ECEAE-Erklärung Coronavirus: Schneller als Tierversuche

Der IBT ist Mitglied der internationalen, europäischen Vereinigung ECEAE – wo wir gemeinsam für das Ende ALLER Tierversuche eintreten!

Frau Dr. Tamara Zietek, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin von “Ärzte gegen Tierversuche e.V.” hat aus aktuellem Anlass für ECEAE eine Erklärung / Stellungnahme verfasst – diese folgt hier in einer deutschen Übersetzung und im englischen Originaltext.

Wir werden unsere deutsche Übersetzung mit der Forderung um entsprechende Maßnahmen und Einleitung von zielführenden Schritten an die österreichische Bundesregierung und an die im Parlament vertretenen Gremien und Parteien senden und dieses Statement mitsamt unseren Forderungen auch via APA-OTS Aussendung veröffentlichen.


Das Corona-Virus SARS-CoV-2 wurde innerhalb weniger Wochen zu einer Pandemie. Wir alle hoffen auf eine schnelle Entwicklung von Impfungen und antiviralen Medikamenten. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass Tierversuche nicht das richtige Modell sind, um dieses Ziel zu erreichen, aber es ist die menschliche Natur, Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Hunderttausende Menschen werden an COVID-19 sterben, bevor effiziente Medikamente zur Verfügung stehen. Wann wird die Welt endlich erkennen, dass menschenrelevante Modellsysteme gefördert und angemessen finanziert werden müssen, wenn wir wollen, dass die medizinische Forschung effektiv und schnell ist?

Es ist ein bekannter und großer Nachteil von Tierversuchen: Sie sind langsam – zu langsam in Zeiten einer Pandemie wie SARS-CoV-2, mit der wir derzeit konfrontiert sind. Wissenschaftler und NGOs kritisieren seit langem, dass medizinische Forschung auf der Grundlage von Tierversuchen ineffizient ist – insbesondere wenn es um die Modellierung von Krankheiten und die Arzneimittelentwicklung geht. Darüber hinaus wird seit Jahren mit zahlreichen Stakeholdern diskutiert, dass menschenrelevante Modellsysteme etabliert, optimiert und validiert werden müssen. Viele fortschrittliche Forschungsmodelle wurden bereits entwickelt, wie z. B. dreidimensionale Zellmodelle der menschlichen Lunge und des Immunsystems oder fortgeschrittene Organ-on-a-Chip-Ansätze.

Dennoch werden Forschungsmittel weitgehend für Projekte im Zusammenhang mit Tierversuchen bereitgestellt, während sehr wenig in die Optimierung und Etablierung menschlicher Technologien investiert wird. Eine Verlagerung unseres wissenschaftlichen Paradigmas hin zu einer tierfreien Forschung wäre klug, um humanrelevante Forschungsmodelle für künftige Pandemien zur Verfügung zu haben, die sicherlich kommen werden. Solche In-vitro-Modelle sind schneller und effizienter als die Tierforschung, da sie nicht mit den Problemen artenspezifischer Unterschiede konfrontiert sind. Unzählige Tiere leiden derzeit in Tierversuchen im Zusammenhang mit COVID-19, um “das richtige Tiermodell” für die Untersuchung des Virus und seiner infektiösen Eigenschaften zu finden. Frettchen gelten nun als ausgezeichnetes “Modell”, weil sie sich mit SARS-CoV-2 anstecken. Frettchen entwickeln jedoch keine Symptome der Krankheit, wie sie beim Menschen beobachtet werden, was den Ansatz zu einer Sackgasse macht.

Dieses Phänomen ist eine alteingesessene Strategie: Ergebnisse aus Tierversuchen, die höchstwahrscheinlich nie für den Menschen gelten werden, werden der Öffentlichkeit als große Erfolgsgeschichten präsentiert. Andere Tierarten werden für die COVID-19-Forschung verwendet, obwohl sie sich nicht einmal anstecken, zum Beispiel Mäuse. Genetisch veränderte Mäuse, die zuvor entwickelt wurden, um andere Corona-Viren zu untersuchen, werden jetzt als spezielle “Werkzeugkästen” verkauft, um auszuprobieren, ob sie für die SARS-CoV-2-Forschung nützlich sein könnten. Weitere Ansätze sind die Erzeugung von humanisierten Mäusen, um sie anfällig für Virusinfektionen zu machen, wenn menschliche Gene in das Mausgenom eingefügt werden. Abgesehen von einer sehr geringen Erfolgsaussicht sind solche Versuche unethisch und extrem zeitaufwändig. Die Erzeugung und Zucht gentechnisch veränderter Tiere dauert Monate, die In-vivo-Experimente erstrecken sich über mehrere Monate oder Jahre und die Chance, endlich menschenrelevante Versuchsergebnisse zu erzielen, ist sehr gering.

Die Geschichte hat uns oft gelehrt, dass Tierversuche nicht für die erfolgreiche Entwicklung von Impfstoffen geeignet sind. Der regelmäßige Prozess der Impfstoffentwicklung erstreckt sich über viele Jahre mit Kosten in Höhe von Hunderten von Millionen Euro oder sogar mehr. Für zahlreiche Viruserkrankungen wie HIV, MERS oder andere SARS-Viren konnten wir bisher keine wirksamen Impfstoffe entwickeln – trotz jahrelanger umfangreicher Forschung. Der erste Ebola-Impfstoff kam im November 2019 auf den Markt, fünf Jahre nach dem Ausbruch der Krankheit im Jahr 2014 – und es bleibt abzuwarten, wie effektiv dieser Impfstoff bei der Anwendung auf die Zielgruppen wirkt.

Jede Pandemie wie jene, der wir jetzt ausgesetzt sind, ist eine Chance für Politiker und Entscheidungsträger, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Die nächste Pandemie wird eines Tages kommen, und wir sollten mit menschenrelevanten Forschungsmodellen vorbereitet werden, die einen schnellen und zuverlässigen Arzneimittelentwicklungsprozess ermöglichen. Um der menschlichen Sicherheit und so vieler Tiere willen, die für eine Forschung leiden, die ihr Versprechen nicht einhält.


ECEAE statement

Coronavirus: Faster than animal experiments

Coronavirus SARS-CoV-2 became a pandemic within a few weeks. We all hope for a fast development of vaccination and antiviral drugs. History has taught us that animal experiments are not the right model to achieve this goal but it is human nature to repeat past mistakes. Hundreds of thousands people will die from COVID-19 before efficient medication will be available. When will the world finally realize that human-relevant model systems need to be promoted and adequately funded if we want medical research to be effective and fast?

It is a well-known and major drawback of animal experiments: They are slow – too slow in times of a pandemic such as SARS-CoV-2 that we are currently facing. It has long been criticized by scientists and NGOs that medical research based on animal experimentation is inefficient – in particular when it comes to disease modelling and drug development. Also, it has been discussed for years with numerous stakeholders that human-relevant model systems have to be established, optimized and validated. Many advanced research models have already been developed such as 3-dimensional cell models of the human lung and of the immune system or advanced organ-on-a-chip approaches.

Still, research funding is largely assigned to projects involving animal experiments whereas very little is invested in the optimization and establishment of human-based technologies. Shifting our scientific paradigm towards animal-free research would be wise in order to have human-relevant research models available for future pandemics which will certainly come. Such in vitro models are faster and more efficient compared to animal research because they do not face the problem of species-specific differences. Countless animals are currently suffering in animal experiments related to COVID-19 in order to find “the right animal model” for studying the virus and its infectious properties. Ferrets are now claimed to be an excellent “model”, because they get infected by SARS-CoV-2. However, ferrets do not develop any symptoms of the disease as observed in humans making the approach a dead end road.

This phenomenon is a long-established strategy: Results from animal experiments which will most probably never apply to humans are presented to the public as great success stories. Other animal species are used for COVID-19 research although they do not even get infected, for example mice. Genetically modified mice that have previously been developed to study other corona viruses are now sold as special “tool boxes” to try out if they might be useful for SARS-CoV-2- research. Further approaches include the generation of humanized mice in order to make them susceptible to viral infection upon insertion of human genes into the mouse genome. Apart from a very low chance to succeed, such attempts are unethical and extremely time-consuming. Simply the generation and breeding of genetically modified animals take months, the in vivo experiments span several months or years and the chance to finally obtain human-relevant experimental outcomes is very low.

History taught us many times that animal experiments are not suitable for successful development of vaccines. The regular process of vaccine development spans many years with costs amounting to hundreds of millions of euros or even more. For numerous viral diseases such as HIV, MERS or other SARS viruses, we failed to develop effective vaccines to date – despite years of extensive research. The first Ebola vaccine entered the market in November 2019, 5 years after the disease outbreak in 2014 – and it remains to be seen how effective this vaccine turns out to be when applied to target populations.

Each pandemic like the one we are exposed to now, is a chance for politicians and decision makers to learn from past mistakes. The next pandemic will come one day and we should be prepared with human-relevant research models that enable a fast and reliable drug development process. For the sake of human safety and for the sake of so many animals which suffer for a research that does not live up to its promise.

 

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