Freilaufende Hunde: Richtig reagieren

Es ist eine alltägliche Situation – und doch kommt es oft zu Problemen, wenn man einem freilaufenden Hund begegnet. Wir haben Tipps, wie man richtig reagiert.

Grundsätzlich gilt Leinenpflicht
Prinzipiell gilt ja: Hunde müssen überall an der Leine geführt werden, in Städten besteht zusätzlich auch Beißkorbpflicht. Es besteht immer eine Verwahrungspflicht für den Hundehalter, es dürfte also gar keine freilaufenden Hunde geben, sollte irgendein Schaden dadurch entstehen, haftet immer der Hundehalter.

Immer nur Leine ist trostlos
Die meisten Hundebesitzer möchten ihren Hunden jedoch etwas Freilauf gönnen, ein Leben nur an der Leine ist doch etwas trostlos.

Differenzen vermeiden
Mit etwas Rücksichtnahme der Hundebesitzer könnten viele Differenzen vermieden werden, haben doch auch Spaziergänger, Jogger, Radfahrer oder einfach Menschen, die Angst vor Hunden haben, das Recht ohne mulmiges Gefühl – wenn ein freilaufender Hund auf sie zukommt -die Natur genießen zu dürfen.

Deshalb sollte es vom Hundebesitzer schon ein Akt der Höflichkeit sein, seinen Hund zumindest am Halsband festzuhalten, wenn ihm jemand entgegenkommt.

Situation abschätzen
Was kann man nun aber tun, wenn einem tatsächlich ein freilaufender Hund entgegenkommt, der einem unheimlich ist.

Zuerst muss man die Situation abschätzen, ob von dem Hund tatsächlich eine Gefahr ausgeht.

Warnsignale beachten
Es gibt einige Warnsignale (Drohgebärden): Die Nackenhaare werden aufstellt, der Hund knurrt und/oder zieht die Lefzen hoch, er wird steif und angespannt und bewegt sich nur langsam.

Andere Gebärden, wie Nicht-Wedeln sind nicht so eindeutig, auch wedelnde Hunde können plötzlich zuschnappen.

Richtiges Verhalten
Wie verhält man sich nun richtig? Es kommt auch darauf an, ob man mit Hund oder ohne unterwegs ist, ob als Jogger oder mit kleinen Kindern.

Als Spaziergänger ohne Hund
Am Besten, so tun, als ob der Hund nicht vorhanden wäre, langsam und normal weitergehen, ihn nicht ansprechen, nicht stehenbleiben, nicht angreifen. Wenn geht, nicht anstarren, da fühlen sich manche Hunde bedroht. Keinesfalls davonlaufen, das ist eine Aufforderung zum Spiel oder Kampf (der Jagdtrieb wird provoziert).

Als Spaziergänger mit Hund
Beim Zusammentreffen von ungefähr gleich großen Hunden gilt: Sie machen es sich meist selbst aus. Deshalb ableinen, erst an der Leine werden die meisten Raufer stark!

Sollte es doch zu einer Beißerei kommen, ist es tatsächlich am Besten, man ignoriert sie und entfernt sich ein Stück, nicht hingehen und sich einmischen oder schreien.

Nur wenn ein Hund eindeutig unterlegen ist eingreifen, am Besten man packt die Raufer –beide möglichst zeitgleich -an den Hinterbeinen und zieht sie nach hinten weg.

Keinesfalls sollte man vorne dazwischen greifen, (am Halsband zerren), man wird höchstwahrscheinlich gebissen, sogar vom eigenen Hund, der im Kampfesrausch Freund und Feind nicht unterscheiden kann.

Bei kleinen Hunden empfiehlt es sich diese auf den Arm zu nehmen, aber nicht erst unmittelbar vor dem anderen Hund, sondern schon länger vorher.

Wenn man seinen Hund nicht ableinen kann, weil man zum Beispiel gerade in der Stadt ist, am Besten seinen Hund ganz kurz an die Leine nehmen und zügig vorbeigehen.

Als Jogger
Ebenfalls normal weiterlaufen, als ob der Hund nicht vorhanden wäre. Den Hund nicht ansehen. Nur langsamer werden, wenn man angebellt wird oder der Hund anfängt nachzulaufen.

Ruhig mit ihm sprechen, eventuell bekannte Kommandos versuchen wie “Sitz” oder “Nein”, dabei mit der Hand nach unten zeigen und kurz streng anschauen.

Die Arme dabei nicht hektisch bewegen, nicht herumfuchteln, am Besten die Hände am Rücken halten oder in die Tasche stecken.

Als Radfahrer
Mit ausreichend Abstand nicht zu schnell vorbeifahren, den Hund nicht erschrecken und bremsbereit sein! Der Fußgänger hat theoretisch Vorrang (egal ob mit oder ohne Hund), also am Besten etwas abbremsen, eventuell klingeln und warten bis man vorbeigelassen wird.

Wenn kein Besitzer in Sicht ist und man von einem Hund in irgendeiner Weise attackiert wird (er bellt oder hinschnappt), stehen bleiben -davonfahren bringt nichts, der Hund ist in jedem Fall schneller! Auf der anderen Seite absteigen, das Rad also dazwischen bringen.

Wieder kurze Kommandos versuchen, dann etwas warten. Wenn man wieder uninteressant geworden ist, langsam weiterfahren. Wird man weiterhin fixiert, der Hund nur auf die nächste Bewegung lauert, ist es besser auf den Besitzer zu warten.

Als Elternteil mit kleinen Kindern
Viele Kinder neigen dazu, fremden Hunden vorbehaltlos entgegenzutreten, sie haben keine Scheu. Manche Hunde reagieren aber auf diese plötzliche Berührung oder sogar stürmische Begrüßung mit Ablehnung oder Angst.

Kinder sollten lernen:
Immer fragen, ob man das Tier streicheln darf.
Wenn kein Besitzer zu sehen ist, nicht hingehen
Zuerst Hand beschnüffeln lassen, dann streicheln, nicht plötzlich fest anfassen.

Ängstliche Kinder sollten lernen ruhig zu bleiben, nicht quietschen und hektisch herumrennen und sich dauernd hinter den Eltern verstecken, sondern einfach ruhig weggehen.

Stehen bleiben und ruhig sein
Rennende und kreischende Kinder, vor allem wenn sie hinfallen, können bei einigen Hunden ein Jagdverhalten auslösen. Besonders gefährlich ist das, wenn zwei oder mehrere Hunde als Rudel auftreten.

Einzige Möglichkeit diese momentan schreckliche Situation zu unterbrechen, ist den Auslöser für dieses Instinktverhalten des Hundes zu eliminieren, also nicht laufen und schreien – stehen bleiben und ruhig sein. Das muss natürlich geübt werden.

Zeigen und üben
Am besten sollte man seinem Kind diese Extremsituation als Notfallverhalten einmal zeigen, wenn es hinfällt, wie es mit angewinkelten Armen, den Hals schützend, ruhig liegenbleibt, bis der Hund weggeht oder Hilfe kommt.

Wahllose Angriffe sind selten
Scharfe Hunde, die Menschen wahllos angreifen, sind äußerst selten, man kann solche Vorfälle mit Raubüberfällen vergleichen. Man hat nur zwei Chancen: Entweder es kommt Hilfe oder man kann flüchten. Eventuell helfen kann bei einem Hund der einen bedroht, folgendes Verhalten:

1. Zuerst: Stehen bleiben: Weglaufen provoziert das Beuteverhalten. Blick abwenden, wegdrehen, ruhig mit gesenkten Armen zurückgehen.

2. wenn das keine Wirkung, hat: groß machen, Dominanz zeigen: scharfe Kommandos rufen, die jeder Hund kennt („Aus, Nein..“)

3. Dem Hund zugekehrt bleiben, nicht mit dem Rücken zu ihm stehen.

4. Distanz schaffen, mit Dingen ablenken: Handtasche, Regenschirm oder Pullover, irgendetwas zwischen sich bringen, ev. verbeißt sich der Hund im schlimmsten Fall auch darin.

5. Arme hochhalten, den Hals schützen, wenn er tatsächlich angreifen würde.

6. So wenig wie möglich heftige Abwehrbewegungen machen: Das klingt schrecklich, aber es erhöht die Chancen, dass das Tier von einem ablässt.

Sämtliche Versuche, es durch Schmerzen (treten, auf die Nase schlagen, usw.) zum Loslassen zu bewegen, helfen nicht, im Gegenteil: Sie erhöhen seine Aggression, der Hund wird nur noch rasender, denn im Kampf spürt er keine Schmerzen.

Niemals Kraft unterschätzen
Niemals sollte man die Kraft und die Gefahr, die von einem mit so scharfen Zähnen ausgestatteten Tieres ausgeht unterschätzen.

Vor allem ist es die Aufgabe des Tierbesitzers hier Vorsorge zu treffen (Hundeschule, sich informieren,..) und bei einem eventuell zweifelhaften Verhalten ein Leben an einer zehn Meter langen Laufleine vorziehen beziehungsweise ihn nur im Garten freilaufen lassen.

 

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