Gesetzliche Grundlage

Gemäß der letzten Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013), die am 1.1.2014 in Kraft getreten ist, hat die Bundesministerin bzw. der Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft jeweils bis zum 30. Juni die von den zuständigen Behörden übermittelten Tierversuchsdaten des Vorjahres zusammenzufassen und zu veröffentlichen.
Somit enthält die nun vorliegende, am 30. Juni 2017 auf der Website des Wissenschaftsministeriums als pdf-Datei publizierte Statistik (die hier abrufbar ist) die Daten der im Jahre 2016 in Österreich verwendeten Versuchstiere

 

Völlig intransparente Aufbereitung der Daten für die Öffentlichkeit

Die Publikation besteht aus elf durchnummerierten Seiten und entspricht – wie schon die Tierversuchsstatistiken 2013, 2014 und 2015 - keinesfalls den in der Anlage der TVSV 2013 formal eindeutig vorgegebenen Tabellen 1 bis 8 mit den entsprechenden Zusammenfassungen, Aufschlüsselungen und Datenkategorien, die folgendermaßen definiert sind:

  • „Tierart“ (Tabelle 2),
  • „Erneute Verwendung“ (Tabelle 3),
  • „Geburtsort“ (Tabelle 4),
  • „Genetischer Status“ (Tabelle 5),
  • „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“ (Tabelle 6),
  • „Schweregrad“ (Tabelle 7),
  • „Verwendungszwecke“ (Tabelle 8),
  • „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3a) und
  • „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3b).

Die veröffentlichte Tierversuchsstatistik 2016 beinhaltet wie schon die drei Vorgängerstatistiken bloß eine tabellarische Zusammenfassung der „Tiere nach Schweregraden“ (aus der sich auch die insgesamt verwendeten Tiere/Tierarten ergeben), der „Tiere nach genetischem Status“ und der „Tiere nach Versuchszweck“.
Gänzlich fehlen die Zusammenfassungen der Versuchstierdaten nach „Erneute Verwendung“, „Geburtsort“ (nach vier Herkunftsarten aufgeschlüsselt), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“, „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den in der TVSV 2013 angeführten zehn angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den drei in der TVSV 2013 angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt).

Bei der „Gesamttabelle“ (Seite 5 – 9) handelt es sich um eine bloße Aneinanderreihung von Daten, die nicht gezielt abgefragt werden können (z.B. wie viele Tiere aufgeschlüsselt nach der Art erneut für Versuche verwendet wurden), und die somit in ihrer Aussagekraft völlig wertlos sind.
Es ist möglich (mit der Such- und Zoomfunktion und unter Zuhilfenahme der auf Seite 10f. angeführten Kennziffern) aus dieser Auflistung einzelne Daten händisch herauszufiltern und zusammenzufassen, wie etwa die Anzahl und Art der erneut verwendeten Tiere, aber es bleibt diese antiquierte Arbeit im EDV-Zeitalter eine echte Zumutung.

Die „Gesamttabelle“ lässt sich zwar ausdrucken, aber selbst bei einem Ausdruck auf A3-Format bleibt die Schrift noch immer so klein, dass sie nicht lesbar ist. Erst bei einem Ausdruck auf Plakatgröße (A2 oder zielführender A1) wird die „Gesamttabelle“ entzifferbar. Aber trotzdem noch immer nicht verwendbar, weil der Text in den Unterkategorien sehr oft nur verstümmelt in den Spalten sicht- bzw. erahnbar ist.

Wegen dieser eklatanten Mängel haben wir schon im Jahre 2014 eine parlamentarische Anfrage an den Wissenschaftsminister initiiert. In deren Beantwortung wurde bestätigt, dass „in der veröffentlichten Tierversuchsstatistik die vollständigen Datensätze ungefiltert enthalten sind“, dass jedoch „auf europäischer Ebene eine Softwarelösung vorbereitet (wird)“, die „im Jahr 2015 verfügbar sein (wird)“, „welche ein Abfragen der veröffentlichten Daten in jeder beliebigen Aufschlüsselung ermöglichen wird.“

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2017 und die in der „Gesamttabelle“ lediglich aneinandergereihten Daten der Tierversuchsstatistik lassen sich – nun schon zum vierten Mal - nicht zusammenfassen und aufschlüsseln, sodass die Statistik ihren Sinn und Zweck gänzlich verfehlt. Dies widerspricht völlig der Vorgabe der EU-Tierversuchsrichtlinie, die hier ausdrücklich „Transparenz“ einfordert.
Auch erscheint uns das Warten auf eine EU-Softwarelösung als bloße Ausrede, da bis zum Jahre 2013 eine Aufschlüsselung und tabellarische Zusammenfassung aller österreichischen Tierversuchsdaten sehr wohl möglich war. (Siehe unter „Tierversuche-Statistik-Österreich“ unsere Statistikanalysen zu den Jahren 2000 bis 2012.)

 

Detaillierte Jahresvergleiche erst ab 1.1.2014 sinnvoll

Aufgrund der am 1.1.2014 in Kraft getretenen Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013) mit etlichen neuen Bestimmungen (z.B. werden inzwischen auch Eingriffe an Kopffüßern als Tierversuche eingestuft, weshalb sie dementsprechend auch statistisch erfasst werden müssen) sowie abgewandelter und gänzlich neuer Datenkategorien (z.B. bei der Datenkategorie „Verwendungszwecke“ mit ihren Unterkategorien) ist ein d e t a i l l i e r t e r Vergleich der Daten mit den vorherigen jährlich publizierten Tierversuchsstatistik-Daten (bis einschließlich 2012) nicht mehr sinnvoll, weshalb wir d e t a i l l i e r t e Vergleiche ab der Tierversuchsstatistik 2013 vornehmen.

 

Erst wenn der Versuch endet, wird das Versuchstier statistisch erfasst

Bei der Analyse der Statistik ist zu beachten, dass nicht alle Versuchstiere, die im betreffenden Kalenderjahr Experimenten unterzogen werden, in der Statistik berücksichtigt werden. Es werden gemäß § 3 (1) der TVSV 2013 nur jene Versuchstiere erfasst, für die der Versuch in dem betreffenden Kalenderjahr auch (meist tödlich) endet. Diese Bestimmung betrifft Tierversuchsstudien, die sich über mehrere Kalenderjahre erstrecken.

 

Viele Gruppen von Versuchstieren werden statistisch gar nicht erfasst

  • Nach wie vor gilt die Tötung von Versuchstieren zur Entnahme von Organen und Gewebe nicht als Tierversuch und wird somit auch nicht statistisch berücksichtigt.
  • Obwohl Eingriffe an „Föten von Säugetieren ab dem letzten Drittel ihrer normalen Entwicklung“ nun auch als Tierversuche bewertet werden, müssen Föten und Embryonen von Säugetieren (also noch nicht geborene Tiere) nicht in die Statistik aufgenommen werden.
  • Auch die Tötung überzähliger Versuchstiere und genetisch nicht veränderter Nachkommen werden statistisch nicht erfasst.
  • Ebenso wenig finden sogenannte Sentinel-Tiere (das sind sog. Anzeigertiere, die in Bestände eingesetzt werden, um festzustellen, ob darin Infektionserreger vorhanden sind) Eingang in die Tierversuchsstatistik.
  • Bei Eingriffen an Labortieren, bei denen der Experimentator erwartet, dass diese keine Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden verursachen, handelt es sich laut gesetzlicher Definition um keine Tierversuche, die somit weder genehmigt noch statistisch ausgewiesen werden müssen.

 

TIERVERSUCHSSTATISTIK 2016

Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2016 die Verwendung von insgesamt 236.459 Versuchstieren gemeldet. Das sind um 9.142 Tiere bzw. 4 % mehr als im Vorjahr.

 

 

 

 

2013

2014

2015

2016

Anzahl der Versuchstiere

208.559

209.183

227.317

236.459

Zunahme im Vergleich zum Vorjahr

 

+ 624 =
+ 0,3 %

+ 18.134 =
+ 8,7 %

+ 9.142 =
+ 4,0 %

 

 

 

Damit sind wir von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere weit entfernt.
Mit der Steigerung des Verbrauchs auf 236.459 Versuchstiere fallen wir zwanzig Jahre im Kampf gegen die Tierversuche zurück: Denn eine so hohe Anzahl von Versuchstieren hatte Österreich zuletzt im Jahre 1994 zu verzeichnen – damals begann die Anzahl der Versuchstiere bis 1999 kontinuierlich zu sinken, während ab dem Jahr 2000 eine etappenweise Zunahme zu verzeichnen ist. Das ist eine verheerende Entwicklung, auf die wir immer wieder hingewiesen haben. Sie zeigt einmal mehr, dass die Politik hier restlos versagt hat und völlig neue Strategien eingeschlagen werden müssen.

 

 

 

 

TIERART (Tabelle 2 laut Anlage der TVSV 2013)

 

 

 

Von den in der Datenkategorie „Tierart“ angeführten insgesamt 36 Tierarten wurden in Österreich 20 Tierarten verwendet.
(2015: 20; 2014: 21; 2013: 18)

 

 

 

 

 

Mäuse

Ratten

Meerschweinchen

Goldhamster

Andere Nager

Kaninchen

2013

176.124

6.074

2.204

   

18.406

2014

174.934

5.682

652

836

135

8.176

2015

187.413

5.162

1.858

602

99

15.910

2016

191.896

6.344

1.785

277

276

14.684

 

 

 

 

 

Katzen

Hunde

Pferde, Esel und
Kreuzungen

Schweine

Ziegen

Schafe

Rinder

Andere
Säugetiere

2013

39

131

88

1.100

14

134

439

24

2014

29

66

176

3.589

12

235

273

465

2015

34

111

94

1.762

7

115

632

515

2016

12

177

43

4.901

2

423

386

150

 

 

 

 

 

Haushühner

Andere Vögel

Krallenfrösche

Andere Amphibien

Frösche

2013

609

401

143

 

166

2014

2.127

956

80

739

191

2015

1.623

465

121

616

 

2016

3.307

1.208

148

4

 

 

 

 

 

 

Zebrafische

Andere Fische

Gesamt

2013

1.478

985

208.559

2014

8.574

1.256

209.183

2015

9.411

767

227.317

2016

7.960

2.476

236.459

 

 

 

 

 

Mäuse stellen mit 81,2 % nach wie vor die am häufigsten verwendete Tierart dar.
(2015: 82,4 %; 2014: 83,6 %; 2013: 84,4 %)

 

An zweiter Stelle rangieren Kaninchen mit 6,2 %.
(2015: mit 7 % an zweiter Stelle; 2014: mit 3,9% an dritter Stelle)

 

An dritter Stelle befinden sich Zebrafische mit 3,4 %.
(2015: mit 4,1 % an dritter Stelle; 2014: mit 4,1 % an zweiter Stelle)

 

Diesen drei Tierarten folgen in absteigender Reihenfolge:
Ratten, Schweine, Haushühner, Meerschweinchen, Andere Fische, Andere Vögel, Schafe, Rinder, Goldhamster, Andere Nager, Hunde, Andere Säugetiere, Krallenfrösche, Pferde/Esel/Kreuzungen, Katzen, Andere Amphibien und Ziegen.

 

Zunahmen gab es – in absteigender Reihenfolge – bei folgenden Tierarten:
Mäuse, Schweine, Andere Fische, Haushühner, Andere Vögel, Ratten, Schafe, Andere Nager, Hunde, Krallenfrösche.
Die Zunahme bei Mäusen, Schweinen, Anderen Fische, Haushühner, Andere Vögel und Ratten dürfte für die Gesamtzunahme ausschlaggebend sein.
(Im Jahre
2015 war die starke Zunahme bei den Mäusen (+ 12.479) und Kaninchen (+ 7.734) markant, die auch für die gesamte Zunahme ausschlaggebend gewesen sein dürften.)

Abnahmen gab es – an absteigender Reihenfolge – bei folgenden Tierarten:
Zebrafische, Kaninchen, Andere Amphibien, Goldhamster, Andere Säugetiere, Rinder, Pferde/Esel/Kreuzungen, Meerschweinchen, Katzen, Ziegen.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die verwendeten Tierarten völlig identisch geblieben.
Auch diesmal wurden keine Frösche verwendet. Ebenso wurden keine Eingriffe (wie schon in den Jahren 2013, 2014 und 2015 davor) an Affen oder an Kopffüßern (die im Jahre 2013 als Tierart neu hinzugekommen sind) durchgeführt.

Gegenüber dem Vorjahr ist die enorme Zunahme bei Schafen (+ 268 %), Anderen Fischen (+ 223 %), Schweinen (+ 178 %), Anderen Vögel (+ 160 %) und Haushühnern (+ 104 %) auffällig.

 

 

Tests an Tieren werden trotz validierter vollwertiger Ersatzmethode weiterhin angewendet

Von den insgesamt 14.684 Kaninchen wurden 13.157 für Pyrogentests verwendet, wobei bei 8.973 Tieren die Belastung mit „gering“ eingestuft wurde. Bei 4.184 Tieren wurde die Belastung mit „mittel“ angegeben.
(Im Jahre 2015 wurden 14.794 Kaninchen für Pyrogentests eingesetzt.)
Beim Pyrogentest handelt es sich um einen gesetzlich vorgeschriebenen Test zur Qualitätskontrolle von injizierbaren Arzneimitteln auf das Vorhandensein von pyrogenen (= fieberauslösenden) Stoffen.
Doch die Verwendung von Kaninchen zur Feststellung von Pyrogenen ist nicht mehr zu rechtfertigen, da es neben der alternativen LAL-Methode (für die jedoch gleichfalls Tiere, nämlich Pfeilschwanzkrebse, verwendet werden) eine vollwertige, von ECVAM (=1991 von der Europäischen Kommission gegründete Europäisches Zentrum für die Validierung von Alternativmethoden) validierte Ersatzmethode gibt, nämlich den In-vitro-Pyrogen-Test (IPT), der auf menschlichem Vollblut basiert. Auch wurde der IPT-Test als Prüfmethode ins Europäische Arzneibuch 2010 aufgenommen.

Die gängige Praxis, weiterhin an Kaninchen Pyrogentests durchzuführen, ist ein Beispiel mehr für das völlige Versagen der verantwortlichen Stellen. Zum einen müsste der Gesetzgeber einen Test mit Tieren, für den es einen vollwertigen Ersatz gibt, umgehend und dezidiert verbieten, was aber nicht der Fall ist (wir aber vehement einfordern). Und da es kein ausdrückliches Verbot des zu ersetzenden Tests an Tieren gibt, sehen sich die ausführenden Stellen ganz offensichtlich nicht ausreichend motiviert, auf die anerkannte Ersatzmethode umzustellen (die eventuell noch auf das spezielle, zu prüfende Produkt zu validieren ist).
Und so müssen – wie im vorliegenden Fall – 13.157 Tiere – abermals und unnötiger Weise leiden und sterben. Wo bleibt da die immer wieder beschworene ethische Verantwortung jener Personen, die diese Tierversuche gesetzlich erlauben, behördlich genehmigen bzw. schließlich in den Laboren durchführen?

 

 

ERNEUTE VERWENDUNG (Tabelle 3 laut Anlage der TVSV 2013)

Tiere, die schon für Versuche verwendet worden sind, können unter bestimmten Voraussetzungen (die in § 9 TVG 2012 genau definiert sind) erneut verwendet werden.

Das Ministerium hat die Daten der erneut verwendeten Tiere nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

 

 

GEBURTSORT (Tabelle 4 laut Anlage der TVSV 2013)

Auch die Daten zur Herkunft der Tiere, aufgeschlüsselt nach vier Herkunftsarten*, hat das Ministerium nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

*Aufschlüsselung nach:
In der EU, in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
in der EU, jedoch nicht in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
im restlichen Europa geborene Tiere,
in der restlichen Welt geborene Tiere.

Falls nichtmenschliche Primaten verwendet werden (was laut Tierversuchsstatistik 2013, 2014, 2015 und 2016 in Österreich nicht der Fall war) wären folgende zwei Aufschlüsselungen erforderlich:

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – BEZUGSQUELLE (Tabelle 4a laut Anlage der TVSV 2013, wobei sechs Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – GENERATION (Tabelle 4b laut Anlage der TVSV 2013, wobei vier Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

 

 

GENETISCHER STATUS (Tabelle 5 laut Anlage der TVSV 2013)

Von den gesamten Versuchstieren wurden 97.779 Tiere, das sind 41,4 %, genetisch verändert. (2015: 40,2 %; 2014: 38 %; 2013: 28,4)

Der größte Teil davon, nämlich 80.249, das sind 82,1 %, ohne pathologischen Phänotyp. (2015: 80,1%; 2014: 81,2 %; 2013: 86,2 %) und

17.530, das sind 17,9 %, mit pathologischem Phänotyp. (2015: 19,9 %; 2014: 18,8 %; 2013: 13,8%)

Bei den genetisch veränderten Tieren handelt es sich im Jahre 2016 um Mäuse, Ratten, Zebrafische und Andere Fische.
(2015: Mäuse, Ratten und Zebrafische; 2014: Mäuse, Ratten, Zebrafische und Kaninchen; 2013: Mäuse, Ratten und Zebrafische)

Genetisch nicht verändert wurden 138.680 Tiere, das sind 58,6 % von den Gesamttieren.
(2015: 59,8 %; 2014: 62 %; 2013: 71,6 %)

Hier lässt sich weiterhin eine eindeutige Tendenz in Richtung Zunahme genetisch veränderter Tiere ausmachen.

 

 

SCHAFFUNG EINER NEUEN GENETISCH VERÄNDERTEN LINIE (Tabelle 6 laut Anlage der TVSV 2013)

Das Ministerium hat die Daten zur Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

 

 

SCHWEREGRAD (Tabelle 7 laut Anlage der TVSV 2013)

Bei der Einteilung nach dem Schweregrad wird das Leiden der Versuchstiere am Ende des Versuches beurteilt und einer der vier möglichen Schweregrade-Kategorien zugeordnet.

Demnach wurden die meisten Versuchstiere, nämlich 148.333 Tiere, das sind 62,7 %, dem Schweregrad „gering“ zugeordnet. Gegenüber dem Vorjahr ist eine Erhöhung um 5,2 % auszumachen.
(2015: 60 %; 2014: 57,1 %; 2013: 58,6 %)
Hierbei handelt es sich um Eingriffe,
die laut gesetzlicher Definition bei den Tieren kurzzeitig geringe Schmerzen, Leiden oder Ängste verursacht haben. Beispiel: Pharmakokinetische Studie, bei der eine einzige Dosis verabreicht wird und eine begrenzte Anzahl von Blutabnahmen durchgeführt wird.

65.039 Tiere, das sind 27,5 %, waren dem Schweregrad „mittel“ ausgesetzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr um 4,5 % mehr.
(2015: 24,2 %; 2014: 30,1 %; 2013: 30,2 %)
Hierbei handelt es sich um Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition
bei den Tieren kurzzeitig mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende geringe Schmerzen verursachen. Beispiel: Organtransplantation mit wirksamer Behandlung der Abstoßung.

17.272 Tiere, das sind 7,3 %, wurden dem Schweregrad „schwer“ zugeordnet. Dies macht eine Verringerung von 4,3 % gegenüber dem Vorjahr aus.
(2015: 11,9 %; 2014: 10,3 %; 2013: 2,9 %)
Hierbei handelt es sich um Eingriffe, die laut gesetzlicher Definition
bei den Tieren starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste verursachen. Beispiel:
Elektroschocks, denen das Tier nicht entkommen kann, um z.B. erlernte Hilflosigkeit herbeizuführen.

Es ist erfreulich, dass sich diese immens belastenden und ethisch heftig umstrittenen Experimente im Jahre 2016 reduziert haben, nachdem es in den Vergleichsjahren 2014 und 2015 zu enormen Anstiegen gekommen war.
Zu bedenken ist jedoch auch, dass die Einteilung der Schweregrade von den Experimentatoren s e l b e r (!) vorgenommen wird.

Im Jahre 2016 waren von den äußerst schwer belastenden Versuchen folgende Tierarten betroffen: Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, Goldhamster, Kaninchen, Schweine, Schafe, Haushühner, Andere Vögel und Andere Fische.

Der Kategorie „Keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“ wurden 5.815 Tiere, das sind 2,5 %, zugeordnet. Um 1,3 % weniger als im Vorjahr.
(2015: 3,9 %; 2014: 2,4 %; 2013: 8,3 %)
Hierbei handelt es sich um
Tierversuche, die gänzlich unter Vollnarkose durchgeführt werden, aus der das Tier nicht mehr erwacht.

 

 

VERWENDUNGSZWECKE (Tabelle 8 laut Anlage der TVSV 2013)

Bei der Angabe des Verwendungszwecks stehen acht Möglichkeiten (siehe Punkt a - h) zur Verfügung, wobei etliche dieser acht Verwendungszwecke abermals in weitere Unterkategorien eingeteilt sind.

a) Grundlagenforschung (= Tab 8.1 - wobei diese wiederum in dreizehn Auswahlfelder unterteilt ist, z.B. Onkologie, Nervensystem, Atmungssystem etc.)

Für die Grundlagenforschung
wurden von den gesamten Versuchstieren 103.605, das sind 43,8 %, verbraucht. Dies bedeutet eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 6,2 %.
(2015: 39,3 %; 2014: 46,8 %; 2013: 28,7)

 

b) Translationale und angewandte Forschung (= Tab 8.2 - wobei siebzehn Auswahlfelder vorgegeben sind, z.B. Krankheitsdiagnose, Pflanzenkrankheiten etc.)

74.336 Tiere, das sind 31,4 %, wurden für die translationale und angewandte Forschung verwendet. Damit ist die Anzahl der Tiere gegenüber dem Vorjahr annähernd gleich geblieben.
(2015: 32,6 %; 2014: 24,5 %; 2013: 29,3 %)

Bei der translationalen Forschung handelt es sich um weiterführende, gezielte Grundlagenforschung an der Schnittstelle zur angewandten Forschung. Die angewandte Forschung strebt praxisrelevante, nützliche Ergebnisse an, während die Grundlagenforschung vom reinen Erkenntnisinteresse geleitet wird.

 

c) Verwendung zu regulatorischen Zwecken und Routineproduktion, nach Typen (= Tab 8.3 - mit vier weiteren Unterteilungen:

  • Qualitätskontrolle (einschließlich Chargenunbedenklichkeits- und -potenzprüfungen); = Tab 8.3.1 – mit vier weiteren Unterkategorien
  • Andere Wirksamkeits- und Toleranzprüfungen (hierfür ist keine Tabelle vorgesehen)
  • Routineproduktion, nach Produkttypen (EU: „Verwendung von Tieren zur regulierten Produktion, nach Produkttypen“); = Tab 8.3.2 – mit drei weiteren Unterkategorien.
  • Toxizitäts- und andere Unbedenklichkeitsprüfungen (EU: “einschließlich pharmakologischer Tests“), nach Prüfungstypen; = Tab 8.3.3 – mit siebzehn weiteren Unterkategorien. Davon weist
      • die Kategorie „Akute und subakute Toxizität - Testmethoden“ (EU: „Testmethoden zur Prüfung auf akute Toxizität (bei einmaliger Verabreichung) (einschließlich Limit-Test)“); (= Tab 8.3.3.1) drei weitere Unterkategorien auf.
      • Die Kategorie „Toxizität bei wiederholter Verabreichung/Applikation“ (= Tab 8.3.3.2) weist drei weitere Unterkategorien auf.
      • Die Kategorie „Ökotoxizität“ (= Tab 8.3.3.3) weist sechs weitere Unterkategorien auf.)

Zu regulatorischen Zwecken und für die Routineproduktion wurden 36.202 Versuchstiere, das sind 15,3 %, verwendet. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 1,9 % dar.
(2015: 14 %; 2014: 21,7 %; 2013: 30,6 %), verwendet.

 

 

PRÜFUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3a laut Anlage der TVSV 2013) mit zehn Auswahlmöglichkeiten.

Das Ministerium hat diese Daten nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

ANFORDERUNGEN AUFGRUND VON RECHTSVORSCHRIFTEN (Tabelle 8.3b laut Anlage der TVSV 2013) mit drei Auswahlmöglichkeiten.

Das Ministerium hat diese Daten nicht in einer eigenen Tabelle zusammengefasst. Diese Information ist lediglich in der „Gesamttabelle“ enthalten, wo sie sich jedoch nicht gezielt abfragen lässt.

 

 

d) Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren

Zum Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren
wurden an 191 Tieren, das sind 0,08 %, Experimente durchgeführt.
(2015: 0,2 %; 2014: 0,4 %; 2013: 0)

 

e) Erhaltung der Art

Eingriffe zur Erhaltung der Art wurden an 563 Tieren, das sind 0,24 %, vorgenommen.
(2015: 0,03%; 2014: 0,4 %; 2013: 0)

 

f) Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten

Tierversuche im Rahmen der Hochschulausbildung bzw. Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten wurden an 2.657 Tieren, das sind 1,12 %, durchgeführt.
(2015: 0,8 %; 2014: 1,5 %; 2013: 1,8 %)

 

g) Forensische Untersuchungen

Für forensische Untersuchungen wurden wie schon in den Vorjahren 2013, 2014 und 2015 keine Eingriffe an Tieren vorgenommen.

 

h) Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet werden

Der Kategorie „Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere, die nicht in weiteren Verfahren verwendet werden“ wurden 18.905 Tiere, das sind 8 %, zugeordnet.
(2015: 13%; 2014: 4,7 %; 2013: 9,5 %)

 

Siehe auch unsere Presseinformation Bittere Bilanz: Anzahl der Versuchstiere nimmt zu. Gesetzesauftrag zur Reduzierung von Tierversuchen wird völlig ignoriert.