Seit 1900 hat sich die Anreicherung von Methan in der Atmosphäre verdoppelt, was in einem direkten Zusammenhang mit dem vermehrten Fleischkonsum steht. Denn die Wiederkäuer wie Rinder, Schafe, Ziegen stossen laufend Methangas aus*, ein aggressives Treibhausgas, das wesentlich zur Erderwärmung beiträgt. Fast die Hälfte der Methanemissionen und 18 Prozent der Treibhausgase überhaupt stammt aus der Erzeugung tierischer Lebensmittel inklusive der Futtermittelerzeugung und der Ausbringung von Gülle und Düngermittel.
Statt nun zu der einfachen Lösung zu greifen, auf den ökologischen Landbau mit geringerem Tierbestand in artgerechter Haltung umzusteigen, den Fleisch-, Milch- und Eierkonsum auch aus ökologischen Gründen einzuschränken oder idealer Weise gleich auf die sowieso gesündere und auch ethisch vertretbarere vegetarische oder gar vegane Ernährung umzustellen, machen sich findige Wissenschafter – offenbar Arm in Arm mit der Fleischindustrie – daran, die Tiere – zunächst in Tierversuchen – derart zu manipulieren, so dass sie kein oder weniger Methan bilden bzw. ausstoßen.
- In der Schweiz wurden Fütterungsversuche mit Kühen und Schafen durchgeführt, wobei Futterzusätze (Fette, Saponine und Tannine) getestet wurden, die dazu geführt haben sollen, dass Kühe und Schafe 10 bis 40 Prozent weniger Methangas erzeugten. Die Tiere wurden dabei einzeln in eine Respirationskammer, einen Glaskasten, verbracht, wo sie gefüttert wurden und laufend das Methan gemessen wurde. Da durch die Methanabgabe auch Energie aus der Nahrung verloren geht, erhofft man sich durch die Methanverringerung nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern gleich auch mehr Erträge in Form von mehr Milch und mehr Fleisch.
- In Neuseeland arbeiten Wissenschafter daran, die Bakterien, die im Verdauungstrakt der Wiederkäuer das Methan produzieren, gentechnisch zu verändern, damit sie weniger oder gar kein Methan mehr erzeugen.
- In Australien wird versucht, Magenmikroben von Kängurus – Wiederkäuer, die wenig Methan abgeben – auf Kühe zu übertragen, nachdem die Verabreichung eines Impfstoffes gegen die Archaebakterien bei Schafen wenig Erfolg versprechend verlaufen ist.
- Da das Methan insbesondere beim Abbau der Zellulose entsteht, stehen auch Überlegungen an, den Tieren weniger Gras und Heu zu füttern und mehr Kraftfutter. Da letzteres jedoch teurer ist, werden die Tiere vorerst noch von dieser artfremden Kost verschont.
* Die Abgase einer einzigen Milchkuh sollen in etwa so klimaschädlich sein wie die eines Kleinwagens, der 18.000 km im Jahr gefahren wird.
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