Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2015 die Verwendung von insgesamt 227.317 Versuchstieren gemeldet. Das sind um 18.134 Tiere, d.h. um 8,7 %, mehr als im Vorjahr. Damit sind wir von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere weit entfernt.
Mit der Steigerung des Verbrauchs auf 227.317 Versuchstiere fallen wir zwanzig Jahre im Kampf gegen die Tierversuche zurück: Denn eine so hohe Anzahl von Versuchstieren hatte Österreich zuletzt im Jahre 1994 zu verzeichnen – damals begann die Anzahl der Versuchstiere bis 1999 kontinuierlich zu sinken, während ab dem Jahr 2000 eine stetige Zunahme zu verzeichnen ist. Das ist eine verheerende Entwicklung, auf die wir immer wieder hingewiesen haben. Sie zeigt einmal mehr, dass die Politik hier klar versagt hat und völlig neue Strategien eingeschlagen werden müssen.

Gesetzliche Grundlage

Gemäß der Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013), die am 1.1.2014 in Kraft getreten ist, hat die Bundesministerin bzw. der Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft jeweils bis zum 30. Juni die von den zuständigen Behörden übermittelten Tierversuchsdaten des Vorjahres zusammenzufassen und zu veröffentlichen.
Somit enthält die nun vorliegende, am 30. Juni 2016 auf der Website des in Wissenschaftsministeriums als pdf-Datei publizierte Statistik die Daten der im Jahr 2015 in Österreich verwendeten Versuchstiere.


Völlig intransparente Aufbereitung der Daten für die Öffentlichkeit

Die Publikation besteht aus elf durchnummerierten Seiten und entspricht keinesfalls den in der Anlage der TVSV 2013 formal eindeutig vorgegebenen Tabellen 1 bis 8 mit den entsprechenden Zusammenfassungen, Aufschlüsselungen und Datenkategorien, die folgendermaßen definiert sind:

• „Tierart“ (Tabelle 2),
• „Erneute Verwendung“ (Tabelle 3),
• „Geburtsort“ (Tabelle 4),
• „Genetischer Status“ (Tabelle 5),
• „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“ (Tabelle 6),
• „Schweregrad“ (Tabelle 7),
• „Verwendungszwecke“ (Tabelle 8),
• „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3a) und
• „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3b).

Die veröffentlichte Tierversuchsstatistik 2015 beinhaltet wie schon die beiden Vorgängerstatistiken bloß eine tabellarische Zusammenfassung der „Tiere nach Schweregraden“ (aus der sich auch die insgesamt verwendeten Tiere/Tierarten ergeben), der „Tiere nach genetischem Status“ und der „Tiere nach Versuchszweck“. Gänzlich fehlen die Zusammenfassungen der Versuchstierdaten nach „Erneute Verwendung“, „Geburtsort“ (nach vier Herkunftsarten aufgeschlüsselt), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“, „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den in der TVSV 2013 angeführten zehn angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den drei in der TVSV 2013 angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt).

Bei der „Gesamttabelle“ (Seite 5 – 9) handelt es sich um eine bloße Aneinanderreihung von Daten, die nicht gezielt abgefragt werden können (z.B. wie viele Tiere – aufgeschlüsselt nach der Art - erneut für Versuche verwendet wurden), und somit in ihrer Aussagekraft völlig wertlos sind.
Es ist zwar möglich (auch unter Zuhilfenahme der auf Seite 10 - 11 angeführten Kennziffern) aus dieser Auflistung Daten händisch herauszufiltern und zusammenzufassen, wie etwa die Anzahl und Art der erneut verwendeten Tiere, aber es ist dies eine echte Zumutung.
Die „Gesamttabelle“ lässt sich zwar ausdrucken, aber selbst bei einem Ausdruck auf A3-Format bleibt die Schrift noch immer so klein, dass sie nicht lesbar ist. Erst bei einem Ausdruck auf Plakatgröße (A2 oder zielführender A1) wird die „Gesamttabelle“ entzifferbar. Aber trotzdem noch immer nicht verwendbar, weil der Text in den Unterkategorien sehr oft nur verstümmelt in den Spalten sicht- bzw. erahnbar ist.

Wegen dieser eklatanten Mängel haben wir schon im Jahre 2014 eine parlamentarische Anfrage an den Wissenschaftsminister Mitterlehner initiiert. In deren Beantwortung bestätigt der Minister, dass „in der veröffentlichten Tierversuchsstatistik die vollständen Datensätze ungefiltert enthalten sind“, weist jedoch darauf hin, dass „auf europäischer Ebene eine Softwarelösung vorbereitet (wird)“, die „im Jahr 2015 verfügbar sein (wird)“, „welche ein Abfragen der veröffentlichten Daten in jeder beliebigen Aufschlüsselung ermöglichen wird.“
(Parlamentarische Anfrage zur Tierversuchsstatistik ist hier abrufbar. Parlamentarische Anfragebeantwortung dazu ist hier abrufbar.)

Nun schreiben wir sogar das Jahr 2016 und die in der „Gesamttabelle“ lediglich aneinandergereihten Daten der Tierversuchsstatistik lassen sich – nun schon zum dritten Mal - nicht zusammenfassen und aufschlüsseln, sodass die Statistik ihren Sinn und Zweck gänzlich verfehlt. Dies widerspricht völlig der Vorgabe der EU-Tierversuchsrichtlinie, die hier dezidiert „Transparenz“ einfordert.
Wir werden diesbezüglich erneut eine parlamentarische Anfrage anregen und uns wegen dieses Missstandes an die zuständigen Institutionen und Aufsichtsgremien wenden.
Auch erscheint uns das Warten auf eine EU-Softwarelösung als bloße Ausrede, da bis zum Jahre 2013 eine Aufschlüsselung und tabellarische Zusammenfassung aller österreichischen Tierversuchsdaten sehr wohl möglich war.


Detaillierte Jahresvergleiche erst ab 1.1.2014 sinnvoll

Aufgrund der am 1.1.2014 in Kraft getretenen Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013) mit etlichen neuen Bestimmungen (z.B. gelten nun auch Eingriffe an Kopffüßern als Tierversuche und müssen dementsprechend auch statistisch erfasst werden) sowie abgewandelter und gänzlich neuer Datenkategorien (z.B. bei der Datenkategorie „Verwendungszwecke“ mit ihren Unterkategorien) ist ein  d e t a i l l i e r t e r  Vergleich der Daten mit den vorherigen jährlich publizierten Tierversuchsstatistik-Daten nicht mehr sinnvoll, weshalb wir  d e t a i l l i e r t e  Vergleiche erst wieder ab dem 1.1.2014 vornehmen werden.


Erst wenn der Versuch endet, wird das Versuchstier statistisch erfasst

Bei der Analyse der Statistik ist zu beachten, dass nicht alle Versuchstiere, die im betreffenden Kalenderjahr Experimenten unterzogen werden, in die Statistik Eingang finden. Es werden gemäß § 3 (1) der TVSV 2013 nur jene Versuchstiere erfasst, für die der Versuch in dem betreffenden Kalenderjahr auch (meist tödlich) endet. Diese Bestimmung ist somit für Tierversuchsstudien wirksam, die sich über ein oder mehrere Kalenderjahre erstrecken.


Viele Gruppen von Versuchstieren werden statistisch gar nicht erfasst

Nach wie vor gilt die Tötung von Versuchstieren zur Entnahme von Organen und Gewebe nicht als Tierversuch und wird somit auch nicht statistisch berücksichtigt. Obwohl Eingriffe an „Föten von Säugetieren ab dem letzten Drittel ihrer normalen Entwicklung“ nun auch als Tierversuche bewertet werden, müssen Föten und Embryonen von Säugetieren (also noch nicht geborene Tiere) nicht in die Statistik aufgenommen werden. Auch die Tötung überzähliger Versuchstiere und genetisch nicht veränderter Nachkommen werden statistisch nicht erfasst. Ebenso wenig finden sogenannte Sentinel-Tiere (das sind sog. Anzeigertiere, die in Bestände eingesetzt werden, um festzustellen, ob darin Infektionserreger vorhanden sind) Eingang in die Tierversuchsstatistik.
Bei Eingriffen an Labortieren, bei denen der Experimentator erwartet, dass diese keine Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden verursachen, handelt es sich laut gesetzlicher Definition um keine Tierversuche, die somit weder genehmigt noch statistisch ausgewiesen werden müssen.


TIERVERSUCHSSTATISTIK 2015

Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2015 die Verwendung von insgesamt 227.317 Versuchstieren (2014: 209.183; 2013: 208.559) gemeldet.
Das sind um 18.134 Tiere, d.h. um 8,7 %, mehr als im Vorjahr. Damit sind wir von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere weit entfernt.
Mit der Steigerung des Verbrauchs auf 227.317 Versuchstiere fallen wir zwanzig Jahre im Kampf gegen die Tierversuche zurück: Denn eine so hohe Anzahl von Versuchstieren hatte Österreich zuletzt im Jahre 1994 zu verzeichnen – damals begann die Anzahl der Versuchstiere bis 1999 kontinuierlich zu sinken, während ab dem Jahr 2000 eine stetige Zunahme zu verzeichnen ist. Das ist eine verheerende Entwicklung, auf die wir immer wieder hingewiesen haben. Sie zeigt einmal mehr, dass die Politik hier klar versagt hat und völlig neue Strategien eingeschlagen werden müssen.


TIERART (Tabelle 2 laut Anlage der TVSV 2013)

Von den in der Datenkategorie „Tierart“ angeführten insgesamt 36 Tierarten wurden in Österreich zwanzig (2014: 21; 2013: 18) Tierarten verwendet.

Mäuse

Ratten

Meerschweinchen

Goldhamster

Andere Nager

Kaninchen

2013

176.124

6.074

2.204

18.406

2014

174.934

5.682

652

836

135

8.176

2015

187.413

5.162

1.858

602

99

15.910

Katzen

Hunde

Pferde, Esel und
Kreuzungen

Schweine

Ziegen

Schafe

Rinder

Andere
Säugetiere

2013

39

131

88

1.100

14

134

439

24

2014

29

66

176

3.589

12

235

273

465

2015

34

111

94

1.762

7

115

632

515

Haushühner

Andere Vögel

Krallenfrösche

Andere Amphibien

Frösche

2013

609

401

143

166

2014

2.127

956

80

739

191

2015

1.623

465

121

616

Zebrafische

Andere Fische

Gesamt

2013

1.478

985

208.559

2014

8.574

1.256

209.183

2015

9.411

767

227.317

Die Mäuse stellen mit 82,4 % (2014: 83,6 %; 2013: 84,4 %) nach wie vor die am häufigsten verwendete Tierart dar. An zweiter Stelle rangieren diesmal die Kaninchen mit 7 %. An dritter Stelle die Zebrafische mit 4,1 % (2014: Zebrafische an zweiter Stelle mit 4,1 % und an dritter Stelle die Kaninchen mit 3,9 %.)
Diesmal wurden keine Frösche verwendet. Ansonsten sind bei den verwendeten Tierarten nur leichte Verschiebungen auszumachen.

Auffällig ist die starke Zunahme bei den Mäusen (plus 12.479) und Kaninchen (plus 7.734), die für die gesamte Zunahme ausschlaggebend sein dürften.


Tests an Tieren werden trotz validierter vollwertiger Ersatzmethode weiterhin angewendet

Von den insgesamt 15.910 Kaninchen wurden der Großteil, nämlich 14.794, für Pyrogentests eingesetzt. Beim Pyrogentest handelt es sich um einen gesetzlich vorgeschriebenen Test zur Qualitätskontrolle von injizierbaren Arzneimitteln auf das Vorhandensein von pyrogenen (= fieberauslösenden) Stoffen.
Doch die Verwendung von Kaninchen zur Feststellung von Pyrogenen ist nicht mehr zu rechtfertigen, da es neben der alternativen LAL-Methode (für die jedoch gleichfalls Tiere, nämlich Pfeilschwanzkrebse, verwendet werden) eine vollwertige, von ECVAM (= Europäisches Zentrum für die Validierung von Alternativmethoden, das 1991 von der Europäischen Kommission gegründet wurde) validierte Ersatzmethode gibt, nämlich den In-vitro-Pyrogen-Test (IPT), der auf menschlichem Vollblut basiert. Auch wurde der IPT-Test als Prüfmethode ins Europäische Arzneibuch 2010 aufgenommen.

Die gängige Praxis, weiterhin an Kaninchen Pyrogentests durchzuführen, ist ein Beispiel mehr für das völlige Versagen der verantwortlichen Stellen. Zum einen müsste der Gesetzgeber einen Test mit Tieren, für den es einen vollwertigen Ersatz gibt, umgehend und dezidiert verbieten, was aber nicht der Fall ist (wir aber vehement einfordern). Und da es kein dezidiertes Verbot des zu ersetzenden Tests an Tieren gibt, sehen sich die ausführenden Stellen ganz offensichtlich nicht motiviert genug, auf die Ersatzmethode umzustellen (die eventuell noch auf das spezielle, zu prüfende Produkt zu validieren ist).
Und so müssen – wie im vorliegenden Fall – 14.794 Tiere – unnötiger Weise leiden und sterben. Wo bleibt da die immer wieder beschworene ethische Verantwortung jener Personen, die diese Tierversuche gesetzlich erlauben, behördlich genehmigen und schließlich in den Laboren durchführen?

Weiters wurden an 88 Mäusen Tests zum Nachweis des Botulinum-Toxins durchgeführt. Auch hier gibt es eine vollwertige Ersatzmethode, die eventuell für das entsprechende Produkt noch zu validieren ist, was aber kein Grund sein kann und darf, weiterhin am tierverbrauchenden Test festzuhalten.

Keine Eingriffe wurden etwa (wie schon in den Jahren 2013 und 2014 davor) an Affen oder an Kopffüßern (die als Tierart neu hinzugekommen sind) durchgeführt.


ERNEUTE VERWENDUNG (Tabelle 3 laut Anlage der TVSV 2013)

Tiere, die schon für Versuche verwendet worden sind, können unter bestimmten Voraussetzungen (die in § 9 TVG 2012 genau definiert sind) erneut verwendet werden.

Das Ministerium hat die Daten der erneut verwendeten Tiere nicht in einer Tabelle zusammengefasst. Diese Information befindet sich lediglich in der „Gesamttabelle“, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.


GEBURTSORT (Tabelle 4 laut Anlage der TVSV 2013)

Auch die Daten zur Herkunft der Tiere, aufgeschlüsselt nach vier Herkunftsarten*, hat das Ministerium nicht in einer Tabelle zusammengefasst. Diese Information befindet sich lediglich in der „Gesamttabelle“, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

*Aufschlüsselung nach:
In der EU, in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
in der EU, jedoch nicht in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
im restlichen Europa geborene Tiere,
in der restlichen Welt geborene Tiere.

Falls nichtmenschliche Primaten verwendet werden (was laut Tierversuchsstatistik 2013, 2014 und 2015 in Österreich nicht der Fall war) sind folgende zwei Aufschlüsselungen  erforderlich:

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – BEZUGSQUELLE (Tabelle 4a laut Anlage der TVSV 2013, wobei sechs Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – GENERATION (Tabelle 4b laut Anlage der TVSV 2013, wobei vier Auswahlfelder zur Verfügung stehen)


GENETISCHER STATUS (Tabelle 5 laut Anlage der TVSV 2013)

Von den gesamten Versuchstieren wurden 91.406, das sind 40,2 % (2014: 38 %; 2013: 28,4 %), genetisch verändert. Der größte Teil davon, nämlich 73.220, das sind 80,1% (2014: 81,2 %; 2013: 86,2 %), ohne pathologischen Phänotyp und 18.186, das sind 19,9 % (2014: 18,8 %; 2013: 13,8%), mit pathologischem Phänotyp.
Bei den genetisch veränderten Tieren handelt es sich im Jahre 2015 um Mäuse, Ratten und Zebrafische (2014 wurden zusätzlich auch 8 Kaninchen genetisch verändert).

Genetisch nicht verändert wurden 135.911 Tiere, das sind 59,8 % (2014: 62 %; 2013: 71,6 %) von den Gesamttieren.

Hier lässt sich eine eindeutige Tendenz in Richtung Zunahme genetisch veränderter Tiere ausmachen, insbesondere auch jener mit pathologischem Phänotyp.


SCHAFFUNG EINER NEUEN GENETISCH VERÄNDERTEN LINIE (Tabelle 6 laut Anlage der TVSV 2013)

Das Ministerium hat die Daten zur Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie nicht in einer Tabelle zusammengefasst. Diese Information befindet sich lediglich in der „Gesamttabelle“, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.


SCHWEREGRAD (Tabelle 7 laut Anlage der TVSV 2013)

Bei der Einteilung nach dem Schweregrad wird das Leiden der Versuchstiere am Ende des Versuches beurteilt und einer der vier möglichen Schweregrade-Kategorien zugeordnet.

Demnach wurden die meisten Versuchstiere, nämlich 136.602 Tiere, das sind 60 % (2014: 57,1 %; 2013: 58,6 %), dem Schweregrad „gering“ zugeordnet. (Das sind Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren kurzzeitig geringe Schmerzen, Leiden oder Ängste verursacht haben. Beispiel: Pharmakokinetische Studie, bei der eine einzige Dosis verabreicht wird und eine begrenzte Anzahl von Blutabnahmen durchgeführt wird.)

54.896 Tiere, das sind 24,2 % (2014: 30,1 %; 2013: 30,2 %), waren dem Schweregrad „mittel“ ausgesetzt. (Das sind Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren kurzzeitig mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende geringe Schmerzen verursachen. Beispiel: Organtransplantation mit wirksamer Behandlung der Abstoßung.)

27.037 Tiere, das sind 11,9 % (2014: 10,3 %; 2013: 2,9 %), wurden dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet. (Das sind Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste verursachen. Beispiel: Elektroschocks, denen das Tier nicht entgehen kann, um z.B. erlernte Hilflosigkeit herbeizuführen.)
Das stellt abermals eine starke Zunahme dar. (Schon im Vorjahr 2014 gab es eine enorme Zunahme im Vergleich zum Jahr 2013 von 2,9 % auf 10,3 %.) Davon betroffen waren diesmal Mäuse, Ratten, Andere Fische, Andere Amphibien, Goldhamster, Haushühner, Andere Nager, Andere Vögel und Schweine.

Der Kategorie „Keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“ (das sind Tierversuche, die gänzlich unter Vollnarkose durchgeführt werden, aus der das Tier nicht mehr erwacht) wurden 8.782 Tiere, das sind 3,9 % (2014: 2,4 %; 2013: 17.378 = 8,3 %), zugeordnet.


VERWENDUNGSZWECKE (Tabelle 8 laut Anlage der TVSV 2013)

Bei der Angabe des Verwendungszwecks stehen acht Möglichkeiten (siehe Punkt a - h) zur Auswahl zur Verfügung, wobei etliche von diesen acht Verwendungszwecke abermals in weitere Unterkategorien eingeteilt sind. Die Daten der Unterkategorien wurden vom Ministerium jedoch nicht tabellarisch zusammengefasst. Diese Information befindet sich lediglich in der "Gesamttabelle", wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt (z.B. wie viele Tiere wurden zum Zwecke von  Chargenunbedenklichkeitsprüfungen eingesetzt).


a) Grundlagenforschung (= Tab 8.1 - wobei diese wiederum in dreizehn Auswahlfelder unterteilt ist, z.B. Onkologie, Nervensystem, Atmungssystem etc.)

Für die Grundlagenforschung wurden von den gesamten Versuchstieren, nämlich 89.479, das sind 39,3 % (2014: 46,8 %; 2013: 28,7%), verbraucht.


b) Translationale und angewandte Forschung (= Tab 8.2 - wobei siebzehn Auswahlfelder vorgegeben sind, z.B. Krankheitsdiagnose, Pflanzenkrankheiten etc.)

74.146 Tiere, das sind 32,6 % (2014: 24,5 %; 2013: 29,3 %), wurden für die translationale und angewandte Forschung verwendet.
(Bei der translationalen Forschung handelt es sich um weiterführende, gezielte Grundlagenforschung an der Schnittstelle zur angewandten Forschung. Die angewandte Forschung strebt praxisrelevante, nützliche Ergebnisse an, während die Grundlagenforschung vom reinen Erkenntnisinteresse geleitet wird.)


c) Verwendung zu regulatorischen Zwecken und Routineproduktion, nach Typen (= Tab 8.3 - mit vier weiteren Unterteilungen:

• Qualitätskontrolle (einschließlich Chargenunbedenklichkeits- und -potenzprüfungen); = Tab 8.3.1 – mit vier weiteren Unterkategorien
• Andere Wirksamkeits- und Toleranzprüfungen (hierfür ist keine Tabelle vorgesehen)
• Routineproduktion, nach Produkttypen (EU: „Verwendung von Tieren zur regulierten Produktion, nach Produkttypen“); = Tab 8.3.2 – mit drei weiteren Unterkategorien.
• Toxizitäts- und andere Unbedenklichkeitsprüfungen (EU: “einschließlich pharmakologischer Tests“), nach Prüfungstypen; = Tab 8.3.3 – mit siebzehn weiteren Unterkategorien. Davon weist

o die Kategorie „Akute und subakute Toxizität - Testmethoden“ (EU: „Testmethoden zur Prüfung auf akute Toxizität (bei einmaliger Verabreichung) (einschließlich Limit-Test)“); (= Tab 8.3.3.1) drei weitere Unterkategorien auf.
o Die Kategorie „Toxizität bei wiederholter Verabreichung/Applikation“ (= Tab 8.3.3.2) weist drei weitere Unterkategorien auf.
o Die Kategorie „Ökotoxizität“ (= Tab 8.3.3.3) weist sechs weitere Unterkategorien auf.

Zu regulatorischen Zwecken und für die Routineproduktion wurden 31.789 Versuchstiere, das sind 14 % (2014: 21,7 %; 2013: 30,6 %), verwendet.


PRÜFUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3a laut Anlage der TVSV 2013) mit zehn Auswahlmöglichkeiten.

Das Ministerium hat diese Daten nicht in einer Tabelle zusammengefasst. Diese Information befindet sich lediglich in der „Gesamttabelle“, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

ANFORDERUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3b laut Anlage der TVSV 2013) mit drei Auswahlmöglichkeiten.

Das Ministerium hat diese Daten nicht in einer Tabelle zusammengefasst. Diese Information befindet sich lediglich in der „Gesamttabelle“, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.


d) Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren

Zum Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren wurden an 551 Tieren, das sind 0,2 % (2014: 0,4 %; 2013: 0), Experimente durchgeführt.


e) Erhaltung der Art

Eingriffe zur Erhaltung der Art wurden an 67 Tieren, das sind 0,03% (2014: 0,4 %; 2013: 0), vorgenommen.


f) Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten

Tierversuche im Rahmen der Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten wurden an 1.925 Tieren, das sind 0,8 % (2014: 1,5 %; 2013: 1,8 %), durchgeführt.


g) Forensische Untersuchungen

Für forensische Untersuchungen wurden wie schon in den Vorjahren 2013 und 2014 keine Eingriffe an Tieren vorgenommen.


h) Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet werden

Der Kategorie „Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet “ wurden 29.360 Tiere, das sind 13% (2014: 4,7 %; 2013: 9,5 %), zugeordnet.

 

Siehe dazu auch unsere Presseaussendung Anzahl der Versuchstiere so hoch wie vor 20 Jahren. Verwendung von 14.794 Kaninchen trotz anerkannter Alternativmethode.