{"id":1149,"date":"2007-03-28T16:34:00","date_gmt":"2007-03-28T14:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2007\/03\/28\/grenzen-der-tierschutz-bzw-tierrechtsarbeit\/"},"modified":"2007-03-28T16:34:00","modified_gmt":"2007-03-28T14:34:00","slug":"grenzen-der-tierschutz-bzw-tierrechtsarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2007\/03\/28\/grenzen-der-tierschutz-bzw-tierrechtsarbeit\/","title":{"rendered":"Grenzen der Tierschutz- bzw. Tierrechtsarbeit"},"content":{"rendered":"<p>Beitrag zum Tierrechtskongress 2004 in Wien<\/p>\n<p>Im folgenden wird der Frage nach den Grenzen der Tierschutz- bzw. Tierrechtsarbeit nachgegangen und an drei konkreten Beispielen aus dem Tierversuchsbereich abgehandelt, n&auml;mlich anhand<\/p>\n<ol>\n<li>der Haltung und Unterbringung von Versuchstieren,<\/li>\n<li>des Verbotes des LD-50-Tests und<\/li>\n<li>des Verbotes von Versuchen an Menschenaffen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf dieses Thema bin ich gesto&szlig;en, nachdem ich in einer Aussendung der &#8220;tierbefreier e.V. folgende Selbstbeschreibung gelesen habe, die mich nicht mehr losgelassen hat: <br \/>&#8220;Als Tierrechtler und Tierrechtlerinnen engagieren sich die &#8220;tierbefreier e.V.&#8221; f&uuml;r die Totalabschaffung aller Tierversuche. Deshalb setzen sie sich nicht f&uuml;r eine &#8220;verbesserte Haltung&#8221; oder &#8220;humanere Foltermethoden&#8221; der Tiere ein, sondern fordern das, was ihnen zusteht: die Freiheit!&#8221; <br \/>Dieses Statement hat mir imponiert und bei mir eine Menge von Fragen ausgel&ouml;st, die ich hier einfach in den Raum &ndash; als Grundlage zur Reflexion und Diskussion &#8211; stellen m&ouml;chte. <br \/>Denn einerseits bin ich ebenso f&uuml;r die Totalabschaffung aller Tierversuche und f&uuml;r die Freiheit aller Tiere, aber andererseits habe ich mich sehr wohl zum Beispiel auch f&uuml;r die gesetzliche Verankerung von Richtlinien f&uuml;r die Haltung von Versuchstieren eingesetzt.<br \/>Habe ich mich damit &ndash; in Anlehnung an das Statement der &#8220;tierbefreier&#8221; &#8211; zur Handlangerin des Tierausbeutungssystems gemacht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p>Ad a) Haltung und Unterbringung von Versuchstieren<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Erst im Jahre 2000 wurde auf jahrelangen Druck von uns TierversuchsgegnerInnen die Haltung von Versuchstieren gesetzlich geregelt, wogegen sich die tierversuchsgest&uuml;tzte Forschung, Medizin und Industrie vehement wehrte, weil sie sich nat&uuml;rlich jeglicher Kontrolle entziehen m&ouml;chten.<br \/>Diese Versuchstierhaltungsverordnung ist voller M&auml;ngel und Schw&auml;chen und kann den Lebensbed&uuml;rfnissen keines Tieres gerecht werden. Sollen wir es dabei belassen oder uns f&uuml;r eine Novellierung &ndash; also f&uuml;r sog. verbesserte Haltungsbedingungen &#8211; stark machen? Wenn ich mich nun f&uuml;r eine verbesserte Haltung von Versuchstieren einsetze, leiste ich damit noch einen Tierschutz- bzw. Tierrechtsbeitrag oder helfe ich nur mit, das Tierausbeutungssystem zu zementieren? Wo ist die Grenze zwischen Tierrechtsarbeit und Handlangerverhalten? Nach welchen Kriterien ziehe ich diese Grenze? Sind diese Kriterien objektivierbar oder treffen wir diese Entscheidungen nur individuell aus dem Bauch heraus?<br \/>Oder kommt es auf das w i e der Umsetzung an? Ist es ein Unterschied, ob ich beim Bem&uuml;hen um verbesserte Haltungsbedingungen gesetzliche Regelungen, die ein Kontrollinstrument darstellen und dar&uuml;ber hinaus f&uuml;r alle Tiere gelten, anstrebe, oder ob ich mit privaten Tierschutzspenden gr&ouml;&szlig;ere Tierk&auml;fige f&uuml;r einige wenige Tiere sponsere oder ob ich illegal dann und wann einzelne Versuchstiere befreie?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p>Ad b) Verbot des LD-50-Tests<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Nun komme ich zum zweiten Beispiel, der Forderung nach einer Abschaffung des LD-50-Tests, f&uuml;r die wir TierversuchsgegnerInnen uns jahrelang eingesetzt haben. Der LD-50-Test ist ein sehr belastender Giftigkeitstest, bei dem die H&ouml;he der Dosis ermittelt wird, bei der die H&auml;lfte der Versuchstiere stirbt. Dieser Test wurde schlie&szlig;lich in &Ouml;sterreich &ndash; mit Ausnahmen &ndash; per Verordnung verboten. Nun wird jedoch auf andere Toxizit&auml;tstests ausgewichen, die vielleicht nicht so belastend f&uuml;r die Versuchstiere sind, aber f&uuml;r alle Tiere schlussendlich ebenfalls t&ouml;dlich enden.<br \/>Auch wenn wir uns in diesem Fall nicht bewusst und zielgerichtet im Sinne des Statetments der &#8220;tierbefreier&#8221; f&uuml;r eine&#8221;humanere Foltermethode&#8221; engagiert haben, so wird als Folge des Verbotes des LD-50-Tests &#8211; ganz n&uuml;chtern betrachtet &ndash; tats&auml;chlich nur eine humanere Foltermethode eingesetzt, weil es ja lediglich zu einer Verlagerung von einem extrem belastenden Giftigkeitstest zu einem weniger extrem belastenden Giftigkeitstest in der Praxis kommt.<br \/>Und derartige Entwicklungen sind vorhersehbar: Auch im Falle des Verbotes von Versuchen an Menschenaffen ist realistischerweise anzunehmen, dass es durch ein Verbot nicht zu einem Wegfall gewisser Tierversuche und Tests kommt, sondern dass ebenfalls lediglich eine Verschiebung die Folge sein wird: Bestimmte Tests werden dann nicht mehr an Schimpansen, sondern etwa an Makaken durchgef&uuml;hrt. <\/p>\n<p>Diese Tendenz best&auml;tigt auch die offizielle Tierversuchsstatistik: Trotz angeblichen vermehrten Einsatz von sogenannten Alternativmethoden ist mit Ausnahme des Vorjahres in den letzten Jahren die Zahl der Versuchstiere in alarmierender Weise angestiegen. Offenbar findet die tierversuchsgest&uuml;tzte Industrie, Medizin und Forschung immer einen Weg, um nicht von ihrer &#8220;Methode&#8221; wegkommen zu m&uuml;ssen.<br \/>Sollen wir uns nun nur bei solchen Themen engagieren, wo es aller Voraussicht nach zu einer grundlegenden Ver&auml;nderung der Situation der Versuchstiere kommt? Ist die durch Teilverbote &ndash; wie eben beim LD-50-Test &#8211; erreichte Signalwirkung nicht ebenso wichtig?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p>Ad c) Verbot von Experimenten an Menschenaffen<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Nun m&ouml;chte ich zum letzten Beispiel, dem Verbot von Experimenten an den Gro&szlig;en Menschenaffen (Bonobos, Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen) kommen, f&uuml;r dessen Durchsetzung wir TierversuchsgegnerInnen uns engagieren. Deshalb haben wir j&uuml;ngst eine parlamentarische B&uuml;rgerinitiative gestartet und ein Verbot r&uuml;ckt in greifbare N&auml;he. Im Petitionsausschuss haben die Parlamentarier vereinbart, einen 4-Parteien-Antrag zu einem Verbot auszuarbeiten. <br \/>Aber &ndash; warum konzentrieren wir uns so sehr auf ein Verbot von Versuchen an den Gro&szlig;en Menschenaffen und nicht etwa an Ratten?<br \/>Dies geschieht vorrangig aus strategischen und pragmatischen Gr&uuml;nden in Abstimmung mit dem gesellschaftlichen und politischen Entwicklungsstand und weil wir erfolgreich sein m&ouml;chten. Ein Verbot von Versuchen an Ratten h&auml;tte kaum Erfolg auf eine baldige Umsetzung. Aus pragmatischen und strategischen Gr&uuml;nden bedienen wir uns nach au&szlig;en hin &ndash; gegen&uuml;ber Medien, Politiker, der breiteren Bev&ouml;lkerungsschichte &#8211; wissenschaftlicher Argumentation, zitieren die neuesten Erkenntnisse der Verhaltensforschung und weisen auf die Menschen&auml;hnlichkeit der Affen hin.<br \/>Ist eine derartig pragmatische und strategische Vorgehensweise noch ehrlich? Wann ist die Grenze des pragmatischen und strategischen Verhaltens erreicht? Wann entfernen wir uns zu sehr vom Ziel weg &ndash; von der Abschaffung aller Tierversuche? Wann muss die Grenze des pragmatischen Verhaltens &uuml;berschritten werden, um vorzupreschen und den Weg f&uuml;r Zuk&uuml;nftiges zu ebnen? Die Forderung von Menschenrechten f&uuml;r die Menschenaffen ist ein Beispiel hierf&uuml;r. Ab wann verlieren wir die gro&szlig;e Utopie &#8211; das Recht und die Freiheit f&uuml;r alle Tiere &ndash; aus den Augen? Wann beginnt der Verrat an den Tieren?<\/p>\n<p>Aufrufe: 108<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag zum Tierrechtskongress 2004 in Wien Im folgenden wird der Frage nach den Grenzen der Tierschutz- bzw. 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