{"id":1162,"date":"2017-09-25T11:17:00","date_gmt":"2017-09-25T09:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2017\/09\/25\/in-welchen-bereichen-werden-welche-tierversuche-durchgef\/"},"modified":"2017-09-25T11:17:00","modified_gmt":"2017-09-25T09:17:00","slug":"in-welchen-bereichen-werden-welche-tierversuche-durchgef","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2017\/09\/25\/in-welchen-bereichen-werden-welche-tierversuche-durchgef\/","title":{"rendered":"In welchen Bereichen werden welche Tierversuche durchgef\u00fchrt?"},"content":{"rendered":"<p>Die Durchf\u00fchrung von Tierversuchen kann in drei gro\u00dfe Bereiche eingeteilt werden:<\/p>\n<p>a) Tierversuche werden durchgef\u00fchrt, um Substanzen\/Stoffe, Zubereitungen und Produkte &#8211; sei es als Chemikalie, als Kosmetikartikel, als Arznei-, Wasch-, K\u00f6rperpflege- oder Nahrungserg\u00e4nzungsmittel u.v.a.m. \u2013 auf ihre Wirksamkeit und Sch\u00e4dlichkeit bzw. Sicherheit und Vertr\u00e4glichkeit f\u00fcr Mensch und Umwelt einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>b<strong>)<\/strong> Tierversuche werden zu \u00dcbungs-, Versuchs- und Demonstrationszwecken in der allgemeinen, universit\u00e4ren und beruflichen Aus- und Weiterbildung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>c<strong>)<\/strong> Tierversuche werden in der Forschung durchgef\u00fchrt, um neue Erkenntnisse zu erlangen.Dann gibt es noch zahlreiche andere Tierversuche wie etwa bei der Entwicklung und Erprobung von Arzneimitteln, zur Diagnostik von Krankheiten, zur \u00dcberpr\u00fcfung von Impfstoffchargen, zur Manipulierung von Tieren (Herstellung sog. Tiermodelle, von transgenen Tieren, Knock-out-Tieren und Klone), etc.<\/p>\n<p>Die Vereinigung \u00c4rzte gegen Tierversuche e.V. und Menschen f\u00fcr Tierrechte pflegen eine <a href=\"http:\/\/www.datenbank-tierversuche.de\/mainframe.php4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Datenbank<\/a>, die mittlerweile die Beschreibung von \u00fcber 3.600 Tierversuchen aus allen Bereichen enth\u00e4lt. Auch Tierversuche, die in \u00d6sterreich durchgef\u00fchrt wurden, werden dokumentiert.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>ad a) <\/strong><strong>Tierversuche werden durchgef\u00fchrt, um Substanzen\/Stoffe, Zubereitungen und Produkte &#8211; sei es als Chemikalie, als Kosmetikartikel, als Arznei-, Wasch-, K\u00f6rperpflege- oder Nahrungserg\u00e4nzungsmittel u.v.a.m. \u2013 auf ihre Wirksamkeit und Sch\u00e4dlichkeit bzw. Sicherheit und Vertr\u00e4glichkeit f\u00fcr Mensch und Umwelt einzusch\u00e4tzen. <\/strong><\/p>\n<p>Substanzen\/Stoffe, Zubereitungen und Produkte m\u00fcssen, bevor sie in Verkehr gebracht werden, auf ihre sch\u00e4digende Wirkung f\u00fcr Mensch und Umwelt untersucht werden. Hierf\u00fcr gibt es eine Reihe von etablierten, standardisierten, oft gesetzlich vorgeschriebenen, Tierversuchstests. Je nach beabsichtigter Anwendung hat eine Substanz, eine Zubereitung oder ein Produkt die in der Folge angef\u00fchrten Tests \u2013 teilweise oder auch g\u00e4nzlich &#8211; zu durchlaufen.<\/p>\n<p>Auch die sog. chemischen Altstoffe, die laut des EU-Chemikalienrichtlinienentwurfes im Rahmen des REACH-Programmes (R=Registrierung, E=Evaluierung\/Bewertung, A=Autorisierung\/Zulassung, CH=Chemikalien) auf ihre Gef\u00e4hrlichkeit f\u00fcr Mensch und Umwelt eingesch\u00e4tzt werden sollen, m\u00fcssten nach der derzeitigen Sachlage diese Tierversuchstestreihen durchlaufen, w e n n nicht gezielt an einer neuen tierversuchsfreien Teststrategie gearbeitet und auch konsequent umgesetzt wird (mehr dazu unter <a href=\"index.php\/tierversuche\/info\/1029-tierversuche-fhemikalien\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Tierversuche f\u00fcr Chemikalien &#8211; das REACH-Programm<\/a>).<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil der in der Folge angef\u00fchrten Tierversuchstests sind Toxizit\u00e4tstests (Giftigkeitstests), die immens belastend und unvorstellbar qualvoll f\u00fcr die Tiere sind, da sie ja systematisch vergiftet werden und an den typischen Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Muskelzittern, Kr\u00e4mpfe, L\u00e4hmungen, starker Speichelfluss, Durchfall, Blutungen aus Augen und Nase leiden, besinnungslos werden, ins Koma fallen oder elendiglich zu Grunde gehen. F\u00fcr die meisten der vergifteten Tiere stellt der Tod eine wahre Erl\u00f6sung von den entsetzlichen Qualen dar.<\/p>\n<p><strong>1. Hautreizungs- bzw. -\u00e4tzungsstest:<br \/><\/strong>Bei diesem Test wird die hautsch\u00e4digende Wirkung einer Substanz \u00fcberpr\u00fcft, die Giftigkeit einer auf die Haut aufgetragene Substanz eingesch\u00e4tzt.<br \/>Auf die geschorenen, aufgeritzten, oft auch abgeh\u00e4uteten K\u00f6rperstellen der Versuchstiere &#8211; an mindestens 3 erwachsenen Albinokaninchen &#8211; wird die zu pr\u00fcfende Substanz aufgetragen und nach vier Stunden die Reaktionen wie R\u00f6tungen, Schwellungen, Entz\u00fcndungen etc. registriert. Eine rasierte, aber unbehandelte Stelle dient als Kontrolle.<br \/>(Anmerkung: Betreffend der Pr\u00fcfung auf haut\u00e4tzende Wirkung gibt es eine bereits validierte und von der EU und OECD (= Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der u.a. Europa, Japan und die USA angeh\u00f6ren) anerkannte Ersatzmethode mit einem menschlichen Hautmodellen (TG 431).<br \/>Ebenso rechtlich anerkannt ist die validierte Ersatzmethode betreffend der Hautresorption (TG 428).<br \/>Anmerkung vom 07.05.2007: Am 27. 04 2007 wurden zwei Ersatztests, die von <a href=\"http:\/\/ecvam.jrc.it\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ECVAM<\/a> validiert worden sind, frei gegeben. Diese werden k\u00fcnftighin den bislang an Kaninchen durchgef\u00fchrten Draize-Hautreizungstest v\u00f6llig ersetzen, indem mit k\u00fcnstlicher menschlicher Haut festgestellt wird, inwieweit eine Chemikalie hautreizend ist oder nicht. Bis jetzt wurden etwa 20.000 Kaninchen j\u00e4hrlich f\u00fcr den Hautreizungstest innerhalb der EU verwendet.)<\/p>\n<p>.<strong>2. Photoirritations- bzw. Phototoxizit\u00e4tstest:<br \/><\/strong>Dieser stellt eine besondere Form der Hautvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung dar. Es sollen hautsch\u00e4digende Eigenschaften von \u00e4u\u00dferlich aufgetragenen Substanzen erkannt werden, deren giftige bzw. sch\u00e4digende Wirkung erst unter dem Einfluss von Licht und Sonne entsteht.<br \/>Die Tiere werden mit den Substanzen vorbehandelt, ultraviolettem Licht ausgesetzt und dann auf Hautsch\u00e4digungen untersucht.<br \/>(Anm.: Zu diesem Test gibt es eine bereits validierte und von der EU und OECD anerkannte Ersatzmethode, mit der die phototoxischen Eigenschaften gepr\u00fcft werden (TG 432).)<\/p>\n<p>.<strong>3. Hautallergietest:<br \/><\/strong>Es wird die Gef\u00e4hrlichkeit einer Substanz, die eine allergische Reaktion der Haut verursacht, eingesch\u00e4tzt.<br \/>Zwischen 17 und 30 Albinomeerschweinchen wird die Testsubstanz in die Haut gespritzt oder auf die geschorene Haut aufgetragen. Es werden viele Dosen verabreicht, um (\u00fcberhaupt) eine lokale Reaktion zu bewirken. Es kommt zur R\u00f6tung, Schwellung, Entz\u00fcndung und Abl\u00f6sung der Haut.<br \/>(Anmerkung vom 07.05.2007: Am 27.04.2007 wurde ein Testverfahren, das von <a href=\"http:\/\/ecvam.jrc.it\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ECVAM<\/a> validiert worden ist, frei gegeben. Dabei handelt es sich jedoch um kein tierversuchsfreies Verfahren, sondern lediglich um eine neu angelegte Tierversuchs-Teststrategie zur Erkennung von allergisierenden Stoffen, indem den Versuchstieren nur mehr die h\u00f6chste Dosis verabreicht wird, so dass mit dem neuen Haut-Allergietest an Tieren f\u00fcnfzig Prozent von Versuchstieren, etwa 240.000 M\u00e4use j\u00e4hrlich innerhalb der EU, eingespart werden k\u00f6nnen.)<\/p>\n<p><strong>4. Augenreizungs- bzw. Draizetest:<br \/><\/strong>Die akute Reizung durch eine Substanz bei direkter Verabreichung ins Auge soll eingesch\u00e4tzt werden.<br \/>Pro Substanz werden mindestens drei Albinokaninchen verwendet. Diese werden in Gestellen fixiert und die Substanz direkt ins Auge getr\u00e4ufelt. Das andere Auge dient als Kontrolle. Auftretende Reizungen, R\u00f6tungen, Tr\u00fcbungen, Schwellungen, Ver\u00e4tzungen, Geschw\u00fcre bis hin zur v\u00f6lligen Zerst\u00f6rung des Auges werden bis zu 21 Tage registriert und demnach der Grad der Reizung ermittelt.<br \/>(Anmerkung: In einigen L\u00e4ndern wurde der HET-CAM-Test, eine Ersatzmethode zum Draizetest, validiert. Starke Reizstoffe f\u00fcr das Auge k\u00f6nnen erkannt werden. Die Substanz wird auf die direkt unter der Schale eines bebr\u00fcteten H\u00fchnereis liegende Aderhaut getr\u00e4ufelt. Die Reaktion der Aderhaut wird beobachtet.<br \/>Anmerkung vom 07.05.2007: Am 27.04.2007 wurden zwei Alternativtests (an Rinder- oder Pferdeaugen von Schlachttieren etwa), die von <a href=\"http:\/\/ecvam.jrc.it\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ECVAM<\/a> validiert worden sind, frei gegeben. Diese k\u00f6nnen jedoch den Draize-Augenreizungstest nur teilweise ersetzen, weil damit lediglich Chemikalien, die zu schwerer Augenreizung f\u00fchren, identifiziert werden k\u00f6nnen. Doch ECVAM pr\u00fcft derzeit acht Tests, inwieweit diese den Augenreizungstest am Kaninchen f\u00fcr die Feststellung leicht reizender Chemikalien ersetzen k\u00f6nnen.)<\/p>\n<p><strong>5. Akuter (oraler oder inhaltiver oder dermaler) Toxizit\u00e4tstest:<br \/><\/strong>Bei diesem Test wird die Giftigkeit einer Substanz bei einmaliger Verabreichung \u2013 normalerweise an 15 bis 30 Ratten \u2013 auf den ganzen K\u00f6rper festgestellt.<br \/>Die Substanz wird entweder als Futterbeimischung oder durch Schlundsonden (oral) oder durch Einatmung (inhaltiv) oder \u00fcber die Haut (dermal) &#8211; gespritzt in Muskeln, Venen oder in die Bauchh\u00f6hle &#8211; verabreicht.<br \/>Hierzu wird die LD-50 (letale\/t\u00f6dliche Dosis) bestimmt, die Dosis der verabreichten Substanz, an der 50 % der Versuchstiere sterben. Die Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Muskelzittern, Kr\u00e4mpfe, L\u00e4hmungen, starker Speichelfluss, Durchfall, Blutungen aus Augen und Nase, Besinnungslosigkeit, Koma oder Tod werden registriert, um schlie\u00dflich an den toten Tieren die St\u00e4rke der Sch\u00e4digungen festzustellen.<br \/>Obwohl dieser f\u00fcr die Versuchstiere mit unvorstellbaren Qualen verbundene Test laut einer Verordnung in \u00d6sterreich verboten wurde, wird er \u2013 laut der offiziellen Tierversuchsstatistik \u2013 noch immer durchgef\u00fchrt.<br \/>Mitunter wird der Test leicht abgewandelt durchgef\u00fchrt, indem etwa die LD-30 ermittelt wird, und somit &#8220;nur&#8221; ein Drittel der Tiere vergiftet wird oder indem die Tiere, schon kurz bevor sie an den Vergiftungen elendiglich sterben, get\u00f6tet werden. Da es hier zu einer Reduzierung von Tierversuchen bzw. einer sog. Verfeinerung der Durchf\u00fchrung kommt, wird diese abgewandelte Variante als Alternativmethode im Sinne der 3 R\u00b4s bezeichnet (mehr dazu unter <a href=\"index.php\/tierversuche\/info\/1025-tierversuchsfreie-methoden\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Tierversuchsfreie Methoden<\/a>.)<\/p>\n<p><strong>6. Chronischer\/Subschronischer Toxizit\u00e4tstest:<br \/><\/strong>Die Folgen einer Langzeitverabreichung einer Substanz werden eingesch\u00e4tzt.<br \/>Es werden 160 Ratten und oft zus\u00e4tzlich 32 Hunde verwendet. Die Tiere erhalten den Teststoff \u00fcber einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahren mehrfach verabreicht, entweder \u00fcber eine Schlundsonde direkt in den Magen oder durch Inhalation. Typische Symptome sind: Appetitverlust, Aggression, Ruhelosigkeit, Muskelschw\u00e4che, Unruhe, Blutdruckver\u00e4nderungen, Speicheln, Erbrechen (Hunde), Zittern, blutiger Durchfall, Koma und oftmals der Tod. Am Ende der Experimente werden die Tiere get\u00f6tet und auf Ver\u00e4nderungen untersucht.<\/p>\n<p><strong> 7. Toxizit\u00e4t nach wiederholter Gabe:<br \/><\/strong>Die giftigen Auswirkungen einer Substanz, die wiederholt in nicht t\u00f6dlichen Dosierungen verabreicht wird, werden eingesch\u00e4tzt.<br \/>Es werden 40 \u2013 80 Ratten und\/oder 32 Hunde verwendet. Versuch und Symptome sind dem Test auf akute Giftigkeit \u00e4hnlich, nur wird den Tieren die Substanz t\u00e4glich \u00fcber einen Zeitraum von 28 \u2013 90 Tagen oral, dermal oder inhaltiv verabreicht. Anschlie\u00dfend werden die \u00fcberlebenden Tiere get\u00f6tet und das Gewebe pathologisch und biochemisch untersucht.<\/p>\n<p><strong>8. Kanzerogenit\u00e4tstest \u2013 Test auf krebserregende Eigenschaften:<br \/><\/strong>Die krebserregende Wirkung einer Substanz soll erkannt werden.<br \/>Mindestens 400 sehr jungen Ratten oder M\u00e4usen wird die Testsubstanz oral eingegeben, mitunter aber auch dermal oder inhaltiv \u2013 je nachdem auf welche Art Menschen mit der Substanz voraussichtlich in Kontakt kommen k\u00f6nnen. Die minimal giftige Menge wird ermittelt, indem das Gewicht des Tieres beobachtet wird. Die Tiere leiden unter Gewichtsverlust, Lethargie, Unwohlsein, Tumoren bis hin zum Tod. Dieser Test kann bis zu f\u00fcnf Jahre dauern. Die Auswirkungen der Substanz werden durch Bluttests, krankhaftes Aussehen sowie Pr\u00fcfung von Ver\u00e4nderungen am Gewebe und einzelnen Organen ermittelt, um die Entstehung von Krebs aufzudecken.<\/p>\n<p><strong>9. Mutagenit\u00e4tstest \u2013 Test auf erbgutver\u00e4ndernde Eigenschaften:<br \/><\/strong>Die erbgutver\u00e4ndernde Wirkung einer Substanz soll erkannt werden.<br \/>Mindestens 40 Ratten, M\u00e4usen oder chinesischen Hamstern wird die Substanz oral verabreicht oder in die Bauchh\u00f6hle gespritzt. Bei einer Kontrollgruppe wird eine harmlose Substanz verabreicht und bei einer zweiten Kontrollgruppe eine Substanz mit bekanntem mutagenen Potenzial gegeben. Nach sp\u00e4testen 48 Stunden werden die Tiere get\u00f6tet und ihre Zellen auf Erbgutsch\u00e4den untersucht.<br \/>(Anmerkung: Ersatzmethoden dazu wurden im Chemikalienrecht (REACH, Anhang VIII, Seite 330 ff, VO Nr. 1907\/2006) aufgenommen.)<\/p>\n<p><strong>10. Teratogenit\u00e4tstest \u2013 Test auf missbildende Eigenschaften:<br \/><\/strong>Es wird festgestellt, inwieweit bei oraler Aufnahme einer Substanz k\u00f6rperliche Missbildungen an Embryos im Mutterleib erzeugt werden.<br \/>Mindestens 80 schwangeren Ratten oder 48 schwangeren Kaninchen wird w\u00e4hrend der gesamten Embryonalentwicklung eine bestimmte Dosis oder Konzentration einer Substanz mit einer Schlundsonde verabreicht. Bei den schwangeren Tieren kommt es zu Gewichts- und Appetitverlust, Nasenausfluss, Haarausfall, Durchfall, Austrocknung und eventuell Tod. Noch vor der Geburt werden die M\u00fctter get\u00f6tet und die Embryonen auf geringe und schwere anatomische \u00c4nderungen untersucht. Sind solche vorhanden, werden weitere Untersuchungen durchgef\u00fchrt.<br \/>(Anm.: Zu diesem Test gibt es zahlreiche In-vitro-Methoden (in vitro steht f\u00fcr &#8220;im Reagenzglas&#8221;), von denen sich drei Verfahren derzeit im Stadium der Validierung durch <a href=\"http:\/\/ecvam.jrc.it\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ECVAM<\/a> (=European Centre for the Validation of Alternative Methods, einer Forschungseinrichtung der Europ\u00e4ischen Kommission, die f\u00fcr die Validierung von tierversuchsfreien Methoden zust\u00e4ndig ist) befinden. Eines von ihnen ist der Embryostammzellentest (EST), bei dem eine Zugabe von sch\u00e4dlichen Substanzen die Weiterentwicklung der Embryozellen verhindert.)<\/p>\n<p><strong>11. Reproduktionstoxizit\u00e4tstest \u2013 Fortpflanzungsgiftigkeitstest:<br \/><\/strong>Es wird die Auswirkung einer Substanz auf die m\u00e4nnliche oder weibliche Fortpflanzungsf\u00e4higkeit untersucht.<br \/>Es werden etwa 100 weibliche Ratten (davon 80 schwangere) und 40 m\u00e4nnliche Ratten verwendet. Um festzustellen, welche Wirkung eine Substanz auf die Fortpflanzung hat, wird sie den Tieren vor und\/oder nach der Paarung verabreicht. Es wird beobachtet, wie sich die Substanz auf Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Brutpflege der Nachkommen auswirkt. Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen sich im Gewebe der Fortpflanzungsorgane, im Gehirn oder an sekund\u00e4ren Geschlechtsorganen zeigen. Die Symptome sind \u00e4hnlich der unter &#8220;Teratogenit\u00e4t&#8221; genannten.<br \/>Bei der Pr\u00fcfung von Chemikalien, die in Mengen von \u00fcber 1.000 Tonnen produziert werden, muss ein 2-Generationentest an der Ratte (OECD-Pr\u00fcfrichtlinie 416) durchgef\u00fchrt werden, bei dem pro gepr\u00fcfter Substanz rund 3.000 Tiere verwendet werden!<\/p>\n<p><strong>12. Toxikokinetiktest\/Resorptionstest<\/strong><br \/>(Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung von Stoffen):<br \/>Mindestens 8 Tieren (haupts\u00e4chlich Nager, aber auch Hunden) wird die Substanz oral eingegeben oder auf die Haut aufgetragen oder durch Inhalation verabreicht. Es soll festgestellt werden, wie sich der Stoff in welcher Zeit und mit welcher Geschwindigkeit im K\u00f6rper verteilt, in welchen Organen er sich ansammelt und wie er ausgeschieden wird. Dazu werden Tiere zu bestimmten Zeitpunkten nach Verabreichung get\u00f6tet, um ihre Organe zu untersuchen. Die Symptome \u00e4hneln denen anderer Giftigkeitspr\u00fcfungen: Appetitverlust, Nasenausfluss, Haarausfall, Durchfall, Austrocknung, Erbrechen (Hunde).<\/p>\n<p><strong>13. Aquatischer Toxizit\u00e4tstest:<br \/><\/strong>Es wird gepr\u00fcft, inwieweit Gew\u00e4sser\u00f6kosysteme gef\u00e4hrdet werden. Die t\u00f6dliche Wirkung von mehrfachen Konzentrationen der Substanz wird an Fischen untersucht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>ad b) Tierversuche werden zu \u00dcbungs-, Versuchs- und Demonstrationszwecken in der allgemeinen, universit\u00e4ren und beruflichen Ausbildung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Nach wie vor werden Tierversuche in der allgemeinen, universit\u00e4ren und beruflichen Ausbildung zu \u00dcbungs-, Versuchs- und Demonstrationszwecken in den Bereichen der Human-, Zahn- und Veterin\u00e4rmedizin, der Biologie, Pharmazie, Biochemie, Genetik, Molekularbiologie, Ern\u00e4hrungswissenschaft, Chemie, Physik, Landwirtschaft und Psychologie gemacht. <br \/>Ein typischer Versuch beim Studium der Human-, Zahn-, Tiermedizin und Biologie ist &#8220;Galvanis Froschversuch&#8221;, bei dem l\u00e4ngst bekannte physiologische Vorg\u00e4nge am lebenden Frosch demonstriert werden: Seine Nerven, Muskeln und sein Herz werden freigelegt und elektrisch gereizt. Der\/die Experimentierende erf\u00e4hrt, dass der Muskel um so mehr zuckt, je gr\u00f6\u00dfer die Reizst\u00e4rke ist. Die Tiere werden bei diesen Versuchen nur schwach narkotisiert, wie aus einer Anleitung zu diesem Versuch zu entnehmen ist: &#8220;Falls der leicht narkotisierte Frosch aus der Narkose erwachen sollte, kann man ihn dekapitieren (Anm.: = enthaupten), das R\u00fcckenmark ausbohren und den Wirbelkanal zur Vermeidung von Blutung mit einem angespitzten Streichholz verstopfen \u2026&#8221; .'(Zitat aus: \u00dcber Leichen zum Examen? Hrsg. vom Bundesverband SATIS, Timona-Verlag 1993, S. 400; <a href=\"http:\/\/satis.tierrechte.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SATIS<\/a> ist eine Studentische Arbeitsgruppe gegen Tiermissbrauch im Studium, in D-52072 Aachen, Roermonder Str. 4a)<\/p>\n<p>Im Biologiepraktikum (das auch Mediziner zu absolvieren haben) werden verschiedene Tiere \u2013 Insekten, Fische, Ratten &#8211; seziert und pr\u00e4pariert. <br \/>Biologen haben f\u00fcr zoologische Bestimmungs\u00fcbungen get\u00f6tete Insekten, Muscheln, Schnecken und Krebstiere systematisch einzuordnen. Bei den morphologischen \u00dcbungen werden eigens daf\u00fcr get\u00f6tete Tiere \u2013 Regenw\u00fcrmer, Schaben, Schnecken, Fische, Fr\u00f6sche, Goldhamster und Ratten \u2013 seziert. Bei tierphysiologischen \u00dcbungen werden Versuche an lebendigen Tieren durchgef\u00fchrt und z.B. folgenderma\u00dfen angek\u00fcndigt: &#8220;Analyse von Blut- und K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten. Vergleich der Blutzusammensetzung bei verschiedenen Tierarten. Krebse, Miesmuscheln und Schnecken werden aufgeschnitten und bluten dann aus. Ein Fisch oder ein Frosch und eine Maus werden get\u00f6tet, um ihr Herz zu \u00f6ffnen und daraus mit einer Pipette Blut zu entnehmen.&#8221; (Zitat aus: \u00dcber Leichen zum Examen? S. 42 \u2013 43)<br \/>W\u00e4hrend des Studiums der Tiermedizin werden neben den oben genannten Beispielen auch \u00dcbungen durchgef\u00fchrt &#8211; etwa zum Erlernen der Anatomie oder von Operationstechniken -, f\u00fcr die nat\u00fcrlich oder durch Unfall verstorbene bzw. wegen unheilbarer Krankheiten eingeschl\u00e4ferte Tiere und auch Schlachttiere eingesetzt werden. Praktische Erfahrungen wie das Erlernen von diagnostischen Methoden (Rektalisieren, Injektionen, Blutentnahme, Harnkatheter legen, Pansensaft entnehmen etc.) werden mit Tierpatienten oder an Kliniktieren, das sind Versuchstiere, gemacht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>ad c) Tierversuche werden in der Forschung durchgef\u00fchrt, um neue Erkenntnisse zu erlangen.<\/p>\n<p>Die Neugierde, der Forschertrieb sind wesentliche menschliche Wesensz\u00fcge, die f\u00fcr unseren Fortschritt unabdingbar sind und selbstredend ihre Berechtigung haben und institutionalisiert \u2013 z. B. auf den Universit\u00e4ten &#8211; gef\u00f6rdert werden sollen, ohne sich gleich im vorhinein um den Zweck und die Anwendung k\u00fcmmern zu m\u00fcssen. Nur so kann auch die Freiheit der Wissenschaft und Forschung gew\u00e4hrleistet sein. Doch die Freiheit der Wissenschaft und Forschung (und auch der Kunst) endet dort, wo es um die Wahrung der W\u00fcrde eines Lebewesens, ja um die Bewahrung seines einzigartigen kostbaren Lebens geht. Aus diesem Grund ist der Tierversuch zu Forschungszwecken bedingungslos abzulehnen. Damit wird nicht die Freiheit der Wissenschaft und Forschung eingeschr\u00e4nkt, sondern lediglich die Wahl der Mittel.<br \/>Bei der Vergabe von \u00f6ffentlichen Mitteln ist dem voll Rechnung zu tragen &#8211; der Auflagenkatalog ist um ethische Kriterien zu erweitern und es d\u00fcrfen nur mehr Forschungsprojekte ohne Tierversuche gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Aufrufe: 648<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Durchf\u00fchrung von Tierversuchen kann in drei gro\u00dfe Bereiche eingeteilt werden: a) Tierversuche werden durchgef\u00fchrt, um Substanzen\/Stoffe, Zubereitungen und Produkte &#8211; sei es als Chemikalie, als Kosmetikartikel, als Arznei-, Wasch-, K\u00f6rperpflege- oder Nahrungserg\u00e4nzungsmittel u.v.a.m. \u2013 auf ihre Wirksamkeit und Sch\u00e4dlichkeit bzw. Sicherheit <\/p>\n<p><a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2017\/09\/25\/in-welchen-bereichen-werden-welche-tierversuche-durchgef\/\">weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[8,4],"tags":[],"modified_by":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1162"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1162"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1162\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}