa geborene Tiere,
in der restlichen Welt geborene Tiere.

Falls nichtmenschliche Primaten verwendet werden (was laut Tierversuchsstatistik 2013 in Österreich nicht der Fall war) sind folgende zwei Aufschlüsselungen erforderlich:

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – BEZUGSQUELLE (Tabelle 4a laut Anlage der TVSV 2013, wobei sechs Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – GENERATION (Tabelle 4b laut Anlage der TVSV 2013, wobei vier Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

 

GENETISCHER STATUS (Tabelle 5 laut Anlage der TVSV 2013)

Über ein Viertel der Versuchstiere, nämlich 59.243, das sind 28,4 %, wurden genetisch verändert - davon 51.054, das sind 86,2 %, ohne pathologischen Phänotyp und 8.189, das sind 13,8 %, mit pathologischem Phänotyp. Bei den genetisch veränderten Tieren handelt es sich ausschließlich um Mäuse, Ratten und Zebrafische.
149.316 Tiere, das sind 71,6 %, wurden genetisch nicht verändert.

 

SCHAFFUNG EINER NEUEN GENETISCH VERÄNDERTEN LINIE (Tabelle 6 laut Anlage der TVSV 2013)

Auch diese Daten wurden nicht zusammengefasst, so dass die Erfüllung dieser Vorgabe noch ausständig ist.

 

SCHWEREGRAD (Tabelle 7 laut Anlage der TVSV 2013)

Bei dieser Einteilung wird das Leiden der Versuchstiere am Ende des Versuches beurteilt und einer der vier möglichen Schweregrade-Kategorien zugeordnet.

Demnach wurden die meisten Versuchstiere, nämlich 122.265 Tiere, das sind 58,6 %, dem Schweregrad „gering“ zugeordnet. (Das sind Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren kurzzeitig geringe Schmerzen, Leiden oder Ängste verursacht haben.)

62.905, das sind 30,2 %, waren dem Schweregrad „mittel“ ausgesetzt. (Das sind Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren kurzzeitig mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende geringe Schmerzen verursachen.)

Der Kategorie „Keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“ (das sind Tierversuche, die gänzlich unter Vollnarkose durchgeführt werden und aus der das Tier nicht mehr erwacht) wurden 17.378 Tiere, das sind 8,3 %, zugeordnet.

6.011 Tiere, das sind 2,9 %, wurden dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet. Betroffen davon waren Mäuse, Ratten und Andere Vögel. (Das sind Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste verursachen.)

 

VERWENDUNGSZWECKE (Tabelle 8 laut Anlage der TVSV 2013)

Bei der Angabe des Verwendungszwecks stehen acht Möglichkeiten zur Auswahl:

a) Grundlagenforschung (= Tab 8.1 - wobei diese wiederum in dreizehn Auswahlfelder unterteilt ist, z.B. Onkologie, Nervensystem, Atmungssystem etc.)

b) Translationale und angewandte Forschung (= Tab 8.2 - wobei diese siebzehn Auswahlfelder vorgibt, z.B. Krankheitsdiagnose, Pflanzenkrankheiten etc.)

c) Verwendung zu regulatorischen Zwecken und Routineproduktion, nach Typen (= Tab 8.3 - mit weiteren vier Unterteilungen:

Qualitätskontrolle (einschließlich Chargenunbedenklichkeits- und –potenzprüfungen); = Tab 8.3.1 – mit weiteren vier Unterkategorien
Andere Wirksamkeits- und Toleranzprüfungen (hierfür ist keine Tabelle vorgesehen)
Routineproduktion, nach Produkttypen (EU: „Verwendung von Tieren zur regulierten Produktion, nach Produkttypen“); = Tab 8.3.2 – mit weiteren drei Unterkategorien.
Toxizitäts- und andere Unbedenklichkeitsprüfungen (EU:“ einschließlich pharmakologischer Tests“), nach Prüfungstypen; = Tab 8.3.3 – mit weiteren siebzehn Unterkategorien. Davon weist die

o Kategorie „Akute und subakute Toxizität - Testmethoden“ (EU: „Testmethoden zur Prüfung auf akute Toxizität (bei einmaliger Verabreichung) (einschließlich Limit-Test)“); (= Tab 8.3.3.1) drei weitere Unterkategorien auf.
o Die Kategorie „Toxizität bei wiederholter Verabreichung/Applikation“ (= Tab 8.3.3.2) weist drei weitere Unterkategorien auf.
o Die Kategorie „Ökotoxizität“ (= Tab 8.3.3.3) weist sechs weitere Unterkategorien auf.


PRÜFUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3a laut Anlage der TVSV 2013) mit 10 Auswahlmöglichkeiten.

Auch diese Daten wurden nicht zusammengefasst, so dass die Erfüllung dieser Vorgabe noch ausständig ist.


ANFORDERUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3b laut Anlage der TVSV 2013) mit 3 Auswahlmöglichkeiten.

Auch diese Daten wurden nicht zusammengefasst, so dass die Erfüllung dieser Vorgabe noch ausständig ist.


d) Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren

e) Erhaltung der Art

f) Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten

g) Forensische Untersuchungen

h) Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet werden.


Im Jahr 2013 wurden die meisten Versuchstiere zu regulatorischen Zwecken und Routineproduktion (= c) verwendet, nämlich 63.918, das sind 30,6 %.

61.170 Tiere, das sind 29,3 %, wurden für die translationale und angewandte Forschung (= b) verwendet.
(Bei der translationalen Forschung handelt es sich um weiterführende, gezielte Grundlagenforschung an der Schnittstelle zur angewandten Forschung. Die angewandte Forschung ist auf praxisrelevante, nützliche Ergebnisse ausgerichtet. Die Grundlagenforschung ist vom reinen Erkenntnisinteresse geleitet.)

Für die Grundlagenforschung (= a) wurden 59.951 Tiere, das sind 28,7%, verbraucht.

Der Kategorie „Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet werden“ (= h) wurden 19.725 Tiere, das sind 9,5 % zugeordnet.

Tierversuche im Rahmen der Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten (= f) wurden an 3.795 Tieren, das sind 1,8 %, durchgeführt.

Keine Tierversuche wurden zum Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren (= d), zur Erhaltung der Art (= e) und für forensische Untersuchungen (=g) durchgeführt.