{"id":1125,"date":"2016-02-17T13:42:00","date_gmt":"2016-02-17T12:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2016\/02\/17\/der-wahre-zweck-von-tierversuchsstudien\/"},"modified":"2016-02-17T13:42:00","modified_gmt":"2016-02-17T12:42:00","slug":"der-wahre-zweck-von-tierversuchsstudien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2016\/02\/17\/der-wahre-zweck-von-tierversuchsstudien\/","title":{"rendered":"Der wahre Zweck von Tierversuchsstudien"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder werden zu ein- und demselben Thema Tierversuchsstudien durchgef\u00fchrt, die auff\u00e4lligerweise auch immer wieder unterschiedliche Ergebnisse zeitigen. Der Frage, warum dies bei den meisten Verantwortlichen (ExperimentatorInnen, Wissenschaftsgemeinde, PolitikerInnen, Beh\u00f6rden) nicht dazu f\u00fchrt, den Tierversuch als wissenschaftliche Methode zumindest in Frage zu stellen oder gar abzulehnen, was ja die logische Konsequenz w\u00e4re, wird im folgenden nachgegangen.<\/p>\n<p>Soll dem Antrag einer Firma auf Freisetzung von genmanipulierten Pflanzen, die medizinische Wirkstoffe erzeugen, stattgegeben werden? Ab welchem Grenzwert sollen Weichmacher in Nahrungsmittelverpackungen verboten werden? Sind die Emissionen von Laserdrucker bedenklich? Ist nun der k\u00fcnstliche S\u00fc\u00dfstoff Aspartam, der im Tierversuch Krebs erzeugt hat, auch f\u00fcr den Menschen sch\u00e4dlich? Soll die Testung von Pestiziden am Menschen erlaubt werden?<\/p>\n<p>Die Reihe derartiger, gesellschaftsrelevanter Fragen lie\u00dfe sich lange fortsetzen und die Auseinandersetzung mit ihnen bestimmen den Arbeitsalltag unserer PolitikerInnen und Beh\u00f6rdenvertreterInnen in den diversesten Gremien. Dabei befinden sie sich naturgem\u00e4\u00df im Spannungsfeld verschiedenster Interessengruppen. Da ist die Firma, die ihr neues Shampoo auf den Markt bringen m\u00f6chte. Und dort sind die VerbraucherInnen, die von diesem Produkt zumindest nicht gesch\u00e4digt werden m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Und wenn dann nach z\u00e4hem Ringen eine politische Entscheidung getroffen wird, beruft man sich gerne auf die unabh\u00e4ngig zustande gekommenen Ergebnisse der eigens eingerichteten wissenschaftlichen Aussch\u00fcsse, der konsultierten Expertengremien und beigezogenen externen Sachverst\u00e4ndigerInnen und SpezialistInnen. Man rechtfertigt und begr\u00fcndet einen Beschluss mit wissenschaftlichen Studien, Umfragen, fachlicher Gutachten und extra in Auftrag gegebener Untersuchungen.<br \/>Um sich dem Vorwurf zu entziehen, dass es sich bei Entscheidungen etwa lediglich um die Durchsetzung von einseitigen Interessen einer bestimmten m\u00e4chtigen Lobby handeln k\u00f6nnte, wird der Eindruck vermittelt, dass sich Beschl\u00fcsse einzig und allein auf wissenschaftlich fundierte Ergebnisse st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Doch ein Blick hinter die Kulissen ergibt ein ganz anderes Bild \u2013 zumindest was den Umgang mit Tierversuchsstudien anlangt. Wie im folgenden dargelegt wird, <strong>werden Ergebnisse aus Tierversuchsstudien, bei denen tausende von Tieren ihr Leben lassen mussten, das eine mal als Beweismittel, das auch f\u00fcr den Menschen volle G\u00fcltigkeit hat, herangezogen, das andere mal jedoch als nicht zuverl\u00e4ssig bewertet (und trotzdem weitere Tierversuchsstudien in Auftrag gegeben) oder gleich v\u00f6llig ignoriert \u2013 je nachdem, wie man \u00b4s braucht. <\/strong><\/p>\n<p>In gentechnisch ver\u00e4nderte Erbsen wurde Erbgut von der Maus, der Ackerbohne und dem Blumenkohlmosaikvirus eingeschleust. Derart manipuliert sollen die Pflanzen ein Medikament gegen bestimmte bakterielle Durchfallerkrankungen von Schweinen produzieren, welches als vorbeugender Antibiotikaersatz ins Futtermittel gemischt wird. Obwohl bereits im Jahre 2005 eine australische Tierversuchsstudie mit gentechnisch ver\u00e4nderten H\u00fclsenfr\u00fcchten nach \u00fcber sieben Jahren abgebrochen wurde, weil die Feldm\u00e4use Lungenentz\u00fcndung bekamen und eine Gesundheitsgef\u00e4hrdung des Menschen nicht auszuschlie\u00dfen war, wurden auf der Universit\u00e4t Hannover abermals F\u00fctterungsversuche durchgef\u00fchrt. Dabei wurden die Versuchstiere zun\u00e4chst k\u00fcnstlich infiziert und mit den gentechnisch ver\u00e4nderten Erbsen gef\u00fcttert. Doch sei &#8220;kein einziger positiver Effekt auf den Infektionsverlauf erreicht&#8221; worden.<br \/>Trotz dieser negativen Testergebnisse und den Gefahren, die von der Freisetzung der &#8220;Pharma-Pflanzen&#8221; ausgehen k\u00f6nnen, hat die ostdeutsche Gentechnikfirma Novoplant vom Bundesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Bewilligung f\u00fcr die Freisetzungsversuche bekommen, die dar\u00fcber hinaus noch mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Die Frage stellt sich, warum werden \u2013 wie in diesem geschilderten Fall (der kein Einzelfall, sondern typisch ist) &#8211; Ergebnisse aus Tierversuchsstudien sowohl von der Industrie als auch von den Beh\u00f6rden ignoriert? Die Antwort liegt auf der Hand: Sie werden dann ignoriert, ja sogar unterschlagen, wenn das Ergebnis nicht den erhofften Erwartungen entspricht und dem beabsichtigten Zweck zuwiderl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wird die \u00dcbertragbarkeit der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen und die Umwelt angezweifelt und auf den doch zu gro\u00dfen Unterschied zwischen Mensch und Nagetier hingewiesen, selbstverst\u00e4ndlich ohne dem Tierversuch als unwirksame wissenschaftliche Methode eine endg\u00fcltige Absage zu erteilen.<\/p>\n<p>Eine beliebte und typische Formulierung, die man von ExperimentatorInnen, Tierversuchsbef\u00fcrworterInnen und Beh\u00f6rdenvertreterInnen immer wieder h\u00f6rt, lautet: &#8220;Eine \u00dcbertragung von Ergebnissen aus Tierexperimenten ist nicht immer und wenn, dann nur bedingt zul\u00e4ssig&#8221; \u2013 dies trifft den Nagel auf den Kopf: Diese Aussage bedeutet, dass Tierversuche v\u00f6llig unverl\u00e4ssliche und ungenaue Daten liefern, die nur vage Aussagen bez\u00fcglich der \u00dcbertragbarkeit auf den Menschen zulassen, und sich gerade deshalb offenbar hervorragend daf\u00fcr eignen, mit ihnen manipulativ zu verfahren.<br \/><strong>Offenbar ist der manipulative Umgang mit Tierversuchsergebnissen auch der einzige Zweck, den Tierversuche erf\u00fcllen k\u00f6nnen, und offenbar wird deshalb auch von einer bestimmten Klientel so verbissen am Tierversuch als wissenschaftliche Methode festgehalten.<\/strong><\/p>\n<p>Der Weichmacher Polycarbonat Bisphenol A (BPA) wird u.a. in verschiedenen Plastikprodukten (Plastikbecher, Kindermilchfl\u00e4schchen, Lebensmittelverpackungen etc.) und in der Beschichtung von Konservendosen eingesetzt und kann von dort in die Nahrung \u00fcbergehen. Mehr als 200 Studien soll es mittlerweile geben, die bei Versuchen mit Ratten und M\u00e4usen Sch\u00e4digungen von Hirn und Hoden, Beeintr\u00e4chtigungen der Embryonalentwicklung und auch Verhaltens\u00e4nderungen festgestellt haben (DIE Zeit, 22.01.2009, Nr. 05). Ein Wert von10 Mikrogramm pro kg K\u00f6rpergewicht t\u00e4glich galt bislang als f\u00fcr den Menschen unbedenklich.<\/p>\n<p>Nun mutet uns die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Grenzwert von 50 Mikrogramm (0,05 mg) BPA pro kg K\u00f6rpergewicht t\u00e4glich zu, indem sie jene Tierversuchsstudien, die auf sch\u00e4dliche Auswirkungen von BPA auf den Menschen schlie\u00dfen lassen, ignoriert bzw. die \u00dcbertragbarkeit der Tierversuchsergebnisse auf den Menschen anzweifelt, und sich f\u00fcr die f\u00fcnffache Erh\u00f6hung des Grenzwertes auf Experimente mit Tieren beruft (an M\u00e4usen \u00fcber zwei Generationen von Nachkommen hinweg), bei denen keine sch\u00e4digende Wirkung von BPA festgestellt wurde.<\/p>\n<p>Pikantes Detail am Rande: diese Studie, auf die sich nun die EFSA beruft und die auch ausschlaggebend f\u00fcr die f\u00fcnffache Erh\u00f6hung des Grenzwertes war, wurden vom American Plastics Council, einem Interessensverband der US-Kunststoffindustrie, finanziert.<br \/>(Quelle: <a href=\"http:\/\/sueddeutsche.de\/gesundheit\/artikel\/700\/120548\/print.html\">http:\/\/sueddeutsche.de\/gesundheit\/artikel\/700\/120548\/print.html<\/a>).<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt d\u00fcrften die Ergebnisse von Tierversuchsstudien davon abh\u00e4ngen, ob sie mit \u00f6ffentlichen Geldern oder mit Geldern der Industrie finanziert wurden:<br \/>153 Studien zu BPA, die mit \u00f6ffentlichen Geldern subventioniert wurden, fanden schon bei niedrigen Konzentrationen sch\u00e4dliche Wirkungen. Alle 13 von der Industrie gef\u00f6rderten Studien kamen zu dem Ergebnis, das BPA unsch\u00e4dlich sei.<br \/>(Quelle: <a href=\"http:\/\/sueddeutsche.de\/gesundheit\/artikel\/700\/120548\/print.html\">http:\/\/sueddeutsche.de\/gesundheit\/artikel\/700\/120548\/print.html<\/a>; siehe auch unter <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/artikel\/283\/140981\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/artikel\/283\/140981<\/a>.)<\/p>\n<p>Vor diesem ern\u00fcchternden Hintergrund kann man die Aussage des Kommissionspr\u00e4sidenten Barroso anl\u00e4sslich der offiziellen Er\u00f6ffnung der Europ\u00e4ischen Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Italien, eigentlich nur mehr als Politikfarce abtun: <em>&#8220;&#8230;Die EU-B\u00fcrger k\u00f6nnen darauf vertrauen, dass fundierte und unabh\u00e4ngige wissenschaftliche Gutachten eingeholt werden, um das h\u00f6chstm\u00f6gliche Ma\u00df an Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in ganz Europa zu gew\u00e4hrleisten.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><strong>Aber unhaltbar ist, dass das ganze wissenschaftliche Getue, die nutzlosen Tierversuchsstudien zum vorgeblichen Schutze unserer Gesundheit auf dem R\u00fccken der Tiere ausgetragen wird.<br \/><\/strong>Dass sich die Wirtschaft und die Industrie wehrt, sich so manche Beschr\u00e4nkungen auferlegen zu lassen und die Beh\u00f6rden und PolitikerInnen, je nach Einflussnahme m\u00e4chtiger LobbyistInnen, oft nur mehr Handlanger derselben werden und dass sich auch die WissenschafterInnen gerne in den Dienst von Wirtschaft und Industrie stellen und dabei die einfachsten Regeln wissenschaftlicher Arbeitsweise vernachl\u00e4ssigen \u2013 ist nichts Neues und Ersch\u00fctterndes. <strong>Entsetzlich ist jedoch, dass f\u00fcr die sinn- und nutzlosen Tierversuchsstudien, die lediglich manipulativen Zwecken dienen, tausende Tiere einen qualvollen Tod durch Vergiften, Verst\u00fcmmeln, Bestrahlen, Ertr\u00e4nken, Verbrennen und anderen grausamen Torturen erleiden m\u00fcssen. <\/strong><\/p>\n<p>In einer Studie des International Laboratory for Air Quality and Health, bei der die Emissionen \u2013 insbesondere der Anteil von Feinstaubteilchen \u2013 von Laserdrucker gemessen wurde, kam man zu dem Ergebnis, dass manche Laserdrucker eine Gesundheitsgefahr darstellen (wie die eines durchschnittlichen Rauchers) und die Beh\u00f6rden gut beraten w\u00e4ren, die Emissionen von Laserdrucker gesetzlich zu begrenzen. Denn Feinstaub der Partikelgr\u00f6\u00dfe von nur 2,5 Mikrometern f\u00fchrt zu Atemwegs-, Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen. Messungen, die das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) in Auftrag gegeben hat, best\u00e4tigen, dass durch Laserdrucker die Staubbelastung der Innenraumluft deutlich steigt und in vielen B\u00fcros die H\u00f6chstgrenze an Feinstaubemissionen \u00fcberschritten wird.<\/p>\n<p>Doch die Beh\u00f6rden berufen sich lieber auf Experimente mit Tieren, auf Studien des Forschungszentrums f\u00fcr Umwelt und Gesundheit (GSF) in Neuherberg, wo es zu keiner toxischen (giftigen) Wirkung durch Emissionen von Laserdruckern gekommen ist, und begeben sich somit selber in die ihnen beliebteste Stellung \u2013 der Pattstellung des Nichtstun.<\/p>\n<p>Eine weitere gerne eingenommene Haltung, mit der wir direkt immer wieder konfrontiert werden, ist, dass \u2013 obwohl genug Datenmaterial vorlegt \u2013 abermals Studien in Auftrag gegeben werden. Hier kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass diese lediglich dazu dienen sollen, eine l\u00e4ngst f\u00e4llige Entscheidung hinauszuschieben. So sind z.B. in Deutschland schon seit dem Jahre 2005 Fischtests zur Pr\u00fcfung von Abw\u00e4ssern verboten; statt dessen werden Tests mit Fischeitests durchgef\u00fchrt. Laut Tierversuchsgesetz d\u00fcrfen keine Tierversuche durchgef\u00fchrt werden, wenn es dazu eine Ersatzmethode gibt. Nachdem wir diesen Sachverhalt dem zust\u00e4ndigen Landwirtschaftsministerium mitgeteilt haben, erhielten wir die Antwort, dass das Ministerium im Jahr 2005 ein Forschungsprojekt, f\u00fcr das erneut (!) Tierversuche gemacht werden, vergeben hat, &#8220;das den Nachweis der Gleichwertigkeit der Aussagekraft des Fischeitests gegen\u00fcber dem Fischtest zum Ziel hat&#8221;, und sp\u00e4testes mit Ende 2006 mit einem Ergebnis zur rechnen sei. Anfang Mai 2007 haben wir beim Ministerium angefragt, zu welchen Ergebnissen die Studie gekommen ist.<br \/>Wir haben bislang keine Antwort erhalten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Siehe auch unter <a href=\"index.php\/tierversuche\/meldungen\/1752-unterschiedliche-bewertung-von-ergebnissen-aus-tierversuchen-am-fallbeispiel-glyphosat\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Unterschiedliche Bewertung von Ergebnissen aus Tierversuchen am Fallbeispiel Glyphosat<\/a><\/p>\n<p>Aufrufe: 194<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder werden zu ein- und demselben Thema Tierversuchsstudien durchgef\u00fchrt, die auff\u00e4lligerweise auch immer wieder unterschiedliche Ergebnisse zeitigen. 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