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Primatenlabor Covance in den Schlagzeilen

Primatenlabor Covance versucht Regierungsüberwachung seiner Tierhaltung zu stoppen. Undercover-Journalist soll mundtot gemacht werden

Das durch die BUAV (British Union for the Abolition of Vivisection) in die Schlagzeilen geratene Auftragsforschungslabor der Firma Covance in Münster zieht nun gegen die Entscheidung der Regierung, die Tierräume der Anlage mit Video zu überwachen, vor Gericht. Mit der Videoüberwachung sollten weitere Übergriffe des Personals auf die Tiere verhindert werden.
Zudem hat Covance gegen den deutschen Journalisten Friedrich Mülln, der
die Undercover Recherche durchführte, eine einstweilige Verfügung
erlassen, um weiteren Zugriff der Medien und der Öffentlichkeit auf das Beweismaterial zu unterbinden.

Die Anweisung zur Überwachung des Tierlabors durch die Nordrhein- westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn folgte auf die schockierenden Enthüllung der britischen Tierversuchsgegnerorganisation BUAV in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Menschen für Tierechte. Die fünfmonatige verdeckte Ermittlung des Journalisten Friedrich Mülln dokumentierte das tägliche Leid der Affen. Die Tiere werden von einander getrennt, teils jahrelang in engen Metallkäfigen isoliert und täglichen Eingriffen mit Magensonden oder Verabreichung der Testsubstanz durch Spritzen ausgesetzt. Noch dazu werden die Tiere von bestimmten Mitarbeitern immer wieder misshandelt und gequält. Die Isolation führt zu schweren Verhaltensstörungen.
Covance: “Alltägliche Szenen, wie sie jeden beliebigen Tierversuchslabor vorkommen.”

Als das Bildmaterial der BUAV Mitte Dezember 2003 in der ZDF Sendung Frontal 21 veröffentlicht wurde, handelte das Umweltministerium sofort. Eine Ermittlung gegen Covance wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz und eine Prüfung über den Entzug der Tierhaltungserlaubnis, wurden eingeleitet. Das Ministerium wies die Firma Covance zudem an, in allen Tierräumen Videokameras zu installieren, um das Verhalten des Personals in Zukunft überwachen zu können. Der BUAV-Ermittler dokumentierte auf dem Beweisvideo, wie einige Covance-Mitarbeiter, sowohl körperlich, als auch verbal, sehr grob mit den Tieren umgingen.
Das Personal konnte zum Beispiel dabei gefilmt werden, wie es zur eigenen Belustigung Affen zu Musik zum Tanzen oder zu unnatürlichen Bewegungen zwang und dies sogar während der Durchführung von Tierversuchen.

Die BUAV ist überzeugt, dass Covance versucht, weitere Einblicke hinter die verschlossenen Türen des Hochsicherheitslabors zu verhindern, da dies weitere erschreckende Erkenntnisse über den Alltag bei Covance enthüllen würde.
Covance gibt an, das die Videoüberwachung zu teuer sei und Firmengeheimnisse verraten könne. Doch das grösste Geheimnis der Firma Covance, so die BUAV, wurde bereits enthüllt, nämlich dass Hunderte Affen unter den entsetzlichen Zuständen und der groben Behandlung leiden.

Wendy Higgins, Kampagnenleiterin der BUAV:
“Das sind jämmerliche Ausreden der Firma Covance, einem der grössten Auftragsforschungslabors der Welt, mit einem Jahresumsatz von 883 Millionen Dollar im Jahre 2002. Die könnten sich die Videokameras problemlos leisten. Covance fürchtet sich nicht vor dieser kleinen finanziellen Ausgabe, sondern davor, dass die Menschen den Albtraum sehen, der wirklich in einem typischen Tierlabor vor sich geht. Tierversuche werden üblicherweise mit Geheimhaltung verschleiert. Wegen der enthüllten, unglaublichen Zustände ist es nur allzu richtig, dass sowohl Covance seine Mitarbeiter besser kontrollieren sollte, als auch die Behörden die Firma Covance. Es ist eine Schande, dass die durch die BUAV auf frischer Tat ertappte Firma, sich sogar gegen die kleinsten Zugeständnisse aus dem Skandal wehrt und keinerlei Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Öffentlichkeit zeigt.”

Als eine direkte Folge der BUAV-Enthüllung, hat die Landesregierung beschlossen, den Entzug der Tierhaltungserlaubnis zu prüfen. Durch den Bundesverband Menschen für Tierrechte wurde zudem gegen den ins Zwielicht geratenen verantwortlichen Amtstierarzt Dr. Otto Strafanzeige erstattet. Die BUAV bezweifelt die Unabhängigkeit des Amtstierarztes, der durch einseitige positive Äusserungen über Covance aufgefallen war. Er hatte die Tierhaltung bei Covance als “fast wie im Zoo” bezeichnet.

 

Kontakt:
Bildmaterial, Informationen und Interviews / Deutschlandkontakt: Friedrich Mülln, Tel: 0049/175/5008183 und 0049/179/4626850, http://www.tierbildarchiv.de/ [1]
Video, Bildmaterial, Informationen und Interviews / UK-Kontakt: Wendy Higgins, BUAV-Kampagnenleiterin, Tel: 0044/2076196965, http://www.buav.org/covance/ [2]
Weitere Informationen: http://www.tierrechte.de [3]

 

Siehe dazu auch Kampagne gegen das größte Affenforschungslabor BPRC in Europa [4]
Siehe dazu auch Tierversuche an Primaten [5]

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