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Mausmodell* muss – zumindest für Immunerkrankungen – verworfen werden

Seit über hundert Jahren ist die Maus weltweit das beliebteste und das am häufigsten verwendete Laborversuchstier, da kostengünstig und bei der nicht artgerechten Haltung in den Versuchslabors auch pflegeleicht. Daraus könnte man schließen, dass es auch das am besten erforschte Tier ist, was jetzt jedoch widerlegt wurde: Denn Wissenschafter der deutschen Universität Ulm haben bei der Maus im Nacken eine zweite Thymusdrüse entdeckt, die kleiner als der bisher bekannte Mäuse-Thymus ist, der sich – erbsengroß – über dem Herzen befindet.

Der Thymus ist das Organ, in dem Abwehr-Zellen des Blutes (T-Zellen) ausgebildet werden. Vornehmlich für immunologische Experimente wurde den Mäusen der Brust-Thymus entnommen, um Reaktionen des Immunsystems zu untersuchen.

Die Kenntnis einer zweiten Thymusdrüse stellt nun alle bislang durchgeführten immunologischen Experimente mit der Maus, wenn nicht sogar alle entwickelten Mausmodelle, die darauf basierenden Studien (weitere Tierversuche und Menschenversuche) und entwickelten Medikamente und vor allem die Übertragung auf den Menschen nicht nur völlig in Frage, sondern sind samt und sonders hinfällig.

Dieser Fall ist eine wissenschaftliche Blamage sondergleichen und untermauert einmal mehr die Unwissenschaftlichkeit, Fragwürdigkeit und Sinnlosigkeit von Tierversuchen.

* Es gibt mehr als 450 verschiedene Labormausmodelle. Ein Modell wird “hergestellt” bzw. entwickelt, indem durch manipulative Eingriffe menschenähnliche Krankheitssymptome erzeugt werden. Gelingt die Zucht eines derart krank gemachten Tieres, spricht man von einem Tiermodell für eine bestimmte Krankheit. Zum Beispiel hat man durch zahlreiches, versuchsweises Ein- und Ausschalten unterschiedlicher Gene bei der Maus mehr oder minder zufällig das Gen gefunden, das für die Koordinierung von Bewegungen zuständig ist. Dieses Gen wurde ausgeschaltet und die kranken, in ihrer Bewegung gestörten Mäuse weitergezüchtet – und geben nun das Modell für die menschliche Alzheimer-Krankheit ab.

zuletzt geändert: von Romana Rathmanner Mag. [1]