Das Medikamnet ATryn® mit dem Wirkstoff Antithrombin alfa, das die Blutgerinnung hemmt, ist weltweit das erste zugelassene Medikament, das in Tieren – transgenen Ziegen – produziert wird. Es kann bei Menschen mit einem angeborenen Antithrombin-III-Mangel (der sehr selten auftritt) und die sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen, eingesetzt werden.
Zur Herstellung des Wirkstoffes wird das menschliche Gen zur Produktion von Antithrombin in das Erbgut von Ziegen – in Ziegenembryos – implantiert, wobei schon in diesem Stadium viele Embryos absterben. Bei den erfolgreichen Fällen, den überlebenden Geburten, wird in der Milchdrüse der Tiere der erwünschte Wirkstoff produziert und nach schwierigen Prozeduren aus der Milch das fertige Medikament gewonnen.
Obwohl die Herstellung des blutgerinnungshemmenden Mittels auch mit Zellkulturen möglich ist, wurden zahlreiche Tierversuche in den USA, wo das Medikament entwickelt wurde, durchgeführt, um dieses Verfahren zu entwickeln. Die US-amerikanische FDA (Food and Drug Administration) hat jedoch bislang die Zulassung des Medikaments verweigert. Hingegen hat die europäische Behörder EMEA (European Medicines Agency) die Erlaubnis bereits im Jahr 2006 erteilt.
Die EU-Tierversuchsrichtlinie schreibt in Artikel 7 (2) unmissverständlich vor, dass ein Versuch nicht vorgenommen werden darf, wenn zur Erreichung des angestrebten Ergebnisses (hier: die Produktion des blutgerinnungshemmenden Mittels) eine wissenschaftlich zufriedenstellende, vertretbare und praktikable Alternative zur Verfügung steht (hier: Zellkulturen), bei der kein Tier verwendet werden muss. Doch diese Bestimmung bezieht sich nur auf die Entwicklung und Herstellung eines Produktes, jedoch nicht auf die Vermarktung.
In einer Pressemitteilung – anlässlich der erst jüngst erfolgten Zulassung in Deutschland – begründet das Pharmaunternehmen LEO Pharma [1], welches das Medikament vertreibt und seinen Hauptsitz in Dänemark hat, die Vorteile dieses als “Gen Pharming” bezeichneten Verfahrens gegenüber der Anwendung von Zellkulturen mit dem höheren Ertrag von Proteinen aus der transgenen Ziegenmilch und mit der höheren Sicherheit, weil keine menschlichen Blutprodukte eingesetzt werden.
Ethische Überlegungen – inwieweit der Verbrauch von Embryonen, die Genmanipulation von Tieren, die operativen Eingriffe, die Reduktion von fühlenden Wesen auf eine Produktionsmaschine (die daher auch völlig unverblümt als “Bioreaktoren” bezeichnet werden) gerechtfertig werden können – spielen dabei offenbar keine Rolle.
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