Krank und gequält

Florierender Handel mit billigen Hunden aus Osteuropa.
Weihnachten steht vor der Tür, und der sehnlichste Wunsch vieler Kinder ist dabei oft ein Haustier. Doch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warnt eindringlich vor einem übereilten Kauf – und das nicht nur wegen des nötigen Pflege- und Zeitaufwands. Vielmehr ist den Tierschützern der mittlerweile florierende Schwarzhandel mit Hundewelpen ein Dorn im Auge.

Seit einiger Zeit boomt der Handel mit billigen Rassehunden aus Osteuropa. Die Tiere stammen nach Angaben von Experten aus riesigen Zuchtfabriken etwa in Rumänien oder Ungarn, sind gequält, krank, psychisch gestört und nicht geimpft.

Boom durch Schengen-Erweiterung?
Mit der Erweiterung des Schengen-Abkommens und dem Wegfall der Grenzkontrollen Ende Dezember wird der Handel mit der Ware Hund weiter aufblühen, befürchten Tierschützer. Als erstes Land hat Österreich auf die “Hundemafia” reagiert und mit Beginn 2008 den Handel mit Tieren auf öffentlichen Plätzen verboten.

Da die Hunde auch im Internet angeboten werden, versprechen sich die Tierschützer jedoch von dem neuen Gesetz nicht allzu viel.

Einfuhr illegal
“Die Kontrollen waren schon vorher schlecht, mit der Schengen-Erweiterung fallen sie völlig weg”, sagt Philipp Strohm von Vier Pfoten in Österreich. Obwohl die Einfuhr der Hunde ohne die von der EU vorgeschriebenen Impfungen, einen Chip und einen Heimtierpass illegal sei, würden die Händler fast nie aufgehalten.

Bis zu 30 Hundelieferungen mit zig Tieren im Kofferraum gehen seinen Schätzungen nach täglich allein über die österreichische Grenze.

Deals auf dem Parkplatz
Der Schnäppchenpreis und das niedliche Welpengesicht verführen viele Menschen, beim Wochenendeinkauf auf dem Supermarkt-Parkplatz mal eben unüberlegt ein Hundebaby mit einzupacken, bestätigen Züchter.

150 statt 1.500 Euro
“Die Tiere kosten nur ein Zehntel des normalen Preises”, sagt die Sprecherin des österreichischen Kynologenverbandes, Katja Wolf.

Während künftige Herrchen oder Frauchen bei einem seriösen Händler beispielsweise für einen kleinen Golden Retriever zwischen 1.500 und 2.000 Euro ausgeben müssten, sei der Ostimport bereits für 150 Euro zu haben.

Kostenlawine folgt
Doch mit dem Tier zum Diskontpreis kommen auch die Probleme. “Die Hunde bringen Krankheiten wie Staupe nach Österreich, die es hier kaum noch gegeben hat”, sagt ein Wiener Amtstierarzt. Die Behandlung der meist kranken Tieren koste dann mehr, als der Besitzer für einen gesunden Hund hätte zahlen müssen.

Zu früh von Muttertier getrennt
In Österreich dürfen Welpen erst nach acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Das ist die Phase, in der sie die entscheidenden Prägungen erfahren. In den Hundefarmen werden die Welpen dagegen viel früher vom Muttertier getrennt.

Ohne Kontakt mit der Mutter entwickeln die Kleinen oft lebenslang anhaltende Verhaltensstörungen und reagieren oft ängstlich-aggressiv.

Als Folge landen viele nach wenigen Tagen in den immer voller werdenden Tierheimen. “Es ist traurig, mit wie wenig Verstand sich die Leute oft einen Hund kaufen”, sagt Strohm.

Nur wenige überleben
Von den Importwelpen erleben nur wenige ihren ersten Geburtstag. Nach Schilderung der Züchterin sehen die Händler die Hunde als reine Ware, die es so billig wie möglich zu produzieren gilt: “Wenn eine Hündin es nach mehreren Würfen nicht mehr bringt oder Komplikationen bei einer Geburt hat, wird sie mit den Welpen schlichtweg entsorgt”, sagt Wolf.

Auch die übrig gebliebenen Tiere nach einer Verkaufstour im Kofferraum werden ihrer Schilderung nach umgebracht: “Der Hund ist für die Händler nur etwas wert, solange er niedlich und klein ist – und das ist er eben nur wenige Wochen lang nach der Geburt.”

 

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