Tierversuchsstatik für das Jahr 2014 – eine Analyse

Gemäß der Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013) hat die Bundesministerin bzw. der Bundesminister für Wissenschaft und Forschung bis zum 30. Juni die übermittelten Tierversuchsdaten des Vorjahres zusammenzufassen und auf der Website des Ministeriums zu veröffentlichen.

Ende Juni 2015 wurde die Tierversuchsstatistik 2014 auf der Website des Wissenschaftsministeriums als pdf-Datei veröffentlicht (und ist hier abrufbar).

 

Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2014 die Verwendung von insgesamt 209.183 Versuchstieren (2013: 208.559) gemeldet. Das sind um 624 Tiere, um 0,3 %, mehr als im Vorjahr. So sind wir noch immer von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere meilenweit entfernt.

Die publizierte Statistik besteht aus 10 durchnummerierten Seiten und entspricht keinesfalls den in der Anlage der TVSV 2013 angeführten Tabellen 1 bis 8 mit den entsprechenden Zusammenfassungen, Aufschlüsselungen und Datenkategorien als da genau definiert sind:

„Tierart“ (Tabelle 2),
„Erneute Verwendung“ (Tabelle 3),
„Geburtsort“ (Tabelle 4),
„Genetischer Status“ (Tabelle 5),
„Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“ (Tabelle 6),
„Schweregrad“ (Tabelle 7),
„Verwendungszwecke“ (Tabelle 8),
„Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3a) und
„Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3b).

Die veröffentlichte Tierversuchsstatistik 2014 beinhaltet wie schon die Statistik vom Vorjahr lediglich eine tabellarische Zusammenfassung der „Tiere nach Schweregraden“ (aus der sich auch die insgesamt verwendeten Tiere/Tierarten ergeben), der „Tiere nach genetischem Status“ und der „Tiere nach Versuchszweck“.
Eine Zusammenfassung der Versuchstierdaten nach „Erneute Verwendung“, „Geburtsort“ (nach vier Herkunftsarten aufgeschlüsselt), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“, „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den zehn angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den drei angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) fehlen gänzlich.

Bei den Seiten 4 – 8 der veröffentlichten Tierversuchsstatistik 2014 handelt es sich um eine bloße Aneinanderreihung von Datensätzen, die lediglich nach Tierarten geordnet sind, aber nicht gefiltert abgefragt werden können.
Bei einem Ausdruck – selbst auf A3 – ist die Schrift noch immer so klein, sodass sie nicht lesbar ist.
Es ist zwar möglich (auch unter Zuhilfenahme der auf Seite 9 – 10 angeführten Kennziffern), aber eine reine Zumutung, aus dieser Auflistung Daten händisch herauszufiltern, wie etwa die Anzahl und Art der erneut verwendeten Tiere.

Wegen dieser eklatanten Mängel haben wir schon im Vorjahr eine Parlamentarische Anfrage angeregt, deren Antwort mit den fehlenden Daten hier abrufbar ist. Erst ab (!) 2015 soll es – mit einer EU-Softwarelösung – möglich sein, die veröffentlichten Daten in jeder beliebigen Aufschlüsselung abzufragen.

Aufgrund neuer Bestimmungen seit dem 1.1.2014 (z.B. gelten nun auch Eingriffe an Kopffüßern als Tierversuche und müssen dementsprechend auch statisch erfasst werden) und abgewandelter und gänzlich neuer Datenkategorien (z.B. bei der Datenkategorie „Verwendungszwecke“ mit ihren Unterkategorien) ist ein detaillierter Vergleich der Jahresdaten erst ab diesem Datum sinnvoll.


Erst wenn der Versuch endet, wird das Versuchstier statistisch erfasst

Bei der Analyse der Statistik ist zu beachten, dass nicht alle Versuchstiere, die im betreffenden Kalenderjahr Experimenten unterzogen werden, in die Statistik Eingang finden. Es werden gemäß § 3 (1) der TVSV 2013 nur jene Versuchstiere erfasst, für die der Versuch in dem betreffenden Kalenderjahr (meist tödlich) auch endet. Diese Bestimmung ist somit für Tierversuchsstudien wirksam, die sich über ein oder mehrere Kalenderjahre erstrecken.


Viele Gruppen von Versuchstiere werden statistisch gar nicht erfasst

Nach wie vor gilt die Tötung von Versuchstieren zur Entnahme von Organen und Gewebe nicht als Tierversuch und wird somit auch nicht statistisch berücksichtigt. Obwohl Eingriffe an „Föten von Säugetieren ab dem letzten Drittel ihrer normalen Entwicklung“ nun auch als Tierversuche bewertet werden, müssen Föten und Embryonen von Säugetieren (also noch nicht geborene Tiere) nicht in die Statistik aufgenommen werden. Auch die Tötung überzähliger Versuchstiere und genetisch nicht veränderter Nachkommen werden statistisch nicht erfasst. Ebenso wenig finden sogenannte
Sentinel-Tiere (das sind sog. Anzeigertiere, die in Bestände eingesetzt werden, um festzustellen, ob darin Infektionserreger vorhanden sind) Eingang in die Versuchsstatistik.
Bei Eingriffen an Labortieren, bei denen der Experimentator erwartet, dass diese keine
Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden
verursachen, handelt es sich laut gesetzlicher Definition um keine Tierversuche, die somit weder genehmigt noch statistisch ausgewiesen werden müssen.

Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2014 die Verwendung von insgesamt 209.183 Versuchstieren (2013: 208.559) gemeldet. Das sind um 624 Tiere, um 0,3 %, mehr als im Vorjahr. So sind wir noch immer von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere meilenweit entfernt.


TIERART (Tabelle 2 laut Anlage der TVSV 2013)

Von den in der Datenkategorie „Tierart“ angeführten insgesamt 36 Tierarten wurden in Österreich 21 (2013: 18) Tierarten verwendet, nämlich:

in absteigender Reihenfolge:

Mäuse 174.934 (2013: 176.124),
Zebrafische 8.574 (2013: 1.478)
Kaninchen 8.176 (2013: 18.406),
Ratten 5.682 (2013: 6.074),
Schweine 3.589 (2013: 1.100),
Haushühner 2.127 (2013: 609),
Andere Fische 1.256 (2013: 985)
Andere Vögel 956 (2013: 401),
Goldhamster 836
Andere Amphibien 739
Meerschweinchen 652 (2013: 2.204),
Andere Säugetiere 465 (2013: 24)
Rinder 273 (2013: 439),
Schafe 235 (2013: 134),
Frösche 191 (2013: 166),
Pferde, Esel und
Kreuzungen 176 (2013: 88),
Andere Nager 135
Krallenfrösche 80 (2013: 143),
Hunde 66 (2013: 131),
Katzen 29 (2013: 39),
Ziegen 12 (2013: 14).

Die Mäuse stellen mit 83,6 % (2013: 84,4 %) nach wie vor die am häufigsten verwendete Tierart dar. An zweiter Stelle rangieren 2014 die Zebrafische mit 4,1 %. An dritter Stelle die Kaninchen mit 3,9 % (2013: 8,8 %).

Auffällig ist die starke Zunahme bei den sogenannten Nutztieren wie Schweinen, Haushühner und Schafen und bei den Fischen – eine Tendenz, die sich schon länger abzeichnet.

Keine Eingriffe wurden etwa weder im Jahre 2013 noch 2014 an Affen oder an Kopffüßern (die als Tierart neu hinzugekommen sind) durchgeführt.

 

ERNEUTE VERWENDUNG (Tabelle 3 laut Anlage der TVSV 2013)

Tiere, die schon für Versuche verwendet worden sind, können unter bestimmten Voraussetzungen (die in § 9 TVG 2012 genauer definiert sind) erneut verwendet werden.

Das Ministerium hat die Daten der erneut verwendeten Tiere nicht zusammengefasst; auch lassen sie sich nicht automatisch herausfiltern.

 

GEBURTSORT (Tabelle 4 laut Anlage der TVSV 2013)

Auch die Daten zur Herkunft der Tiere, aufgeschlüsselt nach vier Herkunftsarten*, wurden nicht zusammengefasst und lassen sich auch nicht automatisch herausfiltern.

*Aufschlüsselung nach:
In der EU, in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
in der EU, jedoch nicht in einem registrierten Zuchtbetrieb geborene Tiere,
im restlichen Europa geborene Tiere,
in der restlichen Welt geborene Tiere.

Falls nichtmenschliche Primaten verwendet werden (was laut Tierversuchsstatistik 2013 und 2014 in Österreich nicht der Fall war) sind folgende zwei Aufschlüsselungen erforderlich:

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – BEZUGSQUELLE (Tabelle 4a laut Anlage der TVSV 2013, wobei sechs Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

NICHTMENSCHLICHE PRIMATEN – GENERATION (Tabelle 4b laut Anlage der TVSV 2013, wobei vier Auswahlfelder zur Verfügung stehen)

 

GENETISCHER STATUS (Tabelle 5 laut Anlage der TVSV 2013)

Über ein Drittel von den gesamten Versuchstieren, nämlich 79.597, das sind 38 % (2013: 28,4 %), wurden genetisch verändert – davon der größte Teil, nämlich 64.596, das sind 81,2 % (2013: 86,2 %), ohne pathologischen Phänotyp und 15.001, das sind 18,8 % (2013: 13,8%), mit pathologischem Phänotyp. Bei den genetisch veränderten Tieren handelt es sich ausschließlich um Mäuse, Zebrafische, Ratten und Kaninchen.

Genetisch nicht verändert wurden 129.586 Tiere, das sind 62 % (2013: 71,6 %) von den Gesamttieren.

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