Tierversuchsstatistik für das Jahr 2015 – eine Analyse

Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2015 die Verwendung von insgesamt 227.317 Versuchstieren gemeldet. Das sind um 18.134 Tiere, d.h. um 8,7 %, mehr als im Vorjahr. Damit sind wir von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere weit entfernt.
Mit der Steigerung des Verbrauchs auf 227.317 Versuchstiere fallen wir zwanzig Jahre im Kampf gegen die Tierversuche zurück: Denn eine so hohe Anzahl von Versuchstieren hatte Österreich zuletzt im Jahre 1994 zu verzeichnen – damals begann die Anzahl der Versuchstiere bis 1999 kontinuierlich zu sinken, während ab dem Jahr 2000 eine stetige Zunahme zu verzeichnen ist. Das ist eine verheerende Entwicklung, auf die wir immer wieder hingewiesen haben. Sie zeigt einmal mehr, dass die Politik hier klar versagt hat und völlig neue Strategien eingeschlagen werden müssen.

Gesetzliche Grundlage

Gemäß der Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013), die am 1.1.2014 in Kraft getreten ist, hat die Bundesministerin bzw. der Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft jeweils bis zum 30. Juni die von den zuständigen Behörden übermittelten Tierversuchsdaten des Vorjahres zusammenzufassen und zu veröffentlichen.
Somit enthält die nun vorliegende, am 30. Juni 2016 auf der Website des in Wissenschaftsministeriums als pdf-Datei publizierte Statistik die Daten der im Jahr 2015 in Österreich verwendeten Versuchstiere.

Völlig intransparente Aufbereitung der Daten für die Öffentlichkeit

Die Publikation besteht aus elf durchnummerierten Seiten und entspricht keinesfalls den in der Anlage der TVSV 2013 formal eindeutig vorgegebenen Tabellen 1 bis 8 mit den entsprechenden Zusammenfassungen, Aufschlüsselungen und Datenkategorien, die folgendermaßen definiert sind:

• „Tierart“ (Tabelle 2),
• „Erneute Verwendung“ (Tabelle 3),
• „Geburtsort“ (Tabelle 4),
• „Genetischer Status“ (Tabelle 5),
• „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“ (Tabelle 6),
• „Schweregrad“ (Tabelle 7),
• „Verwendungszwecke“ (Tabelle 8),
• „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3a) und
• „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3b).

Die veröffentlichte Tierversuchsstatistik 2015 beinhaltet wie schon die beiden Vorgängerstatistiken bloß eine tabellarische Zusammenfassung der „Tiere nach Schweregraden“ (aus der sich auch die insgesamt verwendeten Tiere/Tierarten ergeben), der „Tiere nach genetischem Status“ und der „Tiere nach Versuchszweck“. Gänzlich fehlen die Zusammenfassungen der Versuchstierdaten nach „Erneute Verwendung“, „Geburtsort“ (nach vier Herkunftsarten aufgeschlüsselt), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“, „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den in der TVSV 2013 angeführten zehn angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den drei in der TVSV 2013 angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt).

Bei der „Gesamttabelle“ (Seite 5 – 9) handelt es sich um eine bloße Aneinanderreihung von Daten, die nicht gezielt abgefragt werden können (z.B. wie viele Tiere – aufgeschlüsselt nach der Art – erneut für Versuche verwendet wurden), und somit in ihrer Aussagekraft völlig wertlos sind.
Es ist zwar möglich (auch unter Zuhilfenahme der auf Seite 10 – 11 angeführten Kennziffern) aus dieser Auflistung Daten händisch herauszufiltern und zusammenzufassen, wie etwa die Anzahl und Art der erneut verwendeten Tiere, aber es ist dies eine echte Zumutung.
Die „Gesamttabelle“ lässt sich zwar ausdrucken, aber selbst bei einem Ausdruck auf A3-Format bleibt die Schrift noch immer so klein, dass sie nicht lesbar ist. Erst bei einem Ausdruck auf Plakatgröße (A2 oder zielführender A1) wird die „Gesamttabelle“ entzifferbar. Aber trotzdem noch immer nicht verwendbar, weil der Text in den Unterkategorien sehr oft nur verstümmelt in den Spalten sicht- bzw. erahnbar ist.

Wegen dieser eklatanten Mängel haben wir schon im Jahre 2014 eine parlamentarische Anfrage an den Wissenschaftsminister Mitterlehner initiiert. In deren Beantwortung bestätigt der Minister, dass „in der veröffentlichten Tierversuchsstatistik die vollständen Datensätze ungefiltert enthalten sind“, weist jedoch darauf hin, dass „auf europäischer Ebene eine Softwarelösung vorbereitet (wird)“, die „im Jahr 2015 verfügbar sein (wird)“, „welche ein Abfragen der veröffentlichten Daten in jeder beliebigen Aufschlüsselung ermöglichen wird.“
(Parlamentarische Anfrage zur Tierversuchsstatistik ist hier abrufbar. Parlamentarische Anfragebeantwortung dazu ist hier abrufbar.)

Nun schreiben wir sogar das Jahr 2016 und die in der „Gesamttabelle“ lediglich aneinandergereihten Daten der Tierversuchsstatistik lassen sich – nun schon zum dritten Mal – nicht zusammenfassen und aufschlüsseln, sodass die Statistik ihren Sinn und Zweck gänzlich verfehlt. Dies widerspricht völlig der Vorgabe der EU-Tierversuchsrichtlinie, die hier dezidiert „Transparenz“ einfordert.
Wir werden diesbezüglich erneut eine parlamentarische Anfrage anregen und uns wegen dieses Missstandes an die zuständigen Institutionen und Aufsichtsgremien wenden.
Auch erscheint uns das Warten auf eine EU-Softwarelösung als bloße Ausrede, da bis zum Jahre 2013 eine Aufschlüsselung und tabellarische Zusammenfassung aller österreichischen Tierversuchsdaten sehr wohl möglich war.

Detaillierte Jahresvergleiche erst ab 1.1.2014 sinnvoll

Aufgrund der am 1.1.2014 in Kraft getretenen Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013) mit etlichen neuen Bestimmungen (z.B. gelten nun auch Eingriffe an Kopffüßern als Tierversuche und müssen dementsprechend auch statistisch erfasst werden) sowie abgewandelter und gänzlich neuer Datenkategorien (z.B. bei der Datenkategorie „Verwendungszwecke“ mit ihren Unterkategorien) ist ein  d e t a i l l i e r t e r  Vergleich der Daten mit den vorherigen jährlich publizierten Tierversuchsstatistik-Daten nicht mehr sinnvoll, weshalb wir  d e t a i l l i e r t e  Vergleiche erst wieder ab dem 1.1.2014 vornehmen werden.

Erst wenn der Versuch endet, wird das Versuchstier statistisch erfasst

Bei der Analyse der Statistik ist zu beachten, dass nicht alle Versuchstiere, die im betreffenden Kalenderjahr Experimenten unterzogen werden, in die Statistik Eingang finden. Es werden gemäß § 3 (1) der TVSV 2013 nur jene Versuchstiere erfasst, für die der Versuch in dem betreffenden Kalenderjahr auch (meist tödlich) endet. Diese Bestimmung ist somit für Tierversuchsstudien wirksam, die sich über ein oder mehrere Kalenderjahre erstrecken.

Viele Gruppen von Versuchstieren werden statistisch gar nicht erfasst

Nach wie vor gilt die Tötung von Versuchstieren zur Entnahme von Organen und Gewebe nicht als Tierversuch und wird somit auch nicht statistisch berücksichtigt. Obwohl Eingriffe an „Föten von Säugetieren ab dem letzten Drittel ihrer normalen Entwicklung“ nun auch als Tierversuche bewertet werden, müssen Föten und Embryonen von Säugetieren (also noch nicht geborene Tiere) nicht in die Statistik aufgenommen werden. Auch die Tötung überzähliger Versuchstiere und genetisch nicht veränderter Nachkommen werden statistisch nicht erfasst. Ebenso wenig finden sogenannte Sentinel-Tiere (das sind sog. Anzeigertiere, die in Bestände eingesetzt werden, um festzustellen, ob darin Infektionserreger vorhanden sind) Eingang in die Tierversuchsstatistik.
Bei Eingriffen an Labortieren, bei denen der Experimentator erwartet, dass diese keine Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden verursachen, handelt es sich laut gesetzlicher Definition um keine Tierversuche, die somit weder genehmigt noch statistisch ausgewiesen werden müssen.

TIERVERSUCHSSTATISTIK 2015

Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2015 die Verwendung von insgesamt 227.317 Versuchstieren (2014: 209.183; 2013: 208.559) gemeldet.
Das sind um 18.134 Tiere, d.h. um 8,7 %, mehr als im Vorjahr. Damit sind wir von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere weit entfernt.
Mit der Steigerung des Verbrauchs auf 227.317 Versuchstiere fallen wir zwanzig Jahre im Kampf gegen die Tierversuche zurück: Denn eine so hohe Anzahl von Versuchstieren hatte Österreich zuletzt im Jahre 1994 zu verzeichnen – damals begann die Anzahl der Versuchstiere bis 1999 kontinuierlich zu sinken, während ab dem Jahr 2000 eine stetige Zunahme zu verzeichnen ist. Das ist eine verheerende Entwicklung, auf die wir immer wieder hingewiesen haben. Sie zeigt einmal mehr, dass die Politik hier klar versagt hat und völlig neue Strategien eingeschlagen werden müssen.

TIERART (Tabelle 2 laut Anlage der TVSV 2013)

Von den in der Datenkategorie „Tierart“ angeführten insgesamt 36 Tierarten wurden in Österreich zwanzig (2014: 21; 2013: 18) Tierarten verwendet.

Mäuse

Ratten

Meerschweinchen

Goldhamster

Andere Nager

Kaninchen

2013

176.124

6.074

2.204

18.406

2014

174.934

5.682

652

836

135

8.176

2015

187.413

5.162

1.858

602

99

15.910

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