Tierversuchsstatistik für das Jahr 2016 – eine Analyse

Gesetzliche Grundlage

Gemäß der letzten Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013), die am 1.1.2014 in Kraft getreten ist, hat die Bundesministerin bzw. der Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft jeweils bis zum 30. Juni die von den zuständigen Behörden übermittelten Tierversuchsdaten des Vorjahres zusammenzufassen und zu veröffentlichen.
Somit enthält die nun vorliegende, am 30. Juni 2017 auf der Website des Wissenschaftsministeriums als pdf-Datei publizierte Statistik (die hier abrufbar ist) die Daten der im Jahre 2016 in Österreich verwendeten Versuchstiere

 

Völlig intransparente Aufbereitung der Daten für die Öffentlichkeit

Die Publikation besteht aus elf durchnummerierten Seiten und entspricht – wie schon die Tierversuchsstatistiken 2013, 2014 und 2015 – keinesfalls den in der Anlage der TVSV 2013 formal eindeutig vorgegebenen Tabellen 1 bis 8 mit den entsprechenden Zusammenfassungen, Aufschlüsselungen und Datenkategorien, die folgendermaßen definiert sind:

  • „Tierart“ (Tabelle 2),
  • „Erneute Verwendung“ (Tabelle 3),
  • „Geburtsort“ (Tabelle 4),
  • „Genetischer Status“ (Tabelle 5),
  • „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“ (Tabelle 6),
  • „Schweregrad“ (Tabelle 7),
  • „Verwendungszwecke“ (Tabelle 8),
  • „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3a) und
  • „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (Tabelle 8.3b).

Die veröffentlichte Tierversuchsstatistik 2016 beinhaltet wie schon die drei Vorgängerstatistiken bloß eine tabellarische Zusammenfassung der „Tiere nach Schweregraden“ (aus der sich auch die insgesamt verwendeten Tiere/Tierarten ergeben), der „Tiere nach genetischem Status“ und der „Tiere nach Versuchszweck“.
Gänzlich fehlen die Zusammenfassungen der Versuchstierdaten nach „Erneute Verwendung“, „Geburtsort“ (nach vier Herkunftsarten aufgeschlüsselt), „Schaffung einer neuen genetisch veränderten Linie“, „Prüfungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den in der TVSV 2013 angeführten zehn angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt) und „Anforderungen aufgrund von Rechtsvorschriften“ (nach den drei in der TVSV 2013 angeführten Möglichkeiten aufgeschlüsselt).

Bei der „Gesamttabelle“ (Seite 5 – 9) handelt es sich um eine bloße Aneinanderreihung von Daten, die nicht gezielt abgefragt werden können (z.B. wie viele Tiere aufgeschlüsselt nach der Art erneut für Versuche verwendet wurden), und die somit in ihrer Aussagekraft völlig wertlos sind.
Es ist möglich (mit der Such- und Zoomfunktion und unter Zuhilfenahme der auf Seite 10f. angeführten Kennziffern) aus dieser Auflistung einzelne Daten händisch herauszufiltern und zusammenzufassen, wie etwa die Anzahl und Art der erneut verwendeten Tiere, aber es bleibt diese antiquierte Arbeit im EDV-Zeitalter eine echte Zumutung.

Die „Gesamttabelle“ lässt sich zwar ausdrucken, aber selbst bei einem Ausdruck auf A3-Format bleibt die Schrift noch immer so klein, dass sie nicht lesbar ist. Erst bei einem Ausdruck auf Plakatgröße (A2 oder zielführender A1) wird die „Gesamttabelle“ entzifferbar. Aber trotzdem noch immer nicht verwendbar, weil der Text in den Unterkategorien sehr oft nur verstümmelt in den Spalten sicht- bzw. erahnbar ist.

Wegen dieser eklatanten Mängel haben wir schon im Jahre 2014 eine parlamentarische Anfrage an den Wissenschaftsminister initiiert. In deren Beantwortung wurde bestätigt, dass „in der veröffentlichten Tierversuchsstatistik die vollständigen Datensätze ungefiltert enthalten sind“, dass jedoch „auf europäischer Ebene eine Softwarelösung vorbereitet (wird)“, die „im Jahr 2015 verfügbar sein (wird)“, „welche ein Abfragen der veröffentlichten Daten in jeder beliebigen Aufschlüsselung ermöglichen wird.“

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2017 und die in der „Gesamttabelle“ lediglich aneinandergereihten Daten der Tierversuchsstatistik lassen sich – nun schon zum vierten Mal – nicht zusammenfassen und aufschlüsseln, sodass die Statistik ihren Sinn und Zweck gänzlich verfehlt. Dies widerspricht völlig der Vorgabe der EU-Tierversuchsrichtlinie, die hier ausdrücklich „Transparenz“ einfordert.
Auch erscheint uns das Warten auf eine EU-Softwarelösung als bloße Ausrede, da bis zum Jahre 2013 eine Aufschlüsselung und tabellarische Zusammenfassung aller österreichischen Tierversuchsdaten sehr wohl möglich war. (Siehe unter „Tierversuche-Statistik-Österreich“ unsere Statistikanalysen zu den Jahren 2000 bis 2012.)

 

Detaillierte Jahresvergleiche erst ab 1.1.2014 sinnvoll

Aufgrund der am 1.1.2014 in Kraft getretenen Tierversuchsstatistik-Verordnung 2013 (TVSV 2013) mit etlichen neuen Bestimmungen (z.B. werden inzwischen auch Eingriffe an Kopffüßern als Tierversuche eingestuft, weshalb sie dementsprechend auch statistisch erfasst werden müssen) sowie abgewandelter und gänzlich neuer Datenkategorien (z.B. bei der Datenkategorie „Verwendungszwecke“ mit ihren Unterkategorien) ist ein d e t a i l l i e r t e r Vergleich der Daten mit den vorherigen jährlich publizierten Tierversuchsstatistik-Daten (bis einschließlich 2012) nicht mehr sinnvoll, weshalb wir d e t a i l l i e r t e Vergleiche ab der Tierversuchsstatistik 2013 vornehmen.

 

Erst wenn der Versuch endet, wird das Versuchstier statistisch erfasst

Bei der Analyse der Statistik ist zu beachten, dass nicht alle Versuchstiere, die im betreffenden Kalenderjahr Experimenten unterzogen werden, in der Statistik berücksichtigt werden. Es werden gemäß § 3 (1) der TVSV 2013 nur jene Versuchstiere erfasst, für die der Versuch in dem betreffenden Kalenderjahr auch (meist tödlich) endet. Diese Bestimmung betrifft Tierversuchsstudien, die sich über mehrere Kalenderjahre erstrecken.

 

Viele Gruppen von Versuchstieren werden statistisch gar nicht erfasst

  • Nach wie vor gilt die Tötung von Versuchstieren zur Entnahme von Organen und Gewebe nicht als Tierversuch und wird somit auch nicht statistisch berücksichtigt.
  • Obwohl Eingriffe an „Föten von Säugetieren ab dem letzten Drittel ihrer normalen Entwicklung“ nun auch als Tierversuche bewertet werden, müssen Föten und Embryonen von Säugetieren (also noch nicht geborene Tiere) nicht in die Statistik aufgenommen werden.
  • Auch die Tötung überzähliger Versuchstiere und genetisch nicht veränderter Nachkommen werden statistisch nicht erfasst.
  • Ebenso wenig finden sogenannte Sentinel-Tiere (das sind sog. Anzeigertiere, die in Bestände eingesetzt werden, um festzustellen, ob darin Infektionserreger vorhanden sind) Eingang in die Tierversuchsstatistik.
  • Bei Eingriffen an Labortieren, bei denen der Experimentator erwartet, dass diese keine Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden verursachen, handelt es sich laut gesetzlicher Definition um keine Tierversuche, die somit weder genehmigt noch statistisch ausgewiesen werden müssen.

 

TIERVERSUCHSSTATISTIK 2016

Dem Wissenschaftsministerium wurde für das Jahr 2016 die Verwendung von insgesamt 236.459 Versuchstieren gemeldet. Das sind um 9.142 Tiere bzw. 4 % mehr als im Vorjahr.

 

 

 

 

2013

2014

2015

2016

Anzahl der Versuchstiere

208.559

209.183

227.317

236.459

Zunahme im Vergleich zum Vorjahr

 

+ 624 =
+ 0,3 %

+ 18.134 =
+ 8,7 %

+ 9.142 =
+ 4,0 %

 

 

 

Damit sind wir von der seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen versprochenen und medial immer wieder kolportierten Reduzierung der Versuchstiere weit entfernt.
Mit der Steigerung des Verbrauchs auf 236.459 Versuchstiere fallen wir zwanzig Jahre im Kampf gegen die Tierversuche zurück: Denn eine so hohe Anzahl von Versuchstieren hatte Österreich zuletzt im Jahre 1994 zu verzeichnen – damals begann die Anzahl der Versuchstiere bis 1999 kontinuierlich zu sinken, während ab dem Jahr 2000 eine etappenweise Zunahme zu verzeichnen ist. Das ist eine verheerende Entwicklung, auf die wir immer wieder hingewiesen haben. Sie zeigt einmal mehr, dass die Politik hier restlos versagt hat und völlig neue Strategien eingeschlagen werden müssen.

 

 

 

 

TIERART (Tabelle 2 laut Anlage der TVSV 2013)

 

 

 

Von den in der Datenkategorie „Tierart“ angeführten insgesamt 36 Tierarten wurden in Österreich 20 Tierarten verwendet.
(2015: 20; 2014: 21; 2013: 18)

 

 

 

 

 

Mäuse

Ratten

Meerschweinchen

Goldhamster

Andere Nager

Kaninchen

2013

176.124

6.074

2.204

   

18.406

2014

174.934

5.682

652

836

135

8.176

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