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24. April – Welttag des Versuchstieres 2006

Tierversuche sind der falsche Weg

“Tierversuche sind der falsche Weg” – unter diesem Motto begeht der “Internationale Bund der Tierversuchsgegner” (IBT) heuer den Tag des Versuchstieres. Nicht zuletzt auch aufgrund der dramatischen Zwischenfälle bei einem Medikamententest in einem Londoner Krankenhaus.
Obwohl der neue Wirkstoff TGN1412 der Firma TeGenero in Tierversuchen (präklinischen Tests) intensiv getestet worden ist, kam es bei den klinischen Tests – bei allen sechs Testpersonen – zu lebensbedrohlichen Schäden an mehreren Organen.
Mittlerweile gilt als gesichert, dass es weder bei der Arzneimittelproduktion noch bei der Durchführung der Menschenversuche Mängel gegeben hat. Als Ursache der schweren Nebenwirkungen wird eine “unvorhergesehene biologische Wirkung der Arznei bei Menschen” angeführt.
Trotz jahrelanger Experimente mit Mäusen, Ratten, Kaninchen und Affen, die den Wirkstoff in extrem hoher Überdosierung – einer um den Faktor 500 höheren Dosis – verabreicht bekamen, aber nebenwirkungsfrei blieben, wurde der gefährliche Wirkungsmechanismus für den Menschen nicht erkannt.

“Dies beweist erneut, dass sich Ergebnisse aus Tierexperimenten nicht auf den Menschen übertragen lassen”, so Gerda Matias, Präsidentin des IBT, “da sich der Mensch mit seinem anders gearteten Stoffwechsel und Organaufbau wesentlich vom Tier unterscheidet. Darüber hinaus sind bei der Entstehung von menschlichen Krankheiten viele Faktoren – etwa Ernährung, Bewegung, Umwelteinflüsse, sozialer Status, seelische und geistige Befindlichkeit – beteiligt, die im Tierexperiment völlig ignoriert werden. Außerdem verstreichen bis zum Krankheitsausbruch oft Jahre.”

Dagegen werden bei den vorerst gesunden Versuchstieren, die in sterilen Labors in Käfigen artwidrig und isoliert gehalten werden, menschenähnliche Krankheiten durch massive Eingriffe abrupt und künstlich erzeugt und dann mit dem Testmedikament behandelt. So überrascht es wenig, dass es trotz millionenfacher Tierversuche immer wieder zu Arzneimittelkatastrophen kommt und es weiterhin nicht den von den Pharmafirmen ständig angekündigten Impfstoff gegen Krebs, Aids, Alzheimer etc. gibt.

TGN1412 ist kein Einzelfall: Immer wieder müssen Menschenversuche abgebrochen werden (etwa die in den USA durchgeführte Studie an 16.000 gesunden Frauen, weil die Hormongaben gegen Wechselbeschwerden Brustkrebs ausgelöst haben) und sogar schon auf dem Mark befindliche Medikamente nachträglich verboten werden, da es zu schweren schädigenden Wirkungen und Nebenwirkungen und Todesfällen gekommen ist (etwa mindestens 52 Tote durch den Cholesterinsenker Lipobay).

Dass sich die Tierversuchsergebnisse nicht wirklich auf den Menschen übertragen lassen, sie keine verbindliche Aussage über die Wirkung beim Menschen zulassen und somit überhaupt keine Sicherheit darstellen, ist aber nicht nur empirisch nachprüfbar, sondern mittlerweile auch schon durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt worden.
Das Paul-Ehrlich-Institut kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass der ATT-Tierversuchstest – eine im Arzneibuch vorgeschriebene Prüfung für Impfstoffe an Mäusen und Meerschweinchen – keine Aussage über die Wirksamkeit beim Menschen zuläßt.
Eine im “British Medical” publizierte englische Untersuchung kam ebenfalls zu dem Resultat, dass die Tierversuchsergebnisse wenig bis gar keine Aussagekraft hinsichtlich der Übertragung auf den Menschen haben.
Eine Studie der Food and Drug Administration brachte ans Licht, dass knapp über 50% der an Tieren getesteten und danach für die klinische Erprobung freigegebenen Arzneimittel schwere Schäden – von Organversagen bis hin zum Tod – bei den menschlichen Probanden verursacht haben.
Trotzdem wird an der Methode Tierversuch unbeirrt und unreflektiert festgehalten. Für Gerda Matias stellt dies nicht nur ein fahrlässiges Verhalten gegenüber den PatientInnen dar, sondern schlicht ein Verbrechen gegenüber all den Tieren, die unter Qualen, Leiden und Schmerzen zu Millionen in den Labors hierfür ihr Leben lassen müssen.

Und nicht nur aufgrund der wissenschaftlich abgesicherten Datenlage über die Nutzlosigkeit von Tierversuchen, sondern vor allem auch aus ethischer Verantwortlichkeit gegenüber dem Mitgeschöpf Tier, fordern die TierversuchsgegnerInnen, dass endlich der Tierversuch als unwissenschaftliche, veraltete, unverlässliche, unsichere, ja gefährliche und vor allem brutal-rohe Methode ad acta gelegt wird. “Zumal es zahlreiche tierversuchsfreie Methoden gibt”, so Gerda Matias abschließend.

Der Internationale Tag des Versuchstieres wird seit 1962 begangen. Er geht auf den Geburtstag von Lord Dowding, einem Mitglied des britischen Oberhauses zurück, der sich sehr für den Tierschutz engagierte.

Der Internationale Bund der Tierversuchsgegner (IBT) ist ein seit 1968 bestehender gemeinnütziger unabhängiger Verein. Er setzt sich für die Abschaffung aller Tierversuche ein und lehnt Tierversuche aus ethischen, wissenschaftlichen, medizinkritischen und verbraucherpolitischen Gründen ab.

 

Rückfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: +43/1/713 08 23-10, Fax: +43/1/713 08 24,
E-Mail: tierversuchsgegner@chello.at [1]

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