{"id":1169,"date":"2013-05-29T14:21:00","date_gmt":"2013-05-29T12:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2013\/05\/29\/welche-alternativmethoden-gibt-es\/"},"modified":"2013-05-29T14:21:00","modified_gmt":"2013-05-29T12:21:00","slug":"welche-alternativmethoden-gibt-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2013\/05\/29\/welche-alternativmethoden-gibt-es\/","title":{"rendered":"Welche Alternativmethoden gibt es?"},"content":{"rendered":"<p>Welche Alternativmethoden gibt es <br \/>a) zur Testung von Substanzen und Produkten<br \/>b) in der Ausbildung<br \/>c) in der Forschung?<\/p>\n<\/p>\n<p><strong> <\/p>\n<p>Ad a) Tierversuchsfreie Methoden als Ersatz zu Tierversuchen, die durchgef\u00fchrt werden, um Substanzen\/Stoffe, Zubereitungen und Produkte &#8211; sei es als Chemikalie, als Kosmetikartikel, als Arznei-, Wasch-, K\u00f6rperpflege- oder Nahrungserg\u00e4nzungsmittel u.v.a.m. \u2013 auf ihre Wirksamkeit und Sch\u00e4dlichkeit bzw. Sicherheit und Vertr\u00e4glichkeit f\u00fcr Mensch und Umwelt einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p> <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt hunderte von Alternativ- und Ersatzmethoden (menschlichen Zell-, Gewebe- und Organkulturen, Computermodelle und -simulationen, Chips, epidemiologische Untersuchungen, etc.), die teilweise auch schon in diversen Online-Datenbanken systematisch aufgearbeitet wurden und ebenso f\u00fcr die Gesamt- bzw. Teil\u00f6ffentlichkeit zug\u00e4nglich sind. Allein aufgrund der zahlreich vorhandenen Alternativmethoden m\u00fcsste kein einziger Tierversuch mehr durchgef\u00fchrt werden!<br \/><strong>Doch warum verdr\u00e4ngen diese nicht endlich die Tierversuche<\/strong> (die mit Ausnahme des Jahres 2003 in den letzten Jahren \u2013 und dies europaweit \u2013 kontinuierlich gestiegen sind)? <strong><\/p>\n<p>1.) Es gibt keinen 1:1 Ersatz:<\/strong><\/p>\n<p>Der eine Grund besteht darin, dass es offenbar \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer &#8211; den Forschern nach tierversuchsfreien Methoden ganz selten gelingt, einen Tierversuchstest gezielt \u2013 etwa den akuten Toxizit\u00e4tstest \u2013 eins zu eins durch eine tierversuchsfreie Methode zu ersetzen.<\/p>\n<p>Doch aus dieser jahrzehntelangen Erfahrung m\u00fcssen endlich Konsequenzen gezogen werden und eine neue Pr\u00fcfstrategie, wie sie schon von der <a href=\"http:\/\/www.buav.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">BUAV<\/a> (= The British Union fort he Abolition of Vivisection, eine englische Tierversuchsgegnerorganisation) und auch von <a href=\"http:\/\/ecvam.jrc.it\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ECVAM<\/a> (=European Centre for the Validation of Alternative Methods, einer Forschungseinrichtung der Europ\u00e4ischen Kommission, die f\u00fcr die Validierung von tierversuchsfreien Methoden zust\u00e4ndig ist; ) entworfen und skizziert wurde, detailliert ausgearbeitet und schlussendlich konsequent umgesetzt werden. <br \/>Alarmiert durch die Vorhaben der EU-Kommission im Rahmen des REACH-Programmes (R=Registrierung, E=Evaluierung\/Bewertung, A=Autorisierung\/Zulassung, CH=Chemikalien) alle sog. chemischen Altstoffe auf ihre Gef\u00e4hrlichkeit hin zu \u00fcberpr\u00fcfen, was den Vergiftungstod von Millionen von Tieren bedeuten w\u00fcrde, hat Dr. Gill Langley f\u00fcr die BUAV in der Studie &#8220;The Way Forward: A non-animal testing strategy for chemicals&#8221;, ersch. 2001 in London, einen Massnahmenkatalog, der v\u00f6llig ohne Tierversuche auskommt, erarbeitet.<br \/>Dr. Langley hat zu einzelnen Tierversuchstests eine Pr\u00fcfstrategie \u2013 in der Regel eine stufenweise kombinierte Anwendung mehrerer Alternativmethoden \u2013 ausgearbeitet.<br \/>Dies ist ein brauchbarer, wissenschaftlich fundierter Ansatz, der im Detail noch ausgearbeitet werden muss. Vor allem m\u00fcssen viele der angef\u00fchrten Tests noch ausgebaut und validiert werden, weitere tierversuchsfreie Methoden (wie etwa Computermodelle) sind noch zu entwickeln. Hier ist die EU-Kommission in die Verantwortung zu nehmen, die die Entwicklung und F\u00f6rderung von tierversuchsfreien Verfahren zu forcieren hat.<\/p>\n<p>Auch ECVAM hat 2002 in dem Bericht &#8220;Alternative (Non-animal)Methods for Chemicals Testing: Current Status und Future Prospects&#8221;, edited by Andrew Worth and Michael Balls, umfangreich dargelegt, wie Chemikalien ohne vorherige Pr\u00fcfung in Tierversuchen auf den Markt gebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong> <\/p>\n<p>2.) Der Validierungsprozess geh\u00f6rt umgestaltet:<\/p>\n<p> <\/strong><\/p>\n<p>Das zweite Problem, das den fl\u00e4chendeckenden Einsatz tierversuchsfreier Methoden hemmt, besteht darin, dass Alternativmethoden einen aufwendigen bis zu 10 Jahre dauernden Validierungsprozess, bei dem die wissenschaftliche Qualit\u00e4t der Methode bewertet wird, zu durchlaufen haben, um offiziell, etwa von der EU-Kommission oder der OECD (= Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der u.a. Europa, Japan und die USA angeh\u00f6ren), anerkannt zu werden.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte methodische Problem dabei ist jedoch, dass die Ergebnisse der tierversuchsfreien Methode mit den Ergebnissen der Tierversuche (die \u00fcbrigens nie einer Validierung unterzogen wurden!), der ersetzt werden soll, verglichen werden und mit diesen \u00fcbereinstimmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch die Tierversuche liefern unverl\u00e4ssliche, unsichere und nicht reproduzierbare Ergebnisse: Untersuchungen haben gezeigt, dass Tierversuche, durchgef\u00fchrt mit ein- und derselben Versuchsanordnung in verschiedenen Labors unter den gleichen Bedingungen und Voraussetzungen, unterschiedliche Ergebnisse liefern. Auch hier muss grundlegend umgedacht werden und eine andere Ausgangsbasis gefunden werden.<\/p>\n<p>Da diese Art der Validierung einen gro\u00dfen Hemmschuh bei der Anerkennung von tierversuchsfreien Verfahren darstellt, ist die Auslese auch dementsprechend mager.<br \/>Wir fordern deshalb (vor allem auch in Hinblick auf eine tierversuchsfreie Umsetzung des REACH-Programmes),<\/p>\n<ul>\n<li>dass tierversuchsfreie Methoden nicht an Tierversuchsergebnissen validiert werden, da die Daten aus Tierversuchen ungenau, unverl\u00e4sslich, nicht reproduzierbar und auf den Menschen nicht \u00fcbertragbar sind,<\/li>\n<li>eine Beschleunigung des Validierungsverfahrens insgesamt,<\/li>\n<li>die Validierung der vielen tierversuchsfreien Methoden \u00fcberhaupt,<\/li>\n<li>dass eine validierte tierversuchsfreie Methode auch gleich beh\u00f6rdlich anerkannt werden soll,<\/li>\n<li>dass eine validierte, beh\u00f6rdlich anerkannte tierversuchsfreie Methode auch verbindlich eingesetzt werden muss, also sofort in die Rechtsvorschriften, in die internationalen offiziellen Pr\u00fcfrichtlinien, wie z.B. in das Europ\u00e4ische Arzneibuch, aufgenommen werden. Zugleich ist der dadurch ersetzte Tierversuch mit sofortiger Wirkung zu verbieten.<\/li>\n<li>dass f\u00fcr schon jahrelang eingesetzte und bew\u00e4hrte tierversuchsfreie Methoden, die auch von Beh\u00f6rden und \u00e4hnliche Institutionen anerkannt sind, ein besonders schnelles Validierungsverfahren erstellt wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir sind fest davon \u00fcberzeugt, dass mit etwas mehr Elan und Zielstrebigkeit, einer gemeinsamen Kraft- und politischen Willensanstrengung, die nat\u00fcrlich eine breite finanzielle F\u00f6rderung miteinschlie\u00dft, eine tierversuchsfreie schrittweise angelegte Pr\u00fcfstrategie in einem Zeitraum von 5 Jahren zu erreichen ist und es mehr oder minder lediglich an den politisch Verantwortlichen liegt, dies auch zu verwirklichen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong> <\/p>\n<p>ad b) Tierversuchsfreie Methoden als Ersatz zu Tierversuchen, die zu \u00dcbungs-, Versuchs- und Demonstrationszwecken in der allgemeinen, universit\u00e4ren und beruflichen Ausbildung durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p> <\/strong><\/p>\n<p>Wir fordern die sofortige v\u00f6llige Abschaffung des Tierversuchs f\u00fcr die Ausbildung und den Einsatz der ausreichend vorhandenen Ersatzmethoden. Die Lehrfreiheit ist damit keineswegs gef\u00e4hrdet, da nicht die Lehrinhalte, sondern lediglich die Methodik der Vermittlung beschr\u00e4nkt wird.<br \/>Wir fordern damit lediglich den Vollzug des Tierversuchsgesetzes, in dessen \u00a7 3 (2) ausdr\u00fccklich festgehalten wird, dass Tierversuche nur dann durchgef\u00fchrt werden d\u00fcrfen, wenn &#8220;die angestrebten Versuchsziele nicht durch andere Methoden und Verfahren bzw. in den F\u00e4llen der beruflichen Ausbildung durch sonstige Lehrbehelfe, insbesondere durch Film und andere audiovisuelle Mittel, erreicht werden k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p><strong> <\/p>\n<p>Folgende Ersatzmethoden stehen (unter vielen weiteren) zur Verf\u00fcgung:<\/p>\n<p> <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Computersimulationen, die meist interaktiv gestaltet sind, simulieren etwa die Organfunktion und veranschaulichen sehr gut die physiologischen Zusammenh\u00e4nge.<\/li>\n<li>Plastikmodelle von Tieren und Organen.<\/li>\n<li>Eigens entwickelte Modelle, z.B. das von Wolfgang K\u00fcnzel von der Veterin\u00e4rmedizinischen Universit\u00e4t Wien entwickelte \u00dcbungsphantom f\u00fcr die rektale Untersuchung des Pferdes oder ein von der Klinik f\u00fcr Herz- und Gef\u00e4sschirurgie entwickeltes vollsynthetisches Trainingsmodell f\u00fcr die Koronarchirurgie.<\/li>\n<li>Schmerzlose Selbstversuche, z.B. eigene Blutabnahme oder mit dem Myographen zur Muskelelektrik und -mechanik etwa.<\/li>\n<li>Die Verwendung von Tieren, die eines nat\u00fcrliches Todes oder durch Unf\u00e4lle gestorben sind oder wegen unheilbarer Krankheiten in Tierarztpraxen eingeschl\u00e4fert wurden, und das \u00dcben an Haustierpatienten (EKG, Reflexe, Venenpunktionen etwa) \u2013 die Einwilligung des Privatbesitzers vorausgesetzt.<\/li>\n<li>Beobachtungen der Verhaltensweise und der Symptome.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung von Ersatzmethoden, eine Auflistung von \u00fcber 500 Produkten (nach Fachrichtung geordnet und unter Angabe der Bezugsm\u00f6glichkeiten), Angaben zu verf\u00fcgbaren Datenbanken und Bibliotheken zum Verleih und viele andere wertvolle Informationen bietet das von InterNICHE herausgegebene, derzeit nur in Englisch verf\u00fcgbare Buch: &#8220;From Guinea Pig to Computer Mouse&#8221; von Nick Jukes &#038; Mihnea Chiuia , 2. Aufl., 2003, ISBN 1-904422-00-4. Ein Nachschlagwerk nicht nur f\u00fcr Studierende, sondern auch f\u00fcr Hochschullehrer, Tierversuchskommissionen und Tierrechtsgruppen.<br \/><a href=\"http:\/\/www.interniche.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">InterNICHE<\/a> (= International Network of Individuals and Campaigns for Humane Education) ist ein weltweiter Zusammenschluss von Studierenden und Lehrenden, die sich f\u00fcr ein Studium ohne Tierverbrauch einsetzen.<\/p>\n<p>Weiters gibt es eine <a href=\"http:\/\/www.ethical-learning.org\/home\/home.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interaktive Datenbank f\u00fcr Alternativen<\/a> zum Gebrauch von Tieren in der Didaktitk (auch in deutscher Sprache).<\/p>\n<p>Auch m\u00f6chten wir hier auf <a href=\"http:\/\/satis.tierrechte.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SATIS<\/a>, einer Studentischen Arbeitsgruppe (Deutschland) gegen Tiermissbrauch im Studium hinweisen.<\/p>\n<p><strong>ad c) Tierversuchsfreie Methoden als Ersatz zu Tierversuchen in der Forschung, um neue Erkenntnisse zu erlangen. <\/strong><\/p>\n<p>Forscher in der Grundlagenforschung m\u00fcssen bei der Wahl ihrer Mittel nicht auf die umstrittene, veraltete aber vor allem ethisch durch nichts zu rechtfertigende Methode des Tierversuchs zur\u00fcckgreifen und bei dieser verharren. Es gibt zahlreiche andere, vor allem moderne Mittel und spannende Wege \u2013 insbesondere in unserem Computerzeitalter &#8211; um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Hier bietet vor allem die In-vitro-Forschung zahlreiche M\u00f6glichkeiten, Erkenntnisse zu gewinnen, die noch weiter zu entwickeln sind.<\/p>\n<p>Aufrufe: 74<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Alternativmethoden gibt es a) zur Testung von Substanzen und Produktenb) in der Ausbildungc) in der Forschung? Ad a) Tierversuchsfreie Methoden als Ersatz zu Tierversuchen, die durchgef\u00fchrt werden, um Substanzen\/Stoffe, Zubereitungen und Produkte &#8211; sei es als Chemikalie, als Kosmetikartikel, als Arznei-, <\/p>\n<p><a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/2013\/05\/29\/welche-alternativmethoden-gibt-es\/\">weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[8,4],"tags":[],"modified_by":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1169"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1169\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tierversuchsgegner.at\/wpibt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}