Tierschützer kämpfen gegen den illegalen Handel mit Hundewelpen. Die Gesetzeslage macht es ihnen nicht leicht.
Die Suche nach günstigen Weihnachtsgeschenken fördert den illegalen Welpenhandel. Wie viele Tiere in dunklen Pkw-Kofferräumen jährlich nach Österreich gekarrt werden, ist nicht bekannt. Doch was Alexander Willer vom Wiener Tierschutzverein (TSV) über das Geschäft mit der “Ware Hund” erzählt, lässt Fürchterliches erahnen.
Er berichtet von “Zuchtfabriken” in Ungarn, Tschechien und der Slowakei, wo Welpen je nach Modetrend wie am Fließband “produziert” werden. “Die Muttertiere werden oft drei Mal im Jahr gedeckt.” Das Feilbieten der Welpen auf öffentlichen Plätzen ist in Österreich durch Paragraf 8a des Bundestierschutzgesetzes zwar verboten. “Doch da gibt es eine Gesetzeslücke”, kritisiert Willer.
“Wenn das Geschäft nämlich über eine Internet-Tauschplattform angebahnt und an einem vereinbarten Treffpunkt abgewickelt wird, sind Polizei und Behörde die Hände gebunden. Dann ist keine Abnahme möglich. Wir fordern daher, dass das Gesetz überarbeitet wird. Das Internet ist auch ,öffentlicher Raum” .”
Miserabler Zustand
Ein illegaler Hunde-Deal ging kürzlich am Parkplatz des Salzburger Austria Trend Hotels in Liefering über die Bühne. Aus dem engen Kofferraum eines slowakischen Pkws lugte eine Schar kleiner Pekinesen und Chihuahuas. 400 Euro zahlte ein Tierfreund für einen Chihuahua-Welpen. Was der Hunde-Schacherer nicht wusste: Der Käufer war von der Tierrettung.
“Wir haben den schlechtesten Hund gekauft und vom Tierarzt untersuchen lassen. Er hatte keine geschlossene Schädeldecke, ein kaputtes Gebiss und wurde viel zu früh von der Mutter weggerissen”, sagt Manfred Ehgartner von der Tierrettung. Vier bis sechs Autos stoppen pro Wochenende in Salzburg zum Hundeverkauf, erklärt er. “Die Tiere haben Chips, die nicht vom Tierarzt stammen, keinen Rassestandard und irgendwelche sogenannten Impfpässe.” Was den Fachmann ärgert: “Die Behörden tun nichts. Der Verkäufer kommt mit einer Verwaltungsstrafe davon, die Tiere werden nicht beschlagnahmt, weil das horrende Kosten und überfüllte Tierheime bescheren würde.”
Alexander Geyrhofer, Tierschutzombudsmann des Landes, sieht darin kein Problem. “Es ist nichts im Gange. Wir machen keine Extra-Kontrollen. Die Händler haben andere Wege gefunden, um die Tiere zu verkaufen, etwa über Zoofachhändler.”
Die Hundemafia agiert professionell: “Ich habe einen gefälschten Pass bekommen”, erzählt Matthias Markl aus Wien. In einer Wohnung erstand er einen laut Papieren geimpften, entwurmten und reinrassigen Chihuahua. Bekommen hat er einen kranken Mischling. In der Tierarztpraxis von Martin Gasperl kein Einzelfall. Johanna Stadler von Vier Pfoten: “Es wird mit Mitleid spekuliert. Man tut aber nichts Gutes. Aufgrund der Nachfrage werden sofort neue Welpen produziert. Wer einen Hund will, ist im Tierheim genau richtig.”
http://kurier.at/nachrichten/wien/2057395.php [1]
12.12.2010
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