{"id":1150,"date":"2007-03-28T15:55:00","date_gmt":"2007-03-28T13:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2007\/03\/28\/alternativmethode-versus-tierversuchsfreie-methode\/"},"modified":"2007-03-28T15:55:00","modified_gmt":"2007-03-28T13:55:00","slug":"alternativmethode-versus-tierversuchsfreie-methode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2007\/03\/28\/alternativmethode-versus-tierversuchsfreie-methode\/","title":{"rendered":"Alternativmethode versus tierversuchsfreie Methode"},"content":{"rendered":"<p>Beitrag zum Tierrechtskongress 2004 in Wien<\/p>\n<p>Von drei Beispielen ausgehend, wird der Frage nachgegangen, inwieweit es sich bei einer angepriesenen Alternativmethode tats&auml;chlich um eine tierversuchfreie und tierfreie Methode handelt und ob man Alternativmethoden im Sinne der drei R&acute;s unterst&uuml;tzen kann, ohne damit dem Tierversuch zu einer ungewollten Reputation zu verhelfen und ohne den Eindruck zu erwecken bzw. sogar zu verst&auml;rken, dass es sich beim Tierversuch um eine wissenschaftlich seri&ouml;se Methode handeln k&ouml;nnte.<br \/>Der Tierversuchslobby ist es gelungen, die Bezeichnung &#8220;Alternativmethode&#8221; verharmlosend in ihrem Sinn zu verbreiten. Es werden darunter nicht nur Verfahren, die Tierversuche ersetzen, bezeichnet, sondern kurioserweise auch Verfahren, bei denen es lediglich zu einer Reduzierung und Verfeinerung von Tierversuchen kommt &ndash; bekannt als die drei R&acute;s: replace &ndash; ersetzen, reduce &ndash; reduzieren und refine &ndash; verfeinern. Eine &auml;u&szlig;erst problematische Definition, die von uns TierversuchsgegnerInnen abgelehnt wird, <\/p>\n<ol>\n<li>weil diese Definition verwirrend ist, Tatsachen verschleiernd wirkt und die (Selbst-) T&auml;uschung f&ouml;rdert.<\/li>\n<li>K&ouml;nnen wir TierversuchsgegerInnen nicht f&uuml;r zus&auml;tzliche Tierversuche eintreten, zu der es unweigerlich bei der Entwicklung von &#8220;Alternativmethoden&#8221; im Sinne der drei R&acute;s kommt, die<\/li>\n<li>dar&uuml;ber hinaus mit den geringen Forschungsmitteln finanziert werden, die f&uuml;r die Alternativforschung zu Verf&uuml;gung stehen. So nimmt es nicht wunder, dass es trotz nun jahrelanger vermehrter F&ouml;rderung, Entwicklung und verst&auml;rktem Einsatz von Alternativmethoden nicht zu einer Verringerung von Tierversuchen gekommen ist, sondern, ganz im Gegenteil, die Tierversuche in den letzten Jahren, EU-weit, enorm angestiegen sind. Und<\/li>\n<li>wird durch das Festhalten an den drei R&acute;s der Tierversuch als wissenschaftliche Methode &uuml;berhaupt nicht kritisch hinterfragt, sondern mit all seinen negativen Folgen auch f&uuml;r Mensch und Umwelt weiter zementiert.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Trotz dieser Absage an die etablierte Alternativforschung mit ihren drei R&acute;s, ist es nicht leicht bzw. ist es f&uuml;r mich nicht leicht, in der Praxis eine ebenso entschiedene Haltung einzunehmen. Und diese Problematik soll im folgenden anhand von drei Beispielen<\/p>\n<ol>\n<li>dem Fischtest<\/li>\n<li>dem Pyrogentest und <\/li>\n<li>von Zellkulturen dargelegt werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p>Ad a) Fischtest&nbsp;<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland wird seit Anfang 2004 der Fischtest oder auch Goldorfen-Fischtest genannt, der zur Ermittlung der Giftigkeit von Abw&auml;ssern und der H&ouml;he der Abwassergeb&uuml;hren eingesetzt wird, und bei dem stets zahlreiche Fische elendiglich sterben, durch den Fisch<strong>ei<\/strong>-Test, der als tierschutzgerechte Alternative bezeichnet wird, ersetzt. Deutsche TierversuchsgegnerInnen haben sich jahrelang daf&uuml;r engagiert und dies als Erfolg gefeiert. In &Ouml;sterreich werden ebenso Fischtests &ndash; auch zur Ermittlung der Giftigkeit der Abw&auml;sser &ndash; durchgef&uuml;hrt. Sollen wir uns nun auch f&uuml;r den Einsatz des Fisch<strong>ei<\/strong>-Tests stark machen?<\/p>\n<p>Der Fisch<strong>ei<\/strong>-Test stellt ein klassisches Beispiel einer Alternativmethode dar, die zur Verringerung und Verfeinerung von Tierversuchen beitr&auml;gt. Aber sehr wohl werden hierf&uuml;r weiterhin &#8211; wenn voraussichtlich auch weit weniger &ndash; Versuchsfische und deren Eier verwendet. Die frisch befruchteten Eier des Zebrab&auml;rblings, der hierf&uuml;r in Aquarien gez&uuml;chtet wird, werden &uuml;ber zwei Tage mit dem Abwasser in Kontakt gebracht und danach werden unter dem Mikroskop die fr&uuml;hesten Entwicklungsstadien untersucht und ausgewertet.<br \/>Manche lehnen den Fisch<strong>ei<\/strong>-Test aus Tierrechtsgr&uuml;nden ab. Manche sind mit diesem Ergebnis vollauf zufrieden. Manche stimmen dem Einsatz als &Uuml;bergangsl&ouml;sung zu und fordern, dass weiter geforscht wird, bis es f&uuml;r den Abwassertest ein tierversuchsfreies und tierfreies Verfahren gibt.<br \/>Doch werden die zust&auml;ndigen Stellen, die eben erst den Fisch<strong>ei<\/strong>-Test gef&ouml;rdert und etabliert haben, dazu jetzt &uuml;berhaupt noch zu motivieren sein? Oder erst wieder in 10 oder 20 Jahren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ad b) Pyrogentest<\/strong><\/p>\n<p>Beim Pyrogentest allerdings, womit ich beim zweiten Beispiel bin, hat dieser mehrstufige, wenn auch m&uuml;hsam erreichte Fortschritt funktioniert.<br \/>Pyrogene sind fiebererzeugende Stoffe, auf die Arzneimittel untersucht werden. Daf&uuml;r wird Kaninchen die Testsubstanz injiziert und die K&ouml;pertemperatur gemessen. Steigt die Temperatur, ist die Arznei mit Pyrogenen verunreinigt. Allein in der alten EU der 15 wurden j&auml;hrlich 200 000 Kaninchen dazu verwendet.<br \/>Vor fast 15 Jahren wurde der LAL-Test als sogenannte Alternative zum Kaninchen-Pyrogentest entwickelt. Dabei wurde jedoch nur auf eine andere Tierart &#8211; auf den Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus) &ndash; ausgewichen, der dar&uuml;ber hinaus jedoch nur einen Teil des Kaninchen-Tests abdecken kann, weil mit ihm nur eine Kategorie von Pyrogenen ermittelt werden kann.<br \/>Schon damals war die Frage, sollen wir TierversuchsgegnerInnen uns f&uuml;r den LAL-Test einsetzen? Aber mit welcher Begr&uuml;ndung und Berechtigung? Die Tierversuchslobby behauptet, dass das LAL-Verfahren weniger belastend sei als der Kaninchen-Pyrogentest. Doch stimmte das? Oder wurde lediglich unterschwellig dem Pfeilschwanzkrebs eine geringere Leidensf&auml;higkeit als dem Kaninchen zuerkannt? <br \/>Nun, trotz der LAL-Alternative, wurde &ndash; vor allem auch auf Druck der TierversuchsgegnerInnen &#8211; weiter geforscht, und es gibt jetzt eine tierversuchfreie Methode, die auf menschliche Blutzellen basiert und den Kaninchen-Pyrogentest vollst&auml;ndig ersetzt. Diese Methode wird schon in 200 Labors eingesetzt und von der EU-Kommission validiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ad c) Zellkulturen<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt inzwischen eine gro&szlig;e Anzahl von Pr&uuml;fmethoden, bei denen Zellkulturen statt Tiere verwendet werden, wobei sich auch hier die Frage stellt, inwieweit wir der Verwendung von tierischen Zellen, Gewebe, Organen, Eiern, Embryonen, F&ouml;ten etc. zustimmen k&ouml;nnen? Sind wir prinzipiell gegen die Verwendung tierischen &#8220;Materials&#8221; oder soll die Verwendung davon abh&auml;ngen, wie das &#8220;Material&#8221; gewonnen wurde? Handelt es sich um sog. Schlachtabf&auml;lle? Mussten die Tiere eigens daf&uuml;r get&ouml;tet werden? M&uuml;ssen daf&uuml;r weiterhin Tiere in Versuchslabors als &#8220;Ausgangsmaterial&#8221; ihr Leben fristen? Sind wir f&uuml;r &#8220;permanente tierische Zelllinien&#8221;, die sich beliebig lange in Kultur halten und wof&uuml;r keine weiteren Tiere mehr get&ouml;tet werden m&uuml;ssen?<br \/>Oder sind wir nur f&uuml;r menschliche Zellkulturen, die auch eine verl&auml;ssliche Aussagekraft f&uuml;r den Menschen haben? Doch auch diese m&uuml;ssen, damit sie gedeihen k&ouml;nnen, ern&auml;hrt werden. Und als N&auml;hrl&ouml;sung wird h&auml;ufig f&ouml;tales K&auml;lberserum (FKS) verwendet, das aus dem Blut von K&auml;lberf&ouml;ten gewonnen wird. Hierf&uuml;r werden Fr&uuml;hgeburten verwendet, doch ebenso werden schwangere K&uuml;he eigens geschlachtet. <\/p>\n<p>Aufrufe: 111<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag zum Tierrechtskongress 2004 in Wien Von drei Beispielen ausgehend, wird der Frage nachgegangen, inwieweit es sich bei einer angepriesenen Alternativmethode tats&auml;chlich um eine tierversuchfreie und tierfreie Methode handelt und ob man Alternativmethoden im Sinne der drei R&acute;s unterst&uuml;tzen kann, ohne damit <\/p>\n<p><a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2007\/03\/28\/alternativmethode-versus-tierversuchsfreie-methode\/\">weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[7,4],"tags":[],"modified_by":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1150"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1150"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1150\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}