Der dieser Tage erschienen amtlichen Tierversuchsstatistik ist zu entnehmen, dass im Vorjahr in Österreich 207.738 Versuchstiere verbraucht wurden, was gegenüber dem Jahr 2008 eine Verringerung um 5,8 % darstellt.

Im Rahmen dieser ethisch und wissenschaftlich umstrittenen Experimente und Tests sind nach wie vor Mäuse die am häufigsten verwendete Tierart (169.393 neu und 28 erneut verwendete Tiere). Ihnen folgen mit deutlichem Abstand Kaninchen (16.441), Ratten (8.796), Meerschweinchen (3.664), Schweine (5.291) und Fische (1.728). Aber auch Katzen, Hunde, Hamster und Amphibien bleiben nicht verschont.

Drei Viertel der Versuchstiere (146.519) wurden für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.

Die TierversuchsgegnerInnen sind heuer erleichtert, dass endlich wieder ein Rückgang, wenn auch nur ein geringer, zu verzeichnen ist. „Die notwendige Trendwende in Richtung nachhaltiger Reduktion von Tierversuchen lässt sich daraus aber nicht ableiten“, erklärt Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT), skeptisch. „Schließlich ist die Zahl der Versuchstiere in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen: von 130.295 Versuchstieren im Jahr 1999 auf 220.456 Versuchstiere im Jahr 2008.“

Weiters betonen die TierversuchsgegnerInnen, dass die amtliche Statistik gar nicht alle in den Labors verbrauchten Tiere auflistet, sondern – gemäß der gesetzlichen Definition der Tierversuche – lediglich jene Experimente berücksichtigt, die am lebenden Wirbeltier durchgeführt werden und auch mit Schmerzen, Leiden und Ängsten verbunden sind.

Alle Experimente und Tests mit Wirbellosen (z.B.: Krebse, Hummer, Langusten, Tintenfische), mit Tierföten und –embryonen, mit vorher eigens getöteten Wirbeltieren (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe, Zellen, Organen etc.) sowie mit lebenden Wirbeltieren, die nach der persönlichen Einschätzung des jeweiligen Versuchsleiters keine Schmerzen, Leiden und Ängste verursachen, gelten somit gar nicht als Tierversuche: Sie müssen weder gemeldet oder genehmigt, noch statistisch erfasst und veröffentlicht werden. Dies gilt auch für Labortiere, die getötet werden, weil sie dem Versuchsziel nicht entsprechen oder weil sie als sogenannter „Überschuss“ nicht gebraucht werden.

Vor diesem Hintergrund fordern die TierversuchsgegnerInnen, dass alle in den Labors verwendeten Tiere statistisch erfasst werden, damit endlich Zahlen und Fakten vorliegen, die der Realität, d.h. dem tatsächlichen Verbrauch von Tieren zu Versuchs- und Testzwecken entsprechen.

Zudem beanstanden die TierversuchsgegnerInnen, dass – entgegen der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung - nach wie vor fast drei Viertel aller Versuchstiere aus nicht kontrollierten, registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen, sondern aus sogenannten „anderen Quellen“ innerhalb der EU stammen.

Die jüngste Statistik gibt preis, dass - wie schon in den Jahren zuvor - erneut auch Tierversuche aufgrund keinerlei Rechtsvorschriften durchgeführt wurden.

Positiv anzumerken ist, dass die Anzahl der verwendeten Tiere für die äußerst belastenden Giftigkeitstest, die mit großen Schmerzen und Leiden einhergehen, um 31 %, d.h. deutlich, zurückgegangen sind.

Völlig haltlos ist jedoch, dass auch 2009 weiterhin Tiere für den Hautreizungstest eingesetzt wurden, obwohl sowohl EU-Kommission als auch OECD Anfang 2009 eine tierversuchsfreie Prüfmethode als vollwertigen Ersatz verabschiedet haben.

Auffallend ist, dass laut jüngster amtlicher Statistik das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft für das Jahr 2009 lediglich einen Verbrauch von 10 Rindern und 6 erneut verwendeten Rindern ausweist. Immerhin hatte es in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt allein 3.000 Tiere pro Jahr gemeldet, die vorwiegend Giftigkeitstests und Umwelt-Unbedenklichkeitsprüfungen unterzogen wurden.
Die TierversuchsgegnerInnen hoffen, dass dieser erfreuliche Rückgang tatsächlich positiven Entwicklungen (konsequenter Einsatz von Ersatzmethoden) zu verdanken ist und nicht bloß ein Zahlenfehler vorliegt. Was möglich ist, da in den Statistiken immer wieder rechnerische Unstimmigkeiten auszumachen waren. So weist etwa die aktuelle Statistik widersprüchliche Angaben bei der Anzahl der erneut verwendeten Tiere auf, weil das Wissenschaftsministerium die Anzahl der ihm gemeldeten erneut verwendeten Tiere falsch summiert hat.

Rückfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Tel.: +43/1/713 08 23-11, Fax: +43/1/713 08 23-10
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Siehe dazu auch Tierversuchsstatistik für das Jahr 2009 - eine Analyse